mumok: Andy Warhol Exhibits a glittering alternative

September 18, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zwei Ausstellungen über die Pop-Art-Ikone

Andy Warhol: Self-Portrait, 1958. Licenced by Bildrecht Wien, 2020

Ab 25. September verschreibt sich das mumok mit zwei Ausstellungen dem Phänomen Andy Warhol. Statt der Präsentation altbekannter Klassiker blickt das mumok mit kaum gezeigten Arbeiten hinter die Fassade der weltberühmten Pop-Art-Ikone und entdeckt Warhols Fähigkeit als bahnbrechender Ausstellungskurator und Installationskünstler neu.

Mit den Ausstellungen „Andy Warhol Exhibits a glittering alternative“ und einer Hommage an Warhols wegweisendes Projekt „Raid The Icebox 1 with Andy Warhol“ gibt das mumok erstmals einen exemplarischen Überblick über die Ausstellungspraxis des Universalkünstlers, ohne dabei dessen Früh- und Spätwerk außer Acht zu lassen. Dieser Querschnitt eröffnet neue Perspektiven auf die vielfältigen,von Warhol eingesetzten Medien und zeigt, dass seine Präsentationsmodi als wesentliche Bestandteile seines Werkes zu verstehen sind.

Die Ausstellung wird demonstrieren, wie Warhol bereits in den 1950er-Jahren mit künstlerischen Strategien auf dem zweidimensionalen Blatt experimentiert und diese in den folgenden drei Jahrzehnten im dreidimensionalen Raum perfektioniert.

So präsentiert sich das Ausstellungsformat in Warhols Oeuvre weniger als finales „Werk“ denn als künstlerisches Medium. Während der traditionelle Werkbegriff einer statischen Auffassung des autonomen Kunstobjekts im Raum entspricht, nähern sich Warhols Einzelausstellungen immer mehr einer raumspezifischen Installation. Die Ausstellung fungiert als temporär isoliertes Modul, das je nach Kontext variiert und den Betrachter als interpretierende Instanz miteinbezieht.Es stellt sich daher nicht die Frage, ob Warhol als Illustrator, Maler, Bildhauer, Filmemacher, Installationskünstler oder Konzeptkünstler auftritt. Entscheidender ist die wechselseitige Beziehung zwischen Produktion und Präsentation.

Warhol geht über das einzelne Bild hinaus – er relativiert es – beschränkt sich nicht auf das Machen und Zeigen, sondern zielt auf eine allumfassende Präsentation ab, die sich von der raumspezifischen Hängung in Serien über den Ausstellungskatalog – der gleichsam selbst zum Werk wird – bis hin zur Eröffnungszeremonie erstreckt. Anstatt daher einen einzelnen Aspekt seines Werkes herauszuarbeiten – wie dies in derVergangenheit nur allzu häufig der Fall war – setzt sich die Ausstellung zum Ziel, mit mehr als 200 Exponaten Warhols modularen und installativen Arbeitsprozess in den Mittelpunkt zu rücken.

Andy Warhol, Michelle Loud: Mick Jagger, ca.1978,1986. © The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; © Founding Collection, Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.1998.1.2680/Licensed by Bildrecht Wien, 2020

Andy Warhol: Blow Job, 1964. 41 minutes at 16 frames per second. © 2019 The Andy Warhol Museum, Pittsburgh, PA, a museum of Carnegie Institute. All rights reserved. Film still courtesy The Andy Warhol Museum

Andy Warhol: Mario Banana #1, 1964. © 2019 The Andy Warhol Museum, Pittsburgh, PA, a museum of Carnegie Institute. All rights reserved. Film still courtesy The Andy Warhol Museum

Andy Warhol, Michelle Loud: Unidentified Female, ca.1982,1986 (Detail) © The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; Founding Collection, Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.1998.1.2687/Licensed by Bildrecht Wien, 2020

Dass Warhol bereits zu Lebzeiten die Präsentation seines Frühwerks – also jener Werke, die vor 1962 entstanden sind – untersagte und deren Wahrnehmung in bewusster Manier steuerte, ist nur Wenigen bekannt. Beginnend mit der „Campbell’s Soup Can“-Schau in der Ferus Gallery 1962 konzentrierten sich die Folgeausstellungen der frühen 1960er-Jahre auf die Präsentation einzelner serieller Themen: „Campbell’s Soup Cans“, „Brillo Boxes“, „Flowers“, „Disasters“ und „Celebrity Portraits“. Andy Warhol kreierte ein für die Öffentlichkeit bestimmtes Image, das bis zum heutigenTag erfolgreich seine Rezeption prägt. Ein Image, das dringend einer kritischen, zeitgenössischen Perspektive bedarf.

„Andy Warhol Exhibits“ wirft einen Blick hinter das erwähnte öffentliche Image des Künstlers und rückt stattdessen bisher kaum beleuchtete Aspekte von Warhols Universum in den Fokus. So werden zwei Seiten seiner „Doppelpersona“– zum einen eine vielzitierte inszenierte, zum anderen eine von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, versteckte Persönlichkeit – auf zwei Ebenen des mumok einander gegenübergestellt. Die Eingangsebene beschäftigt sich mit Warhols kuratorischen Intentionen und vorherrschenden Motiven/Abstraktionen der 1950er-Jahre.

Andy Warhol: Cow Wallpaper [Pink on Yellow],1966, Reprint1994.© The Andy Warhol Museum, Pittsburgh IA1994.7/Licensed by Bildrecht Wien, 2020

Andy Warhol: In the Bottom of My Garden, ca. 1956 Künstlerbuch. 2013 Udo und Anette Brandhorst Stiftung. Foto: Haydar Koyupinar Courtesy Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Museum Brandhorst München © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Bildrecht, Wien, 2020

Andy Warhol: Police Car, 1983. © The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; Founding Collection, Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc., Bildrecht Wien1998.1.285/Licensed by Bildrecht Wien, 2020

Andy Warhol: Fish, 1983. © The Andy Warhol Museum, Pittsburgh; Founding Collection, Contribution The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.1998.1.280/Licensed by Bildrecht Wien, 2020

Gezeigt werden „Blotted Line“-Drucke und Zeichnungen, die den männlichen Körper, Drag sowie homoerotische Symbole und Gesten thematisieren – ein Themenkomplex, der den Künstler bis an sein Lebensende beschäftigen sollte. Die Spannweite reicht von Werken aus Warhols erster Ausstellung „Fifteen Drawings Based on the Writings of Truman Capote“ aus dem Jahr 1952 über bisher noch nie gezeigte marmorierte Papierskulpturen von 1954 bis hin zu kaum gezeigten Drag-Zeichnungen und Buchprojekten wie „In the Bottom of My Garden“ aus dem Jahr 1958.

Die ausgewählten Arbeiten verdeutlichen Warhols frühe Beschäftigung mit ikonografisch klar definierten Serien – insbesondere sein Interesse an Varianten der Geschlechterperformance – sowie die Entwicklung einer spezifischen Motivsprache, die in unterschiedlichsten Kontexten immer wieder aufs Neue erscheint. So lässt sich Andy Warhols Frühwerk nicht mehr als rein „kommerziell“abstempeln. Die zweite Ebene stellt Warhols Ausstellungsmodi der 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahre mit Schwerpunkt auf die Präsentation einzelner Werkserien in den Mittelpunkt. Thematisiert wird die enge Verwobenheit von Werk und Präsentationsmodus.

Defrosting The Icebox

Die Ausstellung „Raid The Icebox 1 with Andy Warhol“ stellt eines der frühesten Beispiele für eine von einem Künstler kuratierte Sammlungsausstellung dar. Warhol arbeitete dafür mit den Beständen des Museum of Art der Rhode Island School of Design und konzipierte eine Wanderausstellung, die am 29. Oktober 1969 am Institute for the Arts an der Rice University in Houston eröffnete, am 17. Jänner 1970 am Isaac Delgado Museum in New Orleans ihre Fortsetzung fand und schließlich am 23. April 1970 wieder an ihrem Ursprungsort,im Museum of Art der Rhode Island School of Design in Providence ankam.

Die von Warhol kuratierte Ausstellung zeigte keine eigenen Werke des Künstlers, entwickelte aber wegweisende Präsentationsstrategien, die mit traditionellen Museumsstandards brachen: Anstatt die bildenden Künste zu priorisieren, stellte Warhol die angewandten Künste aus. Anstatt ein Klassifizierungssystem nach Chronologie, Medium oder Stil anzuwenden, präsentierte er die Objekte in ahistorischer und unhierarchischer Form. Das Depot wurde zur Ausstellung, fast schonVergessenes rückte in den Mittelpunkt. Warhols kuratorischen Prinzipien folgend, nimmt das mumok diese Ausstellung zum Anlass, um jene ungewöhnlichen Präsentationsstrategien an eine so bedeutende historische Sammlung wie jener des Kunsthistorischen Museums Wien anzuwenden.

Installation view of Raid the Icebox in NOMA’s Great Hall, 1969-1970, Image courtesy of the New Orleans Museum of Art. Photography by Stuart Lynn

Raid the Icebox 1 with Andy Warhol, April 23 –June 30, 1970, Museum of Art, RodeIsland School of Design, Providence, RI

Raid the Icebox 1 with Andy Warhol, April 23 –June 30, 1970, Museum of Art, RodeIsland School of Design, Providence, RI

Ein Ausstellungsformat, das nicht nur an vergangene Sammlungspräsentationen des mumok anschließt (zum Beispiel „Oh… Jakob Lena Knebl und die mumok Sammlung“, 2017, oder „Always, Always, Others“,2016), sondern ebenso einen Kerngedanken des Sammlerpaars Ludwig aufgreift, das, anstatt Werke statisch zu präsentieren, den ständigen Wechsel der Sammlungsbestände bevorzugte und somit einen eindeutigen Bruch mit der Tradition vollzog.

Ganz nach Warhols Motto „den Kühlschrank plündern“ werden die Exponate aus den Depots der Antikensammlung und des Weltmuseum Wien eine gesamte Ebene des mumok einnehmen. In Anlehnung an Warhols untypische Werkliste – er stellte unter anderem zwei Vasen, sieben Decken, neun Körbe, zehnHutboxen, elf Schüsseln, zwölf Skulpturen, zwölf Tapeten, 17 Stühle, 57 Regenschirme und 194 Paar Schuhe aus – liegt der Fokus auf ausgewählten Werken der Sammlung des Weltmuseums – Warhol war ein fanatischer „American Folk Art“-Sammler – sowie auf griechischen und römischen Skulpturenfragmenten der Antikensammlung.

www.mumok.at

18. 9. 2020

Das mumok öffnet am 17. Juni mit Strobl, Kiesler und Co.

Juni 5, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Neue Pop-Art-Schau „Misfitting Together“ ab 1. Juli

Andy Warhol: Orange Car Crash,1963. mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Sammlung Ludwig, Aachen seit 1978. © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, New York/Licensed by Bildrecht, Wien 2020

Das mumok öffnet am 17 Juni und ist dann jeweils von Mittwoch bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr zu besuchen. Die Laufzeiten der Ausstellungen „Gelebt“ von Ingeborg Strobl (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=38696) und „Steve Reinke. Butter“, die nur wenige Tage vor der Museumsschließung eröffnet wurden, werden bis in den Herbst/Winter hinein verlängert. Ebenso verlängert werden „Im Raum die Zeit lesen. Moderne im mumok 1910 bis 1955“ (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=36056) und die Schau „Friedrich Kiesler. Endless House“.

Die für 30. April geplante Eröffnung der Ausstellungstrilogie zu Andy Warhol hat das mumok auf Ende September verschoben und entkoppelt. Ein Projekt aus der Warhol-Trias, die Ausstellung „Misfitting Together. Serielle Formationen der Pop Art, Minimal Art und Conceptual Art“ mit zentralen Werken aus der hauseigenen Sammlung wie dem „Mouse Museum“ und dem „Ray Gun Wing“ von Claes Oldenburg, sowie mit Arbeiten von Lutz Bacher, Hanne Darboven, Robert Indiana, Jasper Johns und Roy Lichtenstein wird ab 1. Juli zu sehen sein.

Otto Mueller: Mädchen im Wald, 1920. mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, erworben 1963. © mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Friedrich Kiesler: Modell des Endless House, 1950. Sammlung Dieter und Gertraud Bogner im mumok, seit 2017. Bild: mumok © Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien

Ingeborg Strobl: Pig, 1996. Cover einer Publikation anlässlich der Ausstellung Moving In, Randolph Street Gallery, Chicago/Illinois, USA, 1996. © 1996 Ingeborg Strobl / Bildrecht Wien 2019. Bild: © mumok

Misfitting Together. Serielle Formationen der Pop Art, Minimal Art und Conceptual Art

„I was reflecting that most people thought the Factory was a place where everybody had the same attitudes about everything; the truth was, we were all odds-and-ends misfits, somehow misfitting together.” Diese titelgebenden Worte von Andy Warhol bilden den Ausgangspunkt für die erste Ausstellung des als Trilogie konzipierten Warhol-Schwerpunktes im mumok. Die beiden anderen Teile – „Andy Warhol Exhibits. A glittering alternative“ und „Defrosting The Icebox. Die verborgenen Sammlungen der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museum Wien und des Weltmuseum Wien zu Gast im mumok“- eröffnen am 25. September.

Andy Warholstellte zuletzt 1981 – also noch zu Lebzeiten – im mumok aus. Knapp 40 Jahre später scheint es mehr als überfällig, sein Schaffen in einem umfassenderen kunsthistorischen Kontext zu präsentieren. Die Sammlungspräsentation mit dem Titel „Misfitting Together. Serielle Formationen der Pop Art, Minimal Art und ConceptualArt“ stellt sich daher ab 1. Juli der Aufgabe, Warhol nicht nur im Rahmen der Pop Art zu verorten, sondern ein differenzierteres Bild der Zeit zu zeichnen, indem Arbeiten der Minimal und Conceptual Art – allesamt Sammlungsschwerpunkte von Peter und Irene Ludwig – hinzugezogen werden. Ziel ist es, zu zeigen, wie sehr diese Bewegungen einander beeinflusst haben und wie ungern sich diese Strömungen in kunsthistorische Schubladen zwängen lassen. Warhols Werk wird so in seinem zeitgeschichtlichen Kontext erfahrbar.

Bezugnehmend auf Mel Bochners Artikel „The Serial Attitude“, der 1967 in Artforum erschien, setzt sich die Ausstellung mit der seriellen Ordnung als Bindeglied der drei Kunstströmungen Pop Art, Minimal Art und Conceptual Art auseinander. Wie Bochner damals bereits konstatierte, handelt es sich bei der seriellen Ordnung um eine Methode und keinen Stil. Serialität soll nicht als formalisierte Spielerei, sondern als künstlerische Strategie verstanden werden, der klar definierte Prozesse zugrunde liegen, die häufig aus dem Umfeld der Mathematik und der Sprache stammen. Dies soll auch die Werkauswahl innerhalb der Schau „Misfitting Together“ verdeutlichen: So werden neben Arbeiten bekannter US-amerikanischer Positionen Werke von Vertreterinnen und Vertretern der mittel-und osteuropäischen Szene gezeigt.

Claes Oldenburg: Geometric Mouse-Scale C,1971. mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, erworben 1976. © Claes Oldenburg

Larry Poons: Nixe’s Mate, 1961. Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung seit 1996. Bild: mumok – Museum moderner Kunst Stifung Ludwig Wien. © Bildrecht, Wien 2020

Andy Warhol: Flowers,1970. mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung seit 1980. © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, New York/Licensed by Bildrecht, Wien 2020

Roy Lichtenstein: Modular Painting with Four Panels #2,1969. mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung seit 1981. © Estate of Roy Lichtentstein/Bildrecht, Wien 2020

Dass der Begriff der Serie in Warhols Werk eine zentrale Rolle spielt, ist kein Geheimnis. Im Rahmen der Ausstellung soll dieser Begriff im prozessualen Sinne verstanden werden – und damit eben nicht als stumpfe Wiederholung des immer gleichen Sujets, sondern im Sinne einer Faszination für die Vielfalt und Differenz innerhalb einer Serie. Statt eines endgültigen Ergebnisses stand der sich stetig verändernde Prozess im Mittelpunkt von Warhols Serienbegriff. Ein ähnliches Verfahren lässt sich bei Zeitgenossen wie Hanne Darboven, On Kawara oder Charlotte Posenenske beobachten. Eine aktuelle Ergänzung bietet die Arbeit „Firearms“ der erst kürzlich verstorbenen Künstlerin Lutz Bacher, die 2019 durch einen Ankauf der Österreichischen Ludwig-Stiftung Teil der mumok-Sammlung wurde. In ihrem seriellen Werk zeichnet Bacher das Porträt der Waffe als Ware des internationalen Handels sowie als historisches, heiß begehrtes Sammlerobjekt.

Das „Mouse Museum“ und der „Ray Gun Wing“ von Claes Oldenburg zählen zu den Hauptwerken der Pop Art und stellen als begehbare Installationen Museen im Miniaturformat dar. Gezeigt werden außerdem Arbeiten von Jasper Johns, Roy Lichtenstein, Daniel Spoerri, Dóra Maurer, Friederike Pezold, Larry Poons und Robert Indiana. Ein ähnliches Interesse an der Schnittstelle zwischen Werk und Ausstellung wird sich in den zwei anderen Warhol-Ausstellungen zeigen, die im Herbst eröffnen und sich weiteren Facetten des Phänomens Andy Warhol widmen werden: Warhol als Ausstellungskünstler, Installationskünstler und Kurator.

www.mumok.at

LESETIPP: Madame Nielsen: Das Monster. Die Passionsgeschichte eines Performance-Messias zwischen Andy-Warhol-Werken und der New Yorker Wooster Group, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=39215

5. 6. 2020

brut: Der Kreisky-Test. Die erste Online-Produktion von Nesterval. Zusatztermine ab 4. Mai

April 23, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Genießt die Genossen vor der Webcam!

Nesterval – Der Kreisky Test: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, und in der Mitte Astôn Matters als Gertrud Nesterval. Bild: © Rita Brandneulinger

Die gute Nachricht ist, wegen des großen Online-Erfolges gibt es ab 4. Mai Zusatz- vorstellungen, für die der Vorverkauf am 27. April um 13 Uhr auf brut-wien.at startet. Sonst wär’s irgendwie hirnrissig gewesen, hier über die neue Nesterval-Produktion zu schreiben, deren erste #StayAtHome-Performance, die via Zoom-Meeting stattfindet, und dabei wie immer immersiv, interaktiv, live – und bis 28. April komplett ausverkauft ist.

Schwierig ist das Schreib-Unterfangen hier sowieso, bitten einen die Drag- und anderen Artists im Anschluss an die Session doch ausdrücklich im Sinne eines künftigen Publikums nichts zu spoilern. Nesterval-Auskennern sei im Gegensatz zur bei der „Dunklen Weihnacht im Hause Grimm“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=36227) erlittenen Schlappe also nur verraten: We did it diesmal! Vorm wunderbaren Sechziger-Jahre-Wandverbau empfängt einen um nichts weniger wundersam Astôn Matters als Dr. Gertrud Nesterval, das heißt, die Dame befindet sich in einem schwarzweiß-knistrigen Archivfilm, von dem aus sie die Kameradinnen und Kameraden an den Bildschirmen begrüßt.

Das Anliegen der ehemaligen Bruno-Kreisky-Anhängerin ist tatsächlich ein siedend heißes, sei doch die sozialistische Idee nach wie vor in Gefahr, und, nein, sie teile den Fortschrittsoptimismus des großen Vorsitzenden ganz und gar nicht, aber wer höre sie schon – als Frau. Entwickelt hat die Linienuntreue ergo einen Plan, um ihre politische Heimat zu schützen, den sogenannten „Kreisky-Test“, mittels dessen jene Auserwählten ausgeforscht werden sollten, die in der auf Rot gewendeten Utopia „Goodbye, Kreisky!“ des Wartens auf bessere Zeiten würdig wären. Dann verschwanden die Nesterval und ihre Idee auf Nimmerwiedersehen.

Bis der Nesterval Fonds für karitative Zwecke, gegründet, man erinnere sich, von Martha Nesterval als eine Art Wiedergutmachung für das Treiben ihrer Familie im Dritten Reich, nämlich der Herstellung von Waffen unter Einsatz von Zwangsarbeitern, das Experiment wieder aufgriff. Das sich nunmehr bereits im letzten Versuchsstadium befindet. Mit vier Kandidatenpaaren, deren linke Lauterkeit die Testerinnen und Tester aka das Publikum in einem mehrstufigen Verfahren zu überprüfen angehalten sind. Wie gewohnt werden die, die richtig wählen, zu Gewinnern gekürt, kollektive Intelligenz ist gefragt, daher wird man auch diesmal in Kleingruppen geteilt – und los geht’s.

Statt im Studio brut von Raum zu Raum nun eben auf einer Virtual Room Tour. Bei der man in den Einzelbefragungen die Wiener Jo und Moritz, die die Sozialdemokratie mit der Muttermilch eingesogen haben und denen „Freundschaft!“ über alles geht, Sneza und Dalibor, die Geschwister aus Novi Sad, Partisaninnen-Enkel mit Migrationshintergrund, Sofia und Davide, Mutterfigur und Hausmann aus Sansepolcro, und Valerie und Blanca aus Santander, die erfolgreiche Architektin und ihre Aufputz-Ehefrau, kennenlernt. Die Spieler Christopher Wurmdobler, Johannes Scheutz, Romy Hrubeš, Bernhard Hablé, Andy Reiter, Niklas-Sven Kerck, Laura Hermann und Julia Fuchs schlüpfen in diese Rollen, das Game-Setting erdacht von Herrn Finnland und Frau Löfberg.

Ein Analyseteam gibt die Fragen zum Abarbeiten vor, über Kindheit, Besitztümer, Probleme, Bruder-Schwester-Sex, was wäre aus einem brennenden Haus zu retten, mit wem ein Abendessen angenehm, einmal mehr gilt es Absichten zu durchleuchten, während über Solidarität und Großmütter, die Biografie von La Pasionaria und die Politik-Einimpferin Tante Isabelle schwadroniert wird. Ein bisschen zu technisch ist das alles, buchstäblich und bildlich, denn beim Monitoring von Wertvorstellungen und dem Aufspüren möglicher Verräter wird man vom unsichtbaren Überwachungssystem in brüskem Tone ausgebremst. Keiner kann hier fragen, wie er will.

Bild: © Lorenz Tröbinger

Bild: © Herr Finnland

Bild: © Lorenz Tröbinger

Bild: © Lorenz Tröbinger

Und während einem vielleicht Jos Angespanntheit beim Nachhaken nach seinen Eltern, Blancas Abscheu vor den männlichen Kandidaten: „Wir werden Männern dieses Projekt nicht auch noch überlassen“, oder die seltsamen Floskeln, mit denen Dalibor den Kampfgeist von Sneza lobt, auffällt, während sich in Phase drei Blanca und Dalibor „bei allem Respekt“ gegenseitig der Intoleranz und Unfairness beschuldigen, all das kostet wertvolle Minuten, in denen man des Rätsels Lösung näherkommen wollte, geht einem der faschistoide Kommandoton aus dem Hintergrund mehr und mehr auf die Nerven.

Noch eine Vorschrift, noch einmal „Achtung, Achtung!“ und ich lauf‘ Digital-Amok, die Nestervals orgeln gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle, auch der eigenen, Feminist Jo verlässt nach einer „Scheißfrage“ enerviert sein Bildschirmfenster und muss mit viel Überredungskunst zurückgebeten werden, worauf er einem leutselig, siehe oben, seine „Freundschaft!“ anbietet: „Du kannst dich immer auf mich verlassen!“, Dalibor wird vom Big Brother mit Sanktionen bedroht, weil er sich übers Kantinenessen beschwert.

In den knackigen 80 Minuten der Performance werden die Teilnehmer mehr und mehr zusammengeschaltet, bis wieder alle online versammelt sind, um zu entscheiden, wem sie ihre Gunst erteilen. Es folgt – zu hochdrama- tischer Musik – Phase 5, der „Gertrud-Test“, psst: Plot-Twist, nicht zu viel, nur die Worte Heimlichkeiten, Kadaver- gehorsam, wahres Gesicht, und siehe Klubzwang: Immer drauf achten, in welchem Club man sich befindet!

So weit also zum „Kreisky-Test“, der freilich eine Fleisch-und-Blut-Begegnung mit dem Nesterval-Trupp nicht ersetzen kann, aber wenn schon Theater online, dann bitte so. Genießt die Genossen vor der Webcam! Den Applaus dafür kann man am Ende auch via Zoom spenden, eine Fortsetzung im Real Life soll’s im Herbst geben. Das übliche Nesterval-Gettogether entfällt natürlich, aber wer sich nach Abschluss des Meetings nicht abrupt wegschaltet, kann die Darstellerinnen und Darsteller immerhin noch beim Gedankenaustausch über die eben stattgefundene Vorstellung belauschen.

So funktioniert die Teilnahme: Die Verwendung der kostenlosen Videokonferenz-App Zoom ist Voraussetzung, um bei „Der Kreisky-Test“ dabei zu sein. Erforderlich ist dazu ein Computer oder Laptop mit Kamera und Mikrofon. Am gewählten Vorstellungstag bekommt man via Email einen Teilnahmelink mit Bedienungsanleitung und einer „Notrufnummer“. Im virtuellen Warteraum empfängt einen darauf ein Host, der von nun ab alle weiteren Schritte mit einem durchgeht.

www.nesterval.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=s43c1YngId4           vimeo.com/399959263

Publikumsgespräch am 1. Mai, 20 Uhr, auf brut-wien.at

  1. 4. 2020

Ein Ärzteroman-Lesemarathon aus den Homeoffices

April 16, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTINGER

Kabarettisten fordern „Noch eine Chance für Bettina“

Bild: © Ronny Tekal

Nach der virtuellen Lesung von Albert Camus‘ „Die Pest“ mit den Rabenhof-Allstars (siehe: www.mottingers-meinung.at/?p=39026) folgt nun ein weiterer Klassiker der Weltliteratur – der im Jahr 1970 im Bastei-Lübbe-Verlag erschienen ist. Für all jene, denen Camus zu schwer und die Pest zu schwarz ist, stellt Autorin Gitta von Bergen ihre Protagonistin Bettina ins Zentrum ihres kleinen Romans voll Liebe, Schmerz und – vielleicht– auch einem Happy End. Ronny Tekal und Norbert Peter aka die Medizinkabarettisten Peter&Tekal haben befreundete Kolleginnen und Kollegen zum Vortrag gebeten, und das Line-up der Mitwirkenden kann sich sehen lassen.

Mit dabei sind: Lukas Resetarits, Mike Supancic, Paul Pizzera, Klaus Eckel, Stefan Jürgens, Joesi Prokopetz, Ludwig Müller, Nadja Maleh, Fifi Pissecker, Angelika Niedetzky, Pepi Hopf, Günther Lainer, Werner Brix, Fredi Jirkal, Gerold Rudle, Monica Weinzettl, Sabine Petzl, Tini Kainrath, Omar Sarsam, Dieter Chmelar, Birgit und Nicole Radeschnig, Gerald Fleischhacker, Robert Blöchl von Blözinger, die Gebrüder Moped Martin Strecha und Franz Stanzl, Kernölamazone Caro Athanasiadis, Tricky Niki

Sedlak, Markus Hauptmann, Andy Woerz, Harry Lucas, Clinic-Clown-Gründer Roman Szeliga, Robert Mohor, Markus Richter, Uschi Nocchieri, Patricia Simpson, Norbert Peter, Ronny Tekal und Frau Kratochwill, Lydia Prenner-Kasper, Christoph Fälbl, Anja Kaller, Alex Kröll, Martin Kosch, Stefan Haider, Alexander Sedivy, Barbara Balldini und Guido Tartarotti.

Bild: © Ronny Tekal

Bild: © Ronny Tekal

Zu hören kostenlos ab 17. April, 17 Uhr. Dass sich ein gewisser Humor aus der Schere zwischen vortragender Ernsthaftigkeit und Inhalt ergibt, liegt in der Natur der Sache Groschenroman. Die Einblicke, die ein erster Trailer bietet, sind jedenfalls Weltklasse.

Trailer: youtu.be/6_Wo7STW8bg          Mehr Infos: www.facebook.com/petertekal               www.medizinkabarett.at

16. 4. 2020

brut im Gewerbehaus – Nestervals „Die dunkle Weihnacht im Hause Grimm“

November 18, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Im Nervensanatorium wird die Stille zur Mord-Nacht

Lauter nette Leit: Performer Astôn Matters aka Herr Rainer empfängt die Weihnachtsgäste in seinem Patientenzimmer. Bild: © Alexandra Thompson für Nesterval

Um die frohe Botschaft als erstes zu verkünden: Weil die Tickets in kürzester Zeit weg waren, hat Nesterval von 18. 11. bis 12. 12. neun Zusatztermine hinzugefügt. Die Expertentruppe für immersives Theater, die Vorgänger- produktion „Das Dorf“  ist für den Nestroy-Spezialpreis nominiert (www.mottingers-meinung.at/?p=35311), lädt – auch diesmal in Kooperation mit brut Wien –  ins Gewerbe- haus zum Performance-Abenteuer „Die dunkle Weihnacht im Hause Grimm“.

Eine weitere Episode aus der Geschichte der sagenumwobenen Familiendynastie, deren künstlerischer Teil sich mit Vorliebe dem Zirkus zuwandte, während die eigentlich Porzellanmacher sich im Zweiten Weltkrieg der Herstellung von Waffen widmeten – mittels Einsatz von Zwangsarbeitern, weshalb sich Magda Nesterval bei den Nürnberger Prozessen strafrechtlich verantworten musste. Tochter Martha entriss der Mutter schließlich die Vorstandsposition; ein Großteil des Vermögens ging in den „Nesterval Fonds für karitative Zwecke“ über – doch dann passierten die bis heute ungelösten Todesfälle im Familienhospiz Engel …

Soweit die Historie zur nun vom Ensemble dargebotenen Story. Es ist das Jahr 1954, es ist Weihnachten, und Anstaltsleiterin Oberschwester Martha Nesterval holt Freunde und Förderer des Hauses zum Christfest ins Nesterval’s Sanatorium Grimm. Keine Geringeren als die Gebrüder Jacob und Wilhelm haben für die Einrichtung eine Behandlungsform ausgeklügelt, die den Patientinnen und Patienten ein zu ihren psychischen Störungen passendes Märchen zuteilt – und die Besucher sind nun herzlich aufgefordert, sich mit dieser Therapie vertraut und mit den Pfleglingen bekannt zu machen.

Wie stets auf dem schmalen Grat von Fakt und Fiktion balancierend, geleiten einen 23 Performer, Drag Artists und Schauspieler durch den Abend, wobei das Publikum von Fräulein Stulle aka Martha Nesterval, der freundlichen Schwester Tabea, ist gleich Julia Fuchs, und den Geschwistern Berger, der herrischen Sibille, der hantigen Elsa und dem für die Punsch-Ausschank im Frühstücksraum zuständige Hons (Pamina Puls, Sabine Anders und Lu Ki), empfangen und zwecks Besichtigung per bunten Armbinden in Kleingruppen aufgeteilt wird. Eines der Dinge, die erfährt, wer aufmerksam zuhört, ist, dass die jene Namen nur angstvoll wispernden Patienten die Bergers als „die teuflischen Drei“ titulieren.

Die Insassen des Sanatoriums sind nämlich weit weniger irre, als von ihnen behauptet wird, und wieder einmal haben Herr Finnland und sein aus Autorin Frau Löfberg und Ausstatterin Andrea Konrad bestehendes Leading Team ein Denk-Spiel erdacht, das es zwischen Krippenspiel und dem „Wichteln“ genannten Verteilen kleiner Geschenke zu durchschauen gilt. Sachte und sensibel heißt es nun zu den verstörten Seelen vorzudringen. Des Rätsels Lösung lautet, je mehr man interagiert, Fragen stellt und Schlüsse zieht, desto erkenntnisreicher gestaltet sich die Sache, also ausschwärmen und Informationen einholen, schließlich gibt es für die siegreiche Mann- und Frauschaft ein Präsentpaket zu gewinnen.

Willy Mutzenpachner aka Herr Friedrich flüchtet vor Männern bis auf den Kaminsims. Bild: © Alexandra Thompson für Nesterval

Herr Finnland und Frau Löfberg vor den Weihnachtssocken, in denen die Tätertipps deponiert werden. Bild: © Alexandra Thompson für Nesterval

Nachdem man sich derart durch die Verhaltensregeln studiert hat, vom Personal vorm notorischen Lügner mit dem Gestiefelten-Kater-Syndrom gewarnt und punkto der Selbstmordabsichten des von Andy Reiter verkörperten Herrn Anton beruhigt, vom Pulloverzipfel zuzelnden Helmut des Herrn Walanka zur Krippe geführt und über seine Funktion als König Melchior beim folgenden Spiel in Kenntnis gesetzt wurde, beginnt ebendieses. Aber: ein Schrei, Antons entleibter Körper liegt im Stiegenhaus, ein Schwächeanfall ob der Aufregung beschwichtigt Fräulein Martha.

Doch wer Augen hat zu sehen – um an dieser Stelle die Offenbarung des Johannes zu zitieren. Zur Ablenkung der Gäste dürfen diese nun die Patientenzimmer und Behandlungsräume inspizieren, jedes einzelne mit Röhrenradio oder einstmals als „Psyche“ bezeichneter Spiegelkommode bis in diverse Fifties-Details liebevoll dekoriert, und von den Bewohnern mit rotem Riesenkugelmobile, einem papierenen Schneeflockenwald oder einer Geschenkpaket- pyramide verschönert. Wer – je nach Sichtweise – Glück oder Pech hat, kann aber auch von den Ehrengästen weil Geldgebern, der hochschwangeren Helga und ihrem Ehemann Tomasz Nesterval, abgefangen werden.

Um bei herablassend genäseltem Smalltalk in den schier endlosen Lobgesang über die regelmäßigen Finanzspritzen für ihre Kranken einzustimmen. Längst ist da klar, die feucht-fröhliche Adventstimmung ist eine vorgegaukelte, die Stichworte dazu: Abzocke und Unfreiwilligkeit, und zumal hier einer mit Vergnügen über den anderen tratscht und dessen Geheimnisse ausplaudert, tun sich allmählich gewaltige Abgründe auf. Die bigotte Atmosphäre von Betstuhl, Kruzifix, Heiligenbüste verwandelt sich ins Bedrohliche, das heimelige Licht scheint plötzlich düsterer, was eben noch skurril war, wird spooky, denn was Nesterval im Gewerbehaus veranstalten, ist im Wortsinn ein Psychothriller. In dessen Verlauf es logischerweise nicht bei einer Leiche bleiben kann.

Von Tobsuchtsanfällen und Tränen, von Zoff hinter verschlossenen Türen und Todesahnungen beim Kartenlegen, vom unerlaubten Entwenden einer Akte bis zum Unzucht-Gekreische bei einer Séance, erlebt jeder Zuschauer den Abend so, wie er ihn sich arrangiert. Allemal interessant ist es, Willy Mutzenpachners Herrn Friedrich in der Isolierzelle aufzusuchen, allerdings Achtung: der „Froschkönig“ fürchtet sich vor Männern. Auch eine Begegnung mit dem im Rollstuhl sitzenden Fräulein Adelheid, ist gleich Laura Hermann, mit Johannes Scheutz‘ an den „Sieben Geißlein“ leidenden Herrn Konrad im Arztzimmer und mit dem großen Herz des Ganzen, Romy Hrubeš‘ auralesendem Fräulein Charlotte, sind aufschlussreich. Denn niemand im Sanatorium Grimm ist ohne Schuld, die meisten jenseits von Gut bei Böse, und Katz-und-Maus ihr bevorzugtes Spiel.

Dank des Nebengeschäfts des Herrn Theodor von Bernhard Hablé wird die Spurensuche zwar zumindest kurzzeitig unbeschwerter, doch schon erklingt aus dem Frühstücksraum „Jingle Bells“ als schwermütige Trauermusik. Das ist der Moment, an dem Operation Dunkle Weihnacht beginnt … Bei der Premiere entpuppte sich übrigens Gruppe grün als Meisterdetektive, obwohl Herrn Finnlands Maxime ja die vom Dabeisein ist, das alles ist. „Die dunkle Weihnacht im Hause Grimm“ ist ein Mordsspaß, bei dem einmal hingehen und mitmachen nicht ausreicht, um alle Facetten dieser verrückten Vorführung genießen zu können. Und wenn sie nicht gemeuchelt sind, dann metzeln sie noch heute …

Video: www.youtube.com/watch?v=7t3yirtPOSU           www.nesterval.at           brut-wien.at

  1. 11. 2019