Jan Garbarek und Meret Becker in Wien

Mai 5, 2014 in Klassik

VON RUDOLF MOTTINGER

Abschiedstournee und neues Album

Meret Becker Bild: Kerstin Groh

Meret Becker
Bild: Kerstin Groh

Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble: „Officium 2014 – Abschiedstournee“: 8. Mai, Votivkirche

Nach 20 Jahren geht eine der erfolgreichsten Kollaborationen aus den Genres „Alte Musik / Klassik“ und „Jazz“ zu Ende. Das britische Hilliard Ensemble begeht sein 40-jähriges Bühnenjubiläum und wird danach seine Konzerttätigkeit einstellen. Somit ergibt sich für das Jahr 2014 die allerletzte Gelegenheit, Konzerte ihrer Zusammenarbeit mit Jan Garbarek zu erleben, die unter dem Titel „Officium“ Kultstatus erreicht haben. Mit drei großartigen CD Produktionen und über 1000 Konzerten begeisterten diese fünf Musiker weltweit ihr Publikum. Stationen waren auch die schönsten Kirchen der Welt: Winchester Cathedral, Kloster Melk, Hamburger Michel, Dom zu Berlin, Salzburger Dom, Ulmer Münster, St.Paul´s in London, Dom zu Siena, St.John The Divine in New York, Stephansbasilika Budapest, Dom zu Florenz, Dei Frari in Venedig. Was die vier Sänger des britischen Hilliard Ensembles zu Gehör bringen, ist so nah an der Perfektion, dass es schon eines so herausragenden Musikers wie des norwegischen Starsaxophonisten Jan Garbarek bedarf, um der Schönheit Ihres Gesangs eine fünfte Stimme zu schenken.

Mit „Officium“, „Mnemosyne“ und „Officium Novum“ schufen Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble unter der Ägide von ECM-Chef Manfred Eicher Werke, die gleichzeitig die Jazz-, Klassik- und Popcharts erklommen. Ihre Platten und Konzerte wurden zu Ereignissen, die die Zuhörer von Europa über Amerika bis nach Fernost genauso anrührten wie unzählige Musikkritiker, die ein völlig neuartiges Musikerlebnis beschrieben. Etwas bis dato Ungehörtes von unglaublicher musikalischer Klarheit war entstanden, das der englische Evening Standard beschrieb als „mit die schönste akustische Musik, die je gemacht wurde“. Jan Garbarek durchwandert, durchfliegt die Räume, die die Hilliards mit ihren hinreißend gesungenen Vokalpartituren erschaffen. Der Produzent Manfred Eicher: „Manchmal wirkt es fast wie eine musikalische Osmose“, schildert er die seiner Meinung nach noch immer andauernde Metamorphose dieses Klangkörpers. „Ihr Zusammenwirken ist im Gegensatz zur Anfangszeit feiner, offener und um einiges moderner geworden.“ Das Konzert: ein einzigartiges Geflecht östlicher und westlicher Einflüsse, eine Reise durch Jahrhunderte und Länder, von den ältesten Chorälen des Christentums bis zu zeitgenössischen Kompositionen Jan Garbareks, von Eriwan über Byzanz und Russland bis nach Spanien. Alle Grenzen zwischen Jazz und Klassik, dem Heiligen und dem Profanen, dem Altertum und der Neuzeit werden hinweggefegt. Garbareks Saxophongesang kann sich wie ein breiter unterirdischer Tonstrom bewegen, aus dem die Stimmen aufsteigen. Oder er tanzt zwischen den polyphonen, lebendig pulsierenden Fontänen der Stimmen. Bei Jan Garbarek spürte man schon immer, dass der Anfang aller Musik der Gesang ist. Seine größte Aufmerksamkeit gilt der Melodie, der klaren Betonung der melodischen Linie, die er mit unvergleichlicher Intensität spielt. Das gelingt ihm wie keinem anderen. Genau hier trifft er auf die herausragende Qualität des Hilliard Ensembles. Sein strahlendes Saxophon und der polyphone Gesang verflechten sich zu einer glänzenden Einheit, zu einer kaum erwarteten Klangskulptur. Die fünf Musiker treffen ein imaginäres Zentrum in unserem Innern. Die Suche nach einem gemeinsamen Nenner von Jazz, Folklore und sakraler Musik findet ihr Ziel in Melodien, die jenseits von Zeit und Raum Seele und Tiefe haben. Das Ergebnis ist Klang von großer Leuchtkraft, reine Schönheit.

www.jangarbarek.com; www.hilliardensemble/demon.co.uk

Schauspielerin & Sängerin Meret Becker mit dem Programm ihres neuen Albums „Deins & Done“: 13. Mai, Theater Akzent

Meret Becker gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation. Im April 2014 hat sie ihr lang erwartetes sechstes Musikalbum veröffentlicht. Zum offiziellen Record Release am 20.4. präsentierte sie Stücke daraus live in der renommierten Berliner Volksbühne, und begab sich danach auf Tournee mit einziger Österreich-Station in Wien am 13. Mai!

Meret Becker ist eine Künstlerin mit vielen Gesichtern: Schauspielerin, Komponistin, Sängerin, Performing Artist, Produzentin – ein Multitalent. Sie hat fünf Musikalben herausgebracht, gab zahllose Konzerte und wirkte parallel dazu in vielen Filmen mit. Dafür wurde sie u. a. mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Filmpreis, der Goldenen Kamera und dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Im Herbst 2012 erhielt sie aus der Hand von Bundespräsident Gauck „für besonderes künstlerisches und gesellschaftliches Engagement“ das Bundesverdienstkreuz. Die Musikerin Meret Becker ist immer für eine Überraschung gut. Ihre verträumte Lyrik beeinflusste eine ganze Generation von jungen Frauen, die deutsche Lieder singen. Außer mit ihren Tonträgern überzeugt sie mit Live-Auftritten, mit immer neuen Formationen und Bühnenpartnern, von Nina Hagen bis Max Raabe. Sie gastierte in Deutschland und den Nachbarländern, darunter mehrfach in Paris. Sie tourte durch Australien, Kanada, Norwegen. Ein deutscher Star auf den Bühnen der Welt.

Neue Tournee – neues Album: Nach reiflicher Entstehungszeit ist nun ihr langerwartetes neues Musikprogramm fertig. Es ist wieder ein Konzeptprogramm, das sich dem großen Thema Liebe widmet, nicht nur der erfüllten, sondern vor allem der gescheiterten Liebe. „Deins and Done“ heißt das Programm, das sie mit ihrem musikalischen Gefährten Buddy Sacher dem Mitbegründer der Gruppe „Ars Vitalis – Muzik als Theater“ noch in diesem Jahr erstmalig präsentieren wird. Die Stücke sind wie immer sehr persönlich – und gerade deshalb so universal. Jeder Song ein Treffer: Meret Beckers neues Programm ist sehr vielseitig. Es besteht größtenteils aus eigenen Stücken (meist auf Englisch), enthält aber auch einige Cover-Songs, darunter von Tom Waits. Das stilistische Spektrum reicht von Folk und Blues bis Bluegras und das mit immer neuen Arrangements und Instrumenten. Erstaunlich, wie viele Facetten diese Frau und ihr ausgebuffter musikalischer Partner Buddy Sacher da zum Klingen bringen – stets mit der Maxime „weniger ist mehr“. „Musique en miniature“ nennt Meret Becker diesen Stil, bei dem jeder Ton sitzt und auch die Pausen zwischen den Tönen effektvoll Akzente setzen. Als Schauspielerin sei sie im Wesentlichen fremd gesteuert, sagt Meret Becker. Mit ihren eigenen Songs in der eigenen Show könne sie sich ungebremst öffnen. Die Konzertbesucher freuen sich an ihrer Verwandlungskunst von zart und zerbrechlich bis frech und frei heraus. Von gehaucht bis volle Kraft voraus. Eine Performance, die man in Erinnerung behält.

www.meretbecker.de

Wien, 5. 5. 2014