Schloss Hof und Schloss Niederweiden: Die Sisi-Sonderausstellung wird verlängert und erweitert

März 15, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Neu: „Sisi als Medienstar“ und „Sisis Sohn Rudolf“

Schloss Niederweiden: Sisi – Mensch & Majestät. Bild: © Dieter Nagl für SKB

Die Sisi-Sonderausstellung geht in Schloss Niederweiden und Schloss Hof ab sofort bis 26. Oktober in die Verlängerung und wird um zwei Ausstellungsbereiche erweitert. Zu sehen sind weiterhin die 400 ausgewählten Exponate aus dem persönlichen Besitz der Kaiserin Elisabeth. Von Schmuck, Kleidung und Schuhen bis hin zu Gemälden und Skulpturen, diese Objekte bringen den Besucherinnen und Besuchern die faszinierende und facettenreiche Persönlichkeit Elisabeths näher und geben fernab von Mythen und Klischees authentische Einblicke in das Leben und Wirken der Kaiserin.

Die Objekte zeugen von Freud und Leid, Sehnsüchten, Ängsten und Schicksalsschlägen einer Kaiserin, die viele Menschen auch heute noch in ihren Bann zieht. Klaus Panholzer, Geschäftsführer der Schönbrunn Group: „Wir freuen uns über den großen Erfolg dieser besonderen Ausstellung, die von unserer wissenschaftlichen Abteilung liebevoll kuratiert wurde, und wollen mit der Ausstellungsverlängerung den Gästen nochmals die einzigartige Kaiserin-Elisabeth-Sammlung präsentieren und sie für das imperiale Erbe begeistern.“

In Schloss Niederweiden wird in der Ausstellung ein besonderes Augenmerk auf die Rolle Elisabeths als beschützende, wohltätige Kaiserin gelegt. Auch ein Streifzug in ihre Kindheit in Bayern wird unternommen. Darauf aufbauend wird die Geschichte ihrer jungen Liebe zu Kaiser Franz Joseph mithilfe zahlreicher Porträts, Lithografien und Büsten erzählt. Die Vermählung des Kaiserpaares leitet zu Elisabeths Leben am Wiener Hof mit seinen strengen Hofregeln und ihrer kaiserlichen Familie über. Die Schwiegermutter und Tante Erzherzogin Sophie versuchte Elisabeth zu unterstützen, aber auch die Kaiserin nach ihren Vorstellungen zu formen und zu lenken. Der Erzherzogin wird in der Ausstellung ein eigener Bereich gewidmet.

Schloss Niederweiden: Sisi – Mensch & Majestät. Bild: © Dieter Nagl für SKB

Schloss Niederweiden: Sisi – Mensch & Majestät. Bild: © Dieter Nagl für SKB

Schloss Niederweiden: Sisi als Medienstar. Bild: © SKB Alexander Eugen Koller

Schloss Niederweiden: Sisi – Mensch & Majestät. Bild: © Dieter Nagl für SKB

Aus der Ehe mit Kaiser Franz Joseph gingen drei Töchter und ein Sohn hervor. Deren Biografien werden ebenso wie der Tod und die Trauer in Elisabeths Leben beleuchtet. Dabei steht nicht der gewaltsame Tod der Kaiserin im Zentrum, sondern der Schmerz der Mutter, die zwei ihrer Kinder – Sophie und Rudolf – zu Grabe tragen musste. Außerdem wird ihrem Ruf als „makellose“ Schönheit und „Modeikone“ nachgegangen. Um Schicksalsschläge aufzuarbeiten und den Intrigen am Wiener Hof zu entkommen, konzentrierte sich Elisabeth auf sich selbst und auf ihr Erscheinungsbild, dem sie viele Stunden des Tages widmete. Die Ausstellung setzt sich zudem mit Elisabeth als Reisende auseinander, die sehr daran interessiert war, ferne Länder und fremde Kulturen kennenzulernen und der das Reisen darüber hinaus ein freieres Leben ermöglichte.

Auch Elisabeths letzten Jahren an der Seite Franz Josephs und ihrem Nachwirken widmet sich die Ausstellung. Elfriede Iby, wissenschaftliche Leiterin der Schönbrunn Group: „Jedes einzelne Objekt in der Ausstellung erzählt Geschichte und Geschichten und zeigt die Besonderheit und den Reichtum der Kaiserin-Elisabeth-Sammlung.“

Sommerkleid der Kaiserin Elisabeth aus der Korfu-Garderobe. Bild: © SKB A. E. Koller

Schloss Hof: Sisis Sohn Rudolf. Bild: © Dieter Nagl für SKB

Goldenes Geschenkmedaillon der Kaiserin Elisabeth mit Porträtfotos der Kinder Gisela und Rudolf. Bild: © SKB A. E. Koller

Sisi als Medienstar

Elisabeths Leben mit all seinen Höhen und Tiefen fasziniert bis heute und wird nicht zuletzt deshalb auf der Bühne und im Film immer wieder thematisiert. Ein neuer Ausstellungsbereich befasst sich in Schloss Niederweiden mit der medialen Aufarbeitung der historischen Persönlichkeit „Kaiserin Elisabeth“ im Film und auf der Bühne – unvergessen die Filme von Ernst Marischka aus den 1950er-Jahren mit Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph in den Hauptrollen. Keine andere Filmproduktion hat das Bild der Kaiserin Elisabeth so nachhaltig geprägt und zur Mythenbildung rund um die Kaiserin beigetragen wie die Sissi-Trilogie von Ernst Marischka. Highlight des neuen Ausstellungsbereichs ist die Präsentation der spektakulären Kostüme des Erfolgs-Musicals „Elisabeth“ der Vereinigten Bühnen Wien, das im Sommer 2021 im Ehrenhof von Schloss Schönbrunn, dem Originalschauplatz, als konzertante Aufführung zu sehen ist.

Sisis Sohn Rudolf

In Schloss Hof erwartet die Besucherinnen und Besucher exklusiv ein zweiter Ausstellungsteil, dessen Schwerpunkt auf dem Kronprinzen Rudolf liegt, Elisabeths einzigem Sohn. Angefangen bei seiner Jagdleidenschaft über sein ausgeprägtes naturwissenschaftliches Interesse bis hin zu seinem Verhältnis zu Frauen und seiner Leidenschaft am Reisen – die Ausstellung rückt die private Seite des Kronprinzen in den Mittelpunkt. Die Ausstellung spannt dabei immer wieder einen Bogen zu Kaiserin Elisabeth. Mutter und Sohn waren sich in vielen Facetten durchaus ähnlich. Beide teilten das Interesse an der Natur oder die Freude am Reisen, wenngleich sich diese Gemeinsamkeiten unterschiedlich manifestierten. In der Ausstellung wird auf die charakterlichen Ähnlichkeiten der beiden immer wieder hingewiesen. Es wird aber auch der Frage nachgegangen, was von Rudolf blieb beziehungsweise von ihm in die Erinnerungskultur eingegangen ist.

Schloss Hof. Bild: © SKB Severin Wurnig

Schloss Hof: Sisis Sohn Rudolf. Bild: © Dieter Nagl für SKB

Schloss Hof: Sisis Sohn Rudolf. Bild: © Dieter Nagl für SKB

Schloss Niederweiden. Bild: © SKB Severin Wurnig

Sisi Ticket Deluxe – Mit Sisi auf Reisen

Bis 26. Oktober ist zeitlich begrenzt wieder das beliebte Sisi Ticket Deluxe an allen Kassen und online unter www.imperialtickets.com erhältlich und einlösbar. Mit dem Kombiticket begeben sich die Gäste auf Kaiserin Elisabeths Spuren und können alle Standorte der Schönbrunn Group um 36 € statt 65,50 € besuchen. TIPP: Die „Sissi im Film“-Tour im Hofmobiliendepot: Auf den Spuren der historischen Kaiserin Sisi und der von Romy Schneider dargestellten Sissi aus Ernst Marischkas Filmen werden mit originalem Mobiliar nachgestellte Filmszenen, Filmausschnitte, Fotos, Plakate und Programmhefte sowie Informationen über den Regisseur und die Schauspielerinnen und Schauspieler gezeigt. www.hofmobiliendepot.at

www.schlosshof.at          Video: www.youtube.com/watch?v=UfTEnUC0bSo            www.youtube.com/watch?v=Vi-HOQbRYuM           www.youtube.com/watch?v=nG8fpxVDp4s&t=533s

15. 3. 2021

Michael Niavarani liest Nestroy: „Es glaubt kein Mensch, was ein jeder Mensch glaubt, was er für ein Mensch ist.“

Dezember 30, 2020 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Weltuntergang ist immer ein gutes Thema

Die Mutter ist schuld, das ist sie ja meistens, aber nicht nur Erziehung, auch Auszeichnung formt den Charakter. Und so war’s denn einerseits die Frau Mama, die den Buben ermahnte: „Spiel doch endlich wieder einmal Nestroy“, andererseits der eben errungene, nach dem großen Vorbild benamste Publikumspreis, der Michael Niavarani dazu bewog, sich seine erste Liebe aufs Neue ans Herz zu legen. „Es glaubt kein Mensch, was ein jeder Mensch glaubt, was er für ein Mensch ist“, steht auf dem Buch „mit CD!“-Button. Was so viel heißt wie: Niavarani liest Nestroy.

Eine Sprechplatte mit Booklet? Nein, für all die Feuerfüchse unter den Nia-Fans gewisslich mehr als das. Freilich ist hinreißend, wie auf dieser N & N nach- und ineinandergreifen, wie der Samtbariton wunderbar wandelbar vom Damian Stutzl zu Knieriem und Pfriem, vom Herrn von Lips zur Lucia Distel wird. Allein, ins Silber lassen sich kaum mehr als 70 Minuten stanzen, und der Nia will mehr als handverlesene Gustostückerl vorlesen. Er unterfüttert seinen Nestroy mit dem ganzen Niavarani, mit Erlebtem und Erdachtem, mit Geschichte und G’schichterln, diese zu drucken ja bekanntlich

eine Nia-Spezialität, und wollte jemals ein Werk der Leserin, dem Leser einen Dichter und sein Œuvre näherbringen, so tut es dieses gewitzt mal zwei. N & N als Menschen so vollkommen unvollkommen, das sie dieser Wesenszug zu makellosen Komödianten macht. Als Dreieinigkeit – mit Hochgefühl und Melancholie – unterwegs durch die nächtliche Stadt, so begegnet man nicht dem Alt Wiener, vielleicht grad von einem verlorenen Kartenspiel kommenden, sondern dem nachfahrigen Volkstheatermann. Sich heimwärts sinnierend, soeben hat ihm Harald Schmidt auf der Bühne seiner viralen Neugründung „Theater im Park“ den Nestroy-Publikumspreis überreicht, über Anti-#Corona-Maßnahmen-Demos, Grundrechte und die Sperrstund‘.

„Man kann mit einem Messer jemandem den Bauch aufschlitzen, um ihn umzubringen oder um den Blinddarm herauszunehmen“, denkt Niavarani. Und es fällt ihm – prophetisch: „falls Sie dieses Buch im dritten oder vierten Lockdown lesen“ – ein (deklamierend): „Mein einziger Trost ist die Verzweiflung“. „Machen Sie schon wieder Witze über unseren Bundeskanzler?“, giftet eine Gassi-Geh-Passantin. „Aber nein, gnädige Frau …“ Die Welt steht auf kan Fall mehr lang. Lumpazivagabundus. Weltuntergang ist immer ein gutes Thema, vom Saufen ganz zu schweigen. Sagt Niavarani. Und tauscht den Kometen gegen #Covid-19.

Derart anekdotet sich Michael Niavarani vom Vormärz ins Momentan tour-retour. Beginnend beim schlimmen Buben in der Schule. Eine Deutschprofessorin wie dessen Frau Professor Lazarus kannst nicht erfinden, doch immerhin betraut sie den pubertären Reclam-Rebellen mit der Rolle des Willibald. „Mich hab’n s’bilden wollen! – ’s is lächerlich!“, und aus und g’schehen war’s um den aufwieglerischen Gymnasiasten. Johann Nestroy, er ist ein guter Lehrmeister, ein Ratgeber für Gemüts- und Lebenslagen in beider Bedeutung des Wortes Untiefe, und Niavarani hat vom Zitate-Titan erfahren, dass Zynismus zwar einmal zwicken und ein andermal zuschnappen und sich festbeißen darf, doch dass es der Humor ist, der das Publikum packt und beutelt. Vor Lachen, versteht sich, aber mit etwas Geschick auch dessen Verstand. Der Applaus dafür ist die Butter aufs harte Brot des Künstlers.

Endlich steht da der Name Johann Hüttner. Der eigene Uniprofessor, durch dessen in Hellblau gehaltene historisch-kritische Gesamtausgabe man persönlich sich auch studiert hat (durch die in Fraktur geschriebene konnte dem Nia und mir nur die jeweilige kurrentschriftkundige Kagraner Oma helfen), mit dem meinerseitigen Effet, die Nestroy’sche Sitte zu übernehmen, am besten bei sich selber abzuschreiben. „Dieser wilde Ritt durch Nestroys Stücke endet schließlich doch noch im Bett. Aber ich kann nicht schlafen. Oder träume ich schon? In meinem Kopf treten betrunkene Schuster auf, kichern ,Nähterinnen‘ in der Vorstadt, verlieben sich junge ,G’schwufen‘ in fesche Köchinnen und alte Männer in ihre Mündel.“

Beim Nia ist es mittlerweile vier Uhr früh, und apropos: da geht ma des G’impfte auf, dieser Tage politisch topaktuell – Niavarani erläutert auf dem Weg vom Kamin zum berühmten Kühlschrank, warum der zwölfte Passagier im Gloggnitzer Omnibus zu sein weiland eine Mörderwuchtel war, über welche Ecken die Message Control mit der Metternich-Zensur verwandt ist, und dass der verehrte Nestroy, seinerzeit wegen seiner Zoten mit Kerkerhaft belegt, heute ein Delinquent des #MeToo wäre.

Geendigt sei das Ganze mit etwas Märchenhaftem. Einer Geschichtsstunde à la Niavarani über das Jahr 1857, Nestroy sitzt wegen der „Zwölf Mädchen in Uniform“ im Häfn: „Österreich wird von einem Kanzler regiert, der sich nur mit Menschen umgibt, die ihm treu ergeben sind – man möchte fast sagen, die ihm hörig sind. Österreich wird von einem Kanzler regiert – einem unumschränkten Herrscher, einem absolutistischen Kanzler. Dieser Kanzler regiert die Koalition mit einem Trottel. Wobei der Trottel gar kein Trottel ist, er hat einfach nichts zu sagen, und seine Aufgabe besteht einzig darin, alles gutzuheißen, was ihm der Kanzler vorschlägt.“ Und wenn oder weil sie nicht ausgestorben sind …, für morgen hat der Nia via Facebook eine Silvesterüberraschung angekündigt!

Harald Schmidt überreicht den Nestroy-Preis. Bild: © ORF III / produktionsraum

Über den Autor: Geboren 1968 in Wien als Sohn einer Österreicherin und eines Persers begann Michael Niavarani 1986 seine Karriere als Schauspieler im Graumann Theater und wechselte 1989 ins Kabarett Simpl, dessen künstlerische Leitung er 1993 übernahm. Michael Niavarani ist in zahlreichen österreichischen Fernsehserien, in Kinofilmen und natürlich auch mit seinen Kabarett-Programmen zu sehen. Seine Bücher führen in der Regel wochenlang die österreichischen Bestsellerlisten an.

Nach einem Roman, vielen Kurzgeschichten und unzähligen Sketches für den Simpl begann Niavarani auch Theaterstücke zu schreiben. Eigens für seine Shakespeare-Komödien „Die unglaubliche Tragödie von Richard III.“ und „Die höchst beklagenswerte und gänzlich unbekannte Ehetragödie von Romeo & Julia – Ohne Tod kein Happy End“ gründete er 2014 ein Shakespeare-Theater: das Globe Wien. Im Sommer 2019 erwarb Niavarani das Kabarett Simpl, das er seit der Saison 2019/20 auch bespielt. Im Sommer eröffnete er das Theater im Park. Michael Niavarani wurde mit dem Nestroy-Publikumspreis 2020 ausgezeichnet.

Schultz & Schirm Bühnenverlag, Michael Niavarani liest Nestroy: „Es glaubt kein Mensch, was ein jeder Mensch glaubt, was er für ein Mensch ist“, 154 Seiten. Mit CD, 71 Minuten, und Code zur Audiodatei auf player.globe.wien/nestroy

Bild: @M+M

Bild: @M+M

TIPP: Noch bis 6. Jänner ist auf player.globe.wien Michael Niavaranis Krippenspiel „Jössasmarandjosef“ kostenlos abrufbar. Der Globe-Chef hat die Weihnachtsgeschichte historisch genau und wissenschaftlich präzise recherchiert und musste feststellen, dass eine Version kursiert, die nichts mit der Realität zu tun hat. Stille Nacht, heilige Nacht? Klischees, die der Ernsthaftigkeit der Situation nicht gerecht werden. Vor Christi Geburt lag die Welt im Argen. Die Menschen mussten sich mit Dummheit, Aggression, Gier und Römern herumschlagen. Und dann noch diese Pandemien und geschlossenen Herbergen … Das Simpl-Ensemble und die Globe-All-Stars, Musiker Christian Frank und vier Stuntmen der ape connection sorgen nun für eine Richtigstellung.

Mit Katharina Dorian, Julia Edtmeier, Caroline Stranka-Frank, Jennifer Frankl, Stefan Altenhofer, Stefano Bernardin, Joachim Brandl, Georg Leskovich, Peter Lesiak, Julian Loidl, Matthias Mamedof, Reinhold Moritz, Bernhard Murg und Michael Niavarani.

www.schultzundschirm.com         www.niavarani.at         www.globe.wien          simpl.at         theaterimpark.at

  1. 12. 2020

Porgy & Bess online live: Konrad Bayer Chansons

Dezember 4, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Johanna Orsini-Rosenberg und Paul Skrepek

Bild: @ Michael Pleesz

Am 6. Dezember um 20.30 Uhr überträgt das Porgy & Bess live einen Konrad-Bayer-Abend mit Johanna Orsini-Rosenberg und Paul Skrepek. Nach dem Theaterstück „Auf der Suche nach dem sechsten Sinn“ 2018 im TAG (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=26064), entstand die Vinylplatte „Chansons“, aus dieser wiederum hat sich die Idee zu konzertieren und ein weiterer Abend entwickelt, der sich ganz dem musikalischen Aspekt hingibt.

Paul Skrepek hat die Chansons vertont – unter anderem „die moritat vom tätowierten mädchen“, „glaubst i bin bled“, „le invocation du tlu“. Auch der eine oder andere Prosatext wird musikalisch zubereitet und womöglich hört man das kosmische Geknalle, wenn der Mond auf die Erde fällt. Ein Konzert und eine Hommage an Konrad Bayers Sprachkunst und Stil. Das Melancholische, Fantastische, aber auch Humorvolle und Rauschhafte von Konrad Bayers Texten wird zelebriert und die Schwerkraft möge sich aufheben …

Das Porgy & Bess schaltet seine Webseite ab 20 Uhr auf „Now Live“, und so öffnet sich automatisch ein Fenster, über das man via Vimeo kostenlos und ohne irgendeine Registrierung das Konzert miterleben kann. Das Projekt lässt sich via „Pay as you wish“ unterstützen.

Alle Infos: porgy.at/events/9818         Trailer: vimeo.com/387658033

4. 12. 2020

Albertina: Schwarz Weiß & Grau

Dezember 2, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Live dabei sein beim Aufbau der Ausstellung

William Kentridge: Shadow Procession, 1999. Video. © Albertina, Wien

Ab 11. Dezember zeigt die Albertina in der Propter Homines Halle großformatige Werke aus der eigenen Sammlung. Ob mit Bleistift, Tusche, Kreide, Draht oder im bewegten Bild – hier sprengt die Zeichnung alle Dimensionen.

So unterschiedlich die vertretenen Künstlerinnen und Künstler arbeiten, so vielfältig ihre Themen sind: alle eint, dass sie allein mittels Hell-Dunkel-Kontrasten bunte, mannigfaltige Welten erschaffen.

Via Facebook können Zuschauerinnen und Zuschauer heute ab 17 Uhr live dabei sein und hautnah erleben, wie eine Ausstellung aufgebaut wird. Elsy Lahner führt das Publikum durch unfertige Hallen, wo noch gehängt und das Licht eingerichtet wird. Neben den ersten Einblicken in die Ausstellung, liefert sie echte Insider-Infos zum Prozess des Kuratierens vor Ort. Außerdem gibt es die einmalige Gelegenheit Fragen an die Kuratorin der Ausstellung zu richten, die live beantwortet werden.

Robert Longo: Ohne Titel (Ping), 2007. © Robert Longo, Albertina, Wien

Eduard Angeli: Das Haus mit dem Lautsprecher, 2012 (Detail). © Albertina, Wien

Jim Dine: Singing Hard Times, 2009. Schenkung vom Künstler und Diana Michener. © Albertina, Wien

Gezeigt werden Werke von Eduard Angeli, Jim Dine, Sonja Gangl, Hauenschild Ritter, William Kentridge, Birgit Knoechl, Ulrike Lienbacher, Robert Longo, Alois Mosbacher, Muntean/Rosenblum, Florentina Pakosta, Fritz Panzer, Ugo Rondinone, Roman Scheidl, Max Weiler und Rainer Wölzl.

www.facebook.com/events/707864426517960           www.albertina.at

2. 12. 2020

Buch- und Hörbuch – Michael Mittermeier: Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken

November 22, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Tausche Witze gegen Antikörper

„Once Upon A Time In Corona. Ich sitze im Zug nach Leipzig und schaue aus dem Fenster. Am Tisch gegenüber sitzt ein Mann mit Maske, der seit zehn Minuten telefoniert. Business-Kaspar mit Schalldämpfer. Endlich hört er auf. Stille. Er verzieht sein Gesicht, holt Luft – Mnhm! -, es sieht aus, als müsste er gleich niesen. Sein Kopf bebt, der ganze Oberkörper, plötzlich reißt er sich die Maske vom Gesicht – Hatschi! Aus den Nasenflügeln pfeift noch ein leises ,Aerosole Mio‘, ich schaue ihn sehr ernst an, und er sagt nur: ,Wenn ich die Maske nicht abgenommen hätte, dann wär‘ jetzt alles da drin.‘ Äh? Ja, das ist der Clou dabei. Er zuckt nur mit den Schultern: ,Ich glaube, ich hatte es schon.‘“

Obwohl die ab 26. November in Österreich geplante Auftrittsserie seiner Programme „#13“ und „Zwischenwelten“ #Covid19-bedingt abgesagt werden musste, brauchen die Fans auf ihren Michl nicht zu verzichten, hat Michael Mittermeier doch dieser Tage seine jüngste Satire „Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken“ sowohl als Buch wie auch als Hörbuch veröffentlicht. Zweiteres ein spezielles Gustostückerl, da von ihm selbst gelesen. Der Stadionrocker unter den Kabarettisten ist kein Typ fürs Stillsitzen, nach 34 Jahren als Stand-up-Comedian – unmöglich.

Und so ist er nach Lockdown eins in Autokinos aufgetreten, heißt: ist dort vor Spiellust in Improvisationen explodiert. Er hätte einfach darüber „gelabert, was war“, sagt er im Interview, und das schließlich zwischen zwei Buchdeckel beziehungsweise auf CD gepresst: „Es geht also um mein Leben während dieser ganzen Lockdown-Ausgangsbeschränkungs-Pandemiezeit, was ist alles passiert, welche Gedanken hatte man, was hat man im Fernsehen geschaut. Ich konzentriere mich aber auf die lustigen, schrägen Seiten. Tausche Witze gegen Antikörper!“ Auftrittsverbot? Ein Albtraum für Komiker – die Pointen müssen raus! Und so führt Michael Mittermeier das Publikum mit Schlagfertigkeit und der ihm eigenen Unverfrorenheit durch den seltsamen neuen Alltag.

Er erzählt wahre und saulustige Geschichten aus den Zeiten der familiären Corona-Dreisamkeit: Vom Homeschooling-Alarm und warum seine vorpubertierende Tochter nicht mehr will, dass er bei den Mathehausaufgaben hilft, vom Sparkassenbesuch mit Maske und weshalb es kein gutes Zeichen ist, wenn der Postbote nicht mehr klingelt. Mittermeier macht sich lustig über die „Corona-Macarena“, den Ellbogengruß, den er nur aus Filmen mit Bruce Willis kennt, und der dort „zur abrupten Beendigung eines Gesprächs dient, inklusive Auswechslung der oberen Zahnreihe“. Stets, kritisiert er, haben wir uns über die Ellbogengesellschaft mokiert – und jetzt stellen wir sie pantomimisch dar?

Die Krise stellt ebendiese vor neue Fragen – und Mittermeier beantwortet sie mit Maske, aber ohne Blatt vorm Mund: Ist es für Prominente vorteilhaft, mit Maske einkaufen zu gehen? Soll man kurz nach Mittag schon den Feierabend-Wein trinken? Es geht um Gangster-Virologen und Superhelden – „Wo sind die eigentlich, ha? Die haben uns alle am Arsch g’lassen!“, und um Michls hypochondrische Anwandlungen nach einem Südtiroler Schiurlaub – in den „Gondeln des Todes, in denen der Aerosol-Sepp alle angegriffen hat“, danach das „greislige“ Stäbchen in der Nase und die Erkenntnis: „Vielleicht hätt‘ ich doch mehr koksen sollen, dann würde ich jetzt nix spüren.“ Dabei ist die Ansteckungsgefahr bei nichts so hoch wie beim Lachen.

„Ohne Corona-Humor, ohne von Draußen-Draufschauen und Spaß-Machen über den ganzen Scheiß geht man drauf“, sagt Mittermeier, nennt als seine Lieblingsmenschen die singenden Italiener auf ihren Balkonen, und zitiert Werner Finck: Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust am Leben. „Leute zum Lachen zu bringen, ist nach Corona-Regeln mein triftiger Grund, das Haus zu verlassen“, erklärt er. Mit Buch und Hörbuch kann man nun getrost daheim bleiben. Denn beide liefern genügend humoristische Antikörper, um sogar noch den nächsten Lockdown locker zu überstehen.

Bild: © Olaf Heine

Über den Autor: Geboren 1966, hat mit seinen Soloprogrammen „Zapped“, „Back to Life“, „Paranoid“, „Safari“, „Achtung, Baby!“, „Blackout“, „Wild“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=17273) und „Lucky Punch“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28588) Millionen Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz begeistert. Seit vielen Jahren spielt er seine englischsprachigen Programme erfolgreich in Großbritannien, Südafrika, Kanada, Russland, den USA und vielen anderen Ländern. Für seine Arbeit wurde er mit unzähligen Preisen ausgezeichnet – sechs Mal erhielt er allein den Deutschen Comedypreis. Sein Buch „Achtung, Baby!“ stand monatelang auf Platz eins der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Kiepenheuer & Witsch Verlag, Michael Mittermeier: „Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken“, Satireband, 128 Seiten. www.kiwi-verlag.de

Argon Hörbuch Verlag, Michael Mittermeier: „Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken“, Autorenlesung, MP3-CD, 163 Minuten. www.argon-verlag.de

www.mittermeier.de           Interview: https://www.youtube.com/watch?v=BbE3cKnvOqU          Autorenlesung: https://www.youtube.com/watch?v=LyAJbPmFhus

Neue Live-Termine: agentur.hoanzl.at/veranstaltungen/michael-mittermeier/michael-mittermeier

  1. 11. 2020