Arnulf Rainer Museum: Rainer und die alte Kunst

November 8, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Sogar die Mona Lisa hat er übermalt

© ARNULF RAINER MUSEUM, Bild: Robert Zahornicky

© ARNULF RAINER MUSEUM,
Bild: Robert Zahornicky

Die Ausstellung RAINER UND DIE ALTE KUNST eröffnet am 9. November im Arnulf Rainer Museum in Baden. Seit mehr als vier Jahrzehnten setzt sich Arnulf Rainer in Malereien und Grafiken mit ausdrucksstarken Porträts der Kunstgeschichte auseinander. Die Ausstellung zeigt seine Überarbeitungen von Werken alter Meister wie Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Leonardo da Vinci, Antonio Canova, neben Serien zu Francisco de Goya, Vincent van Gogh und Franz Xaver Messerschmidt. Am 9. November um 15 Uhr wird die von Peter Weiermair kuratierte Schau im Arnulf Rainer Museum im ehemaligen Frauenbad in Baden bei Wien eröffnet. „Ich hatte es satt, immer nur mich selbst zu überzeichnen“ so Arnulf Rainer, der nach den Serien „Face Farces“ und „Body Poses“ in den 1970ern begann, mit fremden Vorlagen zu arbeiten. Erste Inspiration fand er in den grotesken „Charakterköpfen“ des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt aus dem 18. Jahrhundert. Klassische Skulpturen der Griechen und Römer, Selbstbildnisse der Niederländer Rembrandt und van Gogh, die Bildniskunst der Renaissance, Radierungen von Goya oder klassizistische Werke von Canova folgten. Fotografien bilden dabei den Ausgangspunkt seiner „parasitären Überarbeitungen“ in unterschiedlichen Medien. Die Ausstellung RAINER UND DIE ALTE KUNST ist nach Künstlern und Epochen gegliedert, um Rainers stilistischen Wandel zu verdeutlichen: Bei den Reproduktionen der Skulpturen von Messerschmidt und den existenziellen Selbstdarstellungen von Rembrandt und van Gogh ist eine stark expressive, nervöse, grafische Überarbeitung die Regel. Der Formdisziplin klassischer Skulpturen sowie der Renaissanceporträts, darunter Leonardo da Vincis „Mona Lisa“, begegnet Rainer indes mit farbigen Bahnen, sowie Methoden der Ver- und Entschleierung. „Was diese Ausstellung in ihren jeweiligen Kapiteln demonstriert, ist, neben dem kontinuierlichen Interesse Arnulf Rainers an der alten Kunst in deren Tradition er sich als Maler versteht, vor allem die Veränderung seiner Sprache von einer fast kämpferisch, energetischen Auseinandersetzung mit dem gegenüberstehenden Porträt zu einer von Harmonie und Farbe bestimmten Feier des schönen Antlitzes“, so Weiermair.

Rainers Arbeiten zu Antonio Canova gegenübergestellt wird der erst kürzlich restaurierte Gipsabguss „Verlassene Psyche“ des Canova Schülers Pietro Tenerani. Außerdem ergänzt die Marmorskulptur „Harpokrates von Johann Christian Friedrich Wilhelm Beyer die Serie von Rainers Überarbeitungen mythologischer Stiche. Beide Skulpturen sind Leihgaben der Glyptothek der Akademie der bildenden Künste Wien. RAINER UND DIE ALTE KUNST ist von 10. November 2013 bis 13. April 2014 täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung finden Führungen und Abendveranstaltungen statt, darunter die Lese/Performance „Die Letzten ihrer Art“ mit Adele Neuhauser und Edi Nulz am 16. November. Kinder und Jugendliche können in Führungen mit LUCY ELECTRIC das Museum bei Nacht erleben, ihren Geburtstag feiern, oder in Atelier-Workshops eigene Projekte verwirklichen. Seit 2009 zeigt das Arnulf Rainer Museum in jährlich zwei Ausstellungen, monografisch sowie im Dialog mit Zeitgenossen und Weggefährten, das vielfältige Werk des international renommierten  Künstlers (*1929) aus Baden. RAINER UND DIE ALTE KUNST wird von Prof. Peter Weiermair, ehemaliger Direktor des Frankfurter Kunstvereins, des Salzburger Rupertinums, der Galleria d’Arte Moderna in Bologna sowie langjähriger Präsident des IKT – International Association of Curators of Contemporary Art, kuratiert. Er realisierte die erste große Retrospektive Arnulf Rainers in der Galleria d´Arte Moderna, Bologna und stellte Rainers „Hiroshima“ im Frankfurter Kunstverein aus. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen des Kurators sowie Texten von Arnulf Rainer.
www.arnulf-rainer-museum.at

Wien, 8. 11. 2013