Albertina: My Generation. Die Sammlung Jablonka

September 28, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Frankenstein aus Stofftieren und ein Buddha-Pissoir

Eric Fischl: The Krefeld Project: The Bedroom. Scene 1, 2002. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Eric Fischl / Bildrecht, Wien, 2020

Die Sammlung Jablonka ist eine der profiliertesten Sammlungen zur amerikanischen und deutschen Kunst der 1980er-Jahre. Sie umfasst Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Rafael Jablonka jahrelang gearbeitet, deren Werke er gezeigt und gesammelt hat. Dabei war es über Jahrzehnte sein Grundsatz, immer mehrere Werke aus verschiedenen Schaffensphasen zu erwerben. Erstmals in der Albertina gibt der 1952 geborene Kunsthändler, Galerist und Kurator Einblick in die Sammlung.

Ab 2. Oktober und mit dem Fokus auf seine eigene Generation. Nachdem Rafael Jablonka 2017 seine in Köln ansässige Galerie endgültig geschlossen hatte, erhielt die Albertina 2019 die bedeutende Kollektion. In Form von Künstlerräumen gibt die Schau einen repräsentativen Einblick in das jeweilige Œuvre, etwa 110 Werke sind auf zwei Ausstellungsebenen zu sehen: Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Arbeiten auf Papier lassen die gesamte mediale und thematische Vielfalt der Sammlung Jablonka erleben. Man muss nun nicht mehr nach Los Angeles oder New York pilgern, um Mike Kelleys Visionen und Installationen der geheimnisumwobenen Stadt Kandor oder seine erschütternden, zu Monstern verknoteten Bündel aus Plüsch- und Stofftieren sehen zu können.

Andreas Slominski: Ohne Titel (Fahrrad). Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Andreas Slominski

Sherrie Levine: Fountain (Buddha), 1996. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Sherrie Levine

Mike Kelley: Frankenstein, 1989, Detail. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Mike Kelley / Bildrecht, Wien, 2020

Auch die Fallen-Objekte von Andreas Slominski zählen zum Spannendsten, das die Kunst unserer Zeit hervorgebracht hat. Eric Fischl konfrontiert uns mit seinen Gemälden mit den Ängsten und Zwängen, mit der dunklen Seite der menschlichen Existenz. Die von Sherrie Levine ironisch „Buddha“ genannte hochglanzpolierte Bronze nach Marcel Duchamps legendärer „Fontaine“/Pissoir ist eine Warnung vor der kommerziellen Verdinglichung ikonischer Kunstwerke.

Vertretene Künstlerinnen und Künstler sind: Miquel Barceló, Ross Bleckner, Francesco Clemente, Richard Deacon, Eric Fischl, Damien Hirst, Roni Horn, Mike Kelley, Sherrie Levine, Cady Noland, Thomas Schütte, Andreas Slominski, Philip Taaffe und Terry Winters.

www.albertina.at

28. 9. 2020

Die Albertina öffnet am 27. Mai ihre beiden Häuser

Mai 23, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

The Beginning reloaded

Christian Ludwig Attersee: Torte mit Speisekugeln und Speiseblau, 1967. Albertina, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Bildrecht, Wien, 2020

Endlich ist es so weit! Die Albertina öffnet am 27. Mai nicht nur ihr Stammhaus am Albertinaplatz, sondern auch die Albertina Modern im Künstlerhaus. Die Ausstellung zum dortigen Opening „The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ bietet mit 400 Kunstwerken erstmals einen Überblick über die Kunst Österreichs in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Schau präsentiert die wichtigsten Positionen an der Schwelle zur Postmoderne – vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die österreichische Spielvariante der Popart bis zu dem für Wien kennzeichnenden gesellschafts- kritischen Realismus. Gemeinsam sind den Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit die radikale Ablehnung von Autorität und Hierarchie.

Die Kritik an der Verdrängung vergangener Schuld und die kompromisslose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses, das weit über 1945 hinaus in Österreich als Ideal gilt. Gegen dieses Ideal verstoßen die Schreckensbilder des frühen Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten von Otto Mühl bis Günter Brus und Hermann Nitsch spielen darauf an, während die Abstrakten, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky dagegen anmalen. Die gesellschaftskritischen Realisten von Alfred Hrdlicka über ReimoWukounig bis Gottfried Helnwein verfluchen dieses Ideal und Wiens Speerspitze der Art Brut von Franz Ringel bis Peter Pongratz verspottet es.

VALIE EXPORT: Aktionshose: Genitalpanik, 1969/2001. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2020

Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston, 1965. Wien Museum © Alfred Hrdlicka-Archiv

Maria Lassnig: Woman Power, 1979. Albertina, Wien –The Essl Collection © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien, 2020

Aber auch die Künstlerinnen, die ab den späten 1960er-Jahren den Konflikt der Geschlechter zum Ausgangspunkt ihrer widerständigen Kunst machen, bekämpfen das reaktionäre Ideal. Die Aktionistin VALIE EXPORT und die spätere feministische Avantgarde, von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack, sind es nicht nur leid, sich von Männern repräsentieren und darstellen zu lassen. Sie beziehen auch Position gegen ein Männerbild, das immer noch von den Geschlechterrollen, Zwängen und Tabus des Austro-Faschismus und Dritten Reichs bestimmt ist.

So ergibt sich für diese Ausstellung eine Epochengrenze, die über die Besatzungszeit hinausreicht, und der erst mit den 1980er-Jahren ein anderer, ein neuer Abschnitt der Kunstgeschichte gegenübersteht. 2021 wird mit „The Eighties“ dieser neue Abschnitt ebenfalls zum Gegenstand einer großen Ausstellung in der Albertina Modern … weiter auf: www.mottingers-meinung.at/?p=38755

Wilhelm Leibl: Das Mädchen mit der Nelke, um 1880. © bpk / Staatl. Kunsthalle Karlsruhe / Annette Fischer / Heike Kohler

Daniel Hopfer: Tod und Teufel überraschen zwei Frauen, 1500–1510. The Metropolitan Museum of Art, New York

Da es außerdem gelungen ist, von allen Leihgebern die Zustimmung zu einer Verlängerung der im März bereits nach zwei Wochen geschlossenen Ausstellungen im Stammhaus zu erhalten, kann die Albertina im Sommer die Retrospektive über den wichtigsten Maler und Zeichner des deutschen Realismus, „Wilhelm Leibl. Gut sehen ist alles!“, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37602, ebenso zeigen wie die Geschichte der frühen Radierung von Dürer bis Bruegel, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37976.

Während der Schließung wurden auch die Schausammlungen der klassischen Moderne neu aufgestellt, in denen nun die Sammlung Batliner einen Dialog mit erstmals gezeigten Hauptwerken von Kandinsky bis Picasso aus der Schweizer Sammlung Othmar Huber eingeht. Die Schausammlung an Kunst der Gegenwart wurde um wichtige Gemälde amerikanischer Kunst erweitert.

www.albertina.at

23. 5. 2020

Die Albertina öffnet am 27. Mai ihre beiden Häuser, das Kunsthistorische Museum startet zu Pfingsten

April 23, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

The Beginning reloaded & Pay As You Wish

Christian Ludwig Attersee: Torte mit Speisekugeln und Speiseblau, 1967. Albertina, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Bildrecht, Wien, 2020

Endlich ist es so weit! Die Albertina öffnet am 27. Mai nicht nur ihr Stammhaus am Albertinaplatz, sondern auch die Albertina Modern im Künstlerhaus. Die Ausstellung zum dortigen Opening „The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ bietet mit 400 Kunstwerken erstmals einen Überblick über die Kunst Österreichs in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Schau präsentiert die wichtigsten Positionen an der Schwelle zur Postmoderne – vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die österreichische Spielvariante der Popart bis zu dem für Wien kennzeichnenden gesellschafts- kritischen Realismus. Gemeinsam sind den Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit die radikale Ablehnung von Autorität und Hierarchie.

Die Kritik an der Verdrängung vergangener Schuld und die kompromisslose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses, das weit über 1945 hinaus in Österreich als Ideal gilt. Gegen dieses Ideal verstoßen die Schreckensbilder des frühen Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten von Otto Mühl bis Günter Brus und Hermann Nitsch spielen darauf an, während die Abstrakten, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky dagegen anmalen. Die gesellschaftskritischen Realisten von Alfred Hrdlicka über ReimoWukounig bis Gottfried Helnwein verfluchen dieses Ideal und Wiens Speerspitze der Art Brut von Franz Ringel bis Peter Pongratz verspottet es.

Aber auch die Künstlerinnen, die ab den späten 1960er-Jahren den Konflikt der Geschlechter zum Ausgangspunkt ihrer widerständigen Kunst machen, bekämpfen das reaktionäre Ideal. Die Aktionistin VALIE EXPORT und die spätere feministische Avantgarde, von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack, sind es nicht nur leid, sich von Männern repräsentieren und darstellen zu lassen. Sie beziehen auch Position gegen ein Männerbild, das immer noch von den Geschlechterrollen, Zwängen und Tabus des Austro-Faschismus und Dritten Reichs bestimmt ist.

VALIE EXPORT: Aktionshose: Genitalpanik, 1969/2001. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2020

Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston, 1965. Wien Museum © A. Hrdlicka-Archiv

Maria Lassnig: Woman Power, 1979. Albertina, Wien –The Essl Collection © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien, 2020

So ergibt sich für diese Ausstellung eine Epochengrenze, die über die Besatzungszeit hinausreicht, und der erst mit den 1980er-Jahren ein anderer, ein neuer Abschnitt der Kunstgeschichte gegenübersteht. 2021 wird mit „The Eighties“ dieser neue Abschnitt ebenfalls zum Gegenstand einer großen Ausstellung in der Albertina Modern … weiter auf: www.mottingers-meinung.at/?p=38755

Da es außerdem gelungen ist, von allen Leihgebern die Zustimmung zu einer Verlängerung der im März bereits nach zwei Wochen geschlossenen Ausstellungen im Stammhaus zu erhalten, kann die Albertina im Sommer die Retrospektive über den wichtigsten Maler und Zeichner des deutschen Realismus, „Wilhelm Leibl. Gut sehen ist alles!“, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37602, ebenso zeigen wie die Geschichte der frühen Radierung von Dürer bis Bruegel, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37976.

Während der Schließung wurden auch die Schausammlungen der klassischen Moderne neu aufgestellt, in denen nun die Sammlung Batliner einen Dialog mit erstmals gezeigten Hauptwerken von Kandinsky bis Picasso aus der Schweizer Sammlung Othmar Huber eingeht. Die Schausammlung an Kunst der Gegenwart wurde um wichtige Gemälde amerikanischer Kunst erweitert.

Wilhelm Leibl: Die Dorfpolitiker, 1877. KM Winterthur, Stiftung O. Reinhart © SIK-ISEA, Zürich, Lutz Hartmann

Daniel Hopfer: Tod und Teufel überraschen zwei Frauen, 1500–1510. The Metropolitan Museum of Art, New York

Kunsthistorisches Museum: Museum für alle – Pay As You Wish

Das Kunsthistorische Museum startet Ende Mai zu Pfingsten. Museen müssen offen sein – wann immer es geht. Wir freuen uns sehr, dass wir aufgrund der ermutigenden Covid-19-Prognose und den positiven Signalen aus der Politik bereits zu Pfingsten Ende Mai wieder öffnen können. Als besondere Willkommens-Geste begrüßen wir unsere Gäste im Juni mit der Aktion „pay as you wish“: Damit kann jeder und jede die Höhe des Eintrittspreises selbst bestimmen“, so Generaldirektorin Sabine Haag in einer Aussendung.

Wichtig sei jetzt, so Haag weiter, Planungssicherheit darüber zu erlangen, wie der Museumsbesuch vonstatten gehen darf, wieviel Platz jeder braucht, um sich nicht anstecken zu können, wie viele Menschen in einem Saal sein dürfen. Die finanzielle Seite zeigt sich gleichermaßen unsicher. Die Einnahmen des bisher wirtschaftlich erfolgreichen Museumsverbands sind von einem Tag auf den anderen auf null gefallen. Fixkosten wie Miete, Instandhaltung, Restaurierung, Bewahrung und Wartungskosten laufen freilich unverändert weiter. Nun hofft man auf eine verbindliche Zusage der dringend benötigten finanzielle Absicherungen seitens der Politik.

Wenn sich alle Ungewissheiten aus der Welt schaffen ließen und die Öffnung auch aus wirtschaftlicher Sicht verantwortungsvoll vorgenommen werden kann, wäre das für Sabine Haag ein großer Lichtblick, denn: „Wir vermissen den Museumsbetrieb und unsere Gäste sehr.“

www.albertina.at           www.khm.at

23. 4. 2020

The Beginning: Die Albertina Modern im Künstlerhaus

März 10, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Eröffnung mit Kunst aus Österreich von 1945 bis 1980

Christian Ludwig Attersee: Torte mit Speisekugeln und Speiseblau, 1967. Albertina, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Bildrecht, Wien, 2020

Die ganz große Publikumseröffnung musste wegen der Corona-Maßnahmen zwar abgesagt werden, nichtsdestotrotz öffnet die Albertina Modern am neuen Standort Künstlerhaus am 13. März ihre Pforten. Mit der Ausstellung „The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ bietet sie erstmals einen umfassenden Überblick einer der innovativsten Epochen österreichischer Kunstgeschichte.

Die Schau präsentiert die wichtigsten Positionen an der Schwelle zur Postmoderne –vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die österreichische Spielvariante der Popart bis zu dem für Wien so kennzeichnenden gesellschaftskritischen Realismus. Gemeinsam sind den Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit die radikale Ablehnung von Autorität und Hierarchie.

Die Kritik an der Verdrängung vergangener Schuld und die kompromisslose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses, das weit über 1945 hinaus in Österreich als Ideal gilt. Gegen dieses Ideal verstoßen die Schreckensbilder des frühen Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten von Otto Mühl bis Günter Brus und Hermann Nitsch spielen darauf an, während die Abstrakten, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky dagegen anmalen. Die gesellschaftskritischen Realisten von Alfred Hrdlicka über ReimoWukounig bis Gottfried Helnwein verfluchen dieses Ideal und Wiens Speerspitze der Art Brut von Franz Ringel bis Peter Pongratz verspottet es.

VALIE EXPORT: Aktionshose: Genitalpanik, 1969/2001. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2020

Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston, 1965. Wien Museum © Alfred Hrdlicka-Archiv, Wien

Maria Lassnig: Woman Power, 1979. Albertina, Wien –The Essl Collection © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien, 2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber auch die Künstlerinnen, die ab den späten 1960er-Jahren den Konflikt der Geschlechter zum Ausgangspunkt ihrer widerständigen Kunst machen, bekämpfen das reaktionäre Ideal. Die Aktionistin VALIE EXPORT und die spätere feministische Avantgarde, von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack, sind es nicht nur leid, sich von Männern repräsentieren und darstellen zu lassen. Sie beziehen auch Position gegen ein Männerbild, das immer noch von den Geschlechterrollen, Zwängen und Tabus des Austro-Faschismus und Dritten Reichs bestimmt ist.

So ergibt sich für diese Ausstellung eine Epochengrenze, die über die Besatzungszeit hinausreicht, und der erst mit den 1980er-Jahren ein anderer, ein neuer Abschnitt der Kunstgeschichte gegenübersteht. 2021 wird mit „The Eighties“ dieser neueAbschnitt ebenfalls zum Gegenstand einer großen Ausstellung in der Albertina Modern.

Peter Pongratz: Schutzengel, 1971. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2020

Gottfried Helnwein: Der höhnische Arzt, 1973. Albertina, Wien – Leihgabe aus Privatsammlung © Bildrecht, Wien, 2020

„The Beginning“ widmet den großen Einzelgängern Friedensreich Hundertwasser, Arnulf Rainer und Maria Lassnig eigene Räume. Was Skulptur und Objektkunst in diesem Zeitraum bedeuten kann, veranschaulichen Hauptwerke von Joannis Avramidis und Rudolf Hoflehner über Wander Bertoni und Roland Goeschl bis Curt Stenvert, Bruno Gironcoli und Cornelius Kolig. Die Eröffnungsausstellung zeigt insgesamt fast 100 Künstlerinnen und Künstler dieser sich über drei Jahrzehnte spannenden Epoche vor der Schwelle zur Postmoderne.

Die Aufarbeitung von Ständestaat und Nationalsozialismus sowie die internationale Vernetzung aller wesentlichen Protagonistinnen und Protagonisten sind bislang oft übersehene Kennzeichen dieser Wiener Avantgarden. Ausgangspunkt der Ausstellung mit etwa 360 Kunstwerken – Gemälde, Skulpturen, Objekte, Zeichnungen, Videos, Fotografien und Installationen – sind die Sammlungen der Albertina, die jüngst durch die Akquisition der Sammlung Essl eine große Bereicherung erfahren haben.

Live-Stream zum Festakt, 12. März, 18.30 Uhr: www.facebook.com/AlbertinaMuseum

The Making Of a New Museum: www.youtube.com/watch?v=kASOUydk8to           www.youtube.com/watch?v=AM0F8HP0CL4

www.albertina.at

10. 3. 2020

Albertina: Van Gogh, Cézanne, Matisse, Hodler. Die Sammlung Hahnloser

Februar 16, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Meisterwerke der schweizerischen Moderne

Vincent van Gogh: Le Café de nuit à Arles, 1888. Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur. Bild: Reto Pedrini, Zürich

Die Albertina widmet ihre Frühjahrsausstellung mit der ab 22. Februar zu sehenden Schau „Van Gogh, Cézanne, Matisse, Hodler – Die Sammlung Hahnloser“ einer der bedeutendsten Privatsammlungen der französischen Moderne. Die Sammlung Hahnloser entstand zwischen 1905 und 1936 im engen freundschaftlichen Austausch zwischen dem Sammlerpaar Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler und ihren Künstlerfreunden, darunter Pierre Bonnard, Ferdinand

Hodler, Henri Matisse und Félix Vallotton. Später wurden auch deren Vorläufer wie Cézanne, Renoir, Toulouse-Lautrec oder Van Gogh Teil der Sammlung. Heute umfasst die immense Sammlung einzigartige Werkgruppen – Gemälde, Plastiken und Arbeiten auf Papier – der schweizerischen und französischen Moderne, darunter so prominente Werke wie Bonnards „Spiegeleffekt (Die Wanne)“ aus dem Jahr 1909, Cézannes „Porträt eines Künstlers“  von 1877/78, Van Goghs 1888-„Sämann“, Vallottons „Die Weiße und die Schwarze“ aus dem Jahr 1913 oder Maillols Skulptur „Pomona“. Ein Großteil der Sammlung befindet sich im Besitz der Nachkommen und der Hahnloser Jaeggli Stiftung sowie dank der Schenkungen in den Kunstmuseen von Winterthur und Bern.

Félix Vallotton: Le chapeau violet, 1907. Dauerleihgabe an Hahnloser Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur. Bild: Reto Pedrini, Zürich

Henri Manguin: Les Enfants Hans et Lisa Hahnloser, 1910. Dauerleihgabe an Hahnloser Jaeggli Stift., Villa Flora, Winterthur. Bild: Reto Pedrini, Zürich

Ferdinand Hodler: Blumenpflückendes Mädchen, 1887. Hahnloser Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur. Bild: Reto Pedrini, Zürich

Sammeln war für Arthur und Hedy Hahnloser eine sinnstiftende Lebensaufgabe, an der sie ihr Umfeld aktiv beteiligten. Ihre Sammlung, die sie in der Villa Flora in Winterthur als Gesamtkunstwerk inszenierten, verstanden sie als „Lehrmuseum“. Sie motivierten Verwandte und Freunde, Werke ihrer favorisierten Künstler zu erwerben oder verhalfen diesen durch Schenkungen an Privatsammler und Schweizer Kunstmuseen zu Bekanntheit. Dieses „Prinzip Hahnloser“ hat die Schweizer Museumssammlungen und ihre Ankaufspolitik enorm bereichert; oft stehen die Schenkungen am Beginn umfangreicher Sammlungen der Modernen Kunst.

Mit etwa 120 Werken präsentiert die Ausstellung in der Albertina einen Überblick dieser international einzigartigen Sammlung der Moderne, und beleuchtet durch Leihgaben aus dem Kunstmuseum Bern oder dem Kunstmuseum Winterthur auch ihren kulturpolitisch vorbildhaften Aspekt.

www.albertina.at

16. 2. 2020