Kosmos Theater: Sprengkörperballade

April 3, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Mädchen und ihre Männlichkeitsrituale

Mutter-Tochter-Spiel über den weggegangenen Vater: Alice Peterhans hinterm Luftballonkopf und Alexandra Sommerfeld. Bild: Bettina Frenzel

Ein Wild-West-Shootout, eine Mantel-und-Degenfechterei, ein Draufdreschen mit imaginären Morgensternen. Blut spritzt, Körper fallen, schließlich wird eine Tennissocke zur weißen Fahne. Mit dieser pantomimischen Parodie einverleiben sich die Schauspielerinnen Veronika Glatzner, Alice Peterhans und Alexandra Sommerfeld das, was gemeinhin für Männlichkeit, deren Rituale, Muster und Milieus steht. Später wird sich das Kräftemessen vom Physischen aufs Psychische verlegen.

In einer Eskimo-Polarforscher-Szene, in der eine die andere in die Eiswasserwanne zwingt. Und mit einem VALIE-EXPORT-Moment, das Tapp und Tastkino diesmal unfreiwillig, widerwillig dargestellt. Im Kosmos Theater hat Regisseurin Claudia Bossard die „Sprengkörperballade“ der Wiener Autorin Magdalena Schrefel zur österreichischen Erstaufführung gebracht. Schrefel ist, in Deutschland längst passiert, hierzulande eine Entdeckung. Ihre Texte, mit ihrem aktuellsten „Ein Berg, viele“ ist sie wieder einmal zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen, sind poetisch und sperrig und haben wenig Lust, sich zu erklären. In jeder Figur steckt sowohl die Möglichkeit zur sofortigen Explosion als auch Implosion, die Charaktere changieren zwischen Verletzt-Sein und Verletzen-Wollen, Aussichtslosigkeit und Aufbegehren. Diese Zwischentöne auszuloten, ist das einzige, das Schrefel beim inszenatorischen Zugriff auf ihre Arbeit verlangt. Und Claudia Bossard gelingt das perfekt.

Kerl zündet Mädchen eine Kippe an: Veronika Glatzner und Alice Peterhans. Bild: Bettina Frenzel

Unfreiwilliger VALIE-EXPORT-Moment: Veronika Glatzner und Alexandra Sommerfeld. Bild: Bettina Frenzel

„Sprengkörperballade“ behandelt prinzipiell drei Frauenkonstellationen. Djana, die mit ihrer jüngeren Tochter Gina wieder und wieder das Weggehen des Vater nachstellt, während die ältere Tochter Zabina mit ihrer Freundin Bine durch die Stadt streunt und Leute anschnorrt, schließlich die beiden Schwestern Cookie und Fuzzi, die sich in beinah Thomas-Bernhardisch endlosen Rollenspielen quälen. Bossard hat diese Anordnung mit ihren drei Darstellerinnen aufgelöst. Sie lässt die Handlungsstränge sich begegnen, sich überschneiden und immer wieder auch zusammenlaufen.

Verwandtschaft verwandelt sich derart in Freundschaft und zurück, was dem ähnlichen Klang der Namen doppelten Sinn gibt, die Positionen Dominanz und Devotheit werden ständig und blitzschnell gewechselt. Wobei das alles bestimmende Wort des Abends Spiel ist. Spiel-im-Spiel, Machtspiel, Selbstermächtigung durch Sprache, durch das Erzählen einer Geschichte. Um deren wahrheitsgemäße Wiedergabe durchaus gestritten wird. Glatzner, mit privat mitgebrachtem, beruflich eingesetztem Babybauch, Peterhans und Sommerfeld stehlen einander die Sätze, krönen sich mit Deutungshoheit.

„So war’s gar nicht“, heißt es immer wieder, und „So könnte es gewesen sein“. Das alles kommt nicht tonnenschwer daher, sondern leichtfüßig, sogar comic-haft. Bossard unterfüttert die Sehnsuchtsdramolette mit Situationskomik, den innerfamiliären Lügen und Verschwiegenheiten schiebt sie einen nuancierten Witz unter, dem man sich nicht entziehen kann. In völliger Abwesenheit von Männern, bis auf einen überdimensionalen Ballonkopf, und eine Schelmin, die dabei an heiße Luft denkt, übernehmen die Frauen auch diesen Part, Machos und Möchtegerns, One-Night-Stands und große Lieben, und es ist großartig, ihnen dabei zuzusehen, wie sie Geschlechterklischees aufs Korn nehmen und Rollenvorgaben persiflieren.

Alexandra Sommerfeld gibt als Djana eine Mater Dolorosa, die andere bis aufs Blut zu reizen zur Kunst erhoben hat, Alice Peterhans‘ Gina, die ihr den Infusionsständer-Vater vorgaukeln muss, ist dem Treiben hilflos ausgeliefert. Dann wieder sind Peterhans und Veronika Glatzner als Zabina und Bine zwei veritable Teenager-Rötzlöffel, kampfbereit, Kippe rauchend, Bier kippend, die das Publikum nicht nur mit Blicken herausfordern, sondern bei ihren Betteltouren direkt attackieren.

All By Herself: Alexandra Sommerfeld singt sich die Seele aus dem Leib, hinten: Alice Peterhans und Veronika Glatzner. Bild: Bettina Frenzel

Alexandra Sommerfeld singt – mit Mikrophon lauter als die anderen – „All By Myself“, Alice Peterhans macht mit „Gracias A La Vida“ auf Gitarrera, Veronika Glatzner zieht sich Vaters Trenchcoat an und verschwindet im Wintersturm. Die drei wetteifern um das böseste Lächeln, den sarkastischsten Blick, das Schaffen der giftigsten Atmosphäre, der schönsten Schadenfreude. Bossard führt das Trio darin mit höchster Präzision und der Sensibilität des Themas gerecht werdend.

Leise weht vorüber, dass sie aus einem Land geflüchtet sind, nachdem dort der Große Genosse gestorben war, mutmaßlich Ex-Jugoslawien, anklingt, dass Gina rund um die Tschernobyl-Katastrophe geboren wurde, dass da nun Migrantinnen sind, die in Wien Heimat, auch Identität suchen. Eine Polit-Perspektive in einem Stück, das sich dem Plot konsequent verweigert. Der Rest bleibt im Nebel, der von der Seite hereinwabert. Weshalb dies das beste Rezept für den Genuss der „Sprengkörperballade“ ist: Reinziehen und wirken lassen.

kosmostheater.at

  1. 4. 2019

Akademietheater: Hotel Strindberg

Januar 27, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Misanthropen beim Misstrauisch-Sein beobachten

Franziska Hackl, Caroline Peters und Martin Wuttke, Roland Koch und Michael Wächter, Barbara Horvath und Simon Zagermann. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Die Wucht, die ganze Wut des Autobiografischen enttarnt sich erst am Ende. Davor ist’s fast Sport Querverweise und Verbindungen zu suchen. Da gerinnt ein „Gespenstersonaten“-Thema zu jenem von „Der Vater“, dort blitzt ein „Pelikan“ auf, da scheint eine Figur aus „Nach Damaskus“ zu der „Stärkeren“ zu werden, und nachdem zwei „Mit dem Feuer spielen“ tritt prompt der „Gläubiger“ auf …

Mit seinem „Hotel Strindberg“ versucht Theatermacher Simon Stone den ganzen Kosmos des schwedischen Schriftstellers zu fassen. Eine Übung, die angesichts der Uraufführung am Akademietheater als aufs Vorzüglichste gelungen bezeichnet werden kann.

August Strindberg, der Frauenhasser und darob vielfach Geschiedene, der oft dem Wahnsinn Nahe, von Obsessionen Besessene, von seinen eigenen Dämonen Gejagte, der nicht nur Theaterstücke, Romane, Erzählungen schrieb, sondern auch als Maler und Fotograf seiner Zeit weit voraus war, inspirierte Stone entlang von dessen Stücken einen eigenständigen Text zu verfassen. In sechs übereinander geschachtelten Hotelzimmern und einem Stiegenhaus (Bühne: Alice Babidge), in Betten, auf Sofas und vor dem Fernseher führt er Paare und deren Krisen vor. Wie ein Voyeur blickt man durch Fenster auf diese mal tragischen, mal komischen, stets aber leicht grotesken Begegnungen.

Fast fünf hochemotionale, mitunter überreizte Stunden lässt sich Stone Zeit, um die Schicksale seiner Figuren darzulegen; getrennt von zwei Pausen gilt es diese Misanthropen beim Misstrauisch-Sein zu beobachten, der zweite Teil dabei der stärkste, der letzte schon ein wenig zerfasert und deshalb schwerer zu fassen. Dies Panoptikum mit Beziehungsgeschädigten gestalten neun Schauspieler mit ganzer Spielfreude und in unzähligen Rollen. Sie sind Fernsehmacher, Dramatiker, Fotografen, Fremdgeher, Ehefrauen, (Ab-)Wartende, sie ergehen sich in Grausamkeiten aller Art, Sex inbegriffen, tragen ihre Psychoduelle aus, und der Tod, der kommende wie der schon geschehene, ist ihnen ein beinah ständiger Begleiter.

Barbara Horvath und Franziska Hackl, Martin Wuttke, Max Rothbart und Simon Zagermann. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Caroline Peters und Martin Wuttke, Max Rothbart, Simon Zagermann und Barbara Horvath. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

All das besticht durch Sprachwitz und Situationskomik. Vor allem Caroline Peters und Martin Wuttke verstehen es, mittels eines Satzes vom Anrührenden ins Absurde zu kippen. Als Alfred und Charlotte tragen sie einen immerwährenden Ehestreit ums Kind und dessen Künstlerkarriere aus, wunderbar, wie sie ihn zwar mit Gemeinheiten bewirft, dabei aber in Sorge ist, er könnte über seine runtergelassenen Hosen stolpern und sich verletzen, als Julia und Erik sehen sie sich mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert. Eine weitere Szene mit der Peters, die man nicht missen möchte, ist, wenn sie ihren Schwiegersohn auf der Treppe verführt … Franziska Hackl schreit die ganze Verzweiflung ihrer Figur heraus, als diese, schwanger, erkennen muss, dass sie keine Verlobte, sondern nur ein Seitensprung ist. Dies die eindrücklichsten, intensivsten Leistungen des Abends.

Mit der von Roland Koch, der als spooky zuvorkommender Concierge, als Charlottes Bruder Klaus oder Jakobs Schwager über die Gänge schleicht. Letzterer, Michael Wächter als Autor in der Schaffenskrise, hat gerade seine noch nicht ganz Ex-Frau gewürgt und braucht mit dem ohnmächtigen Körper dringend Hilfe … Barbara Horvath, Simon Zagermann und Max Rothbart gestalten unter anderem eine Dreiecksgeschichte, bei der in die Herzen Zank und Zerwürfnis gepflanzt wird. „Sie wollen keine Gleichberechtigung, sie wollen Rache“, stellt ein Mann über die Frauen in einer von Stones Miniaturen fest, die immer öfter parallel statt nur nebeneinander verlaufen. Immer wieder auch steigen die Schauspieler in das Zimmer ein, das der Musik von Bernhard Moshammer vorbehalten ist, und greifen dort zu den Instrumenten.

Die Fülle des Szenenchaos findet sich schließlich im so zu nennenden dritten Akt zusammen. Da werden im Erdgeschoss die Rezeption und im ersten Stock der Frühstücksraum nach und nach ausgeräumt, der Mensch so nackt wie die Bühne, und die Welt endlich, was sie ist: ein Irrenhaus. Figuren verschwimmen, Falsche erkennen einander, Klaus wird erst der Concierge, dieser dann der von Julia gefürchtete David, die von Jakob bis zum Sterben strangulierte Sylvie wieder taucht auf; auch andere Gespenster irren durch dies Haus der Halluzinationen.

Max Rothbart und Anne Schwarz, Michael Wächter und Franziska Hackl, Simon Zagermann und Ensemble, Martin Wuttke. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Und inmitten all der verlorenen Seelen gibt Martin Wuttke den Nick-Cave-Klon. Sein nach einer Offenbarung Charlottes seiner Identität verlustig gegangener Alfred wird zu Holger, dem abgefuckten, von Aenne Schwarz erotisch umringten Punkopa, der noch einmal ein Album aufnehmen will und an Songtexten bastelt. Oder ist das alles nur ein Albtraum? Umringt von hysterischen bis besorgten (Ex-)Ehefrauenfiguren kreischt und tobt und zetert sich Wuttke dem Ende entgegen.

Also wird nun klar, von wo aus August Strindberg die Simon-Stone-Storys die ganze Zeit beobachtet hat. Nämlich, wenn der virtuose Wuttke zum Schluss kommt. „Ich hab‘ das geschrieben …“

www.burgtheater.at

  1. 1. 2018

Lady Macbeth

November 28, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Stoff, aus dem man Kinotragödien macht

Katherine (Florence Pugh) wird gegen ihren Willen verheiratet … Bild: Polyfilm

England, 1856. Die schöne Katherine wird mit einem verbitterten und deutlich älteren Mann verheiratet. Die Ehe ist herzlos, Sex nicht existent, der Schwiegervater betrachtet sie als unerwünschte Bürde. In diesem Umfeld vereinsamt die lebenshungrige junge Frau zusehends. Als ihr Mann zu einer längeren Reise aufbricht und sie allein zurücklässt, erwacht Katherine aus ihrer Lethargie.

Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einem rebellischen Stallburschen und ist schon bald nicht mehr bereit, ihr neu gewonnenes Glück wieder loszulassen. Ihr Ehemann kehrt zurück und entdeckt das Geheimnis. Da wird Katherine zur eiskalten Mörderin nicht nur an ihm. Sie wird sich niemandem mehr unterwerfen und sie schreckt vor nichts zurück, um zu bekommen, was sie begehrt …

„Lady Macbeth“ heißt der Film von William Oldroyd, der am Freitag in die heimischen Kinos kommt. Der 37-Jährige, der sich in England bisher als Theater-Regisseur einen Namen gemacht hat, unter anderem mit Shakespeare-Inszenierungen, gibt damit sein Langfilm-Debüt. Das allerdings nichts mit dem britischen Barden zu tun hat. Nicht Shakespeare, nicht sein „schottisches Stück“, ist die Vorlage, sondern die russische Novelle „Die Lady Macbeth von Mzensk“ von Nikolai Leskov, bekannt geworden durch die danach entstandene, von Stalin als zu subversiv verbotene Oper von Dmitri Schostakowitsch (mehr darüber in Julian Barnes‘ „Der Lärm der Zeit“, Buchrezension: www.mottingers-meinung.at/?p=25545).

… und tröstet sich zum Missfallen ihres Mädchens Anna (Naomi Ackie) mit dem Knecht Sebastian (Cosmo Jarvis). Bild: Polyfilm

Übertragen nach Großbritannien, erweitert um die Figur der Kammerzofe Anna und mit Anklängen an Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“, ist Oldroyd und seiner Drehbuchautorin Alice Birch ein furioses, düsteres, dabei stilles Drama gelungen, das zeigt, wohin Lieblosigkeit hie und Leidenschaft da eine Frau führen können. „Lady Macbeth“ ist der Stoff, aus dem man Kinotragödien macht.

Wie Oldroyd gänzlich auf Musik und über weite Strecken auch auf Worte verzichtet, macht das Klima dieses Films aus, wird allerdings gesprochen, knallen die Dialoge wie Peitschenhiebe. Figuren werden vorgeführt wie Dekor, und emanzipieren sich.

In diesem Sinne trägt den Historienfilm die Hauptdarstellerin, die grandiose Florence Pugh als Katherine, mit ihrem roten Haar gleich einer wilden Rose. Wie sie sich mit stoischem Widerspruchsgeist und kaum Gestik langsam vom verschreckten Mädchen in eine grausame und skrupellose Rächerin verwandelt, die sogar Hand an ein Kind legt und ein verräterisches Pferd tötet,  ist sehenswert. Ihr Blick wird zusehends fest und unerschrocken, ihr Lächeln höhnisch. Pugh gibt den Blick frei in die Abgründe einer menschlichen Seele, wenn sie durch die trostlosen Räume, die leeren Gänge, die windige Szenerie wandert. Die Farben des Films sind gedeckt, so nebelig grau-braun und hoffnungslos wie die Menschen, die er transportiert. „Mein Vater hat dich gekauft, zusammen mit einem Stück Land, auf dem nicht mal eine Kuh grasen kann“, wirft Ehemann Alexander Katherine an den Kopf.

Paul Hilton gestaltet ihn voller Zweifel und düsterer Begierden, ein Mann der seinen Selbsthass an der Frau auslässt. Und damit seinen Untergang besiegelt. Denn in ihrem Wunsch nach Freiheit verliert Katherine jedes Maß und Ziel. Sie will nicht hübsch leiden, setzt sich auch nicht mit List und Tücke, sondern mit roher Gewalt zur Wehr. Beobachtet von Kammerzofe Anna, gespielt von Naomi Ackie, die ihre Herrin mit immer mehr Abscheu in den Augen beobachtet. Bemerkenswert, dass sich Alice Birch hier jeder Frauensolidarität verschließt, Katherine bietet sie, Anna nimmt sie nicht an, dabei wird auch die in diesem Haushalt gedemütigt, muss etwa einmal vorm Hausherrn wie ein Hund auf allen vieren kriechen. Vierter in diesem Unglücksbunde ist schließlich Cosmo Jarvis als Knecht Sebastian, auch ihn wird Katherine ausliefern, als ihr der Boden unter den Füßen brennt. „Eher möchte ich, dass du stirbst, als dass du meine Gefühle anzweifelst“, sagt sie einmal zu ihm …

Aus der unerfahrenen jungen Frau wird eine eiskalte Mörderin: Florence Pugh. Bild: Polyfilm

„Lady Macbeth“, dieses intime, mit starrer Kamera fotografierte Kammerspiel, ist ein gefährlicher Film. Er zieht den Betrachter mit seiner kargen und gerade deshalb seltsam opulenten Schönheit in seinen Bann. Lange, zu lange?, hat man Mitleid mit dieser Katherine, bis sie selbst das Blatt wendet. Florence Pugh ist eine Kinoentdeckung, von der man in nächster Zukunft hoffentlich noch viel hören und sehen wird.

Der zweite, dem man dies wünscht, ist Regisseur Oldroyd. Ihm ist ein hervorragendes Drama des jungen britischen Kinos gelungen, vordergründig hermetisch in der Welt des 19. Jahrhunderts verankert und doch so modern in den Mitteln, dass es in der Gegenwart berührt.

www.ladymacbeth-film.de

www.ladymacbethfilm.com

  1. 11. 2017

Staatsballett in der Volksoper: Die Schneekönigin

Dezember 4, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Michael Corder treibt Andersens Märchen auf die Spitze

Olga Esina Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Olga Esina
Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Am 8. Dezember findet mit Michael Corders abendfüllendem Ballett „Die Schneekönigin“ die erste Saisonpremiere des Wiener Staatsballetts in der Volksoper statt. Mit seinem dreiaktigen Ballett, frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen, stellt sich der Londoner Regisseur und Choreograph nicht zuletzt auf Grund seiner Musikauswahl – Sergej Prokofjews letzte Ballettmusik „Die steinerne Blume“ und weitere Werke, neu arrangiert von Julian Philips – ganz in die „russisch-britische“ Entwicklungslinie des Handlungsballetts und legt einen Märchentanz vor, der sich vergleichbar dem „Nussknacker“ und dabei vor allem mit seiner beherzigenswerten Botschaft gleichermaßen an Jung wie Alt wendet: Die berührende Geschichte von Gerda und Kay feiert die Liebe als Lebenskraft, die wegen ihrer Beständigkeit und verbunden mit der mitfühlenden Gabe zu verzeihen, über die selbstsüchtige Schneekönigin triumphiert.

„Ich denke meine Produktion ist sehr opulent. Sie führt uns von Kays Dorf über die Zigeuner- bis in eine magische Welt,“ sagt Corder, der Spezialist für Ballette im klassischen Stil, im Interview. „Es wird mit Sicherheit keine Zweifel daran geben, dass die Zuschauer ein Tanzspektakel erleben werden.“ Eineinhalb Jahre hat Corder an der Umsetzung seiner ihn schon ein halbes Leben lang begleitenden Idee gearbeitet. Nun freut er sich zum ersten Mal in Wien zu sein: „Weil Wien eine der wichtigsten Kulturhauptstädte der Welt ist, und weil das Publikum hier virtuosen Tanz zu schätzen weiß.“ Die Schneekönigin ist für ihn „eine aufregende und erotische Frau, aber auch der Tod – wie es der Winter eben ist: in Momenten schön, in anderen aber gefährlich. Simpler gesagt, wer Eislaufen gehen will, muss sich warm anziehen,“ lacht Corder.

Die detailreiche Ausstattung des Ballettabends, darunter der bezaubernde Eispalast, stammt von Mark Bailey. Es dirigiert Martin Yates; es tanzen Olga Esina/Schneekönigin, Davide Dato/Kay, Alice Firenze/Gerda, Ketevan Papava/Zigeunerin und Mihail Sosnovschi/Zigeuner.

www.wiener-staatsballett.at

www.volksoper.at

Wien, 4. 12. 2015

Schubert Theater: Alice

Oktober 21, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Figurentheater für Erwachsene nach Lewis Carroll

Bild: Schubert Theater

Bild: Schubert Theater

Lewis Carrolls zeitlose Nonsense Romane bilden die Grundlage für die neue Figurentheater Produktion des Schubert Theaters. Folgen Sie ab 23. Oktober Alice in die Abgründe des Kaninchenbaus. Eine Reise in die Tiefen einer Kinderseele, die in einer Welt voller merkwürdiger Regeln immer wieder versucht, den Sinn herauszufinden. Eine Welt die nicht verstanden werden kann. Öffnen Sie die Tür in eine Welt voller Paradoxa und Absurditäten, Traum und Albtraum zugleich.

In der Regie von Simon Meusburger spielen Franziska Singer, Manuela Linshalm, Christoph Hackenberg, Tine Hagemann und Andrea Köhler in dieser radikalen Version von Alice im Wunderland.

Puppendesign: Claudia Six

Puppenbau: Claudia Six und Lisa Zingerle

Kostüm: Lisa Zingerle

Animation: Karoline Riha

Bühne: Max Mackinger

Alice: Franziska Singer

Puppenspieler: Manuela Linshalm, Christoph Hackenberg, Tine Hagemann, Andrea Köhler

Buch und Regie: Simon Meusburger

http://schuberttheater.at

Wien, 21. 10.2014