10 Jahre theaterfink: Jubiläum der Vienna Street Puppets

Juli 9, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Theresia K., dem Einedrahra und dem Lechner Edi

Theresia entsorgt ihren erschlagenen Ehemann (Walter Kukla) in der Buttn. Das Publikum marschiert mit. Bild: Hans-Georg Sedlak

Der theaterfink, Wiens einziges kontinuierlich spielendes Stationentheater im öffentlichen Raum, begeht sein Zehn-Jahres-Jubiläum. Und fliegt erstmals auch auf Landpartie. Gemeinsam mit dem Publikum wandern die Darsteller zu historischen Schauplätzen der Wiener Kriminalgeschichte und erzählen meist vergessene Ereignisse vor Ort. Durch Schauspiel, Puppenspiel und musikalischem Treibstoff werden so historische Begebenheiten lebendig und in Bezug zur Gegenwart gesetzt.

Zum Geburtstag ihrer „Straßengang“ lassen die Leiterinnen Susita Fink und Karin Sedlak die Highlights der vergangenen Jahre noch einmal aufleben. In der Inneren Stadt wird ab 12. Juli das „Abschiedslied der zum Tode verurteilten Theresia K** oder Als Resi ‘s Hackl zur Hülf’ holte!“ neu begangen (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=25243). Theresia Kandl, geboren am 10. Juni 1785, wuchs in Atzgersdorf bei Wien in einem angesehenen Elternhaus auf. Sie entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen und aufmüpfigen Schönheit. Eine verbotene Liebschaft, ein uneheliches Kind und eine erzwungene Ehe später fand ihr turbulentes Leben ein jähes Ende. Als erste und einzige Frau wurde sie an der Hinrichtungsstätte „Spinnerin am Kreuz“ im Alter von nur 23 Jahren wegen Mordes an ihrem Gatten öffentlich gehängt …

Im Rahmen des Viertelfestivals Niederösterreich ist ab 2. August auf Schloss Kottingbrunn „Da Einedrahra kauft a Schloss!“ zu sehen. Peter Ritter von Bohr, angesehener Maler, Unternehmer, Aktionär, Bankengründer, Adeliger und Geldfälscher, eventuell auch Mörder, wird danach ab 16. August bei „Hin und Weg“ in Litschau sein Unwesen treiben, ab 24. August heißt es dann in Gallizien und Klagenfurt „Da Einedrahra hält Hochzeit!“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=21440).

Das „Einedrahra“-Ensemble. Bild: Joseph Vonblon

theaterfink-Leiterin Susita Fink. Bild: Susita Fink

Eva Billisich und die schöne Resi. Bild: Susita Fink

Viel Publikum fürs Straßentheater. Bild: Susita Fink

Als Neuinszenierung zeigen Susita Fink und Ensemble ab 9. September in Wien-Erdberg Jura Soyfers „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“. Inhalt: Der Lechner Edi ist arbeitslos. Schuld daran ist der Motor, der ihn in seiner Fabrik ersetzt hat. Als er Rache an dem Motor üben will, offenbart ihm dieser, dass auch er ausrangiert wurde.  Schuld daran sind wiederum der Lechner Edi und seinesgleichen, da aufgrund der Wirtschaftskrise keiner mehr kauft. Gemeinsam mit Edis Freundin Fritzi begeben sich die beiden Arbeitslosen auf eine Zeitreise, um den wahren Schuldigen ausfindig zu machen. Aber wo nimmt das Übel seinen Anfang? Irgendwer muss doch immer Schuld haben.

theaterfink bringt nun Jura Soyfers im Jahre 1936 entstandenes Stück aufs Pflaster und zeigt, dass es nichts an Aktualität und politischer Brisanz eingebüßt hat.  Bespielt werden dabei historische Plätze aus der Jugend Jura Soyfers in Erdberg sowie Produktionsstätten und Betriebe, wo immer noch von Hand geschaffen wird. Es spielen Walter Kukla, Claudia Hisberger und Susita Fink, musikalisch begleitet von Walther Soyka.

Susita Fink und Karin Sedlak im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=25205

Videos:

www.youtube.com/watch?v=zADRAM-TN74

 

www.theaterfink.at

9. 7. 2019

10 Jahre Forum Frohner

Oktober 13, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zum Jubiläum zeigt man erstmals die Sammlung Gabriel

Adolf Frohner: Eine der drei Grazien,1969. Sammlung Gabriel. Bild: Christian Redtenbacher

Zum Zehn-Jahre-Jubiläum des Forum Frohner zeigt das Haus in Krems-Stein ab 15. Oktober die Sammlung Gabriel, eine österreichische Privatsammlung, die erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Das Wiener Sammlerpaar Harald und Mechtilde Gabriel lernte Adolf Frohner in den 1960er-Jahren durch Vermittlung des Galeristen Erich Gabriel, Cousin von Harald, kennen. Frohner hatte zu dieser Zeit sein Atelier in der Paradisgasse im 19. Wiener Bezirk, in unmittelbarer Nachbarschaft der Gabriels. Es entwickelte sich ein Naheverhältnis und das junge Paar begann, Werke des befreundeten Künstlers zu sammeln. In einigen Jahrzehnten entstand eine umfangreiche Sammlung, die sich nach dem Motto „Fokus Frohner“ primär auf dessen Werk konzentrierte.

Die Sammlung Gabriel umfasst neben Radierungen und Zeichnungen auch malerische Schlüsselwerke aus den 1960er- und 1970er-Jahren. In dieser Periode entwickelte Adolf Frohner ausgehend vom Wiener Aktionismus einen neuen Zugang zur Figuration. Außerdem gelang ihm mit der Teilnahme an der Biennale von São Paulo 1969 und der Biennale von Venedig 1970 der internationale Durchbruch. Die figurativen Arbeiten bilden den Schwerpunkt der Sammlung, begleitet von ausgewählten Blättern der präfigurativen Phase.

Mit der Arbeit „Verschlossenes“  aus dem Jahr 1962 findet sich in der Sammlung ein seltenes Werk, in dem Frohner mit Materialien wie Jute und Gips in Kombination mit reduktiven malerischen Elementen experimentierte. Das Aquarell „Ohne Titel“ von 1965 integriert hingegen Zeitungsausschnitte und demonstriert Frohners Suche nach den neuen figurativen Bildelementen. Das Gemälde „Hochzeit der Schwestern“, entstanden 1967, zeigt die für Frohner typischen Frauengestalten. Mit Anregungen aus der Art brut definieren sie ein neues Menschenbild, das sich kritisch mit der Conditio humana befasst.

Die bildnerischen Werke der Sammlung werden mit detailliertem Archivmaterial, Presserezensionen sowie liebevoll aufbewahrten Kleinoden wie Plakaten, Sonderausgaben von Publikationen und persönlichen Widmungen ergänzt. Die Ausstellung rückt die persönliche Note und den individuellen Zugang des Sammlerpaares in den Vordergrund. Durch den Blick der Sammler öffnet sich ein neuer Zugang zu Adolf Frohners Position zu Kunst und Realität, die er im Statement „Kunst muss nicht schön sein. Aber sie muss notwendig sein“ auf den Punkt brachte.

Entdeckt wurde die Sammlung Gabriel im Zuge der Recherche für das Werkverzeichnis zur Malerei Adolf Frohners, das nach mehrjähriger Arbeit zum Jubiläum des Forum Frohner erscheint und bei der Ausstellung präsentiert wird.

Adolf Frohner: Hochzeit der Schwestern, 1967. Sammlung Gabriel. Bild: Christian Redtenbacher

Adolf Frohner: Die Revolte,1971. Sammlung Gabriel. Bild: Christian Redtenbacher

Das Forum Frohner im ehemaligen Minoritenkloster in Stein wurde 2007 eröffnet. Wie Dieter Ronte, von 2007 bis 2015 künstlerischer Leiter des Hauses, feststellte, wollte Frohner „dezidiert kein eigenes Museum, sondern ein Forum, in dem spannende kulturelle Arbeit geleistet werden kann“. Jedoch verstarb Adolf Frohner unerwartet im Jänner 2007 und konnte die Eröffnung „seines“ Forums nicht mehr miterleben.

Seit nunmehr zehn Jahren findet am Haus ein abwechslungsreicher Parcours von Ausstellungen und Veranstaltungen statt, die Aspekte aus allen Bereichen der Kultur verbinden. In der letzten Dekade gab es mehr als 25 Ausstellungen mit mehr als 200 Künstlerinnen und Künstlern. Der Bogen reicht von Einzelpräsentationen verwandter Zeitgenossen bis zu thematischen Fragestellungen, von nationalen bis zu internationalen Positionen. Das Ausstellungsprogramm, das auch Aspekte der Gegenwartskunst zeigt, wird mit Diskussionen, Musikveranstaltungen und Lesungen ergänzt.

www.forum-frohner.at

13. 10. 2017

Höhenflüge und Zwischenlandungen

Oktober 21, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Zehn Jahre Direktion Herbert Föttinger

csm_Hoehenfluege_und_Zwischenlandungen_10_Jahre_Direktion_Herbert_Foettinger_Buch_8504bce3f7Schauspieler und Regisseur Herbert Föttinger wurde 2005 zum Direktor des Theaters in der Josefstadt ernannt. Das Buch „Höhenflüge und Zwischenlandungen“ lässt die ersten zehn Jahre seiner Direktion Revue passieren. Mit Beiträgen von Michaela Mottinger/mottingers-meinung.at, Christine Grond-Ruigler/Leiterin des Archivs der Zeitgenossen, Christiane Huemer-Strobele/Josefstadt, Leiterin der Kommunikation, Maria Teuchmann/Geschäftsführerin Thomas Sessler Verlag, Prof. Dr. Heinrich Kraus, Günter Rhomberg/Josefstadt, Vorsitzender des Aufsichtsrates, Martin Lhotzky/Historiker und Rudolf Scholten/Generaldirektor OeBK.

Der Band ist ab sofort um 18 Euro erhältlich.

www.josefstadt.org/service/buecher-dvds/publikationen.html

Wien, 21. 10. 2015

10 Jahre Theater a.d. Wien: José Carreras singt „El Juez“

September 22, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Dreigroschenoper“ mit Angelika Kirchschlager und Tobias Moretti, Nikolaus Harnoncourt dirigiert „Fidelio“

Bild: Theater an der Wien

Bild: Theater an der Wien

Im Jänner 2016 feiert das Theater an der Wien mit drei hochkarätig besetzten Opernaufführungen sein zehnjähriges Bestehen als Opernhaus. Intendant Roland Geyer präsentierte am Dienstag das Programm: Den Auftakt macht die Premiere von Bert Brechts und Kurt Weills „Die Dreigroschenoper“ am 13. Jänner in einer Inszenierung von Keith Warner mit Tobias Moretti als Mackie Messer, Angelika Kirchschlager und Florian Boesch als Ehepaar Peachum und Anne Sofie von Otter als Spelunkenjenny. Es folgen zwei Festkonzerte: Am 17. Jänner steht Beethovens „Fidelio“ unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus Wien und den Solisten Michael Schade, Juliane Banse und Anna Prohaska auf dem Jubiläumsspielplan. Mozarts Oper „Idomeneo“ gelangt am 22. Jänner unter der musikalischen Leitung von René Jacobs mit dem Freiburger Barockorchester zur Aufführung.

Mit einem außergewöhnlichen szenischen Sonderprojekt, der Oper „El Juez“ von Christian Kolonovits mit Opernsuperstar José Carreras in der Titelpartie, wird der Jubiläumsspielplan des Theater an der Wien am 2. und 5. Juli 2016 erweitert. Kolonovits behandelt in seiner Oper ein dunkles Kapitel spanischer Geschichte: Zur Zeit der Franco-Diktatur wurden nicht regimetreuen Eltern ihre Kinder weggenommen, um sie in Klöstern und anderen Einrichtungen umzuerziehen. Die Kirche, die federführend an der Entführung der Kinder beteiligt war, weigert sich bis heute, Aufzeichnungen und Informationen über die wahre Identität der „verlorenen Kinder“ preiszugeben – ein Konflikt, der die spanische Gesellschaft immer noch spaltet. Zwei Jahre war Kolonovits mit der Komposition seiner Oper beschäftigt, in der er mit der Librettistin Angelika Messner der Frage nach Recht und Unrecht und nach persönlicher Entscheidungsfreiheit nachgeht. Die bejubelte Uraufführung von „El Juez“ fand im April 2014 in Bilbao statt.

Die Rolle des Richters Federico Ribas wurde José Carreras, der mit ihr nach achtjähriger Absenz auf die Opernbühne zurückkehrte, auf den Leib geschrieben: „Meine Familie war stets gegen General Franco. Sie waren Republikaner und alles andere als rechts gerichtet. Zu Hause hörte ich meinen Vater und meinen Großvater über den Krieg sprechen und wie es in der Zeit vor Franco war. Deshalb ist dieses Thema so wichtig für mich“, sagt Carreras im Pressegespräch und erklärt über seine Rolle: „,El Juez‘ ist zwar eine zeitgenössische Oper, sie ist aber alles andere als atonal – es gibt wundervolle Melodien zu singen, Soli und Duette, und tolle Szenen zu spielen. Ich bin überglücklich, dass ich in ‚meinem‘ Wien in dieser Oper auf der Bühne stehen kann!“

Der Kartenverkauf für „El Juez“ startet am 22. September um 12 Uhr an der Tageskasse des Theater an der Wien, zeitgleich mit dem Onlineverkauf auf der Website

www.theater-wien.at

„El Juez“ zum Reinhören: Premiere im Mariinsky: www.youtube.com/watch?v=GWQ8Osqcmbs

Wien, 22. 9. 2015

Die 10. Spielzeit des stadtTheaters Walfischgasse

September 1, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Intendantin Anita Ammersfeld

präsentiert die  Jubiläumssaison

Der Beweis von David Auburn: Michael Schusser, Eva-Christina Binder, André Pohl, Anna Sophie Krenn Bild: Sabine Hauswirth

Der Beweis von David Auburn: Michael Schusser, Eva-Christina Binder, André Pohl, Anna Sophie Krenn
Bild: Sabine Hauswirth

Die Saison 2013/14 war in der Walfischgasse ein guter Jahrgang. Das stadtTheater konnte ordentlich zulegen: bei verkauften Karten ohne Abos immerhin plus ca. 3%, bei den Abos beachtliche 19 %. Durch die Einführung eines 10-Vorstellungen-Abos, das von zwei unterschiedlichen Personen benutzt werden kann, wurde bei der viel relevanteren Zahl der verkauften Abo-Plätze sogar eine unglaubliche Steigerung von über 30 % erreicht!

Kein, Wunder, gab’s doch einen Bühnenerfolg nach dem anderen – von denen einige auch in der Saison 2014/15 noch zu sehen sein werden, wie ab 28. September das von Rupert Henning geschriebene Auftragswerk „C(R)ASH“ mit dem unvergleichlichen Cornelius Obonya in der Hauptrolle und Claudia Kottal und Stefano Bernardin als Antagonisten. www.mottingers-meinung.at/cornelius-obonya-badet-in-selbstmitleid/Publikumsliebling Oliver Baier ist der Star der zweiten Reprise der vergangenen Saison: „Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière ist ab 4. November zu sehen. In weiteren Rollen spielen Ildiko Babos, Michael Rast, Alexander Rossi und Sinikka Schubert. Die  dritte Wiederaufnahme der letzten Saison ist Alan Ayckbourns amüsantes und überraschendes Stück „Halbe Wahrheiten“ mit Anita Ammersfeld und Hubsi Kramar als langjähriges Ehepaar und Sophie Prusa und Matthias Franz Stein als junges Paar – erstmals wieder am 21. November. www.mottingers-meinung.at/stadttheater-walfischgasse-halbe-wahrheiten/Fortgesetzt wird auch in der Jubiläums-Saison die immer beliebtere Reihe „Peter Huemer im Gespräch mit …“, zu Gast sind diesmal zwei der bekanntesten Persönlichkeiten Deutschlands, nämlich der keinem Disput ausweichende Gregor Gysi am 26. Oktober und der jederzeit unterhaltsame Harald Schmidt am 23. November.

Doch natürlich wird es auch neue Premieren geben: Mit den mehrfach ausgezeichneten Theaterstücken „Der Beweis“ von David Auburn, eine Wien-Premiere, in dem es um die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn geht und John Patrick Shanleys „Zweifel“, das im prüden katholischen Amerika der 60er-Jahre angesiedelt ist und das allgegenwärtige Misstrauen in dieser Zeit behandelt, zeigt Intendantin Anita Ammersfeld wieder Mut, das Publikum mit Themen, die unter die Haut gehen, zu konfrontieren.

Der Beweis: Premiere am 15. Oktober. Inhalt: Catherine und ihr Vater Robert, ein berühmter Mathematik-Professor haben ein sehr enges Verhältnis. Als der hochbegabte und -dekorierte Vater durch eine mysteriöse Geisteskrankheit den Verstand verliert, gibt Catherine ihr Mathematikstudium auf, um ihren Vater zu pflegen. Aber das einstige Mathematik-Genie Robert gibt seine besessene Suche nach einer weiteren bahnbrechenden mathematischen Entdeckung bis zu seinem Tod nicht auf. Als Robert stirbt, hält Cathrine im Geiste den Dialog mit ihrem Vater aufrecht und wird zunehmend verfolgt von der Furcht, an der gleichen Krankheit wie er zu leiden. Ihre Schwester Claire reist zur Beerdigung aus New York an. Sie ist sehr besorgt über Catherines Zustand, die verbittert und verwahrlost wirkt. Die beiden Schwestern haben sich über die Jahre voneinander entfremdet und Claire beginnt sehr schnell, Catherine in ihrer Angst zu bestärken, die Geisteskrankheit des Vaters geerbt zu haben. Vorsichtig fasst Catherine Vertrauen zu Hal, einem ehemaligen Studenten ihres Vaters, der dessen immens großen Nachlass sichtet. Er hofft, in den überwiegend sinnlosen Formeln, die Robert vom Schreibzwang getrieben hundertfach verfasst hat, eine mathematisch geniale Idee zu finden. Dank Catherines Hilfe entdeckt Hal in Roberts Notizen tatsächlich einen spektakulären mathematischen Beweis. Doch wer hat ihn geschrieben ? Catherine behauptet Unglaubliches oder beweist diese Behauptung lediglich ihre Unzurechnungsfähigkeit ? Weder Hal noch Claire glauben ihr und auch sie selbst verliert zunehmend die Gewissheit. Genie und Wahnsinn, Vertrauen und Liebe, undefinierbare Variable, denen mit Zahlenlogik nicht mehr beizukommen ist. „Der Beweis“ erhielt alle wichtigen US-amerikanischen Theaterpreise, darunter den Drama League Award, den Preis der New Yorker Theaterkritiker, den Tony Award 2001 für das Beste Stück, sogar den Pulitzer-Preis 2001 für Theater und ist ein noch nie in Wien gezeigtes Stück. Mit André Pohl, Eva Christina Binder, Anna Sophie Krenn und Michael Schusser; Regie Carolin Pienkos

Zweifel: Premiere am 14. Jänner. Inhalt: 1964, St. Nicholas in der Bronx, New York. Der charismatische Pater Brendan Flynn versucht die strengen Sitten einer katholischen Schule auf den Kopf zu stellen, die mit eiserner Hand von Schwester Aloysius geführt wird. Doch der Wind des politisch liberalen Wandels weht durch die Gemeinde und so nimmt die Schule ihren ersten schwarzen Schüler auf. Aber dann berichtet die naive Schwester James der autoritären Direktorin, dass Pater Flynn dem neuen Schüler zu viel private Aufmerksamkeit widmet. Unverzüglich sieht sich Schwester Aloysius zum Handeln gezwungen – mit verheerenden Folgen. Das Stück ruft unweigerlich die Missbrauchsfälle in Erinnerung, die die katholische Kirche in den letzten Jahren erschütterten. Doch es geht hier auch um ein gänzlich anderes Thema. „Zweifel“ erzählt ebenso vom äußerst schmalen Grat zwischen Überzeugung und Ungewissheit und von der veränderten Wahrnehmung unter den Vorzeichen eines Verdachts. Es hält die Schuldfrage bis zum Ende geschickt in der Schwebe und deutet die moralischen Abgründe auf beiden Seiten der Frontlinie an. Jeder Dialog dynamisiert die Handlung, doch keiner davon lässt für den Zuschauer eine letztgültige Schlussfolgerung zu. Das Publikum kann sich durch diesen Mechanismus selbst niemals dem Zweifel entziehen, es ringt genauso vergebens wie die handelnden Personen um die Erkenntnis, was richtig und was falsch ist. Sein Stück handle davon, dass Zweifel „Wachstum und Veränderung“ ermöglicht, so John Patrick Shanley. Der Autor und Regisseur John Patrick Shanley adaptierte sein mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnetes Broadway-Stück 2008 selbst für die Leinwand. In den Hauptrollen sind Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams sowie Viola Davis zu sehen. Der Film, das Drehbuch und alle Hauptdarsteller erhielten etliche Preise und Oscar-Nominierungen. Eine Geschichte über die Suche nach Wahrheit, die Mächte des Wandels und die verheerenden Folgen des Gerechtigkeitswahns in einer von moralischen Überzeugungen bestimmten Zeit. Mit Anita Ammersfeld, Rachelle Nkou, Johanna Withalm und Alexander Rossi; Regie Carolin Pienkos.

Anläßlich der Jubiläums-Saison wird auch ein für Intendantin Anita Ammersfeld besonders wichtiges Stück wieder ins Scheinwerferlicht gerückt: Das Eröffnungs-Stück des stadtTheaters Walfischgasse, „Freunde, das Leben ist lebenswert„, an das sich, wie auch das Gästebuch des Theaters zeigt, Besucher der ersten Stunde auch heute noch gerne erinnern. Der Schweizer Autor Charles Lewinsky, ein weiterer Freund des Hauses, schrieb für diese Wiederaufnahme eine Neufassung. Das Stück beleuchtet die grausamen Schicksale der Wiener Theater-Legenden Fritz Löhner-Beda, Fritz Grünbaum und des Komponisten Hermann Leopoldi. Premiere am 4. März 2014. Inhalt: Wien, 1934: Der Librettist Fritz Löhner-Beda trifft in launiger Party-Stimmung auf seine Freunde, den Kabarettisten Fritz Grünbaum, und den Komponisten Hermann Leopoldi. Drei jüdische Künstler, die Frack tragen, sich amüsieren und, der eine mehr, der andere weniger, ihren Erfolg genießen.  Der Schlager- und Operettentexter Löhner-Beda, ein Star der österreichischen Kulturszene vor 1938, hat einen Chauffeur, der für Adolf Hitler schwärmt und hilflose Gedichte zu dessen Lob schreibt. Nach dem Anschluss landet Löhner in Buchenwald und trifft dort seinen Fahrer als Wächter wieder an. Beda schreibt im Lager nicht nur das legendäre Buchenwald-Lied, sondern – was tut man nicht für einen Laib Brot ? – auch heimlich die Führer-Loblieder, mit denen der junge Möchtegern-Poet an einem Wettbewerb der SS teilnehmen will. Er macht seine Sache zu gut. Der ehemalige Chauffeur wird zum Finale des Wettbewerbs nach Berlin eingeladen, wo er ohne seinen Ghostwriter versagt und zur Strafe in den Osten versetzt wird. So verliert Löhner seinen Schutz im Lager und wird seinerseits nach Auschwitz deportiert.Im Stück kommentieren und kontrastieren Löhners beliebte Lieder – von „Was machst Du mit den Knien, lieber Hans“, „Benjamin, ich hab´ nichts anzuziehen“ bis „Rosa, wir fahr´n nach Lodz“ oder „Ausgerechnet Bananen“ – die Handlung. Mit Hannes Gastinger, Johannes Seilern, Sebastian Eckhardt, Mathhias Hacker, Reinhardt Winter, Patrick Lammer, Jörg Stelling und Marcus Thill; Buch und Regie: Charles Lewinsky.

www.stadttheater.org

Wien, 1. 9. 2014