Burgtheater: Des Kaisers neue Kleider / Junge Akademie

Februar 5, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Widersprechen – Regeln brechen

Des Kaisers neue Kleider: Arthur Klemt und Felix Kammerer. Bild: © Susanne Hassler-Smith

Das Burgtheater stellt von 5. bis 7. Februar noch einmal sein Familienstück im kostenlosen Stream zur Verfügung: „Des Kaisers neue Kleider“ frei nach Hans Christian Andersen in der Regie von Rüdiger Pape mit Arthur Klemt als Kaiser, Felix Kammerer als Lakai, Hanna Binder und Stefan Wieland als Ministerin für Reichtum und Geld und Minister für Ruhe und Ordnung, Lukas Haas und Annina Hunziker als Paul und Marie.

Der Stream ist über die Website des Burgtheaters oder den YouTube-Kanal abrufbar, es ist keine separate Anmeldung erforderlich. Für Menschen ab sechs Jahren.

Inhalt: Der Kaiser interessiert sich für Mode, Stoffe und Kleider. Er hat alles und von allem zu viel. Das Volk hat nichts und davon noch weniger. Misswirtschaft der Minister, Verschwendung der Ressourcen und kein transparentes und demokratisches politisches System schaffen Not und Missstände. Not macht erfinderisch. Marie und Paul haben einen genialen Einfall.

Mit diesem und ihrem Mut und mit Hilfe des Lakaien bringen sie das ganze System zu Fall. Am Ende wird der Kaiser nach Strich und dem sprichwörtlichen Faden hinters Licht geführt.

Das berühmte Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen ist eine allgemeingültige Geschichte über die Angst, nicht genug zu sein und nicht genug zu haben und darüber, wie viel der Einzelne mit Mut und Humor erreichen kann. Rüdiger Papes Kinder- und Jugendtheater-Inszenierungen werden regelmäßig von Festivals im In- und Ausland eingeladen und ausgezeichnet, das Familienstück der Saison 2020/21 ist seine erste Inszenierung für das Burgtheater.

Arthur Klemt, Hanna Binder, hi.: Stefan Wieland, Felix Kammerer. Bild: © Susanne Hassler-Smith

Stefan Wieland, Arthur Klemt und Hanna Binder. Bild: © Susanne Hassler-Smith

Die Abschlusspräsentation der Jungen Akademie im Stream

Am 6. Februar um 19 Uhr hat die digitale Präsentation der Jungen Akademie und ihrer insgesamt fünf Projekte Premiere – als Film, als Stream, als Hörspiel – moderiert von den Burgtheater-Ensemblemitgliedern Lilith Häßle und Felix Kammerer. Der Stream ist im Anschluss an die Premiere noch 72 Stunden auf der Burgtheater-Website und via Burgtheater-YouTube-Kanal abrufbar. Während der Premiere kann live via YouTube diskutiert und kommentiert werden, im Anschluss an die Premiere findet ein Publikumsgespräch via Zoom statt. Die Teilnahme an der Premiere ist kostenfrei – wer „nur zuschauen“ möchte, kann dies via Burgtheater-Website oder YouTube-Kanal des Burgtheaters tun, wer live während der Präsentation kommentieren möchte, benötigt dafür einen YouTube-Account.

Die Junge Akademie lädt die Menschen der Stadt ein, Akteurinnen und Akteure auf ihren Bühnen, in ihren Bezirken zu werden. In Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern des Burgtheaters, in Kooperation mit sozialen und kulturellen Einrichtungen der Stadt, arbeiten verschiedene Gruppen zum Thema Macht & Körper. Eigene Geschichten sollen auf die Bühne gebracht werden. Die Projekte sind so unterschiedlich, wie die Bezirke in denen geprobt wurde. In „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“, in Kooperation mit dem Gleis 21, hat Theaterpädagogin Katrin Artl den Teilnehmerinnen die Frage gestellt: Wer bestimmt, wie Frauen sein sollen? Das Projekt richtete sich an Mädchen und Frauen ab 14. Was macht mich zur Frau, wer prägt mich und meine Kultur, meine Religion, meine Familie, meine Freundinnen? Wer möchte ich gerne sein? Was bedeutet es überhaupt Frau zu sein? Wie steht es mit Solidarität und wie entsteht Konkurrenz?

Burgtheaterstudio. Bild: © Daniela Trost

Junge Akademie: Regeln ändern. Bild: © Burgtheaterstudio

„Es war einmal …“ – in Zusammenarbeit mit dem Verein JUHU! haben junge Menschen unterschiedlicher Herkunft mit der Schauspielerin Monika Haberfellner und der Journalistin Katrin Wimmer an einem Hörspiel und kurzen Videosequenzen zum Thema Märchen gearbeitet. Das Projekt „Wer darf Widerspruch“ in Kooperation mit der Brunnenpassage und der Kunsthalle Wien setzte sich filmisch und performativ mit Mechanismen von Macht und Ohnmacht auseinander, unausgesprochene Regeln der gesellschaftlichen Ordnung in Österreich wurden dabei unter die Lupe genommen. Wie ist es möglich über Rassismen, Sexismen, Diskriminierungen zu sprechen? Was braucht es dazu? Und vor allem – Wer darf es? Und auch wann? Wer darf Widerspruch. Geleitet wurde das Projekt von der Theater- und Filmregisseurin Nina Kusturica.

Das vierte Projekt ist ein Chor-Projekt in einer digital-tauglichen Adaption, umgesetzt von der Theaterpädagogin Raphaela van Bommel. In „Regeln ändern“ wurde mit Elementen und Texten aus dem aktuellen Spielplan des Burgtheaters gearbeitet. Das Tanz-Projekt „Über die Grenzen in die Freiheit“ beschäftigte sich mit dem Thema Selbstständigkeit, Freiheit und Grenzen. Werden Grenzen durch Worte festgelegt? Welche Grenzen braucht die Freiheit? Im Rahmen der Jungen Akademie am Burgtheater wurde das Tanz-Projekt an mehreren aufeinanderfolgenden Workshop-Tagen mit der Choreografin Daniela Mühlbauer erarbeitet.

www.burgtheater.at           www.youtube.com/user/BurgtheaterWien

5. 2. 2021

Volkstheater: Rojava

März 1, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Wille steht fürs Auftragswerk

Muss er schießen, fällt Michael in Ohnmacht: Mona Matbou Riahi, Isabella Knöll, Rina Kaçinari, Peter Fasching, Golnar Shahyar und Maria Petrova. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Ein politisches Manifest macht nicht unbedingt den besten Theaterabend; wie immer ehrlich und ehrenwert die Angelegenheit auch gemeint sein mag, sie kann durchaus ins Auge gehen. So geschehen nun am Volkstheater bei der Uraufführung von „Rojava“, einem, man muss es tatsächlich sagen, nur mittelmäßigen Text von Autor Ibrahim Amir, zu dem Regisseur Sandy Lopičić offenbar keinen rechten Zugang gefunden hat.

Wiewohl das von Volkstheater-Direktorin Anna Badora beauftragte Stück auf eine schwarze Märchenpädagogik setzt, ist das Märchenhafteste am Ganzen die Musik, die Lopičić gemeinsam mit Golnar Shahyar und Imre Lichtenberger Bozoki erdacht hat, und nun von einem Mini-Orkestar live performen lässt. Die Damen Golnar Shahyar, Rina Kaçinari, Mona Matbou Riahi und Maria Petrova (selbstverständlich auch Imre Lichtenberger Bozoki) sind denn auch Teil seiner Inszenierung, als Soldatinnen jener Frauenverteidigungseinheiten, die entscheidend zum Gelingen der gesellschaftlichen Revolution in Rojava beitragen wollen. Heißt: in der Demokratischen Föderation Nordsyrien, einem de facto autonomen Gebiet entlang der türkischen Grenze.

Bewohnt von Kurden, Turkmenen, Arabern und Assyrern-Aramäern, die sich die Gleichberechtigung von Frauen, Religionsfreiheit und das Verbot der Todesstrafe auf die Fahnen geheftet, mit ihrem Verständnis von Menschenrechten laut Human Rights Watch allerdings noch zu kämpfen haben. Dass die Türkei die Existenz Rojavas ablehnt und im Jänner 2018 den Kanton Afrin militärisch eroberte, hat die Situation extrem verschlimmert; sollten sich die USA realiter aus Syrien zurückziehen, wird sie in dieser Politutopie, eingekeilt zwischen Erdoğan-Land, IS und Assad-Regime, noch prekärer werden. Amirs Eltern, er selber seit 2002 in Österreich, leben nach wie vor in Afrin. Im Programmheft-Interview spricht er über die antikurdischen Maßnahmen der Besatzungsmacht Türkei, die Sorge um Vater und Mutter und sein persönliches Dilemma nicht vor Ort aktiv zu sein. Soweit der selbsttherapeutische Background.

In Wien – Michaels Mutter Ursula stellt Flüchtling Alan zur Rede: Luka Vlatković und Claudia Sabitzer. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

In Rojava – Der blinde Kaua zeigt, wie die Kurden im Glück und im Unglück tanzen: Sebastian Pass. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Die Geschichte, die Amir in seinem Stück erzählt, ist die zweier Männer. Der Wiener Michael, und nicht zufällig wurde wohl der Name des Satanbezwingers gewählt, bricht auf nach Rojava, um sich der Befreiungsbewegung anzuschließen. Kaum angekommen, lernt er den Kurden Alan kennen, der nichts als weg will aus dem Krieg. Schon steht der europäische Idealist gegen den illusionsbefreiten Einheimischen, den keine Ideologie mehr halten kann. Alan gelingt es, Michael dessen Reisepass abzuschwatzen – und so macht sich der auf nach Wien.

Im stimmigen Setting von Ausstatterin Vibeke Andersen, durchs Drehen der Bühne zugleich Kriegsschauplatz, Märtyrergedenkstätte und Wiener Wohnung, und unter Verwendung der eindrücklichen Comicbilder von Zerocalcare aus dessen Graphic Novel „Kobane Calling“, versucht Lopičić sein Wiener Regiedebüt zu stemmen. Allein, Amirs Vorlage leidet nicht nur an einem beinahe lachhaften Pathos, ausgerechnet er, der sonst seine Stücke so gekonnt mit bitterbösem Witz durchsetzt, hat diesmal ganz aufs Scharfzüngige verzichtet, sondern auch an mangelnder Charakterzeichnung. Fast sämtliche Figuren sind ihm flach geraten, kaum ein Beweggrund noch eine Begegnung wird näher beleuchtet, doch scheint das Thema zu wichtig, um nur, wie’s hier geschieht, im schnellen Szenenwechsel hurtig drüberzufahren. Amir will viel. Will über Missverständnisse und Mentalitäten philosophieren, über die seelischen Konflikte der aus dem Krieg Weg- und der nie Hingegangenen, will darüber berichten, wie Sympathien in falschen Vorstellungen fußen, will mitten in der Schlacht über die Liebe, eine davon sogar eine lesbische, sinnieren – und darüber, wofür es sich zu sterben lohnt.

In Summe erinnert das alles ein wenig an „Wem die Stunde schlägt“, nicht der spröd-elegante Hemingway, sondern die sentimentalisierte Version von Melodram-Mann Sam Wood. Die Darsteller mühen sich an ihren Rollen mit unterschiedlicher Fortune. Am nachvollziehbarsten gestaltet Sebastian Pass Alans Cousin, den blinden Kaua, ein geistreicher Zyniker, der es sich zum Sport gemacht hat, die diversen abgefeuerten Schusswaffen an ihrem Sound zu erkennen. Peter Fasching spielt den Revolutionsromantiker Michael, der sich an der Front als völlig untauglich erweist, fällt er doch schon bei den Schießübungen in Ohnmacht. Dass er im Tarnüberzug auf dem Rücken statt eines Maschinengewehrs seine Gitarre trägt, ist ein gelungener Einfall dazu.

Michael zwischen zwei Frauen: Peter Fasching mit Golnar Shahyar als Wienerin Derya … Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

… und mit Freiheitskämpferin Hevin: Isabella Knöll und Peter Fasching. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Luka Vlatković bleibt als Alan blass, was daran liegen mag, dass er kaum zu Wort kommt, dafür ständig von den anderen abgekanzelt wird. Erst in Rojava von Michael, der ihm bescheinigt, in Europa als Dritter-Klasse-Mensch behandelt zu werden, dies die stärkste Szene im Stück, später von Michaels Mutter, Claudia Sabitzer als Ursula (und auch als militärische Befehlshaberin Fidan), die ihm Feigheit vor dem Feind vorwirft, während ihr Sohn womöglich gerade sein Leben für Alans Sache opfert. Dessen Argument, es sei seine Sache nicht, im Kugelhagel zu krepieren, folgt sie natürlich nicht …

Isabella Kröll sucht als martialische Kommandantin Hevin das Mädchen in sich, das sich Michael hingeben könnte, muss ihn aber zurückstoßen, um den Schutz der emanzipatorischen Truppe nicht zu verlieren. Dass Märchen nicht gut ausgehen müssen, erlebt nach zwei Stunden zwanzig nur ein Teil des ursprünglichen Publikums, haben doch in der Pause nicht wenige Zuschauer den Heimweg angetreten. Was die Frage aufwirft, wie sehr Amirs „Rojava“ in Zeiten, da Europa ganz gegenteilig die Rückkehr abgehalfterter IS-Kämpferinnen und -Kämpfer hiesiger Staatsbürgerschaften ablehnend diskutiert,

und sich in Österreich im Fall Samra und Sabina offenbar gerade Außenamt gegen Innenministerium stellt, einen Nerv treffen kann. Soll als letzter Satz über Amirs Stückkonstruktion hier wie folgt stehen: Der gute Wille steht fürs Auftragswerk.

www.volkstheater.at

1. 3. 2019

Staatsballett in der Volksoper: Die Schneekönigin

Dezember 4, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Michael Corder treibt Andersens Märchen auf die Spitze

Olga Esina Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Olga Esina
Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Am 8. Dezember findet mit Michael Corders abendfüllendem Ballett „Die Schneekönigin“ die erste Saisonpremiere des Wiener Staatsballetts in der Volksoper statt. Mit seinem dreiaktigen Ballett, frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen, stellt sich der Londoner Regisseur und Choreograph nicht zuletzt auf Grund seiner Musikauswahl – Sergej Prokofjews letzte Ballettmusik „Die steinerne Blume“ und weitere Werke, neu arrangiert von Julian Philips – ganz in die „russisch-britische“ Entwicklungslinie des Handlungsballetts und legt einen Märchentanz vor, der sich vergleichbar dem „Nussknacker“ und dabei vor allem mit seiner beherzigenswerten Botschaft gleichermaßen an Jung wie Alt wendet: Die berührende Geschichte von Gerda und Kay feiert die Liebe als Lebenskraft, die wegen ihrer Beständigkeit und verbunden mit der mitfühlenden Gabe zu verzeihen, über die selbstsüchtige Schneekönigin triumphiert.

„Ich denke meine Produktion ist sehr opulent. Sie führt uns von Kays Dorf über die Zigeuner- bis in eine magische Welt,“ sagt Corder, der Spezialist für Ballette im klassischen Stil, im Interview. „Es wird mit Sicherheit keine Zweifel daran geben, dass die Zuschauer ein Tanzspektakel erleben werden.“ Eineinhalb Jahre hat Corder an der Umsetzung seiner ihn schon ein halbes Leben lang begleitenden Idee gearbeitet. Nun freut er sich zum ersten Mal in Wien zu sein: „Weil Wien eine der wichtigsten Kulturhauptstädte der Welt ist, und weil das Publikum hier virtuosen Tanz zu schätzen weiß.“ Die Schneekönigin ist für ihn „eine aufregende und erotische Frau, aber auch der Tod – wie es der Winter eben ist: in Momenten schön, in anderen aber gefährlich. Simpler gesagt, wer Eislaufen gehen will, muss sich warm anziehen,“ lacht Corder.

Die detailreiche Ausstattung des Ballettabends, darunter der bezaubernde Eispalast, stammt von Mark Bailey. Es dirigiert Martin Yates; es tanzen Olga Esina/Schneekönigin, Davide Dato/Kay, Alice Firenze/Gerda, Ketevan Papava/Zigeunerin und Mihail Sosnovschi/Zigeuner.

www.wiener-staatsballett.at

www.volksoper.at

Wien, 4. 12. 2015

Der Dschungel Wien im November

Oktober 29, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Musiktheater von Andersen bis Stockhausen

Ausgezeichnet in der Kategorie „Herausragende Produktion für Kinder“ (STELLA13-Darstellender.Kunst.Preis)

Das Kind der Seehundfrau 8+

makemake produktionen & DSCHUNGEL WIEN & WIEN MODERN. Musiktheater für ein junges Publikum ab 8 Jahren / Dauer: 65 Min. Eine Geschichte über die schönste Sache der Welt erzählt mit Flirren, Knarren, Knacken, Johlen, Jammern, Knirschen und Jauchzen. Aufführungsserie: Sa. 02. Nov. + So. 03. Nov. 16:30 / Mo. 04. Nov. 10:30 + 14:30 Uhr. Basierend auf einem alten Inuit Märchen erzählt das Stück in der Regie von Sara Ostertag eine zerbrechliche Liebesgeschichte für Klein und Groß. Kindsein, Beziehungen und die zerstörerische und leidenschaftliche Kraft der Sinnlichkeit sind zentrale Elemente in der 2012, im Rahmen von WIEN MODERN, uraufgeführten Produktion. Klang ist das tragende Element der Inszenierung. Lieder und Sprechgesänge charakterisieren das Musiktheater ebenso, wie Sounddesign-Elemente, flirrende Klangteppiche und knarrende Eisschollen.

URAUFFÜHRUNG

Das Märchen vom alten Mann Bild: © Ani Antonova

Das Märchen vom alten Mann
Bild: © Ani Antonova

Nach Motiven von Hans Christian Andersen & Georg Büchner. Theater Montagnes Russes & ensemble LUX & DSCHUNGEL WIEN & WIEN MODERN. Musiktheater für ein junges Publikum ab 7 Jahren / Dauer: 50 Min. Aufführungsserie bis Do. 31. Oktober.  Im Rahmen von WIEN MODERN, dem Festival für Musik der Gegenwart, präsentiert DSCHUNGEL WIEN  die Uraufführung des Musiktheaters „Das Märchen vom alten Mann“ mit neuer Musik von Thomas Wally. Ausgehend von Georg Büchners „Es war einmal ein arm Kind“ sowie von Motiven der Märchen von Hans Christian Andersen kombiniert das Libretto Versatzstücke der beiden Autoren zu einer neuen Geschichte. Im Mittelpunkt steht hierbei die Begegnung einer Familie mit einem alten Mann, die existentielle Themen wie Vergänglichkeit, Verlust und Einsamkeit ins Zentrum rückt.

URAUFFÜHRUNG

Spiegelspiele 2+

DSCHUNGEL WIEN. Tanztheater mit Livemusik für ein junges Publikum ab 2 Jahren / Dauer: 45 Min.

Mittwoch, 27. November 16:30 Premiere. Aufführungsserie: Do. 28. Nov. 10:30 + 16:30 / Fr. 29. Nov. 10:30. Voraufführungen am So. 03. Nov. 16:00 sowie am Mo. 04. Nov. 10:30 + 16:30 Uhr. „Spiegelspiele“ zeigt die ersten Erfahrungen von Kindern, wenn sie sich selbst im Spiegel betrachten. Spiegel ermöglichen andere Wahrnehmungen, verzerren die Realität und sind doch wahrhaftig. Und so werden plötzlich aus einer Tänzerin drei und die verschiedenen Spiegel im Raum lassen unsere Körper mal groß und mal klein erscheinen. Mit Tanz und Musik begeben wir uns auf eine abenteuerliche Reise zu uns selbst, teilen humorvolle Erlebnisse und Überraschungen und erfahren wie verschieden und doch auch ähnlich wir uns sind. Dschungel-Chef Stephan Rabl und Matthias Jakisic, beide seit „Überraschung“, „Popcorn“ und „Sand“ ein Team, erforschen mit den TänzerInnen Steffi Jöris und Rino Indiono die Welt der Spiegel.

PREMIERE

Der kleine Harlekin 8+

Stockhausen für Kinder. Wiener Taschenoper. Musiktheater für ein junges Publikum ab 8 Jahren / Dauer: 80 Min. inkl. Pause

Freitag, 22. November 18:00 Premiere. Aufführungsserie: Do. 21. – Mo. 25. Nov. Sein Name ist praktisch ein Synonym für Neue Musik schlechthin: Karlheinz Stockhausen war eine einzigartige schöpferische Persönlichkeit, Pionier der elektronischen Musik, Idol des Pop von Pink Floyd über Mothers of Invention bis hin zu den Beatles und Inspiration ganzer Künstlerzirkel von Joseph Beuys bis hin zu DJs der Techno-Generation. Es war Stockhausens feste Überzeugung, dass neben unserer irdischen Welt auch noch eine andere, kosmische Dimension unser Leben und Wirken bestimmt. Diese Überzeugung manifestiert sich auch in seinem Werk: Der kleine Harlekin – eine junge, sprudelnde Klarinettistin – spielt auf zum Tanz. Doch dann betreten drei Jungen die Szene und es kommt zum Streit. Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich immer mehr seiner selbst bewusst wird, hin-und hergerissen zwischen Gut und Böse zu EVA heranwächst und an der Seite MICHAELs in eine neue Welt entschwebt. Künstlerisches Konzept, Inszenierung: Carlus Padrissa (La Fura dels Baus); Regiemitarbeit, Pantomime, Tänzer: Jewgenij Sitochin.

True Story 14+

DSCHUNGEL WIEN. Schauspiel mit Rap für Jugendliche ab 14 Jahren / Dauer: 70 Min. Aufführungsserie: Fr. 29. Nov. + Sa. 30 Nov. 19:30 / Mo. 02. Dez. 10:30 + 19:30 / Di. 03. Dez. 10:30 Uhr. Nominiert für den STELLA13 – Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum in der Kategorie „Herausragende Musik“. „True Story“ erzählt eine Geschichte über Rap. Woher kommt er? Warum gibt es ihn? Was bedeutet es, Rapper zu sein? Wie schreibt man einen Rap und was für Gefühle lösen den Schreibmechanismus aus? Es geht um Geschichten. Wie immer am Theater. Und wie immer beim Rappen. Und natürlich wird auch live auf der Bühne performt. Von und mit Simon Dietersdorfer und Holger Schober.

www.dschungelwien.at

Wien, 29. 10. 2013

Anja Kruse macht in Wien Theater

April 5, 2013 in Bühne

„Undine geht an Land“ im Kosmos

Anja Kruse Bild: Bettina Frenzel

Anja Kruse
Bild: Bettina Frenzel

Natürlich war man neugierig auf sie. Bekannt aus Film, Funk und Fernsehen. Berüchtigt dafür, dass sie vor Societykameras und -mikrophonen mit harschen Worten oder mit Husch-husch-weg reagiert. Eine Diva? Und jetzt auf der Bühne? Eine Teamplayerin? Alles viel einfacher. Denn Anja Kruse ist einfach großartig.

Die deutsche Schauspielerin spielt (noch bis 20. April) im Wiener Kosmostheater „Undine geht an Land“. Regisseurin Elisabeth Augustin hat zum 40. Todestag von Ingeborg Bachmann ein Mosaik aus Wort und Klang zum Thema Nymphe, Nixe, weiblicher Wassergeist, was auch immer, zusammen gestellt. Kruse, quasi  Alter Ego der Schriftstellerin, rezitiert, spielt deren Texte von „Undine geht“ über „Ein Schritt nach Gomorrha“ und „Der Idiot“ bis zu „Schatten Rosen Schatten“. Und sie singt. Patti Smith. „The Mermaid Song“.

Nicht vollständig erschließt sich, was Augustin mit diesem Abend ausdrücken will. Er kreist um sich selbst, verliert sich in sich selbst. Er ist wohl so eine Art freie Assoziation übers Fremdwesensein, übers Fremdbestimmtsein. Die Wasserfrau bekommt erst eine Seele, wenn ein Menschenmann sie liebt. Betrügt er sie, muss er sterben – und sie wird nichts als Schaum auf den Wellen. Klar, dass Bachmann den „Herren der Schöpfung“ da Kontra geben musste. Witzig, dass Augustin das Ganze in einer Fete-Blanche-Schaumschlacht am Wörthersee enden lässt.

Neben Bachmann-Zitaten hat sich Augustin bei Paracelsus, Goethe, Fouque, Giraudoux, Andersen und Woody Allen bedient. Und selbst etwas beigesteuert. Erstaunlich übrigens, wie oft in der Literatur der betrogene Betrüger Hans heißt. Die Musikauswahl reicht von Schubert, Dvorak, Francis Lai („Un homme et une femme“: Das berühmte Dabadabada hingehaucht von Sylvia Haider) bis John Lennon und France Gall („Haifischbaby“).

Dass Land in Sicht ist, verdankt die Produktion ihren Darstellern. In dieser Collage alle in mehreren Rollen. So darf Florentin Groll nicht nur vom „Halb zog sie ihn, halb sank er hin …“ (im Hamburger Hafenjargon) erzählen, sondern auch Paracelsus, Fouque und Poseidon persönlich sein. Mirko Roggenbock ist in allen möglichen und unmöglichen Situationen der Hans-nicht-im-Glück, ein Krieger und Jäger, Fallensteller nur bei Wild, nicht aber bei wilden Frauen. Stephanie Waechter taucht als unterschiedlichste Meereswesen auf. Und einmal als Geliebte von Anja Kruses Figur. Ein wichtiger Bestandteil der Inszenierung, ein Gewinn für diese, ist Bernhard Höchtel als Live-Musiker. Er hat Nelly Sachs‘ „Hier ist kein Bleiben länger“, am Ende interpretiert von Florentin Groll, vertont. Und das Lied „Plädoyer“ komponiert.

Ein Eindruck vom Abend? Folgendermaßen: „Wenn man tot ist und jemand schreit: Alle aufstehen, es ist schon Morgen!, ist es sehr schwer seine Pantoffel zu finden.“

Woody Allen? Falsch! Jean Giraudoux.

www.kosmostheater.at

www.anjakruse.de

Von Michaela Mottinger

Wien, 5. 4. 2013