Albertina: Neustart in Schwarz-Weiß mit „Faces“

Dezember 27, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Helldunkle Seiten des Lebens auf Fotopapier gebannt

Willy Zielke: Arbeitslos. Ein Schicksal von Millionen / Die Wahrheit. Ein Film von dem Leidensweg des Deutschen Arbeiters, 1933. Galerie Berinson, Berlin

Wenn die Albertina voraussichtlich am 18. Jänner wieder ihre Tore öffnet, ist nicht nur die aus der eigenen Sammlung von Zeichnungen zusammengestellte Schau „Schwarz Weiß & Grau“ endlich zu sehen, deren Aufbau man bislang bei einem Kuratorinnenrundgang via Facebook mitverfolgen konnte (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=42974),

sondern – das Haus bereitet mit „Faces. Die Macht des Gesichts“ bereits die nächste Ausstellung vor.

Gertrud Arndt: Maskenselbstbildnis Nr. 22, 1930. Museum Folkwang, Essen © Bildrecht, Wien 2020

Helmar Lerski: Verwandlungen durch Licht, 588, 1935–1936. Albertina, Wien © Nachlass Helmar Lerski – Museum Folkwang, Essen

August Sander: Handlanger, 1928. © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; Bildrecht, Wien, 2020

Ausgehend von Helmar Lerskis herausragender Fotoserie „Metamorphose – Verwandlungen durch Licht“ aus den Jahren 1935/36 präsentiert die Albertina Porträts aus der Zeit der Weimarer Republik. In den 1920er- und 1930er-Jahren erneuern Fotografinnen und Fotografen radikal das Verständnis des klassischen Porträts: Ihre Aufnahmen dienen nicht mehr der Darstellung der Persönlichkeit eines Menschen, sondern sie fassen das Gesicht als nach ihren Vorstellungen inszenierbares Material auf. Über das fotografierte Gesicht werden sowohl ästhetische Überlegungen der Avantgarde als auch gesellschaftliche Entwicklungen der Zwischenkriegszeit verhandelt. Modernistische Experimente, das Verhältnis zwischen Individuum und Typ, feministische Rollenspiele und politische Ideologien kollidieren und erweitern damit das Verständnis der Porträtfotografie.

Zu sehen ab 12. Februar.

www.albertina.at

27. 12. 2020

Albertina modern: The Essl Collection. Ab 7. Dezember

Dezember 3, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Künstlerinnen und Künstler „in die Tiefe gesammelt“

Gesonderte Schau über Fotografie im Untergeschoss: Nan Goldin: Jimmy Paulette on David’s Bike, NYC 1991. Albertina, Wien. The Essl Collection © Nan Goldin

Bei ihrer Wiedereröffnung am 7. Dezember steht die Albertina modern ganz im Zeichen der Sammlung Essl. Karlheinz und Agnes Essl haben in den vergangenen 50 Jahren mit großer Leidenschaft eine der wichtigsten Privatsammlungen der Welt aufgebaut. Mit knapp 7.000 Einzelobjekten zählt sie zu den größten Kollektionen zeitgenössischer Kunst weltweit. Eine erste Ausstellung der Highlights bietet Einblicke in ihre Vielfalt und Qualität.

110 Hauptwerke der berühmtesten Künstlerinnen und Künstler vermitteln ein Bild des weiten Sammlungs- horizontes sowie des künstlerischen und medialen Reichtums, den nur wenige Kollektionen in Mitteleuropa aufweisen.  Die aktuelle Auswahl konzentriert sich auf die drei Jahrzehnte ab 1980. Ziel der Ausstellung ist es, einen Überblick zu geben, welcher bei einer Sammlung von mehreren tausend Werken zwar nur unvollständig bleiben kann, aber zumindest eine Vorstellung von dem großen Reichtum dieser Kollektion vermittelt.

Während im Erdgeschoss der Albertina modern Gemälde, Skulpturen, Objekte, Installationen und Videos ausgestellt werden, ist im Untergeschoss eine gesonderte Ausstellung der Fotografie aus der Sammlung Essl zu sehen. „The Essl Collection“ bietet vor allem einen Einblick in die Bestände an internationaler Kunst. Denn die Sammlung Essl, die bekanntermaßen einen wichtigen Schwerpunkt an österreichischer Kunst hat, zeichnet sich auch durch bedeutende Werkblöcke internationaler Künstlerinnen und Künstler aus.

Cindy Sherman: Untitled #412, 2003. Albertina, Wien. The Essl Collection © Cindy Sherman

Marc Quinn: Mirage, 2009. Albertina, Wien. Familiensammlung Haselsteiner © Marc Quinn

Selten zu sehender Künstler: Fang Lijun: 2004.9.30, 2004. © Albertina, Wien – The Essl Collection

Die Sammlertätigkeit von Karlheinz und Agnes Essl war und ist immer noch von großer Neugierde und Wissensdurst geprägt.  So konnten sie diese bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst aufbauen: neben der österreichischen Kunst, die am Anfang der Kollektion stand, und der deutschen Kunst ging der Blick nach dem Mauerfall rasch auch in andere europäische Länder, sowie in die USA, nach China, Mexiko und Indien. Die Sammler haben viele Künstlerinnen und Künstler „in die Tiefe gesammelt“, wie sie es selbst ausdrücken, haben also das Schaffen über mehrere Jahrzehnte begleitet und große Werkblöcke gekauft.

Fast alle Künstlerinnen und Künstler kannte das Sammlerpaar persönlich, zu vielen pflegen sie noch heute enge Freundschaften. Die aktuelle Ausstellung in der Albertina modern greift einige wichtige Highlights heraus: es werden die amerikanischen Künstler Alex Katz, David Salle, Chuck Close, Jim Dine, Peter Halley und Philip Taaffe gezeigt, ebenso wie der irische Künstler Sean Scully und die britischen Künstler Gilbert & George, Sarah Morris, Cecily Brown, Tony Cragg und Marc Quinn. Von den deutschen Künstlern sind Georg Baselitz, Albert Oehlen, Stephan Balkenhol, Daniel Richter, Jonathan Meese, Neo Rauch, DieterRoth und Tim Eitel vertreten.

Auch Werke des Schweizers Daniel Spoerri und des Spaniers Antoni Tàpies y Puig sind zu sehen. Ein weiteres Highlight stellen die Werke der international erfolgreichen chinesischen Künstler Fang Lijun, Minjun Yue und Xiaogang Zhang dar. Als Besonderheit gelten selten gezeigte Installationen und Werke des Fluxus-Künstlers Nam June Paik, der Künstlerin Annette Messager, der Videokünstler Bill Viola und Tony Oursler, der dänischen Künstler Peter Land und Tal R, und des in Wien lebenden rumänischen Bildhauers Virgilius Moldovan.

Gilbert & George: Bloody People, 1997. Albertina, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Gilbert & George

Alex Katz: Beach Stop, 2001. Albertina, Wien – The Essl Collection. © Bild: Mischa Nawrata, Wien / Bildrecht, Wien, 2020

Daniel Richter: WOW, 2011. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien 2020

Gregory Crewdson: Untitled, 2004. Albertina, Wien – The Essl Collection © Gregory Crewdson

Die österreichischen Künstlerinnen und Künstler wie Elke Krystufek, Johanna Kandl, Gudrun Kampl, Martha Jungwirth, Gelitin, VALIE EXPORT, Arnulf Rainer, Hubert Scheibl, Franz Zadrazil, Heimo Zobernig und Franz West runden die Präsentation von Meisterwerken ab. Die Ausstellung ist herausfordernd und aufwühlend zugleich, mit all den Spannungen, die sich da zwischen sehr gegensätzlichen Werken auftun.

Wenn der drastische Beitrag von Franz West neben der Ironie der zwei Päpste von Moldovan steht, wenn das wahrscheinlich berühmteste Künstlerkollektiv Gilbert & George auf den chinesischen Aufbruch der Kunst trifft. Oder Annette Messagers Installation auf die kritische Auseinandersetzung mit der Flüchtlingskrise bei Daniel Richter – diese erste Schau verfolgt klar das Ziel, die Amplitude der Sammlung an ihren Extrempunkten zu zeigen, während zukünftige Ausstellung Werke der Sammlung immer mit anderen Arbeiten aus den übrigen Beständen der Albertina zusammengeführt werden.

www.albertina.at/albertina-modern           www.albertina.at

  1. 12. 2020

Albertina: Schwarz Weiß & Grau

Dezember 2, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Live dabei sein beim Aufbau der Ausstellung

William Kentridge: Shadow Procession, 1999. Video. © Albertina, Wien

Ab 11. Dezember zeigt die Albertina in der Propter Homines Halle großformatige Werke aus der eigenen Sammlung. Ob mit Bleistift, Tusche, Kreide, Draht oder im bewegten Bild – hier sprengt die Zeichnung alle Dimensionen.

So unterschiedlich die vertretenen Künstlerinnen und Künstler arbeiten, so vielfältig ihre Themen sind: alle eint, dass sie allein mittels Hell-Dunkel-Kontrasten bunte, mannigfaltige Welten erschaffen.

Via Facebook können Zuschauerinnen und Zuschauer heute ab 17 Uhr live dabei sein und hautnah erleben, wie eine Ausstellung aufgebaut wird. Elsy Lahner führt das Publikum durch unfertige Hallen, wo noch gehängt und das Licht eingerichtet wird. Neben den ersten Einblicken in die Ausstellung, liefert sie echte Insider-Infos zum Prozess des Kuratierens vor Ort. Außerdem gibt es die einmalige Gelegenheit Fragen an die Kuratorin der Ausstellung zu richten, die live beantwortet werden.

Robert Longo: Ohne Titel (Ping), 2007. © Robert Longo, Albertina, Wien

Eduard Angeli: Das Haus mit dem Lautsprecher, 2012 (Detail). © Albertina, Wien

Jim Dine: Singing Hard Times, 2009. Schenkung vom Künstler und Diana Michener. © Albertina, Wien

Gezeigt werden Werke von Eduard Angeli, Jim Dine, Sonja Gangl, Hauenschild Ritter, William Kentridge, Birgit Knoechl, Ulrike Lienbacher, Robert Longo, Alois Mosbacher, Muntean/Rosenblum, Florentina Pakosta, Fritz Panzer, Ugo Rondinone, Roman Scheidl, Max Weiler und Rainer Wölzl.

www.facebook.com/events/707864426517960           www.albertina.at

2. 12. 2020

Albertina digital: Live-Führung durch die Ausstellung „My Generation. Die Sammlung Jablonka“

November 21, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Frankenstein aus Stofftieren und ein Buddha-Pissoir

Eric Fischl: The Krefeld Project: The Bedroom. Scene 1, 2002. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Eric Fischl / Bildrecht, Wien, 2020

Ab heute und vorerst bis 6. September lädt die Albertina an den Wochenenden zur einstündigen, interaktiven Live-Führung durch die Ausstellung „My Generation. Die Sammlung Jablonka“. Die Teilnahme via Zoom ist gratis, eine Anmeldung unter www.albertina.at/besuch/programm/online-fuehrungen erforderlich. Die Albertina-Kunstvermittler präsentieren die Highlights dieser Schau, erläutern Hintergründe und antworten auf die Fragen des Publikums. Der Zoom-Link wird nach erfolgreicher Anmeldung per Mail zugeschickt.

Individuell entdecken lässt sich die Ausstellung auf zwei Ebenen beim Virtuellen Rundgang über die Website. Die Sammlung Jablonka ist eine der profiliertesten Sammlungen zur amerikanischen und deutschen Kunst der 1980er-Jahre. Sie umfasst Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Rafael Jablonka jahrelang gearbeitet, deren Werke er gezeigt und gesammelt hat. Dabei war es über Jahrzehnte sein Grundsatz, immer mehrere Werke aus verschiedenen Schaffensphasen zu erwerben. Erstmals in der Albertina gibt der 1952 geborene Kunsthändler, Galerist und Kurator Einblick in die Sammlung.

Nachdem Rafael Jablonka 2017 seine in Köln ansässige Galerie endgültig geschlossen hatte, erhielt die Albertina 2019 die bedeutende Kollektion. In Form von Künstlerräumen gibt die Schau einen repräsentativen Einblick in das jeweilige Œuvre, etwa 110 Werke sind auf zwei Ausstellungsebenen zu sehen: Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Arbeiten auf Papier lassen die gesamte mediale und thematische Vielfalt der Sammlung Jablonka erleben. Man muss nun nicht mehr nach Los Angeles oder New York pilgern, um Mike Kelleys Visionen und Installationen der geheimnisumwobenen Stadt Kandor oder seine erschütternden, zu Monstern verknoteten Bündel aus Plüsch- und Stofftieren sehen zu können.

Andreas Slominski: Ohne Titel (Fahrrad). Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Andreas Slominski

Sherrie Levine: Fountain (Buddha), 1996. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Sherrie Levine

Mike Kelley: Frankenstein, 1989, Detail. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Mike Kelley / Bildrecht, Wien, 2020

Auch die Fallen-Objekte von Andreas Slominski zählen zum Spannendsten, das die Kunst unserer Zeit hervorgebracht hat. Eric Fischl konfrontiert uns mit seinen Gemälden mit den Ängsten und Zwängen, mit der dunklen Seite der menschlichen Existenz. Die von Sherrie Levine ironisch „Buddha“ genannte hochglanzpolierte Bronze nach Marcel Duchamps legendärer „Fontaine“/Pissoir ist eine Warnung vor der kommerziellen Verdinglichung ikonischer Kunstwerke … weiterlesen auf www.mottingers-meinung.at/?p=41671

www.albertina.at

21. 11. 2020

Albertina: My Generation. Die Sammlung Jablonka

September 28, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Frankenstein aus Stofftieren und ein Buddha-Pissoir

Eric Fischl: The Krefeld Project: The Bedroom. Scene 1, 2002. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Eric Fischl / Bildrecht, Wien, 2020

Die Sammlung Jablonka ist eine der profiliertesten Sammlungen zur amerikanischen und deutschen Kunst der 1980er-Jahre. Sie umfasst Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Rafael Jablonka jahrelang gearbeitet, deren Werke er gezeigt und gesammelt hat. Dabei war es über Jahrzehnte sein Grundsatz, immer mehrere Werke aus verschiedenen Schaffensphasen zu erwerben. Erstmals in der Albertina gibt der 1952 geborene Kunsthändler, Galerist und Kurator Einblick in die Sammlung.

Ab 2. Oktober und mit dem Fokus auf seine eigene Generation. Nachdem Rafael Jablonka 2017 seine in Köln ansässige Galerie endgültig geschlossen hatte, erhielt die Albertina 2019 die bedeutende Kollektion. In Form von Künstlerräumen gibt die Schau einen repräsentativen Einblick in das jeweilige Œuvre, etwa 110 Werke sind auf zwei Ausstellungsebenen zu sehen: Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Arbeiten auf Papier lassen die gesamte mediale und thematische Vielfalt der Sammlung Jablonka erleben. Man muss nun nicht mehr nach Los Angeles oder New York pilgern, um Mike Kelleys Visionen und Installationen der geheimnisumwobenen Stadt Kandor oder seine erschütternden, zu Monstern verknoteten Bündel aus Plüsch- und Stofftieren sehen zu können.

Andreas Slominski: Ohne Titel (Fahrrad). Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Andreas Slominski

Sherrie Levine: Fountain (Buddha), 1996. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Sherrie Levine

Mike Kelley: Frankenstein, 1989, Detail. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Mike Kelley / Bildrecht, Wien, 2020

Auch die Fallen-Objekte von Andreas Slominski zählen zum Spannendsten, das die Kunst unserer Zeit hervorgebracht hat. Eric Fischl konfrontiert uns mit seinen Gemälden mit den Ängsten und Zwängen, mit der dunklen Seite der menschlichen Existenz. Die von Sherrie Levine ironisch „Buddha“ genannte hochglanzpolierte Bronze nach Marcel Duchamps legendärer „Fontaine“/Pissoir ist eine Warnung vor der kommerziellen Verdinglichung ikonischer Kunstwerke.

Vertretene Künstlerinnen und Künstler sind: Miquel Barceló, Ross Bleckner, Francesco Clemente, Richard Deacon, Eric Fischl, Damien Hirst, Roni Horn, Mike Kelley, Sherrie Levine, Cady Noland, Thomas Schütte, Andreas Slominski, Philip Taaffe und Terry Winters.

www.albertina.at

28. 9. 2020