Drachengasse: Schmoizhodan-Passion

April 7, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Dornenweg im Dialekt

Grafik: Bahar Naghibi

Grafik: Bahar Naghibi

Es gibt zwei Anekdoten, die mit dieser Geschichte überhaupt nichts zu tun haben. Die eine ist der Sturm der Entrüstung den einst Wolferl Ambros‘ „Mir geht es wie dem Jesus, mir tut das Kreuz so weh!“ auslöste. Der andere hat mit Roland Neuwirth und einer Doku über den Zentralfriedhof zu tun – weil wir Wiener doch so bekannt morbide sind. Neuwirth sang. Wann i unt‘ lieg, „tuat ma längst ka Ba mehr weh.“ Das bei Eingeborenensprache wie üblich eingeblendete Insert übersetzte: „Tut mir längst kein Baum mehr weh.“ Haaalooo!

Nun als zum Wesentlichen: Traditon! Schon Palmkatzerl gekauft? Mit bemalten Eiern und Kükennestern geschmückt? Am Sonntag ist Palmsonntag. Und dann geht sie los, die Karwoche. Da hat der Wiener einen Pflichttermin. Na, ned Osterklang, Johannespassion oder Messiah. Do gemma eh a scho no hin. Aber: Ab 12. April spüln’s in der Drachengasse wieder die „Schmoizhodan-Passon“. Also die Markus-Passion in Wolfgang Teuschls Heiliger Schrift. Mit Otto Lechner als Judas, Christian Steiner als Jesus und Alfred Schedl als Evangelist. In Nebenrollen: der Wiener Kammerlchor. Dass der (no dazur protestantische) Sachse Johann Sebastian Bach (also, wann schon Christ, dann brachial-barock-katholisch!) vom passionierten Wiener-Leid nix verstehen hat können ist klar, aber man kann ihm punkto Martyrium ja auf die Sprünge helfen. Wenn der Jesus G’stanzln singt. Oder zum Letzten Abendmahl „Es wird der Wein sein – und wir werdn nimma sein“.

Das Felsengrab sind ein paar alte Bierkisten. Und eines müssen alle zugeben: Nicht jeder ist nachm Wein am dritten Tage wieder auferstanden. Und wenn, dann wie! Eine Empfehlung für Jünger, die ihrem Jesus auch bei seinem biblisch verbrieften Humor nachfolgen.

www.drachengasse.at

Wien, 7. 4. 2014