Georg und Hubert Friesenbichler: Die drei Leben des Hubert F.

März 24, 2014 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Lieber Indianer als Herrenmensch spielen

Bild: Rialto Film

Bild: Rialto Film

Kann man durch Karl May zum Antifaschisten werden? Ja, wenn man lieber Winnetou liest, als sich in Deutschem Jungvolk und der HJ zum stählernen Herrenmenschen drillen zu lassen. Hubert Friesenbichlers Hass auf Hitler wird so groß, dass er mit 16 Jahren sein kleinbürgerliches Elternhaus in Salzburg verlässt, um in die Schweiz zu flüchten. In den dortigen Arbeitslagern wird er zum Kommunisten und nach seiner Rückkehr in die Heimat später zum Parteijournalisten. Aber die Zweifel wachsen, und Friesenbichler wird zu einem wichtigen Sprachrohr der Reformkräfte in der KPÖ. Im Streit um die Invasion der CSSR 1968 aus der Partei ausgeschlossen, manifestiert sich auch in der Leitung weiterer linker Zeitschriften sein Widerspruchsgeist gegenüber autoritären Dogmen.

Georg und Hubert Friesenbichler haben das alles nun im Buch „Die drei Leben des Hubert F. Vom jungen Nazi-Gegner zum linken Journalisten. Mit einem Anhang zur Parteipublizistik nach 1945“ festgehalten.

Hubert Friesenbichlers schriftlich festgehaltene Erinnerungen wurden von seinem Sohn Georg durch eigene Recherchen unter anderem im Schweizer Bundesarchiv, bei Verwandten und Weggefährten ergänzt. Zusätzlich beleuchtet Georg Friesenbichler ausführlich die von der Forschung vernachlässigten Medienimperien, die Österreichs Parteien einst besaßen, und geht der Frage nach, was aus der linken Publizistik wurde.

Friesenbichler, Georg / Friesenbichler, Hubert: Die drei Leben des Hubert F. Vom jungen Nazi-Gegner zum linken Journalisten. Mit einem Anhang zur Parteipublizistik nach 1945. 164 Seiten. Mandelbaum Verlag.

www.mandelbaum.at

Wien, 24. 3. 2014