brut startet in die siebente Saison

September 23, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Themenschwerpunkte zur Nationalratswahl

Rebelodrom: Aktionslabor für politische Interventionen : Perverser Trachtenpartei-Aufmarsch (Modeschau) Bild: Copyright: traschq/Perverse Trachtenpartei

Rebelodrom: Aktionslabor für politische Interventionen : Perverser Trachtenpartei-Aufmarsch (Modeschau)
Bild: Copyright: traschq/Perverse Trachtenpartei

19. September bis 12. Oktober

Themenschwerpunkt The Power of Voice
Auch brut steuert dem Höhepunkt des Superwahljahres 2013 entgegen: Im Themenschwerpunkt The Power of Voice mischen AktivistInnen in der heißen Wahlkampfphase mit, die brut-Bühne wird zum Parlament erklärt und das Publikum erprobt die Spielregeln der Demokratie. Zum Saisonbeginn eröffnet das Kollektiv um den Theatermacher und queeren Aktivisten Gin Müller auf dem brut-Vorplatz das Rebelodrom, eine Plattform für zahlreiche und garantiert nicht mehrheitsfähige Gruppierungen. Das Künstlerduo Igor & Ivan Buharov bietet mit ihrem SMELLECTION AUTOMAT die Möglichkeit, PolitikerInnen nach Gerüchen auszuwählen. Am Vorabend der Nationalratswahl verwandelt der spanische Regisseur Roger Bernat in Pending vote den Theaterraum im brut in ein Parlament und am Wahlabend selbst lockt Barbara Ungepflegts MISSWAHL 2013 ins brut-Wahllokal. Im Oktober laden Rimini Protokoll in Remote Wien zum urbanen Audiowalk. Schließlich veranstaltet das Kollektiv Bouillon Group mit Supra ein traditionelles georgisches Gelage und God’s Entertainment casten VIENNA’S NEXT TOP ARTIST. Das neue monatliche Musikformat BRUTTO gibt KünstlerInnen aus verschiedenen Szenen und Genres eine Stimme. Von und mit Roger Bernat, Bouillon Group, BRUTTO, Igor & Ivan Buharov, God’s Entertainment, Stefan Kaegi/Rimini Protokoll, Rebelodrom/Gin Müller, Barbara Ungepflegt

6. November bis 31. Dezember

Themenschwerpunkt  Nachhaltig scheitern

Im November und Dezember steht im brut alles unter dem Stern des Themenschwerpunkts Nachhaltig scheitern. Aus künstlerischer, soziopolitischer und wirtschaftlicher Sicht wird das Scheitern einmal so richtig zelebriert. Mit Mittelpunkt steht dabei die Frage: Was könnte es bedeuten und ermöglichen, nachhaltig und fortwährend zu scheitern? Zum Auftakt des Themenschwerpunkts lässt Jan Machacek in Normarena einen privilegierten Akteur Selbstkritik üben, Lola Arias rekonstruiert in The year I was born die chilenische Geschichte zur Zeit der Militärdiktatur und Gob Squad begeben sich in Western Society auf die Suche nach Nähe und Gemeinschaft. Ivana Müller macht in ihrem Stück IN COMMON die scheiternde politische Rhetorik Europas zum Thema einer spielerischen Performance, Bernadette Anzengruber entwirft in DICK ein Zukunftsszenario in dem unter anderem die Heteronormativität zur Subkultur geworden ist und zum Jahresende feiert das Performanceduo Martin Schick und Damir Todorović in HOLIDAY ON STAGE – last days of luxury die letzten Tage der kapitalis-tischen Dekadenz. Beim Thementag Schnellkurs Scheitern wird bei Diskussionen, Film Screenings, Lectures und Interventionen dem letzten Unbehagen gegenüber dem nachhaltigen Scheitern der Gar ausgemacht. Mit Bernadette Anzengruber, Gob Squad, Lola Arias, Jan Machacek, Ivana Müller, Martin Schick, Damir Todorović u.a.

Weitere ausgewählte Projekte bis März 2014
Im Oktober beschäftigen sich toxic dreams in What do you really want? mit den unterschiedlichen Konzepten von Zuschauerpartizipation und geben dem Publikum in einem gemeinschaftlichen Ritual eine Stimme bei der Entwicklung einer Performance.  Außerdem widmet sich im Dezember das Performanceduo united sorry in ihrem Stück the forest project erneut der Beziehung von Eros und Ökologie. Die Superamas laden in ihrer neuen Reihe It’s a date! im brut zum performativen Zwiegespräch mit Philippe Riera – beim ersten Termin ist der Künstler Markus Schinwald zu Gast. Im Jänner, Februar und März 2014 ist im brut unter anderem das neue Stück Wellness des Performanceduos Florentina Holzinger & Vincent Riebeek zu Gast, studio 5/Andrea Maurer & Thomas Brandstätter in Kooperation mit Frans Poelstra sind mit einem neuen Stück 12,5 situations for nothing less vertreten und der New Yorker Performer und Musiker Zachary Oberzan zeigt sein Projekt TELL ME LOVE IS REAL. Außerdem sind Theater im Bahnhof mit ihrem Stück Mütter zu Gast. Für das imagetanz Festival 2014 läuft derzeit eine offene Ausschreibung mit dem Titel WHO CARES?. Einreichungen sind noch bis zum 15. September möglich.

Konzert- und Partyprogramm
Ab der Spielzeit 2013/2014 gibt es im brut eine neue Musikschiene, die Nischen-strömungen in Genres wie Diskurspop, Elektro, Folk oder Hip Hop präsentieren wird. Das Musikprogramm von brut will die anspruchsvolle Seite der Popmusik abbilden und interdisziplinäre Verknüpfungen zu den performativen Künsten, Literatur und bildender Kunst schaffen. Die ersten Konzerte im Herbst deuten dieses Spektrum bereits an: Die Ausnahmeerscheinung Dagobert spricht in seinen Liedern Dinge aus, die sich so niemand zu sagen traut, Gin Ga begeistern mittlerweile auch international mit ihrem einzigartigen Indie-Sound, Die Goldenen Zitronen bleiben seit Jahrzehnten ihrem unangepassten, avantgardistischen Stil treu, Die Vögel sind ein anspruchsvolles Electroduo mit klassischen Instrumenten und Hercules and Love Affair sind führende Vertreter der queer culture innerhalb der Musikszene.  Mit Aka Tell, Dagobert, Gin Ga, Die Goldenen Zitronen, Die Heiterkeit, Hercules and Love Affair, Mary Popkids, The Suicide of Western Culture, Die Vögel u. a. Ebenfalls Bestandteil der neuen Musikschiene ist die monatliche Veranstaltungsreihe BRUTTO, die sich der Förderung von aufstrebenden österreichischen MusikerInnen verschrieben hat und das Format Konzert für performative, interdisziplinäre Ansätze öffnet. Mit Musikarbeiterkapelle feat. Gustav, Didi Bruckmayr, Susanna Gartmayer, Glutamat, Oliver Stotz, TUMIDO, Ana Threat, fijuka u. a. Die mittlerweile traditionsreiche V’ELAK Gala – Konzertreihe für experimentelle Musik feiert im Herbst ihr stolzes 80. Jubiläum und findet weiterhin alle zwei Monate im brut im Konzerthaus statt. Mit Howool Baek, Brigitta Bödenauer, Matthias Erian, Susanna Gartmayer, S. Juster/V. Arn/E.A Arn, Katharina Klement, Kristen Roos u. a.

Auch in der Saison 2013/14 setzt brut die beliebten Partyformate fort.

Kooperationen in der Spielzeit 2013/14
Auch in der kommenden Saison finden im brut zahlreiche Kooperationsprojekte statt. Zur Saisoneröffnung wird das Projekt Rebelodrom von Gin Müller/Verein zur Förderung der Bewegungsfreiheit in Kooperation mit WIENWOCHE 2013 gezeigt. Im Oktober kooperiert brut mit dem Festival WIEN MODERN. Gemeinsam wird das Tanz- und Konzertprojekt SHIROKURO der Choreografin Nicole Beutler, der Pianistin Tomoko Mukaiyama und des Lichtdesigners Jean Kalman gezeigt. Im November feiert das Stück Normarena von Jan Machacek, das mit dem SPIELART Festival München koproduziert wird, im brut Premiere. Eine weitere Kooperation ist das Ute Bock-Benefizkonzert. Für die zweite Hälfte der Saison sind unter anderem Kooperationen mit Szene Bunte Wähne, den Wiener Festwochen, Macht|schule|theater, Vienna Independent Shorts, Dschungel und Schauspielhaus geplant.

EU-Netzwerk House on Fire
Seit Herbst 2012 ist brut gemeinsam mit neun weiteren internationalen Koproduktionshäusern Partner im EU-Projekts House on Fire. Die Mitglieder des Produktionsnetzwerks verfolgen das Ziel, gemeinsam Projekte aus dem Bereich der Darstellenden Künste zu koproduzieren und international zu präsentieren. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Projekten, die einen Beitrag zur kritischen Diskussion über politische und soziale Themen liefern und die in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus der europäischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft entstehen. Geplant ist zudem die Veröffentlichung einer Buchserie zu den Darstellenden Künsten. Als erste Produktion im Rahmen von House on Fire zeigte brut im Herbst 2012 das Stück HATE RADIO. Seitdem konnten weitere Projekte von brut im Rahmen von House on Fire realisiert werden, darunter unter anderem Old Chaos, New Order von Oleg Soulimenko und Andrei Andrianov und das Projekt Green Rules: Thementag Wachstum. Zur Saisoneröffnung 2013/14 zeigt brut im Rahmen von House on Fire die Stücke The year I was born von Lola Arias, Remote Wien von Stefan Kaegi/Rimini Protokoll, Western Society von Gob Squad und IN COMMON von Ivana Müller.

brut on tour

Auch in der Spielzeit 2013/14 touren brutproduktionen durch internationale Festivals und Spielstätten. Erste Tourings im Herbst 2013 sind unter anderem Die Rabtaldirndln mit ihrem Stück Schwarze Wolle am 4. September im der Galerie Salzburg, am 6. September bei Theater am Bahnhof in Graz und am 11. September beim Best Off Styria Festival. Simon Mayer ist mit seiner diesjährigen imagetanz Produktion Monkeymind, am 24. und 25. September bei Wunder der Prärie in Mannheim, einem internationalen Festival für Performance, Live-Art und Kunst, zu Gast. Doris Uhlich zeigt am 1. Oktober Come Back im Österreichischen Kulturforum in Bukarest und am 1. November more than naked bei In Between Time Productions in Bristol. Oleg Soulimenko & Andrei Andrianov präsentieren am 22. und 23. Oktober ihre Performance Old Chaos, New Order in Bergen bei BIT TEATERGARASJEN. Zudem zeigt Jan Machacek seine Produktion Normarena, die im November im brut im Konzerthaus Premiere feiert, am 29.und 30. November beim SPIELART Festival in München.

Neubesetzung ab der Saison 2013/14
Ab der Spielzeit 2013/14 übernimmt Katalin Erdődi als Nachfolgerin von Bettina Kogler die künstlerische Leitung des Festivals imagetanz. Das Festival findet seit über 20 Jahren jährlich statt und hat sich als wichtige Nachwuchsplattform für international tätige Choreografinnen und Choreografen etabliert. Katalin Erdődi arbeitete bisher als Kuratorin und Projektleiterin in zahlreichen Kulturinstitutionen in Budapest, unter anderem dem Trafó – Haus der zeitgenössischen Künste, der Moving House Stiftung und dem Ludwig Museum der zeitgenössischen Künste. Neben der Leitung des Festivals unterstützt Katalin Erdődi den künstlerischen Leiter Thomas Frank auch bei der kuratorischen Arbeit am Jahresprogramm von brut.

Zur finanziellen Situation von brut
Seit seiner Gründung erhielt brut vom bmukk eine jährliche Förderung für den Spielbetrieb in der Höhe von rund 180 000 Euro. Für das Jahr 2013 wurden derzeit nur 80 000 Euro zugesagt. Über weitere Förderungen für die Saison 2013/14 wird erst im Oktober 2013 entschieden. Der fehlende Projektkostenzuschuss von 100 000 Euro für das Jahr 2013 reißt ein großes Loch in das künstlerische Budget von brut, da die Förderung des bmukk ausschließlich für die Finanzierung künstlerischer Projekte und nicht für Infrastruktur und laufende Kosten verwendet wird. Das aktuelle Programm kann nur aufgrund finanzieller Vorgriffe auf das Budget der kommenden Jahre innerhalb der EU Förderung für House on Fire in dieser Weise durchgeführt werden. Sollte die Förderung des bmukk ausbleiben, muss sowohl das Programm und in weiterer Folge auch die Zahl unserer MitarbeiterInnen den geänderten Bedingungen angepasst werden. Das bmukk zeigte in seinen Förderentscheidungen bereits jetzt eine starke Unterdotierung des Performancebereichs. Die geänderten Richtlinien der bmukk Projektförderung sehen vor, dass im Fall von Koproduktionen nur die Rechteinhaber innerhalb eines Koproduktionsverhältnisses gefördert werden können. Diese Entscheidung steht im diametralen Gegensatz zur Förderpraxis der Stadt Wien, die mit der Theaterreform das Modell Koproduktion für die Freie Szene gezielt etabliert hat. Zugleich ist jedoch die Förderung einer Gebietskörperschaft (z.B. der Stadt Wien) Voraussetzung für den Zugang zur Projektförderung durch das bmukk, das prinzipiell nur subsidiär fördert. Mit dieser Engführung der Förderrichtlinien wird die Zugänglichkeit der Freien Szene zur Projektförderung erheblich erschwert, die Bündelung von Ressourcen in Form von Koproduktionen verunmöglicht und die Netzwerkarbeit untergraben.

www.brut-wien.at/de/

Wien, 18. 9. 2013