Kammerspiele: Die Mausefalle

Dezember 12, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Agatha Christies Krimiklassiker in Wien

Martin Zauner, Silvia Meisterle, Marianne Nentwich, Heribert Sasse, Martin Niedermair, Alexandra Krismer, Alexander Jagsch, Siegfried Walther (v. l. n. r.) Bild: © Jan Frankl

Martin Zauner, Silvia Meisterle, Marianne Nentwich, Heribert Sasse, Martin Niedermair, Alexandra Krismer, Alexander Jagsch, Siegfried Walther (v. l. n. r.) Bild: © Jan Frankl

Am 19. Dezember hat in den Kammerspielen Agatha Christies „Die Mausefalle“ Premiere. „Die Mausefalle“ wird seit mehr als 60 Jahren im Londoner West End ohne Unterbrechung aufgeführt und ist damit das am längsten laufende Theaterstück der Welt. Mittlerweile haben bereits über 350 Schauspieler in dieser Produktion mitgewirkt. Der Premieren-Regisseur des Stückes, Peter Saunders, feierte jahrelang sogenannte „Mausefallen“-Partys im Londoner Savoy Hotel, denen auch die sonst recht scheue Agatha Christie regelmäßig beiwohnte.  „Die BBC rief an und wollte wissen, ob ich ein kurzes Hörspiel für ein Programm schreiben würde, das sie aus irgendeinem Anlass, der mit Queen Mary zu tun hatte, auszustrahlen beabsichtigte. Die Königin hatte den Wunsch ausgesprochen, etwas von mir dabeizuhaben, weil sie meine Bücher so gerne las. Ich dachte nach, rief zurück und sagte zu. Das Hörspiel hieß „Die Mausefalle“. Und soviel ich weiß, gefiel es Queen Mary. Das hätte das Ende der Geschichte sein können, aber bald darauf schlug man mir vor, eine Kurzgeschichte daraus zu machen. Ich dachte mir jedoch: Warum nicht statt eines Buches ein Theaterstück schreiben? Viel mehr Spaß. Dann kam die Premiere. Ich muss gestehen, ich hatte nicht das Gefühl, dass es ein großer Erfolg sein würde. Ich fürchtete, ich hatte zu viele komische Szenen eingebaut, denn es wurde zuviel gelacht. Ich war deprimiert. Aber der Regisseur nickte mir ermutigend zu und sagte: „Keine Sorge! Ich schätze, dass es über ein Jahr laufen wird – ich tippe auf vierzehn Monate.“ „So lange nicht“, widersprach ich, „ich rechne mit acht Monaten. Ich werde immer gefragt, worauf ich den Erfolg der Mausefalle zurückführe. Von der logischen Antwort ‚Glück!‘ abgesehen, habe ich nur die eine Erklärung: Es ist für fast jeden Geschmack gesorgt.“(Agatha Christie, Meine gute alte Zeit)

Die Handlung folgt dem Muster eines klassischen Whodunit: Mollie Ralston hat das alte Haus Monkswell Manor geerbt und eröffnet gemeinsam mit ihrem Ehemann Giles eine Pension. Bei den Vorbereitungen hören sie im Radio vom Mord an Maureen Lyon, der in London geschehen ist, und die Beschreibung des Täters, der am Tatort gesehen wurde. Zur Eröffnung haben sich vier Gäste angesagt, der junge, etwas sonderbare Architekturstudent Christopher Wren, die gestrenge altjüngferliche Mrs. Boyle, die distanzierte Miss Casewell und der pensionierte Offizier Major Metcalf. Mr. Paravicini überschlägt sich in der Nacht mit seinem Auto in einer Schneewehe und findet ebenfalls in der Pension Unterschlupf. Das Wetter verschlechtert sich weiter, bald sind die Straßen nicht mehr befahrbar und das Haus völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Mollie Ralston erhält einen Anruf von Superintendent Hogben, der ankündigt, dass bald einer seiner Polizisten in der Pension ankommen wird, ohne zu erklären, warum. Tatsächlich schlägt sich Sergeant Trotter mit Skiern zu den Eingeschlossenen durch. Kurz nach seiner Ankunft ist auch die Telefonleitung tot. Trotter informiert die Eingeschlossenen, dass die Adresse der Pension im Notizbuch des flüchtigen Mörders von Maureen Lyon gefunden worden ist. Im Notizbuch hat man außerdem den Hinweis „Drei blinde Mäuse“ entdeckt und an die Leiche geheftet einen Zettel mit der Aufschrift „Das war die erste“. Er vermutet, dass der Mörder sich bereits im Haus aufhält. Verdächtig ist jeder … und mit dem Morden hat’s auch noch kein Ende … denn der Mörder ist … Nach jeder Aufführung wird das Publikum aufgefordert, die Lösung nicht zu verraten. Auch die Presse hält sich an dieses Abkommen.

In der Regie von Folke Braband spielen Alexandra Krismer (Mollie Ralston), Alexander Jagsch (Giles Ralston), Martin Niedermair (Christopher Wren), Marianne Nentwich (Mrs. Boyle), Heribert Sasse (Major Metcalf), Silvia Meisterle (Miss Casewell), Siegfried Walther (Mr. Paravicini) und Martin Zauner (Detective Sergeant Trotter).

www.josefstadt.org

Wien, 12. 12. 2013