Nachwuchs-Theater-Wettbewerb EMPÖRT EUCH!

Mai 31, 2013 in Tipps

Das Finale in der Drachengasse

Bild: © KW&D

Bild: © KW&D

Ab 3. Juni 2013 findet das Finale des Nachwuchs-Theater-Wettbewerbs 2013 Empört euch! statt. Aufgrund der hohen Anzahl, vor allem aber der besonderen Qualität der Einreichungen, haben wir in diesem Jahr vier Projekte für das Finale ausgewählt. Die vier FinalistInnen präsentieren ihre 20-Minuten-Projekte in einer dreiwöchigen Spielserie.

I Do It My Way!
Heimwerker-Performance

Von und mit: Fabian Faltin (Heimwerkerprofi) und Elisabeth Hager (Do-It-Yourself-Enthusiastin)

Ob Carport oder Hippie-Hütte, Einfamilienhaus oder Occupy-Zeltcamp: ein Dach über dem Kopf braucht jeder. In der Heimwerker-Performance I Do It My Way verfällt eine junge Heimwerker-Enthusiastin (Elisabeth Hager) den verführerisch einfachen Tipps eines Baumarkt-Profis (Fabian Faltin) und beschließt, sich ihr Traumhaus selber zu bauen. Bohrer, Akkuschrauber und Radio Arabella laufen schon auf Hochtouren, da ertönen plötzlich merkwürdige Durchsagen im Dach-gebälk. Eine Aufforderung zur Revolution? Die mahnende, patriarchalische 1950er-Stimme ihres Großvaters? Oder gar der Selfman höchstpersönlich? Rasch kommt die Heimwerkerin in Gewissensnot, und die Baustelle droht außer Kontrolle zu geraten …

Die Kümmerinnen
Ein Quadrolog

Text: Katharina Tiwald  Regie: Julia Kneussel Assistenz: Sara Lesky
Es spielen: Anna Maria Eder, Pippa Galli, Katharina von Harsdorf, Viktoria Hillisch

Vier Stimmen, eine Sinfonie: das Libretto des Gender- und Emanzipationsvokabulars, das so klingt, als hätte es nichts mit uns zu tun, kommt hier aus den Mündern von vier Menschen der Spezies Frau: In allegro vivace, staccato, fortissimo gurgeln, tönen, seufzen und rattern die vier das Repertoire der Wörter, die uns alle angehen, und hanteln sich durch einen skurril-witzig-traurigen Aneignungsprozess: Von der Macchiatomutter über den Karriereknick zum Binnen-I kommend, liefern sich die Stimmen eine phonetische Materialschlacht. Weibliche Wut mit lyrischem Format! Vorhang auf für den Chor der Kümmerinnen!

Occupy Burgtheater

Von Sandra Jungmann und Bernd Watzka  Regie: Steffen Jäger
Bühne: Sabine Freude  Kostüm: Aleksandra Kica  Assistenz: Simon Brader
Es spielen: Bernd-Christian Althoff, Stephan Bartunek, Florian Haslinger, Saskia Klar

Aufstand, Rebellion, Anarchie – und gelacht werden darf auch: Drei Wiener Kleinbühnen-schauspieler starten in der Komödie Occupy Burgtheater ihren privaten Feldzug gegen das Theater-Establishment. Sie demonstrieren vor dem Burgtheater lautstark gegen Bundestheater-Privilegien und gegen die „Teutonisierung“ des österreichischen Theaterbetriebs. Burg-Direktor Matthias Hartmann stellt sich seinen Kritikern und wird von ihnen als Dank zum politischen Gefangenen erklärt. Revolutionsimmanente Planlosigkeit, Uneinigkeit und künstlerische Be-stechlichkeit führen den beherzten Aufstand jedoch rasch ins Chaos – und zu einem über-raschenden Schluss, der die Rebellion, ja sogar die gesamte Inszenierung des Stücks in Frage stellt.

Achtundsechzig Jahre Kriegsfreiheit 

Text: Leon Engler  Regie: Michael Schlecht  Bühne: Maria Pavlova
Es spielen: Wojo van Brouwer, Martin Vischer

Leon Engler theamtisiert in seinem Stück 68 Jahre Kriegsfreiheit unter der Regie von Michael Schlecht das irritierende Gefühl, das aufkommen kann, wenn ein Krieg für lange Zeit ausbleibt. „Die Unerträglichkeit des Friedens“, nennt Tazar, eine der beiden Hauptfiguren des Stücks, diesen Zustand. Tazar, Jahrgang 198x, kann sich den anderen Zustand nicht vorstellen, er hat nur eine Vorahnung. Er ahnt, dass Krieg ein System bietet, in das er sich einordnen kann und entwickelt eine regelrechte Lust auf Unfreiheit. Gekränkt von der eigenen Bedeutungslosigkeit, ohne Ziel, ohne inneren Auftrag, hängt er im luftleeren Raum. Lähmungserscheinungen, verursacht von sich abwechselnden Anflügen von Lethargie und Resignation, breiten sich in ihm aus. Er hat einfach zu viele Möglichkeiten. Aber wie lässt sich das als ernstzunehmende Beschwerde formulieren? Darf er sich überhaupt beschweren?

Auch heuer werden zwei Preise vergeben:
– der Publikumspreis in Höhe von € 1000,-, den die Zuschauer durch Abstimmung vergeben – jede Eintrittskarte berechtigt zur Abgabe einer Stimme.
– der Jurypreis, der von einer Fachjury vergeben wird (heuer: Christian Felber, freier Publizist; Genia Enzelberger, Kuratorium Stadt Wien; Harald Posch, Garage X).
Der Jurypreis beträgt € 5000,-, zur Verfügung gestellt vom Kuratorium für Theater, Tanz und Performance in der Stadt Wien für die weitere Ausarbeitung des Projektes in Bar&Co in der kommenden Saison.

Die Bekanntgabe der Preisträger erfolgt am 22. Juni  im Anschluss an die letzte Vorstellung.

Videoinstallation
My Private Little Window

Von Monika Hölzl und Adeline Grossegger
Dramaturgische Mitarbeit: Miriam Jansen
Ein Fenster zur Welt, für drei Wochen, mitten in Wien: Die Videoinstallation My Private Little Window öffnet den Ausblick in verschiedene Länder der europäischen Union und gewährt Einblicke in fremde, unbekannte Leben im Zeichen und in Zeiten der Krise.
Wie sieht unsere Existenz, unser alltägliches (Zusammen-)Leben fernab der Schlagzeilen im Wirtschaftsteil, zwischen proklamierten Börsen-Talfahrten und Reform-Bewährungsproben tatsächlich aus? Krisenportraits im Postkartenformat.
18 verschiedene Menschen – von Finnland bis Spanien – schlüpfen zwischen dem 3. und 22. Juni 2013 jeweils Donnerstag bis Samstag in die Rolle eines Außenkorrespondenten und skizzieren in Tagesprotokollen die Situation aus ihrer ganz persönlichen Sicht – ein Puzzle zum derzeitigen Leben innerhalb der Europäischen Union, das die Situation einmal aus einer ganz individuellen und alltäglichen Perspektive beleuchtet.

www.drachengasse.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 31. 5. 2013