Volksoper: Benjamin Britten und eine Kinderoper

Februar 14, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Albert Herring“ und „Erwin, das Naturtalent“

Erwin, das Naturtalent Ein Wiener Sängerknabe, Bild: Copyright: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Erwin, das Naturtalent
Ein Wiener Sängerknabe, Bild: Copyright: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Im Februar stehen in der Volksoper gleich zwei Premieren und eine Wiederaufnahme auf dem Programm. Den Beginn macht Benjamin Brittens „Albert Herring“ in der Regie von  Brigitte Fassbaender am 15. Februar, es folgt die Österreichische Erstaufführung der Kinderoper „Erwin, das Naturtalent“ in Kooperation mit dem MuTh am 23. Februar und zum krönenden Abschluss kehrt Giacomo Puccinis „Turandot“ mit Neil Shicoff als Calaf am Monatsletzten auf den Spielplan zurück.

Benjamin Brittens „Albert Herring“ in der Regie von Brigitte Fassbaender
Die Gesellschaftskomödie „Albert Herring“  aus dem Jahre 1947 ist eine köstliche Satire auf scheinheilige Moral und Tugendhaftigkeit. In der schmucken englischen Kleinstadt Loxford ruft Lady Billows, eine „stattliche, unduldsame und herrische ältere Dame“, die Honoratioren der Stadt zusammen. Die selbst ernannte Hüterin der Moral ist verbittert über den Verfall der Sitten und möchte einen alten Brauch wieder einführen: Ein besonders anständiges Mädchen soll zur Maikönigin gekürt werden. Doch die Röcke sind zu kurz, die Ausschnitte zu tief, kurzum: kein Mädchen entspricht ihren Vorstellungen. Also gewinnt Albert Herring, der Sohn der örtlichen Gemüsehändlerin, den Titel. Dass dessen Tugendhaftigkeit aber eher einem Mangel an Gelegenheit entspringt, wird nach Alberts Krönung zum Maikönig offenbar. Denn als er bei der Maifeier einen über den Durst trinkt, nehmen die Dinge eine unerwartete Wendung, die ein weiteres Mal die Moral der Gemeinde erschüttert …

Der 1913 geborene Benjamin Britten ist neben Richard Strauss und Giacomo Puccini der bedeutendste und meistgespielte Opernkomponist des 20. Jahrhunderts. Die zentralen Themen – die Gefährdung der Unschuld und der Druck der Gesellschaft auf den Einzelnen –, die in Brittens Werken  „Peter Grimes“, „Billy Budd“ und  „The Turn of the Screw“ bestimmend sind, kommen auch in der Kammeroper „Albert Herring“ zum Tragen: allerdings bleibt der Titelheld vom Tode verschont, er genießt das Heraustreten aus der gesellschaftlichen Enge, welche mit dem Verlust seiner Unschuld einhergeht.

Das Leading-Team
Brigitte Fassbaender gibt als Regisseurin ihr Debüt an der Volksoper. „Albert Herring“ war ihre letzte Regiearbeit in ihrer 13jährigen Ära als Intendantin des Tiroler Landestheaters und kommt nun in einer Koproduktion an der Volksoper Wien heraus. Für Bühnenbild und Kostüm zeichnet Bettina Munzer verantwortlich. Am Pult des Volksopernorchesters steht Gerrit Prießnitz. Mit: Barbara Schneider-Hofstetter/Elisabeth Flechl (Lady Billows), Martina Mikelic/Alexandra Kloose (Florence Pike), Birgid Steinberger/Cornelia Horak (Miss Wordsworth), Morten Frank Larsen/Alexander Trauner (Mr. Gedge), Jeffrey Treganza/Christian Drescher (Mr. Upfold), Andreas Daum/Andreas Mitschke (Mr. Budd), Daniel Ochoa/Julian Orlishausen (Sid), Sebastian Kohlhepp/Daniel Johannsen (Albert Herring), Dorottya Láng/Christiane Marie Riedl (Nancy Waters), Elvira Soukop/Sulie Girardi (Mrs. Herring), Kinderchor der Volksoper Wien (Emmy, Siss, Harry)

Erwin, das Naturtalent“ von Mike Svoboda
Erwin lebt auf der schönsten Insel in der südwestöstlichen Südsee und macht mit seinen Freunden den Dschangel-Kings Musik. Er liebt Kokosnuss-Koteletts und Olannaschnitzel. Außerdem gibt es noch Rosa, eine geheimnisvolle Inselbewohnerin, die ihn liebt – und vielleicht Erwin sie auch, nur weiß er das noch nicht. Für ihn könnte das Leben immer so weiter gehen. Doch eines Tages taucht der forsche Forscher Professor Hoggins auf und entdeckt Erwins sensationelle Naturstimme. Er weckt in dem Buben die Neugier auf die große weite Welt. Er nimmt ihn mit und Erwin wird ein Superstar. Aber ist er noch so glücklich wie früher auf seiner Insel?

Für die Österreichische Erstaufführung der Kinderoper, die 2005 für die Junge Oper Stuttgart entstand, hat  Mike Svoboda  die Hauptrollen Erwin und Rosa für Kinderstimmen neu bearbeitet. Die Partien werden von den jungen Künstlerinnen und Künstlern der Wiener Sängerknaben und des Chorus Juventus gesungen, die auf der Bühne gemeinsam mit  Ensemblemitgliedern der Volksoper agieren. Diese reizvolle Neufassung wird nun im MuTh, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben, herausgebracht.

Dirigent: Gerald Wirth, Regie: Susanne Sommer, Bühnenbild: Sam Madwar, Kostüme: Caterina Visconti di Modrone, Choreographie: Florian Hurler Mit: Ein Wiener Sängerknabe (Erwin), Mitglied des Chorus Juventus (Rosa), Thomas Zisterer (Professor Hoggins), Martina Dorak (Amalia-Bernadette), in weiteren Rollen: Manuela Leonhartsberger, Wolfgang Gratschmaier, Roman Martin, Sébastien Soulès u . v.  a.

www.volksoper.at

Wien, 14. 2. 2014