Auge um Auge

April 8, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Kein Mann fürs Mittelmaß

Christian Bale Bild: Tobis Filmverleih

Christian Bale
Bild: Tobis Filmverleih

Er ist Batman, Patrick  „American Psycho“ Bateman, er nahm als „Der Maschinist“ 30 Kilo ab, für die Betrügersatire „American Hustle“ 20 Kilo zu. Christian Bale ist kein Mann fürs Mittelmaß. Er ist „Extremist“- wo er ist, ist das Extrem. Und zwar extrem gutes Schauspiel. Für „The Fighter“ gab’s 2010 einen Oscar. Zurzeit ist er in Scott Coopers Arbeiterdrama „Auge um Auge“ in den Kinos zu sehen. Wäre der Waliser nicht so ein hinreißender Familienvater (er ist seit dem Jahr 2000 mit Ex-Model Sibi Blažić verheiratet; die beiden haben eine Tochter), man müsste meinen, er gehörte zu der Kategorie Leinwandgenies, die mit ihren Dämonen Nacht für Nacht einen Kampf auf Leben und Tod ausfechten. Doch Bale schläft gut. Er rastet („Terminator: Die Erlösung“) an Filmsets zwar manchmal aus, wenn’s nicht nach seinem Schädel geht, aber ansonsten ist er normal geblieben.

Coopers „Auge um Auge“ zeigt den Abstiegskampf eines Stahlarbeiter. Vieles erinnert an „Die durch die Hölle gehen“. Die grindig heruntergekommene Vorstadtatmosphäre, die freudlos-düsterer Grundstimmung des Films, die Verzweiflung der Figuren. Wohlfühlkino geht anders. Bale ist wieder hager, langhaarig, ein Arbeiterklassenjesus am Hochofen. Gedreht wurde in Braddock, einer Kleinstadt in der Nähe von Pittsburgh. „Ich traf die Leute dort, trank ein Bier mit ihnen, hörte mir ihre Sorgen an, das färbt ab“, schildert Bale. „Man bekommt ein Gespür für die Menschen, die einmal Mittelschicht waren, und nun alles verlieren, die gegen den sozialen Abstieg kämpfen. In den USA bricht die Industrie ein, es gibt massiven Stellenabbau. Ich denke, unser Film kommt zur rechten Zeit. Er greift Konflikte auf, die in der Luft liegen.“

Stoisch macht sich Russell Baze alias Bale allmorgendlich zur Arbeit auf. Das Leben hat ihm nichts zu bieten. Er kümmert sich um seinen sterbenskranken Vater, seine Freundin und seinen nach mehreren Einsätzen im Irakkrieg traumatisierten Bruder Rodney (Casey Affleck in einer ihm auf den Leib geschneiderten Rolle). Im Fernsehen tritt Barack Obama auf. Rodney baut bei illegalen Straßenkämpfen Mist und endet mit einer Kugel im Kopf. Russell baut betrunken einen Autounfall, gerät in die Fänge der Justiz und die Welt aus den Fugen. Der Film mäandert nun zwischen Drogenkrimi und Rachethriller. Je zerbrechlicher, manischer, verlorener Rodney geworden ist, desto brutaler, kriegerischer, schärfer wird Russell. Es wird zu einer Wahnsinnstat kommen …

Vorher sei aber noch erwähnt, wie großartig Woody Harrelson als tätowierter, bösartiger Psychopath ist. Wie treffsicher Cooper sein Darstellerteam Willem Dafoe, Zoë Saldaña, Forest Whitaker, Sam Shepard … zu Höchstleistungen führt. Bale spielt mit Mikromimik. Ein zuckender Wangenmuskel, ein flackerndes Auge, schon sind Schmerz und Angst und Trauer spürbar. America the Beautiful hat sich an den Rand der Existenz gebracht. Das will Scott Cooper ausdrücken: die tiefe Enttäuschung darüber, dass es auch in den Jahren der Obama-Regierung nicht vorangegangen ist. Nur Turnen mit der First Lady und Empörung über Samsung-Selfies werden zu wenig sein. Laut Süddeutscher melden sich die Bushs in Gestalt von Sohn Jeb (61) zurück. So viele Hochöfen hat die Hölle gar nicht. Also, Vorsicht: „Auge um Auge“ ist kein Film für Patrioten.

www.augeumauge-derfilm.de

http://outofthefurnacemovie.tumblr.com/

Trailer:  www.youtube.com/watch?v=qAAWlQpIrNs

Wien, 8. 4. 2014

Justin Timberlake und Ben Affleck in …

Oktober 15, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

… Runner Runner

Richie Furst (Justin Timberlake) und Ivan Block (Ben Affleck) Bild: © 2013 Twentieth Century Fox

Richie Furst (Justin Timberlake) und Ivan Block (Ben Affleck)
Bild: © 2013 Twentieth Century Fox

Ab 18. Oktober im Kino: Vermutlich können nur die hartgesottensten Zocker etwas mit dem Ausdruck „Runner Runner“ anfangen. Für alle, die sich damit nicht auskennen, deswegen hier eine kurze Erklärung. In der Poker-Variante Texas Hold’em bekommt jeder Spieler zwei so genannte Hole Cards, die jeder zunächst für sich behält. Dann bekommt jeder den Flop, drei offen gegebene Community Cards. Die vierte Karte nennt man den Turn, die fünfte den River. Manchmal erhält der Spieler die beiden Karten, die er braucht, erst mit diesen beiden letzten Karten. Dieses Blatt ist dann der seltene Glücksfall, den man „Runner Runner“ nennt. In RUNNER RUNNER braucht Richie, wenn er nicht im Knast enden will, einen genialen Plan – und eben ein paar solcher seltenen Glücksfälle!

Weil er der Meinung ist, übers Ohr gehauen worden zu sein, reist der Princeton-Doktorand Richie (Justin Timberlake) nach Costa Rica, um dort Ivan Block (Ben Affleck), einen Tycoon des Online-Glücksspiels, mit dem Vorfall zu konfrontieren. Als er Block trifft, lässt er sich von dessen Angebot, auf schnelle Art zu riesigem Reichtum zukommen, verführen, doch dann erfährt er die verstörende Wahrheit über seinen neuen Gönner. Als das FBI schließlich versucht, mit Richies Hilfe Block das Handwerk zu legen, muss er wie nie zuvor auf Risiko setzen – und beide Seiten, die ihm immer dichter auf den Fersen sind, austricksen. Richie jagt einer neuen Form des amerikanischen Traums hinterher, der nur noch aus schnellem, sofortigem und grenzenlosem Reichtum besteht. Einst befand er sich an der Wall Street auf der Überholspur und verlor alles, als der Markt zusammenbrach. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich für einen Neunanfang durch das Doktorandenprogramm der Universität zu quälen. Doch als er beim Online-Glücksspiel einem Betrug aufsitzt und um sein gesamtes Studiengeld gebracht wird, fliegt Richie nach Costa Rica und will dort jene Zocker-Legende zur Rede stellen, die die Webseite betreibt: Ivan Block. Block ist beeindruckt von Richies Intelligenz und nimmt den jungen Mann mit dem Versprechen unter seine Fittiche, ihn mit seiner Welt vertraut zu machen. Es dauert nicht lange, bis Richie sich in Blocks Mitarbeiterin, die elegante COO Rebecca Shafran (Gemma Arterton), verliebt und ein Leben genießt, das all seine Wünsche wahr werden lässt. Dann allerdings erfährt er, dass Block wegen organisierter Kriminalität, Erpressung und Bestechung gesucht wird und FBI Special Agent Shavers (Anthony Mackie) davon besessen ist, Block und Mitstreiter vor Gericht zu bringen. Block beschließt daraufhin, seine Zelte abzubrechen und Richie als Sündenbock zurückzulassen. Weil auch Shavers ihm immer weiter zusetzt, muss Richie schnell einen Weg finden, beiden Seiten einen Schritt voraus zu bleiben, falls er seine Zukunft nicht hinter Gitter verbringen will.

Den verschwenderischen Lebensstil von Glücksspiel-König Ivan Block bezeichnet RUNNER RUNNER-Regisseur Brad Furman als „den neuen amerikanischen Traum“. Er führt weiter aus: „Dank all der neuen Technologien geht in unserer Welt heute immer alles ganz schnell, was auch das Konzept des American Dream beschleunigt hat. Junge Menschen wollen heute alles viel schneller haben als früher. Ganz besonders Geld!“ Justin Timberlake stimmt Furmans Einschätzung des amerikanischen Traums zu: „Beim American Dream ging es früher darum, reich und berühmt zu sein. Heute geht es darum, reich und berühmt zu werden – und zwar so schnell wie möglich. Je mehr Zugriff wir auf Dinge haben, desto schneller wollen wir sie haben. Man muss nur auf einen einzigen Button drücken und schon kann man sich so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann, schicken lassen.“ „Heute wollen die Leute nicht mehr nur einfach einen Cadillac besitzen. Sie wollen ihr eigenes Auto erfinden“, fährt Timberlake fort. „Eine ganze Generation junger Menschen will ihre eigene Galaxie der unternehmerischen Aktivitäten starten. Die Leute versuchen in einem fort, das Rad neu zu erfinden. Und alles geschieht geradezu in Warp-Geschwindigkeit. Das ist wirklich mörderisch. Nur um Integrität, Stolz, Ehre oder irgendwelche moralischen Werte geht es eigentlich kaum noch.“ Der von Timberlake gespielte Richie Furst gehört zu denen, die sich in dieser unwiderstehlichen, aber gefährlichen Mentalität zu verfangen drohen. Sein Mentor und „Gönner“ ist dabei Ivan Block, jener Mann, der unerkannt hinter einem milliardenschweren Imperium für Online-Glücksspiel steckt. Die Rolle übernahm Ben Affleck, der darin die Chance erkannte, als Schauspieler mal einen ganz anderen Gang einzulegen: „Ich habe etliche Rollen gespielt, in denen ich zurückhaltend, ruhig und introvertiert sein musste. Aber Ivan lässt in einer Tour Gas um mal im Bild zu bleiben. Er hat ständig irgendeinen sexy Monolog über das Leben parat und überschüttet Richie geradezu mit Spitzfindigkeiten. Ich wusste sofort, dass es Spaß bringen würde, mich auf Ivan und seine Welt einzulassen.“

Genau wie Timberlake reizte auch Affleck, wie RUNNER RUNNER hinter die Maschinerie des neuen amerikanischen Traums blickt: „Unter der Verlockung des schnellen und einfachen Geldes steckt etwas grundsätzlich Unaufrichtiges, Korruptes, Zerrüttetes und Falsches. Es dreht sich nur noch darum, schnell reich zu werden. Mit welchen Mitteln auch immer. Das neue Unternehmensethos ist es, der Konkurrenz die Kehle durchzuschneiden – und das wird in vielen Kreisen auch noch als gesund und lobenswert geschätzt.“ Regisseur Brad Furman hatte gerade die erfolgreiche Romanverfilmung THE LINCOLN LAWYER („Der Mandant“, 2011) hinter sich, als er auf RUNNER RUNNER stieß. „Meine Vision für RUNNER RUNNER war es, Richie auf eine Reise zu schicken, die ihn immer weiter auf unsicheres Terrain führt“, erklärt er sein Konzept. „Deswegen beginnt der Film in New Jersey, doch bald landet Richie in Costa Rica, wo sich ihm eine fantastische, aber korrupte Welt auftut.“ „Richie ist ein guter Kerl am falschen Ort, der das Richtige zu tun versucht“, sagt Timberlake über seine Figur. „Er bemüht sich aber, seinen moralischen Werten treu zu bleiben. Letztlich ist er ein Träumer und Idealist, der einfach einen Fehler begangen hat und nun zusehen muss, wie er aus dieser Situation wieder herauskommt.“ Ivan Blocks Weg in diese „Unterwelt“ hat unvorstellbare Reichtümer hervorgebracht, die für Richie Verlockung genug sind, sich auf etwas einzulassen, das sich letztlich als Prozess des Erwachsenwerdens erweisen wird. „Ivan ist der unverfrorene Mentor, der dazu aufruft, sich zu nehmen, was man kriegen kann, ohne weiter drüber nachzudenken“, beschreibt Affleck seine Rolle. „Er will Richie manipulieren und zu einem Teil seines Teams machen. Es ist seine Mission, ihn so zu formen, dass Richie nicht aufbegehrt gegen all die fragwürdigeren Dinge, die er mitbekommt.“

Wenn es darum geht, Richie von seinen weniger luxuriösen Seiten abzulenken, ist seine Menschenkenntnis die eigentliche Stärke des Tycoons, wie Affleck ergänzt: „Block weiß genau, wie er andere manipulieren kann, und vor allem ist er unglaublich gut darin, sie von seinen wahren Motiven abzulenken. In Blocks Augen sind alle Menschen nicht nur unsicher, sondern unglaublich verzweifelt auf der Suche nach Erfolg. Er weiß, dass die meisten sich immer so fühlen, als seien sie zu kurz gekommen. Und dass wir alle gelernt haben, dem Geld hinterher zu jagen und Reichtum mit Ansehen, Ehre, Erfolg und Männlichkeit gleichzusetzen. Also lenkt er alle Aufmerksamkeit auf seinen Reichtum, der Richie dann so sehr blendet, dass er kaum mitbekommt, was wirklich vor sich geht.“ Doch der Reiz von Blocks Welt geht noch über das Geld hinaus, wie Furman findet. Es geht dabei um etwas sehr viel Interessantes – und Gefährlicheres. „Die eigentliche Rechnung ist folgende: Geld mal Macht gleich Sex! Wenn man Männer fragt, warum sie nach Geld und Macht streben, ist die Antwort meistens die gleiche. Nämlich Frauen. Darum geht es unterm Strich.“

Das in RUNNER RUNNER gezeigte Costa Rica existiert in einem Spannungsfeld zwischen Armut und Opulenz, zwischen Recht und Korruption. Man kann sich dort jeder Laune hingeben und jeden Wunsch erfüllen – bis man unersättlich wird. Von schicken Casinos über Swimmingpools, an denen sich Bikini-Schönheiten liegen, bis hin zu von Krokodilen bevölkerten Urwäldern zeigt RUNNER RUNNER eine verlockende, gefährliche Welt, in der alle sieben Todsünden zu finden sind. Die Geschichte des Films handelt letztlich von Reichtum, dem Wunsch, ihn anzuhäufen, und dem Bedürfnis, ihn zu behalten. Diese Mentalität spiegelt sich auch im Look der Figuren wieder: schick und ordentlich, aber durchsetzt von der entspannten Atmosphäre Costa Ricas. Entsprechend dominieren elegant geschnittene Anzüge, Leinen und körperbetontes Styling. Für den Film hielt Puerto Rico als Costa Rica her. Den gesamten Sommer 2012 fanden dort die Dreharbeiten zu RUNNER RUNNER statt. Ein Großteil des Films wurde in La Perla gedreht, einem Gebiet von etwas mehr als einem Kilometer Länge, das zwischen der nördlichen historischen Stadtmauer von San Juan und dem Atlantik liegt. Das Produktionsdesign-Team stand dabei vor der Aufgabe, ein glaubwürdig verschwenderisches Ambiente in einem Land entstehen zu lassen, in dem Arm und Reich weit auseinander liegen. Die luxuriöseste Kulisse ist dabei natürlich Ivan Blocks palastartiges Anwesen, dessen Haupthaus Affleck wie folgt beschreibt: „Das ist ein großes weißes Monster mit einer Scarface-artigen Atmosphäre. Das passt bestens zu meiner Figur. Denn was passiert, wenn so ein Typ all dieses Geld verdient? Wenn man jemanden mit dem Denken eines 18-jährigen 20 Millionen Dollar in bar in die Hand drückt, steht man am Ende mit einem riesigen Party-Haus voller Mädchen in engen Klamotten, viel Alkohol und jeder Menge Glücksspiel da, in dem jeden Abend Party angesagt ist. Genau das ist es, was wir sehen, wenn wir Blocks Welt betreten.“

Produziert wurde der Film übrigens u. a. von Leonardo DiCaprio.

www.runnerrunnermovie.com

Trailer: www.runnerrunner-derfilm.at

Wien, 15. 10. 2013

„To The Wonder“

Mai 31, 2013 in Film

Terrence Malicks jüngstes Filmpoem

Ben Affleck, Javier Bardem Bild: Photo courtesy of Magnolia Pictures

Ben Affleck, Javier Bardem
Bild: Photo courtesy of Magnolia Pictures

Huch, der Mann ist zum Workaholic mutiert. Kaum wurde er für „The Tree of Life“ 2011 in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt, legt er schon seinen nächsten Film vor: „To The Wonder“. Das ist deswegen erstaunlich, weil Terrence Malick, hauptberuflich Bildästhet und erst an zweiter Stelle Kinoregisseur und demnächst 70-jährig, in seinem Leben erst sieben Filme (inklusive des Kurzfilms „Lanton Mills“) vorgelegt hat. „To The Wonder“ läuft ab 31. Mai in den heimischen Kinos.

Malick ist so etwas, wie das Phantom der Leinwand, lässt sich nicht fotografieren – zumindest nicht freiwillig -, lässt sich vertraglich zusichern, keine Interviews geben zu müssen, lässt seine Biografie im Dunkeln (angeblich war der Vater iranischer Geologe, aber wer weiß das schon?), hat sich nicht einmal seinen Goldwedel selber abgeholt. 1973 fiel er erstmals auf. Mit dem Roadmovie „Badlands“ über den Serienkiller Charles Starkweather – seine (dem schmalen Budget geschuldet) bisher „schlankste“, geradlinigste Arbeit. Es folgte 1978 „In der Glut des Südens“, ein Dreieckskrimimelodram, bei dem Malick schon beschloss, nur „in den magischen Stunden vor Sonnenuntergang“ zu drehen und die Produzenten damit in den Wahnsinn zu treiben – Nebensatz: Der studierte Philosoph übersetzte Heidegger. Als nächstes machte Malick zwanzig Jahre lang – – – nichts.

Nun also „To The Wonder“. Und wie immer bei ihm geht es um das ewige Warum, die ganz großen Fragen, die naturgemäß unbeantwortet bleiben. Diesmal: Wo geht die Liebe hin, wenn sie geht? Wie lässt sich die Sehnsucht nach ihr stillen? Und Malicks Dauerthema: Wieso zerstört der Mensch seine Mutter, die Erde? Die brillant fotografierten Probleme beginnen diesmal in einem Kaff in Oklahoma, in dem es im Grundwasser Giftrückstände gibt. Der Mann (Ben Affleck), der die Sache untersuchen soll, hat dafür einen Paris-Trip mit seiner Partnerin (Olga Kurylenko) unterbrochen, findet aber in the middle of nowhere seine Jugendliebe (Rachel McAdams) wieder. Die beinah sakrale Suggestivkraft der Bilder spiegelt sich im mexikanischen Priester (Javier Bardem), ebenfalls in Liebensqualen, und zwar in solchen zu Gott. Weshalb sich mit weniger zufrieden geben, als mit Glaubensfragen? Diese exquisite Schauspielstatisterie bevölkert nicht nur die traumhaften Aufnahmen – immer wieder streichelt die Kamera Gräser und Gewässer, verklärt Bisons und Pferde in untergehenden Sonnen -, sondern untermalt auch die Musikauswahl von Bach bis Gorecki, von Berlioz bis Wagner. Dazwischen wird viel geflüstert und geraunt, eine Stimme aus dem Off liest leicht theatralisch Tagebucheintragungen vor.

Es ist, wie es ist: Rudimentär und doch irgendwie überfrachtet. Kino für den Kopf hat das Recht verkopft zu sein. Und so ist alles perfekt choreografiert, ernst und konzentriert, statisch, meditativ. Die Figuren halten einen auf Distanz, ihre Emotionen – wabernd wie in einem Nebel – sind wohl ihre Sache. Aber alle und alles schaut sehr schön aus. Malick ist für den einen ein Ereignis. Für den anderen ein fataler Irrtum. Der Film ist einer, auf den man sich einlassen muss.

www.magpictures.com/tothewonder

Von Michaela Mottinger

Wien, 31. 5. 2013