Harrison Ford und Ben Kingsely in „Ender’s Game“

Oktober 31, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

An die Konsolen, ihr Krieger!

Commander Mazer Rackham (Ben Kingsley) und Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford) Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Commander Mazer Rackham (Ben Kingsley) und Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford)
Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

In einer Welt der Zukunft, in der die Erde von Aliens bedroht wird, sucht das internationale Militär verzweifelt nach einem militärischen Genie, dem es gelingen kann, die überlegene Flotte des übermächtigen Gegners zu besiegen. Dazu rekrutiert Commander Mazer Rackham (Ben Kingsley)  potentielle Kandidaten bereits im Kindesalter, um sie in einer Militärschule im All isoliert auf den Kampf gegen die Außerirdischen vorzubereiten. Trainiert werden die Kinder vom hochdekorierten Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford), der immer auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger für den legendären Commander Mazer Rackham ist. Unter den Kindern ist auch Andrew „Ender“ Wiggin (Asa Butterfield), ein ganz normaler Bub. Schon in kürzester Zeit meistert er die kompliziertesten und schwierigsten Aufgaben im Kampfsimulator und beweist großes strategisches Geschick. Plötzlich ruhen alle Hoffnungen auf die Rettung der Erde auf den Schultern dieses schüchternen und verschlossenen Jungen, der sich nichts sehnlicher wünscht als eine normale Kindheit. Wird die Rechnung des Militärs aufgehen? Oder wird das Kind unter der Last des Drills, der Einsamkeit und der Verantwortung zerbrechen?

„Ender’s’ Game“ ist ein Klassiker der Science Fiction. Ausgerechnet im Jahr danach – 1985 – hat Orson Scott Card diesen Roman geschrieben, nun wurde das Weltraumabenteuer von Regisseur und Drehbuchautor Gavin Hood verfilmt. Orson Scott Cards Buch erzählt eine Geschichte vom Erwachsenwerden, ist in 28 Sprachen übersetzt worden, wurde von der American Library Association auf die Liste der 100 besten Büchern für Teenager gesetzt und gehört auch zur Pflichtlektüre im Literaturprogramm des US Marine Corps. Noch Fragen? Nein. Auch künftige Kriege wollen gelernt sein. Spielerischer Drive ist die neue Führerqualiät. Mit Joystick und Konsole vorwärts Richtung Drohnen-Einsätzen. So sauber braucht’s nicht nur Obama, sondern auch Hollywood. Und wenn man gegen Ameisenwesen kämpft! Wer das jemals getan hat, ist garantiert für ein Insekten-Guantanamo. Das heißt es: Mann gegen Mann, auch wenn Mann gegen Mann längst überflüssig ist. „Ender’s Game“ ist ein Kadettenfilm, im Unterton härter als so mancher (Anti-)Kriegsfilm. Weil hier einer, Ender, seine Unschuld verliert. Ein Prozess der Deformation, der Vergewaltigung zur Kampfmaschine. Orson Scott Card hatte sich an Korea und Vietnam orientiert. Keine Eroberungskriege, erklärte er in Interviews, wir schickten unsere Kinder los, um fremden Völkern zu helfen. DANKE! Heute: Im Irak? In Afganistan? Nicht in Syrien – das Pflaster ist zu heiß. Und in Somalia die US-Köpfe längst blutig … Scott Card half den USA den Selbstbewusstseinssprung vom Weltpolizisten zum Weltraumpolizisten zu schaffen.

Immerhin: „Ender’s Game“ ist der Grund, warum der gewohnt wortkarge, grummelige  Harrison Ford als Oberst Hyrum Graff wieder ins All flog. Ford war auf Promotour vor wenigen Wochen in „Wetten, dass . . ?“ zu Gast. Für diese Rolle hat er jede Qual an der Seite von Moderator Markus Lanz verdient. Ihm zur Seite – Ben Kingsely mit Maori-Tätowierungen im Gesicht – als Offizierserinnerung an die vielen Toten, die die Ameisenkriege bereits forderten: „Die Maori sind ein ganz außerordentliches Volk mit einer uralten Kultur“, sagt Kingsley: „Ich hatte die Gelegenheit, die Kultur kennenlernen zu dürfen und dabei sehr viel erfahren. Die Tätowierungen, die ich im Film trage, waren passend zur Geschichte meiner Figur gestaltet.“ Regisseur Hood machte sich anfangs Sorgen, dass Kingsley etwas gegen die Tätowierungen haben würde. „Aber Sir Ben geht die Schauspielerei ganz intensiv an. Er kommt ja vom Theater. Er saß jeden Tag mehr als eine Stunde lang in der Maske, um sich die Tätowierungen aufmalen zu lassen – und am Ende jedes Drehtages dauerte es fast genauso lange, sie wieder zu entfernen.“

Also: Alles nur (Computer-)Spiel, alles nur aufgemalt. Fassade. Und die Realität lassen wir schön draußen. Kino soll zwar was mit Kopf zu tun haben, aber wer hat was von Denken gesagt? Sind doch nur Aliens. Ausländer, diese Ameisen. Zum Zertreten, zum Zerklatschen, millionenfach, der Tod ganzer  -völker. America the Beautiful …

endersgamemovie.tumblr.com

www.enders-game-film.de

Trailer: www.youtube.com/watch?v=vP0cUBi4hwE

Wien, 31. 10. 2013