Theater Nestroyhof Hamakom: „Sam’s Bar“

November 29, 2013 in Klassik, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Verfremdungsklezmer mit Special Guest Allen Ginsberg

Allen-Ginsberg Bild. (c) Nikolaus Habjan

Allen Ginsberg
Bild: (c) Nikolaus Habjan

Von 7. bis 21. Dezember öffnet sich der Theaterraum des Hamakom dem Publikum als Bar mit interdisziplinärem Programm. Sam’s Bar knüpft an die sinnliche „Etablissement Tradition“ des Nestroyhofs der  Jahrhundertwende an. In seiner Bauweise als Saal mit Galerie, aber ohne Bühne, beflügelte der Nestroyhof schon immer die Fantasie seiner Betreiber, nicht nur Theater zu machen, sondern die erweiterte Gastronomie mit  Vergnügungskultur als Lösung für fast alle zwischenmenschlichen Fragen walten zu lassen. In Sam’s Bar wird das Jahresmotto Auf-der-Schwelle-leben der Saison 13/14 nochmals reflektiert. Die sehr unterschiedlichen, auftretenden KünstlerInnen und ihre Musik lassen sich nicht festmachen, sind schwer „einzuordnen“. Man erlebt sie deutlich mehrdeutig. Auf dem Weg, auf der Suche, in der Schwebe, und gleichzeitig höchst präsent und geerdet.

Die Konzerte:

Sa, 7. Dezember:
Rabbi Walter Rothschild, der britische Landesrabbiner von Schleswig Holstein, Autor, Kabarettist und Eisenbahnfan, der von Henryk Broder als „..Synthese aus Jack Lemmon und Walther Matthau mit einem Schuss Zero Mostel“ beschrieben wurde, wird mit den Minyan Boys rund um den Pianisten und Komponisten Max Doehlemann den Konzertreigen von Sam’s Bar eröffnen.

So, 8., 13., 20. Dezember:
Bar, Literatur, Musik
Mit Texten von Nelly Sachs, Nathan Englander, Prophet Jesaja und  Special Guest Allen Ginsberg . Vielleicht wundert man sich bei manchen Songs, wie unjüdisch Jüdisches klingt. Oder man fragt sich, was das denn überhaupt heißt: jüdisch? Oder auch z.B.: bosnisch? Was ist wienerisch? Und wer ist eigentlich Sam? Puppe und Inszenierung Ginsberg: Nikolaus Habjan.

Do, 12. Dezember:
Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus…
Die bosnische, in Wien lebende Sängerin Natasa Mirkovic und der steirische, ebenfalls in Wien lebende Drehleierspieler Matthias Loibner enthüllen das Wesentliche von Schuberts „Zyklus schauerlicher Lieder“. Diese Winterreise ist mutig und direkt, präsent und im gleichen Moment fragil, eine Näherung an das Poetische, die ehrlicher kaum sein könnte.

Sa, 14. Dezember:
Peter Ponger, Pianist, Komponist, „master of harmonic colours“, gibt, auf der Suche nach dem Moment, in dem das Klavier den Pianisten spielt, eines seiner seltenen Solokonzerte.

So, 15. Dezember:
Der ungarische Gitarrist Ferenc Bodi swingt mit seinem Quartett. Ein Konglomerat aus Valse Musette, europäischer Barockmusik, ungarischem Csardas, russischer Folklore, verschmolzen mit amerikanischem Jazz und Latinorhythmen. Gypsy-Swing!

Do, 19. Dezember:
Ernst Molden / Walther Soyka / Ingrid Lang
Moldens Lieder sind persönlich, poetisch, wienerisch und von Artmann’scher Hintergründigkeit. Mit den Übersetzungen von internationalen Lieblingsmusikern in die hiesige Mundart zeigt Molden laut eigener Beschreibung seiner Stadt die Welt, so wie er mit seinen eigenen Liedern der Welt seine Stadt zeigt. Da verwandelt er dann Dylans „Red River Shore“ in die „Lobau“, den von Leadbelly, Woody Guthrie, Gillian Welsh, Johnny Cash und vielen anderen besungenen amerikanischen Volkshelden John Henry in den „Czerny“ und die in „St. James Infirmary“ stationierte verblichene Liebste wird in die „Rudolfstiftung“ verlegt.

Sa, 21. Dezember:
Daniel Kahn Solo
Daniel Kahn ist in Detroit geboren, lebt in seiner Wahlheimat Berlin, ist Singer-Songwriter, Schauspieler, Regisseur, Autor und Komponist, spielt Gitarre, Ukulele, Akkordeon und Klavier, schreibt seine Texte in englischer, deutscher und jiddischer Sprache, singt aber auch die von Brecht, Degenhardt oder jüdischen Autoren wie Mordechaj Gebirtig. 2011 erhielt er für sein Album „Lost causes“ den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Nach Klezmer, Punk und Folk klingt seine Musik, aber „Verfremdungsklezmer“ ist sicher die treffendste
Genrebezeichnung.

Kuratiert und inszeniert von Ingrid Lang und Frederic Lion.

www.hamakom.at

Wien, 29. 11. 2013