Peter Handke am Schauspielhaus Graz

Februar 3, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

„Immer noch Sturm“ als Februar-Premiere

Immer noch Sturm Bild: Lupi Spuma

Immer noch Sturm
Bild: Lupi Spuma

Am 13. Februar kommt „Immer noch Sturm“ von Peter Handke auf der Hauptbühne zur Premiere. Regisseur Michael Simon (zuletzt Elfriede Jelineks „Rechnitz. Der Würgeengel“) lässt neben den SchauspielerInnen vierzehn SpielerInnen mit slowenischen Wurzeln und Sprache in seiner Inszenierung mitwirken. Zum Stück: Unter dem Apfelbaum seiner Ahnen, der wie diese fest im Jaunfeld verwurzelt ist, nimmt der Dichter Peter Handke eine Familienaufstellung vor. Anhand der zum Teil fiktionalisierten Biografien seiner Mutter, der ihrer Eltern und Geschwister, die der slowenischen Minderheit in Kärnten angehörten, wird ein bewegtes Zeitalter Kärntner Geschichte lebendig – vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Ich-Erzähler ist um Verstehen und Aneignung der Lebenswelt seiner Vorfahren bemüht, die wider Willen eine tragische Entwicklung erfährt. Als Spielleiter vermag er Zeiten und Perspektiven zu wechseln: mal ist er nur Beobachter, mal mischt er sich als Familienmitglied mit Fragen und Kommentaren ein. „Meine Vorfahren nähern sich von allen Seiten.“ Mit Julius Feldmeier, Kaspar Locher, Christoph Rothenbuchner, Seyneb Saleh, Birgit Stöger, Jan Thümer;
Matej Bunderla, Tanja Čertov, Stefan Czvitkovich, Heide Gaidoschik, Max Gallob, Judith Grandits, Ivanka Gruber, Ludwig Gruber, Petra Kohlenprath, Tomaž Kovačič, Andreas Kueß, Damijan Smrećnik, Stipe Subasic und Lara Vuković.

„Zugabe“ zu „Immer noch Sturm“: Die historische Deutung der Widerstandbewegung der Kärntner PartisanInnen während des Zweiten Weltkrieges ist ein thematischer Schwerpunkt in Peter Handkes Stück „Immer noch Sturm“. Die österreichische Schriftstellerin und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap hat in ihrem Roman „Engel des Vergessens die Problematik der SlowenInnen in Kärnten behandelt. Für die „Zugabe“ liest sie am 25. Februar Ausschnitte aus ihrem Werk zum Thema. Nach dem großen Interesse an der Ausstellung zu „Thalerhof“ im Schauspielhaus Graz wird auch Michael Simons Handke-Inszenierung von einer thematischen Fotoausstellung zum Widerstand der Kärntner Slowenen gegen das NS-Regime begleitet. Die Ausstellung im Foyer und Salon im 1.Rang kann eine Stunde vor allen Vorstellungen auf der Hauptbühne besichtigt werden.

Auf der Probebühne inszeniert Alexandra Liedtke August Strindbergs Traumspiel „Fräulein Julie“. Die Premiere findet am 1. Februar statt. Zum Stück: Der Graf ist verreist, in der Scheune tanzen die Angestellten, die Küche haben der Diener Jean und die Köchin Kristin für sich. Aber das Fräulein Julie stört die Zweisamkeit der Verlobten. Die schöne Grafentochter will Jean, den Diener. Doch der Liebesrausch währt nur kurze Zeit und am nächsten Morgen sind die Rollen vertauscht – Jean ist der Überlegene, der die Tochter seines Herrn zur Gedemütigten macht und erweist sich als eiskalt kalkulierender Aufsteiger und was als Romanze begann, endet in einer blutigen Selbstvernichtung. Mit Tabea Bettin, Pia Luise Händler und Local Hero Thomas Frank.

Europa 14/18 – Die neue Reihe auf der Ebene 3

Kaum ein Krieg, der auch die Literatur der Zeit derart beeinflusst und so viel Dichtung hervorgebracht hat wie der Erste Weltkrieg: Klassiker der Weltliteratur sind darunter, wie die Werke Remarques, Hemingways oder Stefan Zweigs. Das Schaffen der Dichter und Dramatiker des Expressionismus, die die Zeit im und um den „Großen Krieg“ beschrieben, war sogar titelgebend für eine ganze künstlerische Strömung. Einerseits wurden mittels Kriegsberichten, Briefen von der Front, Erzählungen und Geschichten aus dem Schützengraben die zuhause Gebliebenen aus erster Hand über Gefahren, Leid und Leben im Feld informiert, oft aber auch emotionalisiert und mobilisiert. Andererseits war der Krieg in den Texten nicht zum Kampf eingezogener Zeitgenossen Thema, hier wurde er aus größerer Distanz beäugt, kritisch reflektiert, fand die allgemeine Stimmungslage Niederschlag. In der Reihe Europa 14/18 präsentieren SchauspielerInnen des Ensembles 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs in loser Folge Literatur zu, über und aus der Zeit von 1914 bis 1918.

Krieg der Sterne: Ein Abend mit Fragmenten aus der Feldpost von August Stramm »Die Erde spritzt, als ob sie Reigen tanzt und dazwischen Rübenstücke und allerlei Gegenstände aufpeitscht. Man kann das gar nicht beschreiben, gar keinem klar machen, weil niemand es sich vorstellen kann, weil man es selber nicht glaubt, trotzdem man mitten im Erleben steckt.« August Stramm (1874 bis 1915), deutscher Schriftsteller und Postbeamter, war führender Dichter im expressionistischen Kreis um H. Waldens Zeitschrift Der Sturm. Seine Texte bestechen durch eine radikale Verdichtung und Transformation der Sprache. Von & mit Pia Luise Händler und Gästen am 26. Februar. Valentin, Ganghofer und die laute Zeit: Sketche, Couplets, Gedichte von Karl Valentin und Ludwig Ganghofer. Die einen schrieben von Zuhause aus, die anderen berichteten aus dem Schützengraben. Mit Steffi Krautz & Franz Josef Strohmeier am 20. März.

www.schauspielhaus-graz.com

Wien, 3. 2. 2014