Die Kinohighlights im Herbst

August 6, 2015 in Film, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das flimmernde Dutzend

The hateful Eight: Kurt Russell und Samuel L. Jackson Bild: The Weinstein Company

The hateful Eight: Kurt Russell und Samuel L. Jackson
Bild: The Weinstein Company

Alles wird leinwand: Neben dem neuen James-Bond-Abenteuer „Spectre“ und „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ gibt es im Kinoherbst allerlei Sehenswertes. mottingers-meinung.at freut sich auf folgende zwölf Filme:

September

Black Mass

Endlich einmal ohne Dreadlocks! Johnny Depp besinnt sich auf seine Kernkompetenz, nämlich Schauspieler statt Berufspirat zu sein, und gibt in Halbglatze den skrupellosen US-Verbrecher Joseph „Whitey“ Bulger, der seine lange Karriere auch dem Umstand zu verdanken hatte, dass er dem FBI als Informant im Kampf gegen die Mafia – die in seinem Territorium wilderte – diente. Verspricht ein spannender Mix aus Gangsterfilm und Biopic zu werden. An Depps Seite agieren unter anderem Benedict Cumberbatch und Kevin Bacon. Regie: Scott Cooper. Die Bostoner Unterweltlegende Bulger diente übrigens schon als Vorbild für Jack Nicholsons Figur Frank Costello in „Departed – Unter Feinden“.

www.blackmassthemovie.com

Oktober

Macbeth

Justin Kurzels Adaption von Shakespeares schottischem Stück ging beim diesjährigen Rennen um die Goldene Palme in Cannes zwar leer aus, das bildgewaltige Epos scheint aber allemal sehenswert zu sein. Michael Fassbender, derzeit im Western „Slow West“ in den heimischen Kinos zu sehen, und Marion Cotillard geben Macbeth und seine Lady. Laut Trailer sehr duster und sehr schön vom Wahnsinn umzingelt.

www.macbeth-movie.com

Hotel Transsilvanien 2

Teil eins des Animationsspaßes füllte 2012 weltweit die Kinokassen mit knapp 360 Millionen Dollar. Nun kommt die Fortsetzung der Gruselkomödie: Hotelbesitzer und Oberblutsauger Dracula hat, da sein Schwiegersohn ja einer ist, sein Haus nun auch für Sterbliche geöffnet. Sorgen macht ihm allerdings sein Enkel Dennis, der die Vampirsache nicht so recht ernst nimmt. Dracs Freunde Werwolf, Mumie und Frankensteins Monster sollen dem Nachtschattensprößling auf den Spitzzahn fühlen. Sicher wieder ein Riesenspaß.

www.hoteltmovie.com

Life

Anton Corbjins Biopic über James Dean lief schon bei der Berlinale. Dort war die Handlung manchen zu blutleer, allgemein gelobt wurden aber die schönen Bilder. Teenieschwarm Robert Pattinson schlüpft in die Rolle von Magnum-Fotograf Dennis Stock, der für das Life-Magazine Film-Enfant-terrible James Dean (Dane DeHaan, Variety nannte sein Spiel „magnetisch“) ablichten soll. Der Auftrag führt die beiden Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, quer durch die USA. Das Leben des mit seinen 26 Jahren schon ziemlich biederen Familienvaters Stock wird von der Kinoikone kräftig zentrifugiert – bis aus Staunen Freundschaft entsteht. True Story! Mal schauen.

lifethefilm.com

The Walk

1974 balancierte der französische Hochseilartist Philippe Petit in schwindelnder Höhe zwischen den New Yorker Twin Towers. Robert Zemeckis (Drehbericht samt Aufnahmen des und Interview mit dem echten Philippe Petit: www.mottingers-meinung.at/?p=10367) machte aus dessen Buch „To Reach The Clouds“ einen hoffentlich spannenden Film. Joseph Gordon-Levitt spielt den Wolkenkraxler.

thewalkmovie.tumblr.com

November

Spectre

Wie’s im Geheimagentenbusiness nun mal so ist, ist das Meiste streng geheim. Da kann man trotzig ein Schnütchen ziehen wie Daniel Craig, hilft alles nix. Aber egal. Ist ja nicht anzunehmen, dass das jüngste James-Bond-Abenteuer „Spectre“ in den bewährten Händen von Regisseur Sam Mendes, der auch schon für „Skyfall“ verantwortlich zeichnete, nicht wieder zum Riesenspektakel wird. Handlung: Eine mysteriöse Botschaft aus Bonds Vergangenheit bringt den Superspion auf die Spur einer sinistren Organisation. Während M – Ralph Fiennes folgte bekanntlich auf Judy Dench – gegen Politkräfte kämpfen muss, die dem Secret Service ans Leder wollen, enthüllt die Doppelnull die Machenschaften von „Spectre“. Monica Bellucci fungiert als „Bond-Girl“, Ben Whishaw wieder als Q, Christoph Waltz gibt den Bösewicht mit dem österreichischen Namen Oberhauser. Ob der Blofeld ist oder nicht, sagt uns erst .. Auch darüber, wer den Bond-Song singt, brodelt derzeit noch die Gerüchteküche.

www.007.com/spectre

The hateful Eight

Pflichtprogramm! Quentin Tarantino zum zweiten Mal auf der Fährte der beiden Sergios. Mit „The hateful Eight“ schuf er wohl wieder eine astreine Hommage an den Italowestern, diesmal im Schnee wie weiland Corbuccis Meisterwerk „Leichen plastern seinen Weg (Il grande silenzio)“. Wie Klaus Kinski ist auch Kurt Russell als Kopfgeldjäger mit Postkutsche und Verbrecherin (Jennifer Jason Leigh) unterwegs, allerdings will er die Holde nicht à la Vorbild im Schnee tieffrieren, sondern sie – um eben dies zu verhindern – in einer Stagecoachstation zwischenparken. Dort gibt sich bereits allerlei lichtscheues Gesindel ein Stelldichein: Man hat noch eine Bürgerkriegsrechnung miteinander offen. Mit Samuel L. Jackson, Tim Roth, Channing Tatum und dem großartigen Bruce Dern als abgehalftertem General. Ennio Morricone macht die Musik.

thehatefuleight.com

Irrational Man

Woody Allen kann auch mit beinah 80 nicht aus seiner Haut, muss er auch nicht, er hat ja Erfolg damit. „Irrational Man“ heißt sein jüngster Alter-Ego-Film, Joaquin Phoenix darf diesmal den Stadtneurotiker spielen, allerdings in einem beschaulich-ländlichen College, wo er als Philosophieprofessor am Sinn-des-Lebens-Bezweifeln und Zwischen-zwei-Frauen-Stehen laboriert. Und deshalb (?) an Erektionsstörungen. Die angeblich schwarzhumorige Komödie, die sich zum Krimi entwickelt, soll bissfester sein als ihr Vorjahrsvorgänger „Magic in the Moonlight“.  UK- und US-Kritiken waren nicht durchwegs freundlich, also selber ein Urteil bilden.

www.sonyclassics.com/irrationalman

The Martian

Ridley Scotts Ankündigung den faden „Prometheus“ mit einem Sequel zu adeln, darf zwar als gefährliche Drohung verstanden werden, trotzdem ist Science Fiction vom „Alien“-Altmeister ein Cineastenmuss. Des Sirs jüngste Mission führt zum Mars, er hat Andy Weirs Weltraumroman „The Martian“ für die Leinwand gebannt. Der Marsianer ist kein grünes oder andersfarbiges Männchen, sondern der von Matt Damon gespielte NASA-Astronaut Mark Watney, der von seinen Kollegen irrtümlich auf dem roten Planeten vergessen wird. Ohne Möglichkeit zur Kommunikation und mit beschädigter Ausrüstung beginnt für den Botaniker auf dem unwirtlichen fremden Himmelskörper der Überlebenskampf. Mit Jessica Chastain, Jeff Daniels und Sean Bean, der hier nach „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ den Film mutmaßlich überstehen wird. Wir freuen uns auf erwartungsgemäß tolle Bilder und eine klaustrophobische Stimmung.

www.foxmovies.com/movies/the-martian

Steve Jobs

Gerade erst hat die Oper von Santa Fe für 2017 die Premiere von „The (R)evolution of Steve Jobs“ aus der Feder von Komponist Mason Bates angekündigt, da kommt auch schon der nächste Film über das Apple-Genie ins Kino. Dem kann man nur mehr Glück wünschen als Ashton Kutchers abgestürztem „jOBS“. Garanten für ein vielschichtiges Werk über einen faszinierenden Zeitgenossen wären Autor Aaron Sorkin, Regisseur Danny Boyle und Hauptdarsteller Michael Fassbender jedenfalls. Dem gewieften Charakterdarsteller, dem keiner so schnell einen Apple für ein Ei vormacht (Tschuldigung, konnte nicht widerstehen 😉 ), sollte es doch möglich sein, Jobs überbordenden Geist, sein gefürchtetes Temperament, seine Kompromisslosigkeit und seinen Alleinherrscheranspruch in eine Figur zu gießen.

www.stevejobsthefilm.com

Dezember

Star Wars: Episode VII – The Force Awakens

Hurra, Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill sind wieder da! Nach den unsäglichen Episoden I bis III geht’s nun mit Han, Leia und Luke hoffentlich in bewährter Manier flottilotti weiter. Über die Handlung des ersten Teils der dritten Trilogie ist nicht viel bekannt: Wiewohl der Todesstern hin ist, lebt das Imperium als „The First Order“ weiter. Prinzessin Leia schickt Piloten auf Erkundungsflüge, ein geheimnisvolles Lichtschwert soll der Schlüssel zu einem Grab der bösen Sith sein, weshalb Rebellenheld Han Solo sich der Sache annimmt. Der braucht die Hilfe von Jedi Luke Skywalker. Doch sein alter Freund und Schwager ist im Exil … Mit J. J. Abrams als Regisseur dürfen die Erwartungen ruhig hoch liegen. Harrison Ford hat nach Beinbruch am Set zwischenzeitlich bewiesen, dass er alles überleben kann, auch selbstfabrizierte Flugzeugabstürze. Carrie Fischer möge in ihrer berüchtigt grummeligen Leiar, äh Leier, für feministischen Touch sorgen. Das „Oh, Anakin!“-Gesäusel ihrer unemanipierten Mutter Padmé Amidala war ja nicht zum Aushalten. In diesem Sinne: Möge die Macht mit uns sein!

www.starwars.com/the-force-awakens

Bridge of Spies

In the shadow of war, one man showed the world what we stand for. So der erste Satz, mit dem sich der Film vorstellt. Und, ehrlich, wer möchte bei so viel US-Propaganda nicht sofort ins Kino laufen? Da ist bitte nur einem PR-Menschen der Schreiberling durchgegangen? Steven Spielberg und Tom Hanks stehen eigentlich für mehr Qualität. Und auch ihr deutschsprachiger Mitstreiter Sebastian Koch. Inhalt des Zeitgeschichtethrillers: Im Kalten Krieg wird ein amerikanisches Spionageflugzeug über der Sowjetunion abgeschossen. Anwalt Hanks soll mit den Russen in Verhandlungen treten, um den Piloten vorm Arbeitslager zu retten. Ein Austausch auf der Glienicker Brücke in Berlin wird vorbereitet …

bridgeofspies.com

Wien, 6. 8. 2015

Star Wars: Die Saga geht weiter

Mai 2, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill

Mark Hamill, Carrie Fisher, Harrison Ford Bild: www.33rdsquare.com

Mark Hamill, Carrie Fisher, Harrison Ford
Bild: www.33rdsquare.com

Sollen sie uns doch belächeln, diese Kinder, die nicht einmal noch eine Idee ihrer Eltern waren, als wir schon bebend in den Kinosesseln saßen, um George Lucas‘ jüngsten Geniestreich zu sehen. Jede Kulisse echt, jede Plastik- oder sonstwie Puppe von einem Menschen oder einer Fernbedienung bewegt. KINO, meine Lieben, nicht Computer! Dann kamen die unsäglichen Episoden X,Y,Z, die sich jetzt 1-3 schimpfen dürfen. Ein Schwachsinn sonder gleichen, mit einer Senatorin Amidala, die zu jeder Verfehlung ihres düster blickenden späteren Darth Vader „Oh, Anakin!“ säuselte, während ihre Tochter Leia vom Vater früher, das heißt: später, gefoltert wurde. Leia, eine Kriegerin, die Mutti eben eine Mutti. Irgendwo zwischen den Jahrzehnten hatte sich die Emanzipation verloren. Und Witz und Wert der Buddy-Movies der (und sie werden es immer bleiben!) Episoden eins bis drei, auch wenn sie neuerdings vier bis sechs heißen. Harrison Ford immerhin hat es in seiner schauspielerischen Karriere geschafft, zwei Kinoseriencharaktere für immer mit seinem Namen zu verbinden: Den Weltraumschmuggler und den Archeologieprofessor. Das soll mal einer nachmachen.

Nun folgt also Episode sieben. Und die alte „Star Wars“-Garde, namentlich Carrie Fisher, 57, Mark Hamill, 62, und Harrison Ford, 71, wird wieder mitspielen. Angeblich war es George Lucas, nach dem Verkauf der „Star Wars“-Rechte an Disney nur noch Berater an der Seitenlinie, der die Gerüchte erstmals streute. Wahrscheinlich hat J. J. Abrams es vor allem ihm zu verdanken, dass Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia nun tatsächlich wieder mit von der Partie sind. Sie sind nicht die einzigen alten Bekannten, die zum Sternenkrieg-Sequel antreten: Der Riese Peter Mayhew, 69 Jahre alt, wird noch einmal als Chewbacca sein Wookie-Geheul anstimmen. Zehn Jahre älter ist der weitaus kleinere Kenny Baker, der erneut den Droiden R2-D2 spielen wird  und auch Anthony Daniels, 69, ist als goldener C-3PO dabei.

Um die All-Alt-Stars baut Abrams eine Riege verlässlicher, bereits etablierter Künstler: Gollum-Darsteller Andy Serkis spielt eine Rolle, so dass spekuliert werden darf, welche Phantasiefigur er übernehmen wird. Einen Nachfahren des Jedi-Meister Yoda oder einen neuen  Jabba The Hutt? Filmveteran Max von Sydow, 85, dürfte mit  sinistrem Charme einem Sith-Lord Charakter verleihen. Er könnte aber auch als Jedi-Ritter zu sehen sein – oder sogar als Geist von Obi-Wan Kenobi, der ehedem von Sir Alec Guinness dargestellt worden war. Der hierzulande eher unbekannte Adam Driver wird vom Guardian als Oberschurke gehandelt. Und schließlich wird mit Oscar Isaac einer der talentiertesten Darsteller der vergangenen Jahre mitspielen. Der singende Melancholiker aus der Coen-Brüder-Musikerballade „Inside Llewyn Davis“ soll angeblich eine Art Han-Solo-Nachfolger sein. Die bislang ebenfalls unbekannte Britin Daisy Ridley gilt als Prinzessin Leia der Zukunft. Schließlich könnten Leia und ihr Liebster Kinder haben … Mit denen dann wieder die Macht wäre … Die Dreharbeiten sollen in den kommenden Wochen beginnen. Kinostart soll Ende 2015 sein, aber das steht noch in den Sternen.

http://starwars.com/

www.starwars-union.de

Wien, 2. 5. 2014

Achtung, Spoiler!

Mai 10, 2013 in Film

Nicht jeder, der glaubt, er Khan – kann.

Chefmaschinist Scotty (kauzig-komisch: Simon Pegg) hat Recht. Er verlässt die Enterprise nach wenigen Minuten. Samt seinem außerirdischen Gnom. Man sei doch ein Forscherraumschiff, der Weltraum, unendliche Weiten  und so  – und jetzt würden ihm Raketen mit Sprengköpfen im Warp-Heiligtum deponiert, ohne, dass er sie scannen dürfe. So nicht. Genau.

Benedict Cumberbatch als john Harrison alias Bösewicht Khan Bild: Paramount Pictures

Benedict Cumberbatch als John Harrison alias Bösewicht Khan
Bild: Paramount Pictures

„Star Trek Into Darkness“ läuft seit Christi Himmelfahrt in den Kinos und ist … ja eh … in 3D. Gerüchten zufolge soll J. J. Abrams, oberster Sternenflottler und zurzeit amtierender Regisseur, aber ab Teil drei nur noch als Produzent tätig, als Kind die TV-Serie mit Kirk und Co. gehasst haben. Zugegeben, das musste man mögen, wenn William Shatner mit eingezogenem Bauch und vorgeschobenen Schultern über die Plastikbrücke wankte, aber: Die wirklich guten Schauspieler Chris Pine (Kirk), Zachary Quinto (Spock), Karl Urban (Dr. McCoy) oder Zoe Saldana (Uhura) als junge, neue Crew haben es sich nicht verdient, dass ihr zweites Abenteuer nicht mehr als ein müder Abklatsch von „Der Zorn des Khans“ (1982) ist. Da setzt man wohl darauf, dass die junge, neue Generation an Sci-Fi-Fans Ricardo Montalbán – wunderbar mit blonder Camilla-Parker-Bowles-Frisur und hellbrauner, die durchtrainierte Brust betonende Strick-Leder-Weste – ohnedies nicht mehr kennt. Schwache Vorstellung, Mr. Abrams!

Was an Ideen punkto Handlung fehlt, macht man mit Action wett. Materialschlacht folgt auf Weltraumschießerei folgt auf Prügelei folgt auf … Computeranimation kann heute wirklich ALLES. Die Föderation ist militärischer geworden, in chicen grauen Uniformen mit Kappe, für Gene Roddenberry selig, der in seinem Universum die Botschaft von Völkerverbindung und möglichem Frieden verbreiten wollte, wahrscheinlich eine Dystopie. Kein Wunder, dass das Schiff, auf das Spock kurzfristig strafversetzt werden soll, U.S.S. Bradbury heißt (vom US-Fantasten Ray Bradbury stammen die berühmten „Mars-Chronken“, ein sozialkritisches Werk darüber, wie die Menschen durch die Kolonialisierung des Mars die dortigen friedlichen „Ureinwohner“ erst in Reservate sperren, dann ganz auslöschen. Sein mit Oskar Werner verfilmter Roman „Fahrenheit 451“  gehört zu den pessimistischten Zukunftsbildern des 20. Jahrhunderts).

Aber „Star Trek Into Darkness“ hat auch seine guten Seiten. Zum Beispiel, dass Abrams die Mischung aus Weltraumwestern und Buddie-Movie beibehalten hat. Am Ende nennt Spock seinen Captain erstmals Jim. Die Selbstironie von Charakteren wie „Pille“ oder Scotty. Die Tatsache, dass die Lovestory zwischen Uhura und Spock nicht nur vertieft wird, sondern Frau Lieutenant Uhura selbstverständlich Crewmitglied bei einem Außenkommando ist und sehr forsch-emanzipiert mit den Klingonen verhandelt. Zum Beispiel, dass Nebenrollen aus Shatner-Zeiten, wie die Navigatoren Mr. Chekov und Mr. Sulu, aufgewertet wurden. Und ihre Darsteller Anton Yelchin und John Cho dieser Aufgabe mehr als gerecht werden. Und natürlich den großartigen, reptiliengleichen, manipulativen Terroristen John Harrison alias Khan alias Benedict Cumberbatch. Der BBC-Sherlock-Holmes spielt seinen Part mit einer Kälte, einer Emotionslosigkeit, einer Logik, dass selbst Spock die Ohren spitzt. Klar, dass der Bösewicht am Schluss den Kürzeren zieht, aber Auskenner wissen:  Khan, diesen durch Gentechnik optimierten Supermenschen, wird man nicht das letzte Mal begegnet sein.

Star Trek neu ist ja noch in der Genesis (ein Insidergag, bei Nichtverstehen bitte nachfragen!). Also kann man ruhig auf Buch drei warten. Vielleicht schwebt dann der Geist über dem All. Diesmal nämlich demoliert nicht Spock, sondern Held Kirk zur Rettung der Enterprise den Reaktorkern. Und während weiland Leonard Nimoy einen grauenhaften – weil radioaktiv verseucht – Tod starb, vor dem er „Pille“ per Gedankenverschmelzung noch über seine Wiedergeburtspläne informierte, liegt Kirki anno 2013 vom Khan-Blut gerettet im Krankenbettchen und ist schon bald wieder der gleiche lustige alte, äh, junge.

Immerhin: Damit erspart man einem – hoffentlich als weiteren Aufguss – „Die Suche nach Mr. Spock“. Es können eben nicht alle dorthin, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist …

www.mottingers-meinung.at/star-trek-into-darkness/

Von Michaela Mottinger

Wien, 10. 5. 2013

Star Trek Into Darkness

Mai 6, 2013 in Film

Spitzt die Ohren!Star-Trek-Into-Darkness

Sternenflottennachricht Nr. 1.: Schreiberlinge, die den Unterschied zwischen der Bezeichnung „Trekkies“ und „Trekkern“ nicht kennen, mögen es BITTE unterlassen über Gene Roddenberrys Universum zu berichten. Man mag vielleicht einen klingonischen Bird of Prey nicht von einem romulanischen Warbird unterscheiden können, auch schon schlimm, aber das geht zu weit!

Sternenflottennachricht Nr. 2.: Am 9. Mai startet in den Kinos der zweite Film mit der jungen Crew: „Star Trek Into Darkness“. Viel hat J. J. Abrams, der nicht nur neuer Regisseur auf der Brücke der Enterprise, sondern auch frisch gebackener „Star Wars“-Imperator ist (ungefähr gleichbedeutend, als müssten sich Rapid und Austria ein Umkleidekammerl teilen), weshalb Ur-Jim William Shatner Abrams auch als „Schwein“ bezeichnet haben soll, noch nicht über das zwölfte Kinoabenteuer von Kirk und Co. verraten: Ein psychopathischer Terrorist namens John Harrison (TV-„Sherlock“ Benedict Cumberbatch in der Rolle, für die lange Zeit Benicio Del Toro vorgesehen war, und angeblich der alte Klassiker „Khan“) will einen Vergeltungskrieg gegen die Föderation führen. Als Ablenkungsmanöver jagt er ein belangloses Archiv in die Luft, als alle Würdenträger sich ob der Tat versammeln, hat er sie. Oder so. Die Enterprise erobert derweil laut Vorspann Galaxien, in die nie zuvor ein Mensch vorgedrungen ist. Und in diesen unendlichen Weiten hat Kirk (Chris Pine) gerade viel Spaß mit zwei ringelschwänzigen Damen, als der Notruf kommt. Natürlich tut Kirk das Richtige, aber nichts nach Vorschrift, was zur nächsten Beziehungskrise mit Spock (Zachary Quinto) führt. Man ist hier ja schließlich in einer Mischung aus Weltraum-Western (Final Frontiers …) und Buddie-Film: der Heißsporn und der Analytiker. Bekannt ist noch, dass Uhuras (Zoe Saldana) Liebe zu Spock intensiver dargesteller sein soll. Das wäre neu! Denn im TV war Uhura noch Krik zugetan, was 1968 zum ersten via Flimmerkiste gezeigten schwarzweißen Kuss führte. Und, dass Benedict Cumberbatch saugut sein soll. Das wäre nur logisch!

Mehr dazu demnächst in der Filmkritik von www.mottingers-meinung.at. Mit von der Partie sind natürlich wieder auch der unvergleichliche Simon Pegg als Scotty, „Pille“/“Bones“ Karl Urban, John Cho als Mr. Sulu und Anton Yelchin als Pavel Chekov. Er war Abrams größtes Verdienst am 2009er Star Trek, dass alle Charaktere so gut gecastet waren, dass man sie sich als spätere/eigentlich frühere William Shatner, Leonard Nimoy (der ja zeitschleifig auch mitmischt), De Forest Kelley, James Doohan, George Takei, Nichelle Nichols oder Walter Koenig vorstellen konnte.

„Star Trek Into Darkness“ ist ein Film in 3D. Und darin liegt vielleicht die größte Gefahr für den Sci-Fi-Film. Dass zwischen Action, Spezialeffekten und Materialschlacht nicht die Selbstironie der 60er-Jahre-Fernsehserie auf der Strecke bleibt. Und Gene Roddenberrys, Im Zweiten Weltkrieg Bomberpilot in der US-Air Force, humanitäre Botschaft von Toleranz und Frieden zwischen den Völkern. Sein Captain Kirk ging zwar keiner schönen Frau und keiner Schlägerei aus dem Weg, aber, wenn’s hart auf hart kam, hieß es immer: Phaser auf Betäubung. Hoffentlich muss Jim nicht bald Gliedmaßen mit einem Lichtschwert abtrennen …

paramount-kino-newsroom.de

www.startrekmovie.com

Trailer: www.youtube.com/watch?v=rdZuqozLiUs&feature=youtu.be

Von Michaela Mottinger

Wien, 6. 5. 2013