Albertina: Blow-Up

April 29, 2014 in Ausstellung, Film

VON RUDOLF MOTTINGER

Antonionis Filmklassiker und die Fotografie

Veruschka von Lehndorff mit David Hemmings in "Blow Up" (Regie: Michelangelo Antonioni), 1966 Bild: Arthur Evans, Privatsammlung Wien, Courtesy: Neue Visionen Filmverleih GmbH

Veruschka von Lehndorff mit David Hemmings in „Blow Up“ (Regie: Michelangelo Antonioni), 1966
Bild: Arthur Evans, Privatsammlung Wien, Courtesy: Neue Visionen Filmverleih GmbH

Ab 30. April zeigt die Albertina eine Schau über Michelangelo Antonionis 1966 entstandenen Kultfilm Blow-Up und seine vielfältigen Bezüge zur Fotografie. Die Fotoausstellung präsentiert etwa 250 Ausstellungsstücke. Erstmals werden hier nach thematischen Schwerpunkten gegliedert Fotografien gezeigt, die sich in verschiedener Hinsicht als charakteristisch für Antonionis Film erweisen und wesentliche künstlerische Positionen der Foto- und Kunstgeschichte verdeutlichen. Filmsequenzen, Film Stills sowie abstrakte Gemälde, die ebenfalls in Blow-Up zu sehen sind, ergänzen die umfangreiche Schau.

Blow-Up nimmt nicht nur in der Film-, sondern auch in der Fotogeschichte eine einzigartige Stellung ein. Kaum ein anderer Spielfilm hat jemals so differenziert die vielfältigen Bereiche der Fotografie gezeigt und auf so ausführliche und zeitlose Weise zu ergründen versucht. Das fotografische Spektrum in Blow-Up ist dementsprechend breit gefächert und reicht von der Modefotografie über die Sozialreportage und Pop-Art bis hin zur abstrakten Fotografie. Die Ausstellung Blow-Up zeigt in mehreren Kapiteln diese vielseitigen Themen und deren Bezüge zueinander. Neben Film Stills werden hierbei sowohl Werke präsentiert, die tatsächlich in Blow-Up zu sehen sind, als auch Bilder vorgestellt, die den kulturellen und künstlerischen Rahmen der Filmproduktion – konkret das London der Swinging Sixties – beleuchten. Unter den ausgestellten Fotografen und Fotografinnen finden sich dementsprechend so wesentliche Künstler wie David Bailey, Terence Donovan, Richard Hamilton, John Hilliard, Don McCullin, Ian Stephenson, John Stezaker …

Darüber hinaus werden auch die berühmten Fotos aus Blow-Up zu sehen sein, die der Hauptdarsteller in Antonionis Geschichte heimlich in einem Park von einem Liebespaar aufnimmt. Der Protagonist glaubt, mit diesen Aufnahmen zufällig einen Mord dokumentiert zu haben. Die Bilder erweisen sich jedoch als ambivalente Beweise, denn auch Vergrößerungen – Blow-Ups – zeigen kein klares Bild der vermeintlichen Leiche. Dieser filmische Abriss über die Repräsentation von Bildern und deren Mehrdeutigkeit ist seither eine künstlerische Basis des Schaffens verschiedener zeitgenössischer FotografInnen, was verdeutlicht, dass Blow-Up seit seiner Entstehung 1966 nicht an Relevanz verloren hat.

Blow-Up im Gartenbaukino:

Im Zuge einer Kooperation wird Antonionis Filmklassiker am 15. Mai und am 5. Juni, jeweils um 20 Uhr im Gartenbaukino gezeigt. Im Rahmen eines Triple-Features am 5. Juni 2014 wird im Gartenbaukino erstmals exklusiv in Österreich das filmische Werk Up and Out des US-amerikanischen Künstlers und Gewinner des Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig Christian Marclay vorgeführt. Up and Out stellt eine Neuinterpretation der Filme Blow-Up und Blow-Out dar, indem Marclay das Bild von Antonionis Film mit der Tonspur von Brian De Palmas Werk kombiniert.

Über Antonioni:

Michelangelo Antonioni (1912-2007) galt als legendäre Figur der Kinokunst, einen Ruf, den er sich mit seinen ästhetisch bahnbrechenden Filmen der sechziger Jahre erwarb, darunter die Trilogie „L’avventura“ (1960), „La Notte“ (1961) und „L’eclisse“ (1962), die sich mit der inneren Zerrissenheit der oberen Gesellschaftsschicht beschäftigt. „Blow Up“, der 1967 in Cannes die Goldene Palme gewann, begründete den Weltruhm Antonionis. Der damals als state of the art geltende Film über die Identitätssuche im London der Swinging Sixties mit David Hemmings und Vanessa Redgrave als orientierungslose Irrende im Wirbel des Zeitgeists gilt bis heute als einer der wichtigsten Filme der sechziger Jahre und setzte filmästhetische Maßstäbe. Wenig später erreichte Antonioni einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere: Das Roadmovie „Zabriskie Point“ aus dem Jahr 1970, eine Hommage an die 68er-Bewegung und ein Porträt der späten Sechziger in Amerika. 1995 erhielt er den Oscar für sein Lebenswerk.

www.albertina.at

Wien, 29. 4. 2014