MAK: „Sitzen 69“ Revisited

November 12, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Tischlersessel vs. Designklassiker

Verner Panton: Panton Chair, Kopenhagen, 1967. © MAK/Georg Mayer

Bunte, poppige Möbel und Design-Ikonen wie den Panton Chair von Werner Panton oder den Fauteuil Galaxy von Walter Pichler stellt das MAK ab 13. November in der Ausstellung „Sitzen 69“ Revisited traditionellen hochwertigen „Tischlersesseln“ gegenüber. 1969 präsentierte das Österreichische Museum für angewandte Kunst in der Möbelausstellung „Sitzen 69“ gediegene „Tischlersessel“ aus Skandinavien, Italien, Deutschland und Österreich. Sitzgelegenheiten, die heute für die Epoche charakteristisch sind, fehlten damals allerdings.

Zum 50-Jahr-Jubiläum dieser Ausstellung greift das MAK das Thema nochmal auf und vergleicht die aus Holz und in Handarbeit von Tischlern gefertigten Sessel mit verspielten und verrückten Möbelobjekten, die zum Inbegriff der alternativen und utopischen Wohnkonzepte der 1960er-Jahre wurden. Mit etwa 45 Objekten bietet die Schau in der MAK-Schausammlung Historismus Jugendstil einen Einblick in die zeitgenössische Konsumgüterproduktion der 1960er-Jahre.

Die Ausstellung „Sitzen 69“ war nicht darauf angelegt, einen Überblick über die neuesten Tendenzen des internationalen Gegenwartsdesigns zu geben. Entsprechend den Statuten des Museums wollte sie der Aufgabe nachkommen, „Kunstindustrie und Kunstgewerbe zu fördern und den Geschmack der Zeitgenossen zu bilden“, wie dies im begleitenden Ausstellungskatalog formuliert wurde.

Josef Frank: Armlehnsessel, Wien, 1933. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Wolfgang J. Haipl: Sessel, Wien, 1963. Bild: © MAK/Georg Mayer

Franz Schuster: Armlehnsessel, Nr. 1652, Wien, 1952. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Als vorbildlich wurde dabei vor allem das skandinavische Design erachtet, das in der Nachkriegszeit zum Inbegriff der „guten Form“ avancierte. Möbelentwürfe aus Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen von Designern wie Alvar Aalto, Finn Juhl, Ole Wanscher oder Hans Wegner waren durch eine pragmatische Schlichtheit charakterisiert. Die damalige Ausstellung stellte auch Querverweise zu österreichischen Entwürfen her, speziell zur Wiener Möbeltradition. In „Sitzen 69“ waren unter anderem auch von Josef Frank entworfene und von der Wiener Firma Haus & Garten ausgeführte Sessel zu sehen, die noch aus der Zeit um 1930 stammten. Frank war zweifellos der bedeutendste österreichische Möbeldesigner und Raumgestalter der Zwischenkriegszeit; im Ausstellungskatalog wurde er als „Begründer des damaligen ‚neuen Wiener Stils‘“ genannt.

Joe Colombo: Armlehnsessel, Italien, 1963. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Pierre Paulin: Tongue, Frankreich, 1967. Bild: © MAK/Georg Mayer

Walter Pichler: Fauteuil Galaxy, Wien, 1966. Bild: © MAK/Georg Mayer

 

 

 

 

 

„Sitzen 69“ war als Plädoyer zu verstehen, entsprechend dem international anerkannten Vorbild der skandinavischen Länder an die eigene Tradition der hervorragenden Wiener Möbelentwürfe der ersten Jahrhunderthälfte anzuknüpfen. Zugleich war damit programmatisch der Anspruch formuliert, sich nicht dem Diktat von Mode und Zeitstil zu beugen. In den 1960er-Jahren entstand unter dem Einfluss der Pop Art und des Raumfahrtzeitalters innovatives Design im Möbelbereich, darunter viele Entwürfe, die heute als „Designklassiker“ gelten, wie der Sacco der italienischen Designer Piero Gatti, Cesare Paolini und Franco Teodoro oder das Sitzobjekt Tongue des französischen Designers Pierre Paulin. Mit ikonischen Beispielen erweitert die Ausstellung „Sitzen 69“ Revisited den in „Sitzen 69“ intendierten Blick auf die Sitzgelegenheiten der 1960er-Jahre.

www.mak.at

12. 11. 2019