Ostermayer entlässt Hartmann

März 11, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Kulturminister enthebt Burgtheaterdirektor seines Amtes

Bild: Burgtheater

Bild: Burgtheater

Das hat es in der Geschichte des Hauses am Ring noch nicht gegeben, das ist ein Skandal, wie ihn die Bühne, die sich so gern die erste im deutschsprachigen Raum nennt, noch nicht erlebt hat. Kulturminister Josef Ostermayer  hat Burgtheater-Chef Matthias Hartmann wegen der Finanzaffäre abberufen; Georg Springer hat den Vertrag aufgelöst und die Entlassung ausgesprochen. Das Ensemble der Burg  soll vom SPÖ-Politiker bereits informiert worden sein. Aus Hartmanns gestern angekündigtem vorläufigen Rücktritt, einer „Ruhestellung“ seiner Funktion als Geschäftsführer wird ein endgültiger Abschied des künstlerischen Direktors. Hartmann will das nicht akzeptieren und kündigt an, Klage gegen die Entlassung einzubringen. Der kaufmännische Geschäftsführer des Burgtheaters, Thomas Königstorfer, kann bis auf Weiteres keine Rechtshandlungen setzen, die eine Zustimmung beider Geschäftsführer erfordert. Heißt: Das Burgtheater ist gelähmt.

Entscheidend für Ostermayers Entscheidung müssen offenbar die ersten Zwischenergebnisse des Rechtsgutachtens sein, die dem Minister gestern Abend vorgelegt wurden. Darin geht es um die mögliche Mitverantwortung  Hartmanns und des Aufsichtsrats der Bundestheater-Holding an der finanziellen Misere. Ein unverzügliches Handeln schien unvermeidlich. Ostermayer zitierte bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Dienstagmittag aus dem Kontrollbericht, der bestätigte, dass Hartmann unabhängig davon, ob er von den Vorgängen wusste, als Geschäftsführer für die aktuelle Situation mitverantwortlich zu machen sei. Die Entlassung sei außerdem der einzig mögliche Weg gewesen, den Vertrag mit Hartmann umgehend zu beenden. Ostermayer: „Aufgrund der Fakten und den vorliegenden Rechtsgutachten gab es keine andere Möglichkeit. Hartmann hat seine Sorgfaltspflicht als Geschäftsführer erheblich verletzt. Er hat weder Mängel des Rechnungswesens noch bei der internen Kontrolle behoben. Um weiteren Schaden für die Republik und das Burgtheater abzuwenden, musste dieser Schritt unmittelbar erfolgen.“ Ebenso werde die Rolle der Wirtschaftsprüfer durchleuchtet, Anzeige gegen die KPMG wurde bereits erstattet. Man staune: Auch Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer zieht Konsequenzen und wird alle Aufsichtsrats-Funktionen in der Holding zurücklegen. Nachfolgen soll ihm in den Aufsichtsräten und den Kontrollgremien Holding-Prokurist Othmar Stoss. Den Vorsitz in den jeweiligen Kontrollgremien könnte Gerüchten zufolge allerdings nicht Stoss, sondern der Direktor des Museumsquartiers, Christian Strasser, übernehmen. Der Wunderwuzzi aus Linz war schon bisher Mitglied in allen Aufsichtsräten der Holding-Töchter.

Wer Hartmann nachfolgen soll, wird hudriwudri – obwohl das die Lieblingsvorgehensweise der Ex-Kulturministerin war, die stets Ausschau nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner hielt – nicht zu klären sein. Man suche nun einen interimistischen künstlerischen Leiter und Geschäftsführer, der auch die „Kluft zum Ensemble“ überbrücken könne. Das Ziel sei, dass wieder „über die Stücke auf der Bühne gesprochen“ werde, nicht über die Vorgänge hinter der Bühne, hieß es bei der Pressekonferenz. Was aus geplanten Inszenierungen des Direktors werde – am 7. April stünde am Akademietheater Hartmanns Projekt „Der falsche Film“ an und bitte an dieser Stelle keine Scherze über den Titel -, wollte der Minister noch nicht beantworten, „es ging heute alles Schlag auf Schlag“, so Ostermayer. Es ist Josef Ostermayer hoch anzurechnen, dass er in den ersten Wochen im neuen Amt gleich mit massiven Problemen konfrontiert, diese subito einer Lösung zuführt. Anzumerken ist, dass es von Zürich bis Hamburg verdiente Theatermacherinnen gibt, die an der Burg auch bekannt sind. Wäre doch schön, wenn endlich eine Frau Burg-Herrin würde.

www.burgtheater.at

Wien, 11. 3. 2014