TAG: 13 oder Liebt eure Volksvertreter!

November 21, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Requiem für eine rasende Politikerin

Georg Schubert, Michaela Kaspar, Elisabeth Veit, Jens Claßen, Raphael Nicholas und Petra Strasser auf dem Foto Bild: © Anna Stöcher

Georg Schubert, Michaela Kaspar, Elisabeth Veit, Jens Claßen, Raphael Nicholas und Petra Strasser auf dem Foto
Bild: © Anna Stöcher

Es gab dieses Kinderbilderbuch: „Hier ist zu hören und zu lesen, was … sind für Wesen“. Abgesehen davon, dass was-für eine ganz grauenhafte Formulierung ist, bestand jede Kartonseite aus drei getrennten Teilen, Kopf, Körper, Beine, aus denen man sich beim Blättern immer neue Figuren zusammenfügen konnte. Ungefähr so funktioniert das Stück von Ed. Hauswirth und Team, „13 oder Liebt eure Volksvertreter!“, das am TAG uraufgeführt wurde. Nur, dass statt Rauchfangkehrer oder Löwenbändiger eine Politikerin gebastelt wird. Und, dass die drei Teile Rainer Werner Fassbinder, Fjodor Dostojewski und Politikerinterviews sind. Dostojewski hängt wie hingehaucht in der Luft. Jetzt nicht Spieler oder Dämonen, sondern mehr der Idiot. Im Sinne von Privatperson. Hauswirth grünmandlt nämlich. Politisch bin ich vielleicht.

Franziska ist tot. Sie hat sich mit 120 Sachen auf der Brünner Straße dersteßen. Nun möcht‘ man meinen, in Floridsdorf sei die Sonne für immer untergegangen, und tatsächlich veranstalten Familie, Jugend- und Parteifreunde eine personenkultische Totenfeier, aber so unumstritten war die Dame nicht. Weil nicht klubzwänglerisch. Parlamentsdebatte, die Stunde der Umdeutung. Also hat die parlamentarische Mittelbänklerin einmal nicht mit der Meute gestimmt, was den großen Vorsitzenden – und die Medien – auf den Plan rief. Aus. Schluss. Ausschluss. Und dann noch ein Pantscherl mit einem Freiheitlichen! Der auch zum Abschied kommen wird, worauf’s erst richtig rund geht. Das Requiem, weil musiziert wird, zwischen Gewalt- und -orgie. Franziskas Beispiel zeigt, wohin es einen Menschen würfelt, wenn man ihm ein Haxl stellt.

Petra Strasser ist Franziska, optisch der Prototyp einer Politikerin auf Volksnahkurs. Auf Fotos, in Zuspielungen, in ihren Worten, die die Festgäste unter Champagnereinfluss wiedergeben. Da war sie auf einem Anrufbeantworter, da in einem leider nicht mehr so geheimen Sextape. Franziska, das war eine, die sich in der Politik wie auf dem Krankenlager von einer Seite zur andern geworfen hat, in der Hoffnung dann besser zu liegen. Hauswirth lässt dar-, nicht ausstellen. Die Notgewandtheiten und die Nöte. Politiker sind auch nur … ja, was? Ja, eh. „Die Fähigkeit, Ambivalenz zu tolerieren“, das verlangt Hauswirth. Wie immer, wenn das Theater im Bahnhof die Hände im Spiel hat, wirkt schwer Erprobtes wie fluffiges Improtheater. Als hätte es gerade erst sechs Leute auf die Bühne geweht, die sich nun fragen, wie tun? „Wie schwer Leichtsein fällt“, sagt Michaela Kaspar als beste Freundin Ingrid. Weil: Das Ganze ist schon sehr lustig. Floskeln folgen auf Phrasen folgen auf Wahrhaftiges und Scherzhaftes. Polemik steht neben Poesie steht neben Burnout. Ein Seelenstrip für alle Beteiligten. Die radikale Subjektivität der Berichterstattung erschafft beim Nacherzählen eine fast körperlich greifbare Intimität. Und mitten im Originalton-Politbla fällt einem der liebe gegangene Lehrmeister ein und wie er sagte: „Wenn ich ein offenes Ohr habe, gehe ich zum Arzt.“

Ingrid hat eingeladen. Es soll ein abgründiges Abschiedsvideo erst gedreht und dann im Wald vergraben werden. Franziska war Fan von Fassbinders „In einem Jahr mit 13 Monden“. Das Leben des Erwin, der für seinen Geliebten eine Elvira sein wollte, aber weder mit sich noch mit den anderen ins Reine kam. „Liebt mich doch!“, fleht die Volksvertreterin. Man riskiert aber Ekel, sieht man, wie Politik, Gerechtigkeit und das eigene Abendessen zustande kommen. In quasi Filmkostümen stellen die Anwesenden Szenen aus dem Film nach. Die Sequenzen werden per Live-Kamerabildern überblendet. Das sind die schönsten Augenblicke des Abends, weil authentisch in ihrer Künstlichkeit. Die umgemünzten Ausschnitte zeigen, niemand hatte Zutritt zu Franziska, jeder nur einen Mosaikstein eines Menschen, aus denen sich noch lange kein ganzer zusammensetzt. Die Namen der Hauswirth-Figuren sind die Schauspielernamen aus den „13 Monden“. Ergo spielt beispielsweise Raphael Nicholas Bob, den Stadtstreicher. „Die Sonne ist erst sie selbst, wenn Planeten um sie kreisen“, zitiert er. In Franziskas Welt war er ihr politischer Mitarbeiter und Protegé, zuständig für die PR, Politik & Zumutung, die tägliche Cross-Promotion. Fassbinders Film ist eine Abrechnung mit sozialer Kälte und der Herrschaft des Geldes. Auf der Bühne sieht man, wie Macht süchtig macht. Und die Krise. Und Tabletten.

Die Gäste beim Feste decken das politische Spektrum von Lichtermeer bis Trachtenumtrieb ab. In der linkslinken bis mitterechten Ecke: Michaela Kaspar – als Ingrid, gibt sich tränenumflort. Elisabeth Veit – als moldawischstämmige Ziehtochter Eva eine feministische Mutterkomplexlerin; der Typ, der glaubt „unsichtbar durchs Leben zu gehen“ und deshalb besonders laut schreit. Spooky. Georg Schubert – als Ex-Ehemann Karl am Rande des Nervenzusammenbruchs; ihn hat Franziska auf einen Versorgungsposten geschoben. Es geht keiner verloren! Karl ist ein Fundi von Statur und ein Realo im politischen Handeln. Seine Stimme geht immer no tiafa. Jens Claßen – als politischer Wegbegleiter Walter, genau umgekehrt, eine verhinderte Königin der Nacht, der auf seinem Schwulsein, weil ja p.c., mehr herumtänzelt, als alle anderen. Walter und Karl scharmützeln, buhlen um Liebe, wo kein Leben mehr ist. Walter ist erschüttert, welche Frakturen einem die Fraktion zufügt.

Julian Loidl macht den Rechtsausleger, Lover Jon in Buberlpartieblau. Jede Ähnlichkeit mit lebenden und untoten Personen. Er ist der Einflüsterer, einer, der über seine Verhältnisse spielt, der Mephisto, wenn man so will, weil er am TAG gerade auch einen fabelhaften „Faust“ gibt (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=13951), ein Teil von jener Kraft, die Deutsch redet und teuflisch meint. Wenn er esoterisch auf „Jedes 7. Jahr ist ein Jahr des Mondes, in dem besonders viele Menschen an Depressionen leiden“ vorspannt, orakelt das magische Sieghartskirchen mit. Natürlich ist jetzt Emotion und Aggression und Ausgrenzung angesagt. Hat sich noch niemand überlegt, das alte Autopickerl „Hetzt die Hetzer!“ zu reanimieren? Jedenfalls ist jetzt Zeit, alles, was gesagt werden muss, unterzubringen. Von wegen Diktionsdiktatur. Es kann übrigens Shutter Island empfohlen werden. Das ist Gefängnis und Irrenhaus. Es kommt zum Infight zwischen Karl und Jon, also zwischen Ex und Hopp, zwischen EU-Bioanbau und völkischer Landwirtschaft. Und zu einem köstlichen Kabinettstück im Delirium nach Einflößung von Schlangengift. Sie sollen spüren, wie der andere ist. Ende.

Was lernen wir also aus diesem Aphorismenabend? Wer aus Idealismus in die Politik geht, muss nicht nur Miteinander- und Reden-wir-darüber-Kampagnen über sich ergehen, sondern sich zur Strafe auch noch verderben lassen. Das persönliche politische Bewußtsein entfernt sich dann von seiner eigentlichen Bedeutung, wenn eine Partei darauf Anspruch erhebt. Wer nie etwas geleistet hat, findet dafür meist die hochtrabensten Worte. In 40 Jahren sind die Neoliberalen achtzig und rufen verzweifelt nach dem Sozialstaat. Und: Raphael Nicholas ist ein Gumpendorfer Ray Manzarek, aber die TAG-Truppe auch ein tadelloser A-Capella-Chor.

Trailer: vimeo.com/145797993

Ed. Hauswirth im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=16097

dastag.at

Wien, 21. 11. 2015

Ed. Hauswirth im Gespräch

November 17, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Inszeniert am TAG „13 oder Liebt eure Volksvertreter!“

Ed. Hauswirth Bild: dasTAG

Ed. Hauswirth
Bild: dasTAG

Nach seinem Erfolg mit „Der diskrete Charme der smarten Menschen“ setzt Ed. Hauswirth, künstlerischer Leiter des Grazer Theater im Bahnhof, im Wiener TAG seine Untersuchung des Lebensgefühls der Jetztzeit fort. „13 oder Liebt eure Volksvertreter!“ heißt seine neue Produktion, die am 20. November uraufgeführt wird. Im Zentrum steht eine Frau, die sich für eine Karriere in der Politik entschieden hat. Man erfährt von ihrem Aufstieg, ihren vermeintlichen Erfolgen, aber auch von ihrem Missbrauchtwerden durch das Umfeld und ihrem eigenen Einsatz von Missbrauch. Auf ihrem Weg opfert sie alles, was ihr lieb war. Der Abend, dem Filmbilder von Fassbinder, Motive bei Dostojewski und Interviews mit politischen Quereinsteigern zugrunde liegen, wird zur Geschichte einer schleichenden persönlichen Verbiegung bis zum endgültigen Bruch. Es spielen Jens Claßen, Michaela Kaspar, Julian Loidl, Raphael Nicholas, Georg Schubert, Elisabeth Veit und Petra Strasser auf der Leinwand. Ed. Hauswirth im Gespräch:

MM: Sie sind also der eine Mensch, der Mitleid mit Politikern hat?

Ed. Hauswirth: Ja. Weil der erschütterte Glaube an die Politik, das Denken, dass jeder, der in die Politik geht, verdächtig ist, mittelfristig ein Problem für die Gesellschaft sein wird. Nicht jeder, der Politiker wird, ist „der Böse“, es gibt durchaus Menschen, die mit Enthusiasmus an die Aufgabe herangehen, weil sie etwas bewirken wollen.

MM: Sie haben für „13 oder Liebt eure Volksvertreter!“ Interviews mit Politikern geführt. Nicht zum ersten Mal bauen Sie einen Text auf Interviews auf. Ist das Methode?  

Hauswirth: Es ist eine Methode, mit der ich regelmäßig arbeite, aber es ist nicht die einzige. Eine Politikerin hat mir einmal im Zug von Wien nach Graz ihre Geschichte erzählt, da dachte ich, das ist interessant, damit sollte man sich einmal beschäftigen. Also haben wir Interviews mit politischen Quereinsteigern und -aussteigern geführt. Ein Quereinsteiger ist kein Berufspolitiker, er ist nicht aus dem Kader erwachsen, und er kann auch leichter wieder zurück in ein früheres Berufsleben. Ohne goldenen Übergang in den Aufsichtsrat. Diese Menschen fragen sich daher: Will ich das wirklich? Soll ich mir das antun? Was habe ich davon? Das war die Ausgangssituation.

MM: Sind Quereinsteiger freier im Sinne des Parteigehorsams?

Hauswirth: Das ist ein Vorteil. Wenn Abhängigkeiten bestehen – und kadergeschulte Leute sind hundertprozentig abhängig, wenn die wieder in die freie Wildbahn entlassen werden, sind sie hilflos -, ist das immer zum Nachteil des Einzelnen. Quereinsteiger wiederum knabbern vielleicht mehr an Enttäuschungen; viel macht ihnen Eitelkeit zu schaffen, im Sinne von: Wer darf reden? Wer vertritt eine Partei in der Öffentlichkeit? Viele kämpfen mit der Einsamkeit, weil eine Präsenz erwartet wird, unter der die Familie leidet. Es geht um Dislokation und mehr. Der Abend ist aber mehr ein Denkversuch in diesem Feld und nicht eine soziologisch korrekte Beschreibung der Zustände.

MM: Wie würden Sie Ihr Leidensdruckstück nennen?

Hauswirth: Salontragödie mit Humor.

MM: So gefragt, weil das Theater im Bahnhof die gleichnamige TV-Show hatte: Wieviel Show ist Demokratie?

Hauswirth: Demokratie ist Show. Die Gesellschaft will Spektakel sehen, also hat die Politik in den letzten Jahren einen sehr starken Showaspekt bekommen. Wer am lautesten schreit, wer am besten schauspielert, ist der größte Wahlgewinner. Es ist degeneriert, aber der Öffentlichkeitswert ist die eigentliche Währung, mit der bezahlt wird. Wer das nicht kann, kommt nicht vor, bleibt im Hintergrund, hat keine Macht. Die Frage ist heute nicht mehr, wie die Macht ausgeübt wird, sondern wie die Macht performt wird. Deshalb braucht man so viele Agenturen, so viele Berater, um den Politikern ihre Wahrhaftigkeit zu nehmen. Gut ist, wenn eine Person es schafft, in ihrer weltanschaulichen Haltung integer zu sein, und eine Performerin in der Öffentlichkeit. Aber das können wenige.

MM: Das Publikum ist der Wähler. Wie funktioniert Ent-Täuschung da?

Hauswirth: Bezüglich des Stücks? Das werden wir Ende der Woche wissen (er lacht). Ernsthaft, noch einmal, ich glaube nicht, dass Politiker per se Böses wollen. Die legen oft einen langen Weg zurück, um ihre Anliegen von A nach B nach C zu bringen. Ich traue vielen zu, dass sie schweren Herzens Dinge nicht ansprechen, weil man ihnen sagt, dass sie dann nicht gewählt würden. Man könnte ihnen also einmal freundlich begegnen, nicht immer nur mit Kritik. Ein Politiker, der die Wähler an seiner Seite weiß, würde auch viel weniger an Einflussnahme durch die eigene Partei, die Wirtschaft etc. leiden. Dann könnte das Primat der Wirtschaft über die Politik und das Primat der Show über die Wirklichkeit endlich beseitigt werden. Die Gesellschaft ist längst bei Dingen angekommen, die von Philosophen in den 1960er-Jahren als utopisches Ferment wahrgenommen wurden.

MM: Heißt, dem Politiker, der agiert, wie das Krokodil vom Kasperl, dem wird recht gegeben?

Hauswirth: Stimmt. Es ist eine große Kunst, den richtigen Ton zu finden, zwischen der leeren Worthülse und der echten Meinung, für die man dann hoffentlich nicht erschossen wird. Das ist ein schmaler Grat.

MM: Soll das Stück beim Publikum Verständnis für Politiker erzeugen?

Hauswirth: Gute Frage. Ein bisschen schon, ja. Aber nicht beim Politiker als Kategorie. Es wird ein Empathieversuch für die eine von Petra Strasser gespielte Politikerin, die zu sehen sein wird. Im Sinne von: verstehe, was du kennenlernst. Unsere Politikerin wird eine Frau sein, die sehr gut Dominanz ausüben kann, damit muss man sich erst einmal anfreunden.

MM: Sie haben in den Text Motive von Rainer Werner Fassbinder und Fjodor Dostojewski verwoben. Wie und wo passt das?

Hauswirth: Von Dostojewski sind es zwei, drei Textstellen, das Motiv der Depression, das Motiv der Entfremdung, Einsamkeit, Tod, Sehnsucht – das sind Ausgangspunkte des Abends. Er wird aber nicht depressiv sein, weil ich immer Humor brauche. Schwarzen Humor, der ist ja Wien nicht fremd. Dort, wo eine Beziehung zu sich verloren geht, wo Entfremdung stattzufinden beginnt, wenn man immer nur außer sich sein muss, damit man vollkommen funktioniert, gibt’s dahinter Leere, Burnout, Sinnentleerung. Das hat mit Dostojewski und Fassbinder zu tun. Bei Fassbinder haben wir uns mit seinem Film „In einem Jahr mit 13 Monden“ beschäftigt, den er nach dem Selbstmord seines Lebensgefährten gedreht hat. Darin kämpft der Transsexuelle Erwin/Elvira um seine Suche nach Identität: „Ich will so sein, wie ihr mich haben wollt“, „für Liebe gebe ich alles“, selbst eine Geschlechtsumwandlung. Dieses Geliebtwerdenwollen hat mit Liebe nichts mehr zu tun. Das ist nur noch eine Aussage von Liebe. Wir eignen uns aus dem Film ein paar Bilder an, um diesen Komplex zu erzählen.

MM: Sie sagen ständig „wir“ statt „ich“. Wie funktioniert die Arbeit? Sie schwärmen aus und holen die Interviews ein, dann wird gemeinsam ein Text geschrieben?

Hauswirth: In gemeinsamer Autorschaft mit den Schauspielern Jens Claßen, Michaela Kaspar, Julian Loidl, Raphael Nicholas, Georg Schubert, Elisabeth Veit und Petra Strasser und der Dramaturgin Isabelle Uhl. Das ist eine Kollektivarbeit, ich kann ohne Ensemblefeedback nicht arbeiten, ich bin immer so was wie Fußballtrainer oder Jungscharleiter. Unsere Arbeitsprozesse dauern halt länger als sechs Wochen Proben. Wir pirschen uns heran. Wir beginnen bei einer Person, die uns interessiert, von der ausgehend suchen wir weitere. Bei der Transkription der Interviews suchen wir Motive, die sich mit Literatur verbinden lassen, als Inspirationsquelle und Zitat zu den Realmomenten. Am liebsten ist mir, wenn der Zuschauer gar nicht erkennt, was was ist, aber man erkennt’s natürlich mitunter am Duktus, weil es mir wichtig ist, Texte konsistent zu lassen. Es soll auf der Bühne noch den Ton haben, mit dem es einmal gesprochen wurde.

MM: Wie gehen Sie an die Interviews heran?

Hauswirth: Man muss schauen, wo die Ellipse ist, wo die Auslassung ist. Und im Gegensatz zum Journalisten beispielsweise, der genau da dann nachfragt, ist die Auslassung für mich dramaturgisch interessant. Stille ist spürbar und spannend. Man muss jedenfalls sehr respektvoll vorgehen. In Graz erarbeiten wir gerade ein Stück über die Rechte, eine Komödie rechts der Mitte. Da kommst du in die Lage, dass du wohin gehen musst, wo du nicht hin willst. Du darfst aber trotzdem in keinen kritischen Streit mit der Person gehen, damit deren Stimme hörbar wird. Wie sie sich halt selbst erzählt. Da gibt es Wiedererkennungsmerkmale, die gleiche Semantik, Stereotype, die man von Rechtspopulisten aus dem Fernsehen kennt. Aber wenn er über sein Hobby spricht, öffnet er sich, da verteidigt er sich nicht und sagt mehr über seinen Charakter aus als sonst. Und dann serviert er seine biologistischen Grauslichkeiten. Das kann man dann bearbeiten und verarbeiten. Wir wollen ja keine wissenschaftlich haltbare Analyse, sondern einen Zeitbefund abgeben, der zum Denken anregt.

MM: Und die Abgrenzung zum Dokudrama ist?

Hauswirth: Die Fiktion. Wir haben eine Räuberhaltung, wir eignen uns die Quellen an, um daraus etwas zu schaffen, was noch nie da war. Wir benutzen dokumentarische Ästhetik, aber durch die Montage ist es bereits Fiktion.

MM: Wann ist eine Produktion in diesem Sinne, nicht im kommerziellen, für Sie erfolgreich?

Hauswirth: Wenn’s Reagenz zwischen Publikum und Bühne gibt. Wenn unwillkürlich ein chemischer Austausch stattfindet, wenn’s eine Feedbackschleife gibt, dann hat der Abend etwas, das irgendwie echt ist. Das ist ein Erfolgskriterium: wenn das Publikum denkt, ja, das stimmt irgendwie, ja, das beschäftigt uns. Wenn man eine Haltung transportieren kann. Ich glaube ja, dass ein Stück idealer Weise im Publikum stattfinden sollte, statt auf der Bühne. Und natürlich will ich auch, dass es als lustig empfunden wird. Stücke sollten sich ins Herz und ins Hirn schreiben. Mehr verlange ich gar nicht.

MM: Nützt der „Nestroy“ etwas?

Hauswirth: Der Autor sowieso immer. Der Preis, den ich für „Der diskrete Charme der smarten Menschen“ bekommen habe, auch. Er hat mir in der Steiermark Aufmerksamkeit gebracht, da ist so ein steirischer Patriotismus ausgebrochen. Der Nestroy-Preis ist Nutzen und Fluch. Einige Zeit hing er wie ein Schatten über uns, weil wir Erfolgsdruck haben. Diese Phase hat sich gottlob wieder aufgelöst, jetzt gehen wir’s am Freitag an.

MM: Wie soll das Publikum rausgehen? Mit dem festen Vorsatz das nächste Mal zu wählen?

Hauswirth: Unbedingt. Wenn das gelingt, wäre ich schon zufrieden. Wobei ich keine Ahnung habe, ob der Abend das leistet.

MM: Na, ich setze Sie ein bisschen unter Erfolgsdruck.

Hauswirth: Ja, ich spür’ schon …

Trailer: vimeo.com/145797993

dastag.at

Wien, 17. 11. 2015

Das TAG in der Saison 2015/16

September 8, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Suchy macht Shakespeare, Plass wird Krähwinkler

Bluad, Roz und Wossa Bild: © Anna Stöcher

Bluad, Roz und Wossa
Bild: © Anna Stöcher

„Es passiert sehr viel Theater“, sagt Gernot Plass bei der Spielplanpräsentation der Saison 2015/16. Der künstlerische Leiter des TAG meint damit wohl nicht nur die Produktionen, die er gleich vorstellen wird, sondern, wie sein kaufmännisches Pendant Ferdinand Urbach später ausführt, die Diskussion über das andere TAG, das Theaterarbeitsgesetz, in die man mit dem Bund getreten ist. Eine Folge des Bekenntnisses der beiden zum Ensembletheater, ihrer Absage ans Hire-and-Fire-Prinzip – „die Arbeitsbedingungen sind so wichtig wie die Außenwirkung“. Eine Loyalität, die sich punkto Qualität und damit einer Auslastung von 84 Prozent und damit einer Eigendeckung von 19 Prozent in der vergangenen Spielzeit bezahlt gemacht habe.

Und auch wenn Kanzleramtsminister Josef Ostermayer zwischen Flüchtlingsgipfel und „Mittagsjournal“ diesbezüglich nur Zeit für ein Sieben-Minuten-Gespräch gehabt habe: Der Bund ist nach Jahren wieder aufs TAG aufmerksam geworden, hat die Taschen für eine Projektförderung in der Höhe von 25.000 Euro für insgesamt zwei Produktionen geöffnet. Die, zusammen mit den 770.000 Euro von der Stadt Wien und dem mit 30.000 Euro dotierten Nestroypreis für die beste Off-Produktion 2014, ermöglichten nun „statt der üblichen viereinhalb“ eine fünfte Premiere. Und – neben den fünf Hauskräften Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Georg Schubert und Elisabeth Veit – den Einsatz von zusätzlichen Gästen.

Getreu dem TAG-Leitfaden für Klassikerüberarbeitungen und -neuschreibungen, heißt: den Kanon zu interpretieren und zu behandeln, ist die erste Uraufführung der neuen Saison am 3. Oktober Christian Suchys „Bluad, Roz und Wossa“, sehr frei nach Shakespeares „Romeo und Julia“. Eine wie immer dialektale, urige Textfassung des „Theaterviechs“ (© Plass), durch die sich die Deutschen Claßen und Nicholas gerade „gfretten“. Kein Familienzwist steht diesmal im Mittelpunkt, sondern, weil Suchy, „etwas Abgründigeres“ – Mißbrauch und Inzest. Am 20. November folgt Ed. Hauswirth mit „13 oder Liebt eure Volksvertreter!“, einer Annäherung an Fassbinders sehr persönlichen Film „In einem Jahr mit 13 Monden“ über die letzten fünf Lebenstage der Transsexuellen Erwin/Elvira Weishaupt. Hauswirth unterschiebt Fassbinder Dostojewski-Texte, und die Handlung einer Politikerin. Auf der Suche nach Antworten auf die Frage, warum Politiker geliebt werden wollen, hat er „sogenannte gescheiterte Volksvertreter“ interviewt. Das Ergebnis bringt unter anderem Vorjahrs-Faust-Retter Julian Loidl auf die Bühne. Die Erfolgsproduktion von Gernot Plass wird ebenso wieder aufgenommen (am 22. 9., Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=13951), wie Hauswirths Nestroypreis-Gewinner „Der diskrete Charme der smarten Menschen“ am 15. 10.

Am 5. März setzt Plass-Vorgängerin Margit Mezgolich mit Elias Canettis „Die Blendung“ die Tradition großer Romanbearbeitungen am Haus fort. Hauptfigur ist der „größte lebende Sinologe“ und Büchersammler Peter Kien, der in einer Vier-Zimmer-Wohnung mit seiner 25.000 Bände umfassenden Bibliothek haust. Durch die Ehe mit seiner Haushälterin Therese Krumbholz wird der weltfremde Sonderling mit der Gemeinheit des Lebens konfrontiert und verfällt dem Irrsinn. Oder, wie Plass es ausdrückt: „Der absurde Kampf eines Büchermenschen gegen den Staubwedel endet in einer Feuersbrunst“; Petra Strasser passe „wie hinpickt“ auf die Krumbholz-Rolle. Und auch die Bücher werden als Stimmen auftreten. Als Arturas Valudskis 2013 am TAG mit „Varieté Volant“ in lichten Höhen abhob (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=6621), meinte er zu Gernot Plass, er hätte da „so ein Tschechow-Projekt“, inspiriert von der Theater-im-Theater-Situation, das Thema eine ländliche Langeweile, in der die Protagonisten sich nur noch mit der Produktion von Theater beschäftigten. Nun kommt sein Tschechow-Kommentar „Das Spiel: Die Möwe“ am 2. April zur Uraufführung. Julia Schranz, Martin Bermoser und Markus Kofler, darstellerische Dreifaltigkeit des „Aggregat Valudskis“, stehen auch diesmal auf der Bühne, dazu als weiterer Gast Claudia Kottal. Zu erwarten ist ein traurig-komödiantischer Theaterzauberabend.

Gernot Plass selbst inszeniert für den 3. Mai „Empört euch, ihr Krähwinkler!“ nach Johann Nestroy mit Studentinnen und Studenten des Schauspielstudiengangs des Konservatoriums Wien Privatuniversität, seiner alten Schule. „Mach‘ ma mal Komödie“ war der Wunsch an den Trägodienmacher – und jetzt sitzt er da mit einem Dramatiker, den er gar nicht so gern mag, weil ihm die Handlungen zu abgeschrieben und zu hanebüchen sind. Na, er wird den Nestroy schon noch schätzen lernen 😉 . Plass wird „die heutige politische Situation in die Posse einarbeiten“, sein Eberhard Ultra wird aus dem neukommunistischen Bundesstaat Europa zu den kapitalistischen Krähwinklern kommen. Das Stück zur Dauerkrise.

Seine Platzhirschposition in Sachen Improvisationstheater will das TAG ebenfalls ausbauen: Neben „Sport vor Ort“ (am 20. 9. zu Gunsten des neunerhaus) und Impro Workshops (Anmeldung: www.dasTAG.at/Workshops) wird die Schiene „Meet the Masters“ mit internationalen Größen wie Inbal Lori und Lee White, bekannt als Hälfte des Duo „Crumbs“, neu installiert. Auch das Wiener Impro Festival wird im April 2016 im TAG veranstaltet. Einen Termin sollte man sich jetzt schon freihalten: Am 13. Jänner 2016 steigt in der Gumpendorfer Straße die 10-Jahre-TAG-Party.

www.dasTAG.at

Wien, 8. 9. 2015

Buch Wien 13

November 14, 2013 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Ein Fest für Freunde guter Literatur

Bild: HVB Richard Schuster

Bild: HVB Richard Schuster

Mehr als 300 Autorinnen und Autoren aus 10 Nationen, mehr als 400 Lesungen, Gespräche, Signierstunden und Podiumsdiskussionen an Veranstaltungsorten in ganz Wien und der Halle D der Messe Wien sowie ein umfangreiches Programm für Kinder und Jugendliche machen die BUCH WIEN 13 vom 21.–24. November in der Messe Wien Halle D und die Lesefestwoche vom 18.–24. November zum Highlight für alle Buchfreunde und jene, die es noch werden wollen.
„Das stetig steigende Interesse an der BUCH WIEN führt uns platzmäßig an die Grenzen unserer Kapazitäten“, freut sich der Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, Gerald Schantin. „Wir haben den Anspruch, allen Ausstellern optimale Bedingungen zu bieten und damit dem stetig größer werdenden Publikum ein perfektes Messe-Erlebnis zu ermöglichen. Dies gelingt insbesondere mit den sieben Messebühnen, auf denen den Besuchern persönliche Begegnungen mit den Autoren geboten werden. Dieses Naheverhältnis von Schriftsteller und Publikum macht die BUCH WIEN zu einem besonderen Erlebnis. Auch für den Lesenachwuchs bieten wir ein spannendes Programm und leisten damit einen Beitrag zur Leseförderung. Kinder und Jugendliche für Literatur und für das Lesen zu begeistern ist einer der Eckpfeiler der Messe.“
Der Schriftsteller und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach eröffnet die Lesefestwoche mit einer Lesung aus und einer Diskussion über seinen neuen Roman „Tabu“ (18. November, 19 Uhr, Rathaus Wien, Stadtsenatssitzungssaal, mit Anmeldung). Die Eröffnungsrednerin, Georg-Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff, spricht über „Die Zukunft des Lesens“ (20. November, 19 Uhr, Halle D Messe Wien, mit Einladung).

Literatur- und Sachprogramm

Die BUCH WIEN 13 präsentiert mit Per Olov Enquist, Leon de Winter, Viktor Jerofejew, Tanja Maljartschuk, Mahmud Doulatabadi, Jaroslav Rudiš und István Kemény internationale Literaturstars und deren neue Bücher. Stark vertreten sind in diesem Jahr auch Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum. Erwartet werden Brigitte Kronauer mit ihrem neuen Roman „Gewäsch und Gewimmel“, Clemens Meyer, Peter Stamm, Günter Brus, Andreas Schäfer und David Schalko, der seinen neuen Roman „Knoi“ vorstellen wird. Gerhard Roth, Peter Henisch und Austrofred, Christoph W. Bauer, Egyd Gstättner, Fabian Eder, Nadine Kegele u.v.a. sind ebenfalls live auf der Messe zu sehen.

Literatur aus Zentral- und Südosteuropa 

Autorinnen und Autoren aus Bulgarien, Bosnien, Kroatien, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Ukraine und Ungarn bereichern die Messe und die Lesefestwoche mit ihren Auftritten. Als Auftakt liest Jaroslav Rudiš aus seinem Roman „Die Stille in Prag“ (Österreichische Gesellschaft für Literatur, 19. November, 19 Uhr). Ebenfalls am 19. November tritt der Ungar István Kemény mit seinem preisgekrönten Roman „Liebe Unbekannte“ über eine Jugend in den ungarischen Vor-Wende-Jahren in der Alten Schmiede auf (Beginn: 19 Uhr). Kemény liest am 21. November um 11.15 Uhr im Literaturcafé auf der Messe und ist am selben Tag um 14 Uhr Gast auf der Donau Lounge. Der Rumäne Varujan Vosganian wird am 21. November um 14.45 Uhr auf der ORF-Bühne und um 16 Uhr auf der Donau Lounge sein „Buch des Flüsterns“ vorstellen, einen epochalen Roman über das Schicksal des armenischen Volkes. Um 19 Uhr präsentiert er ihn in einer Abendveranstaltung in der Urania. Viktor Jerofejew zählt zu den bedeutendsten Autoren Russlands. Am 21. November spricht er über „Die Akimuden“, seinen atemberaubenden Science-Fiction-Historien-Thriller (14.45 Uhr, FM4-Bühne). Am Abend kann man den Autor um 19 Uhr im Ost Klub live erleben. Aus Serbien reist der renommierte Autor Goran Petrović an. Er liest am 21. November um 15 Uhr auf der Donau Lounge und um 19 Uhr in der Bibliothek des Palais Fürstenberg aus seinem Kinoroman „Ein Sternenzelt aus Stuck“, der die Gesellschaft Serbiens liebevoll-ironisch in Szene setzt. Ivica Djikić hat mit „Ich träumte von Elefanten“ einen scharfsinnigen politischen Thriller über die traumatischen Ereignisse in Kroatien im 20. Jahrhundert verfasst (Donau Lounge, 22. November um 14 Uhr und Otto Wagner Schützenhaus, 22. November, 19 Uhr). Die Lyrikerin Fedia Filkova  aus Bulgarien ist zwei Mal auf der Messe anzutreffen: Am 22. November um 11.45 Uhr im Literaturcafé und am 23. November um 14 Uhr auf der Donau Lounge. Am 21. November trägt sie zudem um 19 Uhr im Haus Wittgenstein Gedichte aus ihrem Band „Nachtgras“ vor. Am 24. November spricht Tanja Maljartschuk  aus der Ukraine über ihr Buch „Biografie eines zufälligen Wunders“, ein Werk voll grausamer Komik, um 14 Uhr im Literaturcafé. Dort ist um 15 Uhr auch die tschechische Autorin Markéta Hejkalová mit „Der Zauberer aus Peking“ zu Gast.

Schwerpunktthema Erster Weltkrieg

Heuer widmet die BUCH WIEN dem Thema „Erster Weltkrieg“, dessen Ausbruch sich 2014 zum 100. Mal jährt, einen besonderen Schwerpunkt. Zentrale Veranstaltung ist eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde: In Zusammenarbeit mit der Donau Lounge werden Gerhard Jelinek, Manfried Rauchensteiner, Andreas Oplatka, Mária Bátorová und Wolfram Dornik auf der ORF-Bühne über den Ersten Weltkrieg diskutieren. Weiters präsentiert Manfried Rauchensteiner sein neues Werk „Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie“, Gerhard Jelinek stellt sein Buch „Schöne Tage 1914. Vom Neujahrstag bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieg“ vor. Auch der Direktor des Österreichischen Staatsarchivs, Wolfgang Maderthaner, ist mit seinem neuen Buch „Die letzten Tage“ auf der Messe anzutreffen. Über seine neue Biographie „Franz Ferdinand – Der eigensinnige Thronfolger“ spricht der französische Historiker Jean-Paul Bled.

Stars und Bestsellerautoren

Die sieben Messebühnen bieten ein vielfältiges Programm mit den Autorinnen und Autoren und ihren Werken. Die Publikumsmagneten Elfriede Ott und Erika Pluhar, Gustav Peichl, Ruth Maria Kubitschek, Ida Seeböck mit Alfred Dorfer, Felix Dvorak, Angelika Kirchschlager und Christoph Wagner-Trenkwitz treten auf und signieren ihre Bücher. Die Kabarettisten Reinhard Nowak, Dirk Stermann, Florian Scheuba und Christoph Fälbl werden die Messebühnen mit Witz und Charme erobern. Auch der diesjährige „Jedermann“ der Salzburger Festspiele, Cornelius Obonya, wird erwartet.

Messebühnen

Die Lesungen, Buchpräsentationen, Diskussionen, Signierstunden u. v. m. finden auf sieben in das Ausstellungsgeschehen integrierten Bühnen statt: ORF-Bühne, Literaturcafé, Forum, Kinderbühne, FM4-Bühne, Donau Lounge, Gusto-Kochbühne

Öffnungszeiten der BUCH WIEN 13

Donnerstag, 21. November, 918 Uhr

Freitag, 22. November, 918 Uhr

Samstag, 23. November, 1018 Uhr

Sonntag, 24. November, 1017 Uhr

 

Alle  Informationen zur BUCH WIEN inkl. den Termine der Lesefestwoche finden Sie unter: www.buchwien.at

Unter den zahlreichen heimischen Verlagen sind unter anderem vertreten:

www.amalthea.at

www.hanser-literaturverlage.de/verlage/zsolnay-und-deuticke.html#anker_deuticke

www.echomedia-buch.at

www.drava.at

www.droschl.com

www.editionatelier.at

www.haymonverlag.at

www.milena-verlag.at

www.picus.at

www.residenzverlag.at

www.wieser-verlag.com

www.zsolnay.at

Wien, 14. 11. 2013

World Press Photo 13

September 2, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Ab 6. September im Westlicht

Bild: Paul Hansen

Bild: Paul Hansen

Es ist ein Bild, das man nicht mehr vergisst! So urteilte die Jury über das aktuelle World Press Photo des Jahres: Es zeigt eine Gruppe von Männern zwischen Wut und Trauer, die auf ihren Händen die in Tücher gewickelten Leichen zweier Kinder tragen. Der schwedische Fotograf Paul Hansen hat diese Szene am 20. November 2012 in Gaza Stadt aufgenommen.  Die Männer mit den toten Kindern sind zu einer Begräbniszeremonie in die Moschee unterwegs, dahinter, auf einer Bahre, wird der Leichnam des Vaters getragen, der so wie seine Söhne starb, als bei einem israelischen Raketenangriff das Haus der Familie zerstört wurde.

Seit 1955 lädt der Vorstand der World Press Photo Foundation, einer unabhängigen Plattform des Fotojournalismus mit Sitz in Amsterdam, zur Teilnahme am World Press Photo-Wettbewerb ein. Eine jährlich wechselnde, aus 19 Mitgliedern bestehende internationale Jury beurteilt die Einsendungen von FotografInnen, Agenturen, Zeitungen und Magazinen aus aller Welt. Die ausgezeichneten Einzelaufnahmen und Fotoserien lassen das vergangene Jahr als Ikonen der Zeitgeschichte Revue passieren und zeigen auf eindringliche Weise Ereignisse aus den Bereichen Politik, Kultur, Sport und Natur. So erzählt auch die beeindruckende Fotoserie des Dänen Jan Grarup – Gewinner in der Kategorie Sport Feature Fotoserien – ein Stück Weltgeschehen des Jahres 2012. Sie wirft einen ungewöhnlichen Blick auf das Leben im seit Jahrzehnten vom blutigen Bürgerkrieg gebeutelten Somalia. Grarup zeigt die Spielerinnen der somalischen Frauenbasketball-Nationalmannschaft in Mogadischu. Obwohl die von der UNO unterstütze somalische Regierung die Kontrolle über die Stadt wieder erlangt hat, sind immer noch der Al-Qaida nahestehende militante Gruppen in Mogadischu aktiv. Laut den Gesetzen der Scharia ist Frauen Sport verboten. Als Strafe drohen etwa das Abschneiden der rechten Hand oder des linken Fußes. Doch trotz dieser Gefahren, trotz Morddrohungen und Repressionen spielen die Frauen weiter. Jan Grarup wird am 6. September, 19 Uhr, im Fotomuseum WestLicht in einem Vortrag von seiner Arbeit berichten.

Für dieses Jahr haben 5.666 FotografInnen aus 124 Ländern 103.481 Bilder eingesandt. Die Jury vergab Preise in neun Themenkategorien an 54 Positionen aus 33 Ländern: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Jordanien, Kanada, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Palästina, Peru, Polen, Portugal, Russland, Serbien, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz, Tschechien, Türkei, USA und Vietnam. Nach den Richtlinien von World Press Photo müssen die Fotos des Jahres von „großer fotojournalistischer Bedeutung“ sein und sich durch „außerordentliche Qualität der visuellen Perzeption und Kreativität“ auszeichnen. Wesentliche Kriterien sind demnach neben dem Nachrichtenwert eines Bildes die spezifische Wahrnehmung und Herangehensweise der FotografInnen. Jährlich sehen mehr als drei Millionen Menschen in 45 Ländern die World Press Photo-Wanderausstellung. 2012 hatte sie bei WestLicht über 22.000 BesucherInnen. Heuer findet die Ausstellung hier bereits zum zwölften Mal statt.

Das Jahrbuch mit allen preisgekrönten Arbeiten ist nicht nur Ausstellungskatalog, sondern auch ein eigenständiges, spannendes Zeitdokument.

DAS BUCH ZUR AUSSTELLUNG
WORLD PRESS PHOTO 13
Till Schaap Edition, 160 Seiten, deutsch, 22,8 x 29,4 cm, broschiert. Bestellungen unter bookshop@westlicht.com

www.worldpressphoto.org

www.westlicht.com

Wien, 2. 9. 2013