MAMUZ Schloss Asparn: Experimentelle Archäologie

März 16, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Kurse zu Bogenbau, Bronzegießen, Knochenschnitzen

Eisenzeitliches Handwerksviertel im archäologischen Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: © Atelier Olschinsky

Das MAMUZ Schloss Asparn an der Zaya startet die Saison am 20. März mit der neuen Sonderausstellung „Experimentelle Archäologie“. Präsentiert werden außergewöhnliche Experimente renommierter Archäologinnen und Archäologen aus der ganzen Welt, durch die aufschlussreiche Erkenntnisse über vergangene Lebenswelten gewonnen werden konnten. Aber wie kann ein moderner Versuch die Realität der Vergangenheit widerspiegeln?

Wie ist ein Experiment aufgebaut und warum ist die minutiöse Dokumentation so wichtig? Die Ausstellung stellt die Experimentelle Archäologie als Forschungsmethode vor und zeigt ein breites Spektrum an Versuchsfeldern und Anwendungsgebieten. Archäologie beschäftigt sich weitgehend mit Zeiträumen, aus denen weder bildliche noch schriftliche Quellen überliefert sind.

Um die Herstellungsweise und Verwendung von archäologischen Funden, wie Werkzeuge und Bauten, ergründen zu können, reichen herkömmliche Methoden der Archäologie oft nicht aus. Nur im wissenschaftlichen Versuch können spezielle Fragen nach technischen Möglichkeiten, Arbeitsvorgängen und Handwerkspraktiken der Vorfahren beantwortet werden. Um ein Experiment durchführen zu können, ist es wichtig, die zu erforschenden Werkzeuge und Werkstoffe zu beherrschen. Daher benötigen Experimentalarchäologinnen und -archäologen nicht nur historisches Wissen, sondern auch praktisches Know-How und jede Menge handwerkliches Geschick.

Beim Handwerkskurs „Bogenbau“ wird ein Bogen selbst angefertigt. Bild: © MAMUZ

Experimentelle Gussform zur Herstellung eines altägyptischen Katzenkopfes. Bild: © Atelier Olschinsky

Experiment mit einer Gussform von prähistorischen Bronzeartefakten. Bild: Atelier Olschinsky

Beim Handwerkskurs „Töpfern“ werden Figuren aus Ton angefertigt. Bild: © MAMUZ

Die Ausstellung zeigt Experimente zu Themenbereichen wie Keramikfertigung, Holztechnologie, Bronzeguss, Glasperlenherstellung, textile Handarbeitstechniken, Knochenbearbeitung und Metallliturgie. Auch das Nachvollziehen von Handlungsabläufen, etwa die Zubereitung eines Schweinebratens vor 8000 Jahren, oder Wohnstudien in einem rekonstruierten Wikingerhaus werden mittels wissenschaftlicher Versuche dargestellt.

Franz Pieler, wissenschaftlicher Leiter des MAMUZ und Kurator der Ausstellung, erklärt: „Experimentalarchäologie ist seit jeher ein zentraler Forschungsschwerpunkt des MAMUZ Schloss Asparn. In enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Experimentelle Archäologie der Österreichischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte finden im archäologischen Freigelände regelmäßige Workshops und Lehrveranstaltungen statt. Viele experimentalarchäologische Forschungsergebnisse wurden bei den Architekturmodellen im Freigelände umgesetzt und fanden Eingang ins Vermittlungsprogramm des MAMUZ.“ Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit EXARC, einer internationalen Vereinigung von archäologischen Freilichtmuseen und Experimentalarchäologinnen und -archäologen.

Lebensgroße Mammutfigur im Freigelände. Bild: © Atelier Olschinsky

Workshops

Geplant ist, auch heuer wieder an den Wochenenden im archäologischen Freigelände abwechslungsreiche Erlebnisprogramme anzubieten, die 40.000 Jahre Menschheitsgeschichte aktiv erfahren lassen. Auf dem Programm stehen dabei vergangene Lebensweisen und historische Handwerkstechniken wie Speerwerfen, Steinschleudern, Ritschert kochen und Bogenschießen. Die Erlebniswochenenden starten, sobald es die COVID-19-Maßnahmen der Bundesregierung ermöglichen.

In den Sommermonaten Juli und August lässt sich zudem historisches Handwerk wie Bogenbau, Glasperlenherstellung, Schmieden, Lehmofenbau, Bronzegießen, Knochenschnitzen und vieles mehr direkt von den Profis erlernen. Erstmals stehen auch historische Handwerkskurse speziell für Kinder auf dem Programm.

www.mamuz.at

16. 3. 2021