Von Grosskopfade und Sacklpicka

August 23, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

theaterfink: „Auf der Landstraße, da gibt’s a Hetz!“

Bild: Cornelia M. Gregor

Bild: Cornelia M. Gregor

Lust auf einen Streifzug durch die Wiener Kriminalgeschichte mit Schauspiel, Puppenspiel & musikalischem Treibstoff? Den bietet ab 29. August „theaterfink“ nach einer Idee von Gabriele Müller-Klomfar und Susita Fink. Auf den Spuren historischer Kriminalfälle führt dieses Stationentheater im öffentlichen Raum zu authentischen Schauplätzen – eine Zeitreise ins Wien des Biedermeier… Als Vorlage zum Stück dienen der Mord an der alten Hetzmeisterin aus dem Jahr 1830 und der Mord an einer betagten Hausbesitzerin auf der Landstraße.In beiden Fällen liegt eine Ursache für die Tat in den gesellschaftlichen Verhältnissen des Biedermeiers und der drückenden Armut eines Großteils der Bevölkerung. „theaterfink“ verwebt die beiden Fälle zu einem, in dem nicht nur ein Mord geklärt wird: auch Kuppelei, Ausbeutung und ein Finanzskandal um ein großes Bauprojekt spielen eine Rolle. Und das Publikum wandert einfach mit.

Zum Inhalt: Wien im Biedermeier, fast 25 Jahre nachdem das Hetztheater gebrannt hat. Der Wiener Kongress ist zu Ende, Europa neu geordnet, es herrscht Frieden. Die Kinder spielen auf den Straßen und in idyllischen Hinterhöfen. Reich und Arm gibt sich – jeder nach seiner Fasson – den Vergnügungen hin, und die sind dicht gesät in Wien. Theater, Tanz, Kaffeehaus oder ein gemütlicher Gastgarten der Brauhäuser – die Bürgerinnen und Bürger der Kaiserstadt haben die Wahl. Doch der Schein trügt. In einem Hinterhof auf der Landstraße wird eine alte Frau tot aufgefunden. Die Witwe des letzten Hetzmeisters im Hetz-Amphitheater unter den Weißgerbern. Auf den ersten Blick sieht es wie Selbstmord aus, aber der zuständige Kommissär lässt sich nicht täuschen. Die Hetz beginnt! Kommissär Josef Hauptmann macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Hilfe bekommt er von der in ganz Wien bekannten Schauspielerin Fanny Nowak. Diese kennt die Höhen und Tiefen der Wiener Gesellschaft, sowie die der Vorstadt …

Die Stationen: Das Publikum folgt den DarstellerInnen zu den einzelnen Stationen. Die bespielten Orte im öffentlichem Raum sind nicht nur Bühnenbild, sie fügen sich in die Szenerie der Handlung.. Alle Stationen befinden sich in 1030 Wien / Erdberg und Landstraße und sind öffentlich erreichbar mit der U3 Station Rochusmarkt (Treffpunkt: Aufgang Hainburgerstraße). Die DarstellerInnen führen das Publikum durch historische Gässchen, wie die Salmgasse, zu prächtigen Palais, historischen Gebäuden, städtischen Grünoasen und versteckten Hinterhöfen. An den Stationen wird mit den Mitteln des Schauspiels und Figurentheaters gespielt. Doch auch der musikalische Aspekt kommt nicht zu kurz. In der Tradition der seinerzeitigen Bänkelsängern wird die Handlung durch Moritaten kommentiert und verdichtet. Die Texte und die Musik  hierzu wurden eigens von Musiker Ernst Molden kreiert. Der Virtuose auf der Knopfharmonika Walther Soyka liefert den musikalischen Treibstoff auf der Recherche nach dem meuchlerischen Mörder. Die Reise endet in einem urigen Lokal – „The Golden Harp“ – das zu anschließendem gemütlichen Beisammensein oder hitziger politischer Diskussion bei Speis und Trank einlädt.

Es spielen: Walter Kukla (Polizeikommissär), Susa Kratsch (Fanny Novak), Claudia Hisberger (Puppenspiel) – und vielleicht auch ein wenig das Publikum …

www.theaterfink.at

Wien, 23. 8. 2013