Maria Bill ist einfach „Glorious!“

Oktober 2, 2013 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Volkstheater-Chef Michael Schottenberg

inszeniert mehr Klamauk als Tragikomödie

Maria Bill Bild: © Lalo Jodlbauer

Maria Bill
Bild: © Lalo Jodlbauer

Fernsehformate wie NYDS (New York sucht den Superstar) hat’s anno 1920 noch nicht gegeben. Und sie wären auch unnötig gewesen. Der „Big Apple“ hatte sich seine Königin der falschen Töne längst erkoren: Florence Foster Jenkins. Millionenerbin und ob ihres Reichtums bemüßigt ihr „Talent“, das Singen, unters auserlesene Volk zu bringen. Vom Ritz-Carlton-Hotel bis zur Carnegie Hall rührte sie ihre Fans zu Tränen. Es dürften solche des Lachens dabei gewesen sein. Denn FFJ – mit einer unerschütterlichen Begeisterung und einem enormem Glücksgefühl – traf auf der Bühne kaum einen Ton. Egomanisch taumelte sie zwischen Dur und moll. Unbremsbar in ihrer Selbstverwirklichung. Den Gesang nicht in der Kehle, aber im Herzen.

Autor Peter Quilters macht 2005 das Stück „Glorious!“ aus dem Stoff. Eine Tragikomödie über eine Frau, zu naiv um Boshaftigkeit zu bemerken. Oder so intelligent, so gut erzogen, um sie elegant ignorieren zu können. Am Volkstheater ist Maria Bill die Idealbesetzung. Von Erika Navas einmal in Strass und Engels- Straußenfedern, einmal in ein altspanisches rot-schwarzens Donnakostüm mit Rüschen und Spitzen gehüllt, gibt der Gesangsstar eine wundervoll krähende Carmen, jault Mozart, Verdi, Richard Strauss, besser, als es ihre von Inge Maux spazierengetragenen Schoßhündchen jemals könnten. Die Bill spielt dieses Leben voller Illusionen in verkitschtem Ambiente, in überladenen Ballsälen. IHR gilt der Applaus.Till Firit gibt dazu einen stoischen Cosmé McMoon, FFJs Pianisten, der la Diva durch alle Misstöne ihrer Kunst begleitet – und, wie man es von ihm schon aus „Mein Freund Harvey“ kennt: sich der Schmiere verweigert; Ronald Kuste ist ein schön schürzenjägerischer, stets leicht alkoholisierter Ehemann St. Clair Bayfield.

Bleibt Regisseur Michael Schottenberg. Der „Glorious!“ offenbar für allzu leichte Kost hielt. Auf Schenkelklopfen setzt, wo auch einmal Entsetzen über das Schicksal dieser Frau angebracht gewesen wäre. Von Spott und Häme der Kritiker ihrer Zeit ohnedies schon überzogen, macht er FFJ noch zur Opernschreckschraube. Mehr Subtilität wäre angebracht gewesen. Grell ist nämlich bekanntlich auch schmerzhaft.

www.volkstheater.at

www.mottingers-meinung.at/maria-bill-im-gespraech

Wien, 30. 9. 2013