Filmmuseum: Let’s Spend the Night Together

Juni 26, 2022 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Musikfilme aus den Jahren 1908 bis 2021

The Rolling Stones: Let’s Spend the Night Together, 1982, Hal Ashby, Bild: © Filmarchiv Austria

Lange musste das Publikum in den vergangenen zwei Jahren aufs Kino, aber noch länger auf Konzerte, Tanz- und Musikveranstaltungen verzichten, und das, obwohl es Musik auf eine einzigartige Art und Weise schafft zu bewegen, die Körper und Herzen der Menschen im selben Rhythmus schwingen zu lassen und über alle Sprachbarrieren hinweg Kulturen zu verbinden. Das Österreichische Filmmuseum widmet deshalb sein diesjähriges Sommerprogramm von 1. Juli bis 7. August der universellen Magie von Musikfilmen.

Mit Dokumentarfilmen zu Personen, Persönlichkeiten und Ikonen der Musikgeschichte wie „U2: Rattle and Hum“ (US 1988), „Let’s Spend the Night Together“ (US 1982) über die Rolling Stones, „Madonna: Truth or Dare“ (US 1991), „Jimi Hendrix“ (US 1973) oder „Metallica: Some Kind of Monster“ (US 2004) sowie Musical-Klassikern wie“Singin’ in the Rain“ (US 1952) oder „Gentlemen Prefer Blondes “ (US 1973) mit Marilyn Monroe zeigt das Österreichische Filmmuseum  Filme aus eigener Sammlung, die die Festivalsaison hochleben lassen und jedes Film- und Musikfreakherz aus dem Ruhemodus bringen werden.

Metallica: Some Kind of Monster, 2004, Joe Berlinger, Bruce Sinofsky. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Madonna: Truth or Dare, 1991, Alek Keshishian. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

The Beatles: A Hard Day’s Night, 1964, Richard Lester. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Buena Vista Social Club, 1999, Wim Wenders, Bild: Filmarchiv Austria

Singin‘ in the Rain, 1952, Gene Kelly, Stanley Donen, Bild: Deutsche Kinemathek

Fred Astaire und Ginger Rogers: Swing Time, 1936, George Stevens. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Weitere Highlights aus dem Programm

„Buena Vista Social Club“ von Wim Wenders 1999, „Chuck Berry – Hail! Hail! Rock ’n‘ Roll“ von Taylor Hackford 1987, „Die 3-Groschen-Oper“ von G. W. Pabst 1931, „The Beatles: Gimme Shelter“ von Albert und David Maysles 1970, „Meet Me In St. Louis“ von Vincente Minnelli mit Judy Garland 1944, „On connaît la chanson“ von Alain Resnais mit Jane Birkin 1997, und last, bust not least: „Rust Never Sleeps“ von und mit Neil Young 1979.

Films You Cannot See Elsewhere. Amos-Vogel-Atlas 9: Sound & Vision

Parallel zum Musikfilm-Sommerprogramm widmet sich am 21. und 22. Juli auch der Amos-Vogel-Atlas der filmischen Beschäftigung mit Musik, legt den Schwerpunkt aber auf die kurze Form. Denn gerade im Kurzfilmbereich sind in der Filmmuseum-Sammlung selten gezeigte Kleinodien mit unterschiedlichsten Arten von Musikbezug zu finden: Die Bandbreite reicht vom ultrararen ersten Dokument der Band Velvet Underground beim Proben bis zu Meisterwerken des Avantgardekinos, die ihrer Bilderstürmerei durch Verwendung von Pop oder klassischer Musik zusätzliche Dimensionen verleihen (wie Warren Sonberts „Friendly Witness“); von Animationskomödien (ob entfesselte Opernparodie bei Chuck Jones oder minimalistische Merkwürdigkeit bei Nicolas Mahler) bis zum ungewöhnlichen Musikvideo.

Der Ball, 1982, Ulrich Seidl. Bild: © Ulrich Seidl Film Produktion

Happy End, 1982, Peter Tscherkassky. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Invocation of My Demon Brohter, 1969, Kenneth Anger. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Suspiria, 1977, Dario Argento. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Dieses weitere Kapitel des Vogel-Atlasses versucht ganz im Sinne seines Namensgebers, völlig verschiedenartigen Zugänge zusammenzubringen: als konzisen Überblick der reichen kinematografischen Möglichkeiten, mit Musik umzugehen, aber auch als herausfordernde Gegenüberstellung von völlig gegensätzlichen Arbeitsmethoden. Vom politischen Einsatz und den Projektionswirkungen der Musik in den Transatlantischen Beziehungen“ des ersten Programms bis zu ihrer Verwendung als gleichwertiges Gestaltungsmittel für einen rauschhaften audiovisuellen Horror-Trip in Dario Argentos „Suspiria“ – der als abendfüllender Spielfilm nochmal eine ganz andere Perspektive bietet.

www.filmmuseum.at

26. 6. 2022

Leipziger Buchmesse 2015: 12.–15.3.

März 5, 2015 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Im Zeichen der Begegnung

Bild: Leipziger Messe GmbH / Tom Schulze

Bild: Leipziger Messe GmbH / Tom Schulze

Die Leipziger Buchmesse vom 12. bis 15. März ist der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche und versteht sich als Messe für Leser, Autoren und Verlage. Das Lesefestival präsentiert die Neuerscheinungen des Frühjahrs, aktuelle Themen und Trends und zeigt neben deutschsprachiger Literatur auch Neues aus Mittel- und Osteuropa. Durch die einzigartige Verbindung von Messe und „Leipzig liest“ – dem größten europäischen Lesefest – hat sich die Buchmesse zu einem Publikumsmagneten entwickelt.

Es werden knapp 2.000 Aussteller und mehr als 235.000 Besucher erwartet.

Auszeichnung
Der rumänische Autor Mircea Cărtărescu erhält für seine Romantrilogie „Orbitor“, deren letzter Band „Die Flügel“ 2014 im Zsolnay Verlag erschienen ist, den Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2015. Am 12. März wird der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse vergeben. Er ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung.

Schwerpunkt Deutschland – Israel
2015 begehen Deutschland und Israel ein besonderes Jubiläum: 50 Jahre deutsch-israelische diplomatische Beziehungen. Mit ihrem Messeschwerpunkt „1965 bis 2015. Deutschland – Israel“ würdigt die Leipziger Buchmesse das besondere Verhältnis beider Staaten. Zahlreiche Autoren aus Israel und Deutschland kommen im Rahmen des Literaturevents zu Wort und sprechen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit dem Messeschwerpunkt bietet die Buchmesse die Gelegenheit, sich direkt und differenzierter mit Autoren auszutauschen, und wird zum Ort von Begegnung und von offenen Gesprächen zwischen Autoren, Verlegern, Politikern, Medienvertretern und Lesern. Während der Messetage reisen 40 Autorinnen und Autoren zu Lesungen, Diskussionen und Lesepartys nach Leipzig. Sie präsentieren unterschiedliche Facetten der deutsch-israelischen Beziehungen und zeigen das Leben der jeweils anderen Gesellschaft. Es lesen und diskutieren u.a. Jan Assmann, Michael Degen, Dan Diner, Lizzie Doron, Michael Guggenheimer, Eva Menasse, Amos Oz, Ron Segal und Meir Shalev.

Buchtipps:

Mircea Cărtărescu, „Die Flügel“, Zsolnay, 2014
„Es war das Jahr des Herrn 1989. Die Menschen hörten von Kriegen und von Aufständen, doch sie ängstigten sich nicht, denn das alles musste sich ereignen.“ So beginnt der Roman „Die Flügel“ von Mircea Cărtărescu aus Rumänien, das Finale der „Orbitor“-Trilogie. Hintergrund bildet die Wandlung der Gesellschaft während der Revolution in Bukarest. Auf den Straßen spielen sich tumultartige Szenen ab, in der Wohnung des Ich-Erzählers läuft tagein, tagaus der Fernseher, und er taucht ein in die Geschichten seiner Vorfahren. So entsteht ein Kaleidoskop von Bewusstseinssplittern.

Michael Degen, „Der traurige Prinz“, Rowohlt, 2015
Vaduz, 1983: Nach einem Gastspiel kommt ein deutscher Schauspieler mit einem Mann ins Gespräch. Er erkennt die unverwechselbare Stimme und erschrickt über das müde Gesicht: Es ist der weltberühmte Oskar Werner, Theatergott und Oscar-nominierter Filmstar. In dieser Nacht erzählt Werner sein erstaunliches Leben: ein Wiener Bub aus armen Verhältnissen, der früh an der „Burg“ spielte, der gegen die Nazis opponierte, desertierte und knapp dem Tod entkommen ist.

Dan Diner, „Rituelle Distanz. Israels deutsche Frage“, DVA, 2015
Vor 50 Jahren nahmen die BRD und Israel diplomatische Beziehungen auf. In dichter Erzählung sucht der Historiker Dan Diner die Tiefenschichten jener zwiespältigen deutsch-israelischen Annäherung auszuleuchten, nur wenige Jahre nach dem Mord an den europäischen Juden. Es geht ihm dabei um Sprache und Habitus, Fluch und Bann, um Erinnern und Vergessen, Anerkennung und Nichtanerkennung und schließlich um die Entscheidung zwischen jüdischer Tradition und israelischer Staatsraison: Durfte man mit dem Land der Mörder in Verhandlung treten und materielle Entschädigung annehmen?

Eva Menasse, „Lieber aufgeregt als abgeklärt“, Kiepenheuer & Witsch, 2015
Menasses Essays und Reden sind liebevoll-boshafte Langzeitbeobachtungen über Deutsche, Österreicher und engagierte politische Interventionen. Sie sind auch leidenschaftliche Bekenntnisse zu Lieblingsautoren. Ihr besonderes Augenmerk gilt der öffentlichen Rolle des Schriftstellers.

Amos Oz, „Judas“, Suhrkamp, 2015
Im Winter 1959/1960 beschließt Schmuel Asch sein Studium (Thema seiner geplanten Abschlussarbeit: Jesus in der Perspektive der Juden) in Jerusalem abzubrechen. Zum selben Zeitpunkt verlässt ihn seine Freundin, um einen früheren Freund zu heiraten. Schmuel will Israel verlassen, doch als er eine Anzeige liest, die ihm ein Auskommen in Jerusalem erlaubt, ohne es jemandem mitzuteilen, ändert er seine Pläne. Die Anzeige führt ihn ins Haus eines eigentümlichen alten Mannes namens Gerschom Wald. In der Nacht liest er ihm vor und unterhält sich mit ihm über die Ideale des Zionismus, über die jüdisch-arabischen Konflikte und über Gott und die Welt. Als er dort die geheimnisvolle Atalja Abrabanel trifft, deren Vater einer der Anführer der zionistischen Bewegung war, gelingt es ihm deren Geheimnis zu enthüllen – und die menschliche Tragödie vor und nach der Gründung Israels 1948.

Ron Segal, „Jeder Tag wie heute“, Wallstein, 2014
Der Held dieses Debütromans ist ein 90-jähriger israelischer Schriftsteller und Holocaust-Überlebender. Er reist nach Deutschland, um für ein Literaturmagazin seine Erinnerungen aufzuschreiben. Segal erzählt die Fieberträume des Überlebenden, in denen die Fakten und Fiktionen einander überlagern, er ruft die Geschichten der Gebrüder Grimm auf, die Mythen, Legenden und versucht eine Mischung zu finden, die ein literarisches Sprechen über den Holocaust für jemanden „zwei Generationen danach“ möglich macht.

www.leipziger-buchmesse.de

Wien, 5. 3. 2015