Ibrahim Amir: „Habe die Ehre“

August 28, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Wiederaufnahme der Ehrenmordkomödie

Astrit Alihajdaraj, Tania Golden Bild: Anna Stöcher

Astrit Alihajdaraj, Tania Golden
Bild: Anna Stöcher

Ab 13. September wird im Theater Nestroyhof Hamakom die Ehrenmordkomödie „Habe die Ehre“ wieder aufgenommen. Als Autor der WIENER WORTSTAETTEN entwickelte der junge Syrer Ibrahim Amir in einem intensiven Arbeitsprozess den Überraschungserfolg der Wiener vergangenen Off-Saison. Ein Hit bei Presse und Publikum.

Zum Stück:

VATER: Wie hast du es getan?

EHEMANN: Ich habe die Waffe gezogen und ihn erschossen.

VATER: Einfach so? Du hast die Waffe gezogen und PUM? Sonst nichts?

EHEMANN: Ja. Ich meine, es war PUM-PUM. Zweimal PUM. Für zwei Kugeln.

Die Ehre der gesamten Familie wurde durch das schamlose Verhalten der  Ehefrau in den Dreck gezogen. Glücklicherweise konnte ein gezielter Schuss auf ihren Liebhaber das Schlimmste verhindern. Zur vollständigen Wiederherstellung der Familienehre fehlt nun nur noch die Tötung der Ungetreuen, so wie es dem alten, ungeschriebenen Gesetz der Urväter entspricht. Doch wer soll die Hinrichtung vollziehen? Während im Nebenraum die Frau unter dem Einfluss von Schlafmitteln ihrer Tötung entgegendämmert, ringt der Familienrat, bestehend aus Vater, Mutter, Bruder, Ehemann und Schwiegervater um eine Entscheidung. Doch es ist gar nicht so einfach, jemanden geplant kaltblütig zu töten. Jeder versucht, sich der vermeintlichen Pflicht zu entziehen: Faule Ausreden … alte Geschichten … plötzliche Krankheiten … jedes Mittel ist recht, um nicht zum Mörder der eigenen Tochter, Schwester oder Ehefrau zu werden. Und dann steht auch noch die Polizei vor der Tür, der vermeintlich tote Liebhaber mit einer Pistole im Zimmer und von der Tochter fehlt auch jede Spur. In diesem Chaos beginnt sich „der alten Väter Ordnung“ gänzlich aufzulösen. Jeder gegen jeden und alle um die Ehre.

In der Komödie des jungen, in Wien lebenden, syrischen Arztes und Schriftstellers Ibrahim Amir gibt es kein Tabu und kein Klischee, das nicht durch den Kakao gezogen wird. Seine Dialoge sind klug, knapp und griffig. Dem Autor gelingt mit seinem Theater-Debüt das Kunststück, eine Geschichte vom Ausmaß einer antiken Tragödie ins Wien von heute zu holen. Und seinen anspruchsvollen Stoff in eine grotesk-komische, schwarze Komödie zu verwandeln Ganz nebenbei  kreiert er dabei ein neues Genre: Die „Parallelgesellschaftskomödie“.

Mit Paola Aguilera, Maya Henselek, Alev Irmak, Elisabeth Veit;  Astrit Alihajdaraj, Oktay Günes, Marcel Mohab, Boris Popovic, Michael Smulik, Erol Ünsalan. Inszenierung: Hans Escher.

Zum Autor:

Ibrahim Amir ist Kurde und wurde 1984 in Aleppo (Syrien) geboren. Studium der Theater- und Medienwissenschaft an der Universität Aleppo, dessen Fortsetzung ihm nach drei Semestern aus politischen Gründen verboten war. Kam 2002 nach Wien, wo er das Studium der Medizin aufnahm, das er mittlerweile abgeschlossen hat. 2009 ausgezeichnet mit dem exil-Literaturpreis „schreiben zwischen den
kulturen“ für die Kurzgeschichte „In jener Nacht schlief sie tief“ (Anthologie: Preistexte 09, edition exil, Wien 2009). 2010/11 Autor der WIENER WORTSTAETTEN: Entwicklung des Stücks „Habe die Ehre“ (Per H. Lauke Verlag, Hamburg). 2012 Theaterperformance „Die Irren“ im KunstSozialRaum Brunnenpassage in Wien.

www.wortstaetten.at

www.hamakom.at

Wien, 27. 8. 2013