TV-Serie: Der berühmteste Detektiv der Welt

Februar 8, 2013 in Film

Sherlock & Watson: Benedict Cumberbatch (li.), Martin Freeman
16.05.2012, Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/5

Sexy „Sherlock“ im deutschen TV

ARD zeigt ab Donnerstag (20.15) neue Folgen der Krimireihe. In Großbritannien wurde Darsteller Benedict Cumberbatch zum „World’s Sexiest Man“ gekürt.

Dass ihn die Leserinnen eines britischen Boulevardblatts zum „World’s Sexiest Man“ kürten. Dass er David Beckham, Johnny Depp, Robert Pattinson auf die Plätze verwies. Das alles kostet Benedict Cumberbatch ein distinguiertes Lächeln, während er selbst sein Aussehen mit dem des – immerhin berühmten – Rennpferds Shergar vergleicht. Pferdegesicht hin, Pferdegesicht her. Intelligenz ist sexy. Das weiß der „Sherlock“-Darsteller genau.

Als die BBC 2010 die ersten Folgen ihrer Krimireihe „Sherlock“ ausstrahlte, folgte auf Skepsis Euphorie bei TV-Kritikern und Fernsehpreisverleihern. Drehbuchautor Steven Moffat hatte Arthur Conan Doyles Detektiv von Deer­stalker-Mütze und (Crack-)Pfeife befreit und ihn mit Laptop und Handy ausgestattet. Ein Sherlock Holmes des 21. Jahrhunderts.

„Sherlock“ als Karrierekick

Der ab Donnerstag in der ARD (20.15) und ab 20. Mai auf ORFeins (22.05) drei neue, sehr heutige Fälle lösen wird: „Ein Skandal in Belgravia“, „Die Hunde von Baskerville“ und „Der Reichenbachfall“. So wird etwa in der beschaulichen Gemeinde Baskerville am Geheimprojekt H.O.U.N.D. gearbeitet, in einem Labor für Genforschung. Inmitten all der Modernität kommt auch der Schmäh nicht zu kurz. Mit dem werden die großen Doyle-Themen behandelt: Von der immer im Raum stehenden, immer abgestrittenen homophilen Zuneigung zwischen Holmes und Watson bis zum melancholischen Geigenspiel. Für Schauspieler Cumberbatch übrigens die größte Herausforderung: „Es war verdammt furchtbar (eigentlich sagt er: fucking awful) , bis ich gelernt habe, den Bogen richtig zu halten.“

Cumberbatch und seinem „Watson“ Martin Freeman hat die Fernseharbeit zu höheren Leinwandweihen verholfen. Ersterer war im Kinothriller „Dame, König, As, Spion“ und in Steven Spielbergs „Gefährten“ zu sehen – und wird Kirk-Gegenspieler im nächsten Star-Trek-Film.

Zweiterer hat das ganz große Los gezogen: Freeman ist als Peter Jacksons „Der Hobbit“ ab Dezember in den Kinos. Da kann Cumberbatch nicht weit sein: „Ich werde dem Drachen Smaug nicht nur die Stimme leihen, sondern ihn mittels Performance Capture auch ,spielen‘.“

05.12.2011, von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/13

Serienhit „Sherlock Holmes“

Dank BBC ist der Detektiv im 21. Jahrhundert angekommen. Ab Sonntag zeigt die ARD die ausgezeichnete Serie „Sherlock“.

Die Geschichten kann man nicht verbessern, das war uns klar“, sagt Benedict Cumberbatch. „Aber wir wollten sie erweitern.“ Der 35-jährige Brite schlüpfte für die BBC in die Haut eines berühmten, wenn auch fiktiven, Landsmannes: „Sherlock“ heißt die Serie, deren erste Folgen ab 24. Juli in der ARD zu sehen sind. Und weil die Drehbücher von den BBC-Topautoren Steven Moffat und Mark Gatiss (beide auch verantwortlich für „Doctor Who“) stammen, durfte man sich zu Recht mehr erwarten, als die x-te Deerstalker-Hut-und-Pfeifen-Story.

Explosionen

Dieser Holmes ist definitiv im 21. Jahrhundert angekommen, hat eine Website, schreibt SMS – „schießt, rollt sich über Autos oder fliegt bei Explosionen durch die Luft“, freut sich Cumberbatch.

Trotzdem ist „Sherlock“ immer noch die von Sir Arthur Conan Doyle erdachte Figur. Das beginnt bei Cumberbatch selbst, der wie vom Autor beschrieben „groß, schlank, mit einem Gesicht wie ein Raubvogel“ ist.
Ein attraktiver Raubvogel.

Sein Holmes ist immer noch Geigenspieler, trägt aber Nikotinpflaster – wer raucht heute schon noch? – und muss die Polizei für eine Drogenrazzia in seine Wohnung lassen.

Metrosexuell

Im 21. Jahrhundert angekommen: Holmes (Benedict Cumberbatch, li.) und Watson (Martin Freeman).
Im 21. Jahrhundert angekommen: Holmes (Benedict Cumberbatch, li.) und Watson (Martin Freeman).

Apropos, Baker Street 221B (daneben ist jetzt eine Sandwichbude): Als Holmes mit Watson das Domizil bezieht, sagt die Vermieterin: „Im oberen Stock ist ein zweites Schlafzimmer, falls die Herren ein zweites Schlafzimmer brauchen.“ Womit auch die bei Conan Doyle anklingende „Bruderromanze“ paraphrasiert ist.

„Sherlock und John gehören schon zur recht männlichen Fraktion – aber vielleicht mit einem kleinen Hang zum Metrosexuellen“, versucht Watson-Darsteller Martin Freeman richtigzustellen. Als bekannt wurde, dass der Schauspieler, bei uns bekannt als Arthur Dent in „Per Anhalter durch die Galaxis“ und nun von Peter Jacksons als Bilbo Beutlin für dessen Verfilmung von „Der Hobbit“ ausgewählt, Dr. John Watson spielen würde, herrschte im Vereinigten Königreich erst keine Freude.

Fans trauten dem Komödianten nicht zu, den vielschichtigen, vom Albtraum Afghanistan-Krieg (in der Serie der aktuelle) beschädigten Charakter darzustellen.
Doch Freeman reüssierte.
Er spielt einen hart gewordenen Kriegsveteranen, der viel mehr ist als ein Assistent und Stichwortgeber. Er deckt Holmes‘ Flanke, rettet ihm gleich im ersten Fall das Leben – und gibt Stichworte nur, wenn daraus Humor entstehen soll. Der ist – wie sollte es anders sein – very british snobby. „Wie lebt es sich mit euren kleinen Gehirnen? Ist das nicht furchtbar langweilig?“, fragt Holmes am Tatort die ermittelnden Beamten rund um Inspector Lestrade.

In Großbritannien wurde die erste „Sherlock“-Staffel mit dem renommierten Film- und Fernsehpreis BAFTA ausgezeichnet. Ab Herbst läuft in der BBC die zweite. Da sind dann „Der Hund von Baskerville“ und „Der Reichenbachfall“ dabei.

Vorausgesehen: Sherlock – Ein Fall von Pink

„Sherlocks“ erster Fall ist eine Variation von Conan Doyles erstem Roman „Eine Studie in Scharlachrot“, in dem sich Holmes und Watson kennenlernen, um gleich zu klären, warum ein Mordopfer das deutsche Wort „Rache“ an den Tatort geritzt hat. Cumberbatchs Sherlock ist ein hoch funktionaler Soziopath, ein Spieler, so smart wie charismatisch wie spooky. Wenn er im Stakkato seine Schlüsse zieht, werden seine Gedankengänge zu Schriftzügen auf dem Bildschirm. Und das ist nicht der einzige Gimmick, mit dem Regisseur Paul McGuigan trickst. Der beste ist, dass man die Lösung des Falls in den ersten 30 Sekunden serviert bekommt – und natürlich keine Ahnung hat, dass dem so ist! Das ist ein Holmes, wie er Conan Doyle sicher gefallen hätte: Gewieft, witzig – unwiderstehlich