„Der Fall Furtwängler“ …

Oktober 23, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

… im Theater Scala

Bild: Theater zum Fürchten

Bild: Theater zum Fürchten

Am 31. Oktober hat im Theater Scala, Wiener Sitz von Bruno Max‘ „Theater zum Fürchten“, Ronald Harwoods Stück „Der Fall Furtwängler“ Premiere. Berlin 1945:  Ein amerikanischer Major lässt sich den berühmten Dirigenten Wilhelm Furtwängler zur Entnazifizierung kommen. Dass alle Welt und sogar sein Stab den Maestro als regimekritisch und genial loben, hindert den kunstfremden Offizier aus der Neuen Welt, für den Furtwängler nur ein ihm unbekannter „Bandleader“ ist, nicht daran, an der politischen Unschuld des Künstlers zu zweifeln.  Er will es nicht zulassen, dass die Deutschen sich bereits wenige Monate nach Kriegsende hinter ihren eigenen Leiden als Verlierer verstecken und ihre Verantwortung für Völkermord und Weltkrieg abstreiten. Aber trägt ein „Unpolitischer“ überhaupt eine Mitschuld? Wieviele Konzessionen an ein Regime sind verzeihlich? Gibt es Sonderregelungen für „begnadete Künstler“? Ist der Kulturschaffende in der Diktatur „Hüter des Lichts“ oder nur Alibi der Unterdrücker? Was bedeuten überhaupt noch Mozart und Beethoven nach Auschwitz? Ein packendes und geistreiches Duell nach einer wahren Begebenheit, bei dem es sowohl den anderen Figuren des Stücks  als auch dem Publikum schwer gemacht wird, sich schnell auf die eine oder andere  Seite zu schlagen. (Der englische Originaltitel lautet daher auch „taking sides“…)

Inszenierung: Rüdiger Hentzschel. Es spielen: Jörg Stelling, Daniel Keberle, Hermann J. Kogler, Florian Graf, Natalie Ananda Assmann, Monika Pallua.

www.theaterzumfuerchten.at/theater-scala.htm

Wien, 23. 10. 2013