Hans Magenschab: Der Große Krieg. Österreich im Ersten Weltkrieg 1914-1918

März 17, 2014 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Mit Begeisterung in den Untergang

Magenschab_Coverentwürfe.inddDie Literatur über den Ausbruch, der sich heuer zum 100. Mal jährt, und den Verlauf des Ersten Weltkrieges, ist schier unüberschaubar. Jeder Aspekt wird dabei mehr oder weniger wissenschaftlich analysiert. Natürlich darf dabei auch die Rolle der Habsburger-Monarchie nicht fehlen. Der Historiker Hans Magenschab richtet in seinem Buch „Der Große Krieg“ den Fokus der Kriegs- und Vorkriegsereignisse auf Österreich und schildert eindringlich und in zum Teil beklemmenden Fotos die anfängliche Kriegseuphorie der Menschen, die bald einkehrende Ernüchterung, die Entbehrungen der Zivilbevölkerung und das Leid der Soldaten an den verschiedenen Frontabschnitten.
Am Vormittag des 28. Juni 1914 erschoss Gavrilo Princip in Sarajevo den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie. Diese Tat beendete nicht nur das Leben zweier Menschen sondern bald darauf ein ganzes Zeitalter. Der Erste Weltkrieg, der durch den Mord ausgelöst worden war, veränderte den europäischen Kontinent so nachhaltig und radikal wie kein Ereignis zuvor. In einem bis dahin für unmöglich gehaltenem Gemetzel starben Millionen Menschen, gingen jahrhundertealte Kaiserreiche unter, darunter auch Österreich-Ungarn. Magenschab beschreibt zum einen die Vorgeschichte dieses „Großen Krieges“, schildert die Fehler und Versäumnisse österreichischer Politiker und Militärs „in einem Europa, das 1914 bereits einem Pulverfass glich“, erzählt aber in zahlreichen Bildern auch die Geschichte dieses weltumfassenden Waffengangs aus österreichischer Perspektive. Die Ostfront mit Galizien und den Karpaten findet dabei ebenso Berücksichtigung wie die Alpenfront im Süden der Monarchie. Das Leben der Zivilisten in der Heimat wird dargestellt, ebenso der mörderische Kampf der Soldaten an den vordersten Linien, und große politische Ereignisse ebenso wie individuelle Schicksale.
Das Buch ist zwar kein Bildband, aber das Bildmaterial überzeugt mit seiner Eindringlichkeit. Bekanntlich sagt ein Bild oft mehr als 1.000 Worte. Die Fotos, die der Autor zusammengetragen und sorgfältig ausgewählt hat, stammen zum Großteil aus Beständen des Österreichischen Kriegsarchivs und aus bislang unbekannter privater Herkunft.
Literarische Texte zeitgenössischer Autoren geben einen ausgezeichneten Einblick in das Lebensgefühl und die Ansichten jener Zeit. Propagandapostkarten und zahlreiche Übersichtspläne vervollständigen diese packende Schilderung des „Großen Krieges“ als Zeitenwende und als Anfang vom Ende der Habsburger-Monarchie. Abgerundet wird das Buch mit einem Epilog des Autors, einer Chronik und einem umfassenden Literaturverzeichnis.

Über den Autor:
Dr. Hans Magenschab, 1939 in Wien geboren, studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Wien und Salzburg, war Chefredakteur mehrerer Magazine, darunter „Die Furche“, und Leiter des „Niederösterreich-Kuriers“, Gestalter zahlreicher TV-Dokumentationen sowie Autor historischer Biografien. Zuletzt war er Pressechef der Präsidentschaftskanzlei in der Hofburg und Sprecher von Bundespräsident Thomas Klestil (1994–2004).

Tyrolia Verlag, Hans Magenschab: „Der Große Krieg. Österreich im Ersten Weltkrieg 1914-1918“, 256 Seiten.

www.tyroliaverlag.at

Wien, 17. 3. 2014