Musikalische Online-Auferstehung in der Albertina

April 2, 2021 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Ortlers „Passion“ zu den Werken Helnweins

Matthias Schorn (li.), Christoph Gigler (re.), radio.string.quartet. Bild: © Gerd Hermann Ortler

Die Albertina entsendet am Karfreitag besondere Ostergrüße an ihr Publikum: Der Komponist Gerd Hermann Ortler geht eine musikalische Verbindung mit Bildern von Gottfried Helnwein ein. Die filmische Aufzeichnung des Musikstücks von Regisseur Benedikt Missmann ist auf dem Youtube-Kanal und der Facebook-Seite der Albertina von Karfreitag, 2. April, bis 25. April zu sehen.

Aufgrund von COVID-19 konnte die Weltpremiere von Ortlers „Passion“ beim PalmKlang Festival nicht stattfinden, dabei ist die zentrale Botschaft der Passion, die Hoffnung auf Wiederauferstehung, in Hinblick auf die Kunst- und Kulturbranche ein wichtiges Zeichen. „In diesen herausfordernden Zeiten wurden wir von dieser Verkündigung inspiriert: Die Hoffnung auf Auferstehung. Deshalb haben wir uns mit anderen Kunstformen zusammengetan und entwickelten ein neues Konzept für die Premiere. Wir tauschten die Bühne gegen ein Museum und das Publikum gegen eine Kamera. Umgeben und inspiriert von der Kunst von Gottfried Helnwein, haben wir ,Passion‘ zum Leben erweckt. Das Ergebnis ist dieser Film, eine Auferstehung unserer künstlerischen Überzeugungen und Hoffnungen“, sagt Komponist Gerd Hermann Ortler.

Das Musikstück ist eine Komposition zur Passionsgeschichte ohne gesprochenes und gesungenes Wort. Durch die Konzentration auf das Instrumentale wird eine offene Ebene erreicht, in der musikalische Elemente wie Klangfarbe, Rhythmus, Motivik und Dynamik die treibenden Kräfte sind. Das solistische Hervortreten von Klarinette und Tuba, Matthias Schorn, Solo-Klarinettist der Wiener Philharmoniker, und Christoph Gigler, Solo-Tubist der Wiener Philharmoniker, verstärkt dies und bildet einen Kontrapunkt zum Verband des radio.string. quartet – Violin I: Bernie Mallinger, Violin II: Igmar Jenner, Viola: Cynthia Liao und Cello: Sophie Abraham.

Gottfried Helnwein: Epiphany III, (Presentation at the Temple 2), 1998. Bild: Albertina, Wien © Bildrecht, Wien, 2019

Die Dreharbeiten in der Albertina vorm hyperrealistischen Werk von Gottfried Helnwein. Bild: © Elisa Maier

„Passion“ von Komponist Ortler gleicht einer Hoffnung auf die Wiederauferstehung der Kunst. Bild: © Elisa Maier

Screenshot: Benedikt Missmann – Passion, Trailer 1, Mädchen: Franziska Gigler. © Benedikt Missmann

Die musikalische Handlung wird in den Kontext ausgewählter Bilder von Gottfried Helnwein gestellt. Diese Bilder lösen im Zusammenspiel mit der Musik die Passion aus ihrem traditionellen Rahmen und lassen sie zur Metapher für den Leidensweg des Kindes in einem werden. Des Kindes, das alle in sich tragen, das aber systematisch ausgetrieben wird, um daraus „brauchbare Menschen“ für die Gesellschaft zu machen und nach dem man sich nun schmerzlich ein Leben lang zurücksehnen. „Dieses Kind ist unsere eigentliche Natur, unser vollkommenes Wesen, vielleicht sogar das Göttliche in uns. Denn die Hoffnung, das verlorene Kind und damit das Paradies in uns wieder zu finden, macht uns das Menschsein erträglich“, so Ortler.

„Die atemberaubende Komposition Gerd Hermann Ortlers hat mich zutiefst berührt und erschüttert. Als ich die Klänge zum ersten Mal hörte, waren sie mir doch seltsam vertraut“, äußert sich Gottfried Helnwein zum Projekt. „Es gehört zu den ganz besonderen Augenblicken in der Kunst, wenn sich ein Künstler mit seiner Arbeit auf das Werk eines andern Künstlers bezieht und sich durch eine eigene, neue Kreation mit ihm verbindet. Mein Dank gilt auch der Albertina, die bewiesen hat, dass das Museum wirklich ein Hort der Musen sein kann.“

Passion / Der Film: www.youtube.com/watch?v=Gx59XIK052k      www.facebook.com/AlbertinaMuseum             Trailer: www.youtube.com/watch?v=09Bj2P6M5oY           www.albertina.at           www.gerdhermannortler.com           www.helnwein.de           www.radiostringquartet.net

2. 4. 2021