Designmonat Graz

April 28, 2014 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Leistungsschau innovativen Designs

Papierveredelung: Lasergravur und Lasercut Bild: Franz Reiterer

Papierveredelung: Lasergravur und Lasercut
Bild: Franz Reiterer

Bereits zum sechsten Mal lädt der Designmonat Graz Kreative und Designbegeisterte aus ganz Europa in die steirische Landeshauptstadt. Unter dem Motto „Design entdecken“ verwandelt sich bis zum 1. Juni die gesamte Stadt, seit drei Jahren UNESCO City of Design, in eine Ausstellungsfläche für Design, quer durch alle Disziplinen.

Eröffnet wird der Designmonat Graz 2014 am 30. April in der designHalle Graz. Das erfolgreiche Kulturhauptstadtjahr 2003 hat als Leuchtturmprojekt ein markantes Zeichen gesetzt für den nachhaltig positiven Einfluss einer lebendigen Kreativszene auf urbane Neugestaltung. Als UNESCO City of Design setzt Graz den Erfolg dieser Entwicklung fort. Seit 2011 gehört die junge Designstadt zum UNESCO Creative Cities Network. Partnerstadt ist in diesem Jahr die französische Design-Metropole Saint-Etienne. Mit seinem dichten interdisziplinär ausgerichteten Programm aus Ausstellungen, Festivals und einem umfangreichen Diskursprogramm zählt der Designmonat Graz zu einem der international interessantesten Designfestivals. 32 Tage lang rücken Designschaffende unterschiedlichster Sparten das Potenzial kreativer Arbeit ins Rampenlicht. Als Leistungsschau innovativen Designs bieten die Veranstaltungen zahlreiche Möglichkeiten, Design und dessen Wert zu entdecken. Die Bandbreite reicht von Initiativen einzelner Designerinnen und Designer bis hin zu den großen lokalen Design-Ausbildungsstätten und Institutionen. Der Designmonat hinterfragt in Lectures und Symposien aktuelle Trends und Phänomene, zeigt Kühnes, Klassisches und Kurioses in Ausstellungen zu renommierten Design-Awards, motiviert in Workshops und diversen Designmonat-Dates zum Selberdenken- und machen und erlaubt Vorstellungen vom Design der Zukunft.

 UNESCO City of Design Saint-Étienne zu Gast in Graz

Als UNESCO City of Design pflegt Graz intensiven Austausch mit den internationalen Partnerstädten, vor allem den UNESCO Cities of Design. Nach Buenos Aires (2012) und Nagoya (2013) ist heuer Saint-Étienne mit einer Ausstellung zu Gast in Graz. Im Fokus der Partnerschaft steht die Entwicklung der einstigen Arbeiterstadt zur heutigen UNESCO City of Design. Präsentiert werden Design-Strategien als strukturelles Tool für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Stadt und der Region. Als „City for all“ bringt Saint-Étienne das Thema Design auf den Boden – Wie das funktionieren kann, zeigt die Ausstellung „Saint-Étienne Design meets Graz“, eine Gemeinschaftsproduktion der beiden UNESCO Cities of Design, gestaltet von Studierenden der FH JOANNEUM Graz, Studiengang Ausstellungdesign. Das Luftig-Schwebende von Design und das, was am Boden, im urbanen Alltag, umgesetzt wurde – bildet den Kern des Konzepts für eine dichte Szenografie, die Saint-Étienne als Designstadt für alle erlebbar macht.

Leistungsschau europäischen Interieur Design

Aktuelle internationale Trends im Interior Design präsentiert „SELECTED: it’s just design!“ – Die längst als Highlight im Programm des Designmonat Graz etablierte Leistungsschau europäischen Möbeldesigns versammelt auch in diesem Jahr internationale Top-Designer und -Designerinnen in Graz. 24 Designschaffende aus 10 Nationen zeigen ihre Entwürfe. Allen voran die Arbeiten der renommierten deutschen Design-Kaderschmiede Burg Giebichenstein, die in diesem Jahr mit fünf Vertretern präsent sein wird. Linien und klare Formen dominieren; Neben der Idee von Einrichtungsobjekten als Wegbegleiter für moderne Stadtnomaden des 21. Jahrhunderts spielt das Thema Licht und Lampen bei Selected heuer eine wichtige Rolle. Möbeldesign zeigt sich stark zeichnerisch und überwiegend linear geprägt, wie z.B. in dem Perspektiv- und Farbschattenregal der „Perceptual Studies“ von Kirstin Overbeck, den Leuchten und Lampen des skandinavischen Studios Mari Isopahkala oder den„versponnenen“ Sitz- und Polstermöbeln von Meike Harde. Aus der österreichischen Designszene sind vertreten: Alexander Müller, der sein Studio in London führt, das steirische Label Pinestone, das Institut für Raumgestaltung der TU Graz und die in London lebende Designerin Katharina Eisenköck von Ekdesign.

Die ganze Stadt als Design Bühne

Ein analoger Stadtplan als Design-Kompass für Stadtflaneure: Das neue Format „Design in the City“ führt im Designmonat zu interessanten Design-Hotspots in Graz. 30 Shops und Unternehmen präsentieren ihren speziellen Designschwerpunkt. Das Format, in ähnlicher Form aus Brüssel, Paris und New York bekannt, spiegelt die aktuelle Entwicklung, weg von massiven Messen hin zu Plattformen und Rundgängen, die Hemmschwellen abbauen und dem Publikum einen individuelleren Zugang zu Design ermöglichen sollen. Innovation und Kreativität im heimischen Handel manifestiert sich vernetzt als Design-Parcours, den man sich als entspannten Spaziergang durch die steirische Hauptstadt oder als zielstrebige Suche nach neuen Begegnungsorten eigenständig und den eigenen Interessen und Vorlieben gemäß zusammenstellen kann. Das Spektrum der einzelnen Stationen reicht von Kult-Fahrrädern im Retro- oder Re-Design (bei Heels on Wheels) oder aus edlem Holz (im Store von Carina Harbisch) über Fashion – ardea luh lanciert die Herrenkollektion ardea luh pink, SUN/SET/STAR zeigt Local Heroes der Grazer Modeszene – über Interior- und Deko-Art – koko mari feiert den 50. Geburtstag von Unikko, dem Mohnblumenprint von Marimekko, Gebhart Blazek berber.carpets+textiles die Renaissance des klassischen Orientteppichs im zeitgenössischen Design, J.K.Klammerth lässt den Rosenthal-Porzellanklassiker von Walter Gropius auf zwei fantasievolle dänische Designer treffen, MuR zeigt repräsentative Glas Klassiker von Lobmeyr aus zwei Jahrhunderten, und BENE präsentiert das Toguna Circle von PARCS, ein Raum-im-Raum-Element für informelle Meetings – bis hin zu Food-Design: Im Eissalon Temmel macht Charly Temmels Designmonat-Graz-Eis Design zur Geschmackssache.

Young Czech Design

Einen Querschnitt durch die Vielfalt jungen tschechischen Designs bietet „New Go(o)ds Young Czech Design“. Losgelöst von den Zwängen einer Vergangenheit, in der Design staatlich bestimmt und auf einheitlichen „Universal“-Look getrimmt war, schafft eine neue Generation von Kreativen Aufsehenerregendes. Seit rund einem Vierteljahrhundert gibt es New Go(o)ds – Young Czech Design, einen nationalen Preis für studentisches Design, veranstaltet vom Stiftungsprogramm Design Cabinet CZ. Die gleichnamige Schau im Kunsthaus Graz zeigt Arbeiten der letzten Jahrgänge des Wettbewerbs, von denen einige bereits in den Warensortimenten internationaler Unternehmen zu finden sind… Darunter der mehrfach preisgekrönte Sessel Koxy von Jan Čtvrtník, der mittlerweile Entwürfe für IKEA und die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA geschaffen hat, Glasprodukte von Roman Vrtiška und Vladimír Žák, die unter anderem für die Ausstattung des Designhotels Moods, eines der besten in Tschechien, verantwortlich zeichnen, der legendäre Sportschuh der Tschechoslowakei, der Botasky, dem das Designerpaar Jan Kloss und Jakub Korouš zu einem neuen Look verhalf, die „intelligenten Gegenstände“ von Jindřich Vodička oder Anna Marešovás erotisches Hilfsmittel Whoop.de.doo, das der jungen tschechischen Designszene einen positiven medialen Skandal und der Designerin über Nacht Berühmtheit bescherte.

assembly – nationale und internationale Designer im Museumsviertel

Wie bereits im Vorjahr öffnet das Universalmuseum Joanneum Graz auch in diesem Jahr wieder einen seiner Standorte für die Designausstellung von „assembly“. Das internationale Mode- und Designfestival bringt heuer über 70 Labels und Kreative aus den Bereichen Mode, Produkt-, Textil-, Möbel- und Grafikdesign sowie Kunst und Architektur in die Murmetropole. Vor dem Hintergrund der internationalen Szene stehen auch prämierte heimische Talente im Rampenlicht, wie beispielsweise Yu-Dong Lin, Steirerin mit taiwanesischen Wurzeln, oder Julia Cepps Label mija t. rosa, deren minimalistische Trachtenparaphrase aus dem Jahr 2013 als prägnantes Ausstellungsstück im Grazer Volkskundemuseum zu sehen ist.

www.designmonat.at

Wien, 28. 4. 2014