Werk X: Das Programm der Saison 2017/18

September 21, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Grand Hotel Abgrund“ heißt das Motto in Meidling

Die Werk-X-Leiter Ali M. Abdullah und Harald Posch. Bild: Renata Bencke

Sie würden es sich bei einem Aperitif auf der Terrasse ihres Grand Hotels am Rande des Abgrunds gutgehen lassen und geistreiche Debatten über das vor ihnen liegende Desaster führen, unterdessen „die Probleme des verfaulenden Kapitalismus immer offensichtlicher unlösbar“ würden, warf Georg Lukács 1962 Theodor W. Adorno und Max Horkheimer vor. Die Terrasse des gleichen Grand Hotels ist auch heute gut besucht.

Es haben sich lediglich andere Protagonisten eingefunden – und man diskutiert seltener über dialektische Umkehrung und „Instrumentelle Vernunft“. Stattdessen geht es etwa um die Frage, ob man sich in den zurückliegenden Jahrzehnten zu viel mit Identitätspolitiken beschäftigt habe, ob politische Korrektheit Sprechverbote produziere und Linke und Liberale am international zu verzeichnenden Aufstieg einer neuen Rechten am Ende selbst schuld seien. Damals wie heute kann „der tägliche Anblick des Abgrunds zwischen behaglich genossenen Mahlzeiten die Freude an diesem raffinierten Komfort nur erhöhen.“ Unter dem Motto „Grand Hotel Abgrund“ begibt sich das Team des Werk X in der Spielzeit 2017/2018 auf die Spuren der Frankfurter Schule und blickt in die zivilisatorischen Abgründe des Projekts Aufklärung.

„Ziel des Werk X ist es, ein progressives Sprechtheater mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen und innovativer Ästhetik in Wien zu etablieren. Einen Ort, an dem Künstler arbeiten, die zwar in Berlin, Hamburg oder Zürich, aber eben nicht in Wien zu sehen sind. Dass uns dies in den vergangenen Jahren gelungen ist, verdankt sich vor allem der konsequenten Arbeit eines außergewöhnlichen Teams“, so Harald Posch, künstlerischer Leiter des Werk X bei der Vorstellung des Spielplans 2017/2018 am Mittwochvormittag.

aktionstheater ensemble. Ich glaube. Bild: Stefan Hauer

Schorsch Kamerun zeigt „Me are the world“. Bild: privat

Die erste Eigenproduktion der neuen Werk-X-Spielzeit hat am 18. Oktober Premiere: ein „Opernspektakel zum Ende der Vielfalt“ von Schorsch Kamerun. Titel: „Me are the world“. Am 18. Jänner gelangt „Homohalal“ von Ibrahim Amir zur Aufführung. Vor etwa zwei Jahren sagte das Volkstheater die geplante Aufführung des Stücks angesichts der hitzigen Diskussion um Geflüchtete ab. „Wir sind überzeugt, einen angemessenen Umgang mit diesem Stoff zu finden, der auch heute noch Potenzial zur Diskussion birgt“, so Werk-X-Co-Leiter und Regisseur Ali M. Abdullah.

Zu sehen sind außerdem Pasolinis „Der Schweinestall“ als Gastspiel des Residentheater München, hier werden die Termine noch bekannt gegeben, „Mission der Schönheit“ von Sibylle Berg, Regie von  Julia Burger (Premiere: 19. Februar), „Onkel Toms Hütte“ ab 15. März in einer Inszenierung von Harald Posch und Elfriede Jelineks „Raststätte oder So machens alle“ in einer Inszenierung von Susanne Lietzow (ab 10. April). Diskussionen und Gespräche zur Lage der Zeit soll es auch in diesem Jahr in diversen Formaten wieder geben.

Die neue Spielzeit bringt auch einige Veränderungen mit sich. So wird das „diverCITYLAB“ von Asli Kislal, das in den vergangenen vier Jahren am Werk X aufgebaut wurde, nun andernorts weitergeführt – dafür erhalten die Wiener Wortstätten ein „Asyl X“, in dem sie nach der umstrittenen Einstellung der öffentlichen Förderung weiter arbeiten können. Hinsichtlich der Juryempfehlung vom März 2017 finden gegenwärtig die abschließenden Gespräche mit dem Kulturamt über den vom Stadtrat gewünschten Spielstättenverbund ab 2018 statt. Das Werk X ist bemüht, so Posch, die Möglichkeiten für die  freie Szene weiter auszubauen und die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Das Werk X kann auf eine Auslastung von 87 Prozent und 24.480 Zuschauerinnen und Zuschauer in 271 Veranstaltungen verweisen. Den Hauptanteil an diesem Erfolg tragen Produktionen wie „Demokratische Nacht – Du Prolet!“ nach Ödon von Horváths „Italienische Nacht“ (Inszenierung: Harald Posch), die auf Einladung des künftigen Burgtheater-Intendanten Martin Kusej an dessen aktueller Wirkungsstätte, dem Münchner Residenztheater, gastieren wird. Thirza Brunckens Inszenierung von „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ (Romanvorlage: Clemens J. Setz) oder Ali M. Abdullahs Bühnenfassung des Romans „Macht und Rebel“ von Matias Faldbaken erwiesen sich als Publikumsmagneten. Die Spielzeit 2017/2018 startet am 11.10.2017 mit „Ich glaube“, einer Produktion des aktionstheater ensemble, und am 18.10.2017 mit „Me are the world“ von und mit Schorsch Kamerun.

werk-x.at

21. 9. 2017

Schauspielhaus Wien: Das Programm 2017/18

September 7, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Golem, Kürbisse und ein Ausflug in die Seestadt Aspern

Schauspielhaus-Chef Tomas Schweigen (M.) mit seinem Leitenden Dramaturgen Tobias Schuster und der kaufmännischen Leiterin Rita Kelemen. Bild: Schauspielhaus Wien

„Das ist kein Spielplan, der bequem oder etabliert wird.“ Mit diesen Worten eröffnete Schauspielhaus-Wien-Chef Tomas Schweigen die Präsentation seines Programms für die Saison 2017/18. Gemeinsam mit seinem Leitenden Dramaturgen Tobias Schuster und der kaufmännischen Leiterin Rita Kelemen stellte er die acht Uraufführungen und die Österreichische Erstaufführung der neuen Spielzeit vor. Motto, so Schuster, sind die Fragen des Futurismus.

Mit Gernot Grünewalds multimedialer Inszenierung Golem oder Der überflüssige Mensch wird die Spielzeit am 28. September eröffnet. Grünewald komponiert ausgehend vom Golem-Mythos eine bildgewaltige musikalische Zukunftsvision: eine Welt nach dem Menschen. Schuster: „Der Abend wird eine zeitgenössische Variante des archaischen Mythos vom künstlichen Menschen, der sich gegen seinen Schöpfer wendet.“

Das Schauspielhaus geht auch diese Saison wieder in die Stadt hinaus, und setzt in einer Kooperation mit Bernhard Studlar und den Wiener Wortstaetten die Beschäftigung mit kollektiven Schreibprozessen fort. Mit der Seestadt-Saga wird ab 19. Oktober ein neuartiges Experiment zum seriellen Erzählen im Theater starten. Unter der Leitung von Tomas Schweigen soll die erste begehbare Social-Media-Serie umgesetzt werden. „Begehbar bedeutet“, so Schweigen, „dass das Publikum die vorgestellten Figuren treffen kann, mit ihnen joggen kann, Party machen, Events besuchen … Man kann interaktiv teilhaben.“ Herzstück des gescripteten Formats sind allerdings die Social Media. Schweigen: „Man kann in den einschlägigen Kanälen in Echtzeit den jeweiligen Profilen der Figuren folgen.“ Eine tägliche Zusammenfassung gibt es auf der zentralen Webseite seestadt-saga.at

Dramatiker Thomas Köck kommt mit seinem dritten Stück, einem Auftragswerk, Die Zukunft reicht uns nicht (Klagt, Kinder, klagt!) am 9. November ans Schauspielhaus.“Das große Thema ist Erben“, erläutert Schuster. „Es geht aber auch um Archäologie, Linguistik und Tyrannenmord.“ Sophia Löffler wird den Abend mit einem Chor aus 15 Jugendlichen bestreiten. Köck wird im Regieduett mit Elsa-Sophie Jach erstmals selbst inszenieren. Mit Gespräch über die Kürbisse präsentiert das Schauspielhaus im Nachbarhaus in der Regie von Marco Štorman eine ungewöhnliche Komödie, und bringt damit erstmals ein Stück von Jakob Nolte auf eine österreichische Theaterbühne. „Es ist“, so Schweigen“, eine Fake-News-Komödie, in der das Geplänkel zweier Freundinnen mehr und mehr entgleist.“ Premiere ist am 16. November; das Stück läuft über die ganze Spielzeit.

Wiederausnahmen: „Imperium“… Bild: © Matthias Heschl

… und „Blei“. Bild: © Matthias Heschl

Die Pläne für Silvester sind auch schon fix: Am 31. Dezember wird sich die gefeierte österreichisch-amerikanische Lyrikerin Ann Cotten im Rahmen von Jacob Suskes elektronischer Kammeroper Elektra – was ist das für 1 Morgen erstmals als Theaterautorin vorstellen.

Am 27. Jänner wird das „Arbeitsatelier“- Programm in Kooperation mit uniT Graz mit der Uraufführung Ein Körper für jetzt und heute von Mehdi Moradpour fortgesetzt. Das Stück des deutsch-iranischen Autors entsteht mit dem Schweizer Regisseur Zino Wey. Moradpour geht einem Phänomen im Iran nach, wo Homosexalität verboten ist, Transsexualität aber nicht. Daher gibt es überproportional viele Geschlechts- umwandlungen, weil Schwule darin die einzige Chance sehen, mit ihrem Partner leben zu können.

Mit Mitwisser von Enis Maci folgt am 24. März die jüngste Uraufführung eines Stückes, das mit dem Hans-Gratzer-Stipendium ausgezeichnet wurde. Drei Verbrechen stehen im Zentrum der poetischen Kartografie einer verrohenden Welt.

Dabei geht es der Autorin weniger um die Täter als um das zugrundeliegende Biosystem, den Humus der Gewalt: die Mitwisser. Schweigen: „Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Elternmörder in Florida – und dessen Freunde, die ihn gegenüber der Gesellschaft verteidigen.“ Es inszeniert Pedro Martins Beja. In der letzten Premiere der Saison, War isn’t happening. Not true, untersuchen Tomas Schweigen & Ensemble anhand des rätselhaften Komplexes um das mythische Troja das Verhältnis von Kultur, Politik und Wahrheit im postfaktischen Zeitalter. „Wir befassen uns mit der Frage nach Trojas tatsächlicher Existenz und den Verschwörungstheorien rundum.“ Termin ist im Mai.

Erneut wiederaufgenommen wird die Erfolgsproduktion „Imperium“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=17877) nach dem Roman von Christian Kracht, für die Regisseur Jan-Christoph Gockel für den Nestroy-Preis und die Short-List des Berliner Theatertreffens nominiert wurde. Ebenso wird „Blei“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24690) von Ivna Zic erneut zu sehen sein. Die Produktion „Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23816) von Miroslava Svolikova wird als Gastspiel im Rahmen der Theaterallianz am Theater Phönix gezeigt. Nach dem Erfolg von „Agora“ gibt es ein neues Diskussionsformat, Salon in Gesellschaft, erstmals am 10. Oktober. Ensemblemitglied Sebastian Schindegger gestaltet mit Sechzehnhundertdreiundachtzig – eine erfundene Belagerung eine mehrteilige Serie über die Türken vor Wien. Start ist im Frühjahr 2018.

Die kaufmännische Leiterin und Geschäftsführerin Rita Kelemen berichtete abschließend, dass die absolute Zahl verkaufter Tickets in der letzten Spielzeit um fünf Prozent gesteigert werden konnte und dass die Auslastung knapp unter 80 Prozent gelegen ist. Der Zuspruch insbesondere beim jungem Publikum unter 30 Jahren ist weiterhin zunehmend und liegt nun bei mehr als 50 Prozent. Das Budget beträgt 2,3 Millionen Euro, davon 400.000 Euro vom Bund; die Eigendeckung liegt bei 20 Prozent.

www.schauspielhaus.at

7. 9. 2017

TAG: Die Premieren der Saison 2017/18

September 7, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Macbeth, Jeanne d’Arc und Konrad Bayer

Gernot Plass und Ferdinand Urbach, die künstlerischen und kaufmännischen Leiter des Hauses, und ein lässig an der Wand lehnender Georg Schubert. Bild: © Georg Mayer

Als „leichte Bremsbewegung“ bezeichneten Gernot Plass und Ferdinand Urbach am Mittwoch Vormittag das Programm der Spielzeit 2017/18 im TAG. Der Anlass für derlei Formulierungen: Diese Saison sieht sich reduziert auf vier Premieren, davon drei Eigenproduktionen, allesamt Uraufführungen, und eine Koproduktion. Was für den künstlerischen und den kaufmännischen Leiter des Hauses aber schwerer wiegt:

Aus finanziellen Gründen gibt es auch eine Ensemblestelle weniger. Im Ensemble sind nun noch Jens Claßen, Raphael Nicholas und Georg Schubert. Lisa Schrammel kommt als vierte neu dazu. Urbach erklärt die Sparmaßnahmen mit der fehlenden Indexanpassung der Subventionen. Man stehe nach wie vor bei 770.000 Euro an Förderung, dies seit 2014, „was ergo eine Minderung bedeutet“. Was er bräuchte, um den Status Quo zu halten? „800.000 Euro“, sagt er.

Das TAG startet am 16. September mit der Premiere von Auf der Suche nach dem sechsten Sinn, einem Konrad-Bayer-Abend in Kooperation mit Pistoletta Productions. In Konrad Bayers letzten Roman „der sechste sinn“ steht der Kampf des Protagonisten mit der Realität und ihrer Sprache im Zentrum. Er wird dabei durch stets neue Höhen und Tiefen einer Liebesgeschichte getrieben, durch Alltagskatastrophen und Grenzerfahrungen, bis er aus der immer absurder und brüchiger werdenden Welt verschwindet. In diesem Werk kommt Bayers Misstrauen gegenüber der Eindeutigkeit von Sprache und Wirklichkeit zum Höhepunkt. Die Bühnenversion von Elisabeth Gabriel mischt nun Romanfragmente mit Bayers „konkreten Texten“, heißt: seiner Lyrik, und Chansons. Den Abend gestalten die Schauspielerin Johanna Orsini-Rosenberg und der Musiker und Maschinenkünstler Paul Skrepek. „Eine groteske, poetische und nachdenklich machende Angelegenheit“, so Plass.

(Ein)Käthchen.Traum: Nancy Mensah-Offei und Raphael Nicholas. Bild: © Anna Stöcher

Weisse Neger sagt man nicht: Nancy Mensah-Offei und Michaela Kaspar. Bild: © Anna Stöcher

Am 8. November folgt die Jeanne-d’Arc-Paraphrase Johanna. Eine Passion, Text und Regie von Christian Himmelbauer. Plass: „Es gibt über Jeanne d’Arc ein penibel geführtes Gerichtsprotokoll, in dem sie sich als eine Frau zeigt, die mit fester, klarer Stimme ihre Sache führt. Das ist etwas ganz anderes im Vergleich zu den unzähligen Interpretationen dieser Figur.“ Himmelbauer macht nun Johanna erneut den Prozess und stellt sie vor ihre Richter und Henker über die Jahrhunderte. Er konfrontiert sie mit seiner Textcollage mit diversen Deutungen ihrer Person und zeigt Versuche, diese Frauenfigur begreifbar zu machen. Sie selbst antwortet dabei auf alle Vorwürfe und Interpretationen mithilfe der Originalaussagen, die sie 1431 in ihrem Prozess in Rouen ihrem Tribunal entgegenhielt und die als Beleg ihrer Überzeugung, ihrer Intelligenz und ihrer eindrucksvollen Stärke erhalten sind.

Plass selbst wendet sich einmal mehr Shakespeare zu und inszeniert für den 3. Februar Macbeth. Reine Charaktersache. In seiner Überschreibung thematisiert er das Schicksal: Ob alles schon vorherbestimmt ist und rein gar nichts auf freien Entscheidungen des Menschen ruht – das Glück, die Freude, Aufstieg, Fall, Wahnsinn, Tod. Gibt es so etwas? Oder ist alles doch nur Zufall? Diesen Fragen spürt Gernot Plass nach und kleidet den shakespeareschen Handlungs- und Konfliktkern in ein zeitgemäßes Kostüm – sowohl auf sprachlicher wie auch auf inhaltlicher Ebene. Die modernsten Wesen werden bei ihm die drei Hexen sein. „Das sollte witzig werden“, hofft Plass.

Auf der Suche nach dem sechsten Sinn: Musiker und Maschinenkünstler Paul Skrepek und Schauspielerin Johanna Orsini-Rosenberg. Bild: © Judith Stehlik

Auch Margit Mezgolich kommt wieder ans Haus, ab 21. April mit Unterm Strich. Ein Jahrmarkt der Eitelkeit, sehr frei nach William M. Thackerays  großem Gesellschaftsroman über die Londoner High Society des 19. Jahrhunderts. Plass: „Im Wesentlichen geht es um eine Abrechnung beim Klassentreffen einer Schauspielschule.“

Margit Mezgolich nutzt dieses Setting, um in schnellen Szenenwechseln, Zeitsprüngen und überraschenden Wendungen die Biographien von fünf Menschen zu umreißen, die ihre Lebensmitte bereits überschritten haben und vor dem geschrumpften Rest ihrer Zukunft stehen. Gemeinsam erinnert sich der Abschlussjahrgang 1989 – „das Jahr des vorläufigen Endes des Kalten Krieges“, so Plass – an die Karriereträume am Theater und im Film. Umständlich-komisch erklärt man, warum man letztlich doch bei ganz anderen Berufen gelandet ist, präsentiert stolz Fotos der Nachkommenschaft und versucht sich von seiner Schokoladenseite zu präsentieren.

Wiederaufgenommen werden „Weiße Neger sagt man nicht“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24954), „(Ein) Käthchen.Traum“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24145), „Faust-Theater“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=13951) und „Nathan – Ein Ring ist ein Ring ist ein Ring“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23354). Zu den bewährten Impro-Formaten kommt neu Fake Off! dazu: Magda Leeb und Anita Zieher präsentieren ab 20. Oktober ihre ganz persönliche Wahrheit mit Endgültigkeitscharakter. Motto: Faken statt lügen. Zum Abschluss gab es von Ferdinand Urbach noch ein paar Zahlen: In der Saison 2016/17 lag die Auslastung bei 73 Prozent; Eigendeckung: 16 Prozent.

dastag.at

6. 9. 2017

Amalthea Verlag: Der Herbstkatalog ist da!

Mai 18, 2017 in Buch

amalthea.at

Wien, 18. 5. 2017

Volkstheater: Der Spielplan der Saison 2017/18

Mai 12, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Hafner macht „Höllenangst“, Kimmig kommt

Spielplankonferenz 2017/18: Anna Badora. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Insgesamt 18 Produktionen in der dritten Spielzeit der künstlerischen Direktorin Anna Badora am Volkstheater fragen danach, was eine Welt im Umbruch mit den Menschen macht. Neben Klassikern stehen vier Uraufführungen, drei österreichische und zwei deutschsprachige Erstaufführungen auf dem Programm und alle miteinander suchen sie nach Wegen, in der Krise Antworten und eine (neue) Haltung zu finden.

Veränderungen gibt es auch im Ensemble des Volkstheaters, in dem gleich drei aus Österreich stammende Neuzugänge zu begrüßen sind: Isabella Knöll kommt frisch von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Peter Fasching, zuletzt Ensemblemitglied am Theater Bremen, hat sich dem Wiener Theaterpublikum bereits mit Dušan David Pařízeks bei den Festwochen 2015 gezeigten Inszenierung „Kauza Schwejk / Der Fall Švejk“ präsentiert. Auch Sebastian Pass, der zuletzt am Staatsschauspiel Dresden engagiert war, ist kein Unbekannter: In der Spielzeit 2015/16 war er in Susanne Lietzows Inszenierung von Johann Nestroys „Zu ebener Erde und erster Stock“ bereits als Gast am Volkstheater zu sehen.

Neben Regisseuren wie Nikolaus Habjan, Yael Ronen, Christine Eder, Felix Hafner, Miloš Lolić, Ingo Berk oder Holle Münster, die dem Volkstheater-Publikum bereits aus den vergangenen beiden Spielzeiten bekannt sind, stellen sich in der Saison 2017/18 auch weitere spannende, internationale Künstler wie Hermann Schmidt-Rahmer, Stephan Kimmig oder Pınar Karabulut vor.

Sebastian Schug, der in der letzten Spielzeit erfolgreich Robert Seethalers „Der Trafikant“ auf die Bühnen des Volkstheater/Bezirke brachte, inszeniert mit William Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ erstmals auf der großen Bühne, in der mittlerweile gut etablierten Nebenspielstätte Volx/Margareten gibt dafür mit Paul Spittler ein Regieassistent des Volkstheaters sein Debüt als Regisseur.

Die Saison eröffnet am 8. September Volkstheater-Intendantin Anna Badora mit Iphigenie in Aulis | Occident Express: Sie verknüpft darin den antiken Mythos mit der österreichischen Erstaufführung des zeitgenössischen Dramentextes aus der Feder des italienischen Autors Stefano Massini und sucht nach Möglichkeiten, mit den Mitteln des Theaters etwas so ungeheuerliches wie eine Fluchtgeschichte zu erzählen. Am 23. September hat, ebenfalls am Haupthaus, Felix Hafners Inszenierung von Nestroys Höllenangst Premiere. Der Steirer, der in der Saison 2016/17 mit Molières „Der Menschenfeind“ sein Debüt am großen Haus feierte und (noch als Max-Reinhardt-Seminarist) am Volx/Margareten die österreichische Erstaufführung von Thomas Köcks „Isabelle H. (geopfert wird immer)“ realisierte, untersucht anhand Nestroys dunkler Komödie die Mechanismen eines Machtgefüges, das durcheinander gerät.

Das Volx/Margareten eröffnet am 30. September Paul Spittler mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Alexandra Badeas Extremophil, in der sich drei vermeintliche Gewinnertypen die Frage stellen müssen: Lebe ich wirklich das Leben, das ich leben will? Diese Frage gar nicht erst zu stellen braucht sich die Protagonistin in Clemens J. Setz’ Vereinte Nationen, das am 13. Oktober Premiere im Volx/Margareten hat: Die siebenjährige Martina wird von ihren eigenen Eltern in einer Art privatem Dschungelcamp gehalten. Holle Münster, die in der Saison 2016/17 „Hose Fahrrad Frau“ zur Uraufführung brachte, widmet sich dem brandaktuellen Text, der zu den Mülheimer Theatertagen Stücke 2017 eingeladen war.

Am Haupthaus präsentiert Nikolaus Habjan eine musikalische Uraufführung (Premiere 11. Oktober): Wien ohne Wiener heißt der Georg-Kreisler-Liederabend, den er gemeinsam mit der Musicbanda Franui erarbeitet. Einem Prototyp des dystopischen Romans widmet sich die folgende Inszenierung: Hermann Schmidt-Rahmer gibt mit George Orwells 1984 sein Debüt am Volkstheater (Premiere 17. November). Und auch Stephan Kimmig widmet sich in seiner ersten Arbeit am Volkstheater einem Stoff, der sich mit (Lebens-)Regeln und deren Einhaltung beschäftigt: Die Zehn Gebote nach den Filmen von Krzysztof Kieslowski (Premiere 15. Dezember). Yael Ronen macht sich in der Folge auf, die allgegenwärtigen Zeichen des Untergangs nicht nur zu lesen, sondern umzudrehen – um im besten Fall sogar darüber zu lachen. Das wie immer gemeinsam mit dem Ensemble erarbeitete neue Stück #FröhlicheApokalypse (AT) hat am 19. Jänner Uraufführung. Eine etwas ältere Version des Verwirrspiels zwischen Sein und Schein, Wahrheit und Lüge zeigt Sebastian Schug: William Shakespeares Klassiker Viel Lärm um nichts (Premiere 2. März).

Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Im Mai 2018 starten die Bauarbeiten für die dringend notwendige Generalsanierung des Volkstheaters. Während das Haus sich in eine Großbaustelle verwandelt, geht der Spielbetrieb nicht nur im Volkstheater/Bezirke und im Volx/Margareten, sondern auch in der Ausweichspielstätte Odeon in der Taborstraße weiter: Dort hat am 4. Mai David Bowies und Enda Walshs Musical Lazarus österreichische Erstaufführung: Schauspieler des Volkstheater-Ensembles singen und spielen in der Regie des serbischen Regisseurs Miloš Lolić.

Im Volx/Margareten präsentiert am 5. Jänner die 1987 geborene Regisseurin Pınar Karabulut, die bereits am Schauspiel Köln Erfolge feierte, ihr erstes Projekt am Volkstheater Wien. Darauf folgt am 16. Februar die deutschsprachige Erstaufführung von Concord Floral: Anhand des Textes des 1988 geborenen Kanadiers Jordan Tannahill untersucht Regisseur Simon Windisch gemeinsam mit zehn Wiener Jugendlichen deren Lebenswirklichkeit. Der Zukunft widmet sich dagegen Multimedia-Künstler Georg Hobmeier: In seiner spekulativen Simulation Vienna – All Tomorrows entsteht die Landkarte eines zukünftigen Wiens. Uraufführung ist im Mai. Ebenfalls mit Wien setzt sich das Stadtprojekt des Jungen Volkstheaters Wien 5 – Die Kunst der Nachbarschaft auseinander. Vereine, Initiativen, Schulklassen und Einzelpersonen aus dem fünften Wiener Gemeindebezirk werden eingeladen, gemeinsam die Kunst der Nachbarschaft zu (er-)finden, Premiere ist im Mai 2018.

Das Volkstheater/Bezirke startet am 22. September mit Ernest Thompsons Das Haus am See (On Golden Pond) in die neue Spielzeit, wie bereits bei „Mittelschichtblues“ in der vergangenen Saison führt Ingo Berk Regie. Christine Eder, die sich in der Saison 2016/17 in der Stückentwicklung „Alles Walzer, alles brennt“ mit den Wiener Kämpfern für Demokratie zwischen Kaiserreich und Februar 1934 auseinandersetze, widmet sich nun einem Wiener Vorstadt-Rächer: Am 24. November hat ihre Inszenierung von Jura Soyfers Der Lechner Edi schaut ins Paradies Premiere. Ihr Debüt am Volkstheater/Bezirke gibt Aurelina Bücher: Sie zeigt in österreichischer Erstaufführung die Beziehungskomödie Anderthalb Stunden zu spät von Gérald Sibleyras (Premiere 2. Februar). Zum Abschluss gibt es schließlich eine neue Inszenierung von Volkstheater-Ensemblemitglied Lukas Holzhausen: Gotthold Ephraim Lessings Emilia Galotti hat am 22. April Premiere.

Im Rahmen der jährlich gemeinsam mit dem Österreichischen Parlament veranstalteten Gedenkmatineen zu den Novemberpogromen 1938 wird am 9. November erstmals in Österreich Strandflieder oder Die Euphorie des Seins der ungarischen Gruppe „The Symptoms“ gezeigt: Die Auschwitz-Überlebende Éva Fahidi tanzt hierzu gemeinsam mit einer jungen Frau.

www.volkstheater.at

Wien, 12. 5. 2017