Volksoper: Ein Reigen

April 23, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Uraufführung des Wiener  Staatsballetts

Bild: Wiener Staatsballett/Barbara Pálffy

Bild: Wiener Staatsballett/Barbara Pálffy

Am 29. April wird an der Volksoper „Ein Reigen“, Ballett von Antony McDonald und Ashley Page, uraufgeführt.

Wien um 1900 – Schmelztiegel der Kulturen, Geburtsort großer künstlerischer und wissenschaftlicher Visionen. Vor dem Hintergrund von Arthur Schnitzlers Drama „Reigen“ begeben sich der Choreograph Ashley Page und der Ausstatter Antony McDonald auf Spurensuche in die immer wieder aufs Neue berauschende Welt des Fin de siècle. Auf ihren musikalisch passend untermalten Spaziergängen durch das pittoreske Wien der Jahrhundertwende stoßen sie auf zahlreiche äußerst prominente Vertreterinnen und Vertreter einer regelrechten „Coffee-Society“, die in einer der Wienerischsten Institutionen, dem Kaffeehaus, emsig die Geburt der Moderne herbei philosophieren. Unter dem Eindruck der Erkenntnisse, die ergänzend auf Sigmunds Freuds Couch gewonnen werden, verdichten sich die Figurenkonstellationen während der beiden Akte zu einem Kammerspiel, das Bild- und Zerrbild einer Gesellschaft im Wandel kraftvoll beschreibt. Ashley Page und Antony McDonald verstehen die historischen Hintergründe dabei als Ausgangspunkt für ihr Ballett, wobei die Biographien der handelnden Persönlichkeiten und die tatsächlichen geschichtlichen Ereignisse nicht einfach nacherzählt werden, sondern sich vielmehr zu einer freien Collage verdichten, einem Spiel mit Zeit, Identität und Ort, das – ganz im Sinne Sigmund Freuds – auch stark traumhafte Züge trägt und sich zu einem Furioso steigert, welches als „Tanz auf dem Vulkan“ den finalen Vorhang der Wiener Gesellschaft am „Vorabend des Krieges“ vorbereitet. In Anbetracht der einhundertsten Wiederkehr des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges ist das Ballett inhaltlich somit von besonderer Aktualität und zeigt eine der glanzvollsten Perioden der Donaumetropole in liebevoller und kostümlich detailreichen Retrospektive, die sich tänzerisch dem Schrittkanon des klassischen Balletts verpflichtet sieht.

An Hand einzelner realer Persönlichkeiten werden beide Seiten dieser Zeit, die lichte und die dunkle, auf die Bühne gebracht, wobei sowohl einzelne Charaktere nachgezeichnet als auch deren Beziehungen untereinander beleuchtet werden. Der Engländer Ashley Page, der bis 2012 dem Scottish Ballet als Direktor vorstand, ist durch seine Choreographie für das Neujahrskonzert 2013 der Wiener Philharmoniker auch dem österreichischen Publikum bekannt geworden. Als musikalische Grundlage des Balletts dienen Kompositionen dieser künstlerisch so außerordentlich reichen Epoche.

Choreographie: Ashley Page

Konzept: Antony McDonald & Ashley Page

Bühne und Kostüme: Antony McDonald

Musik: Alban Berg, Béla Fischer, Erich Wolfgang Korngold, Gustav Mahler, Maurice Ravel, Arnold Schönberg, Alexander Zemlinsky

Dirigent: Gerrit Prießnitz

www.wiener-staatsballett.at

www.volksoper.at

Interview Ashley Page: www.wiener-staatsoper.at/Content.Node/home/staatsballett_neu/aktuelles/Interview_Page.de.php

Wien, 23. 4. 2014