„To The Wonder“

Mai 31, 2013 in Film

Terrence Malicks jüngstes Filmpoem

Ben Affleck, Javier Bardem Bild: Photo courtesy of Magnolia Pictures

Ben Affleck, Javier Bardem
Bild: Photo courtesy of Magnolia Pictures

Huch, der Mann ist zum Workaholic mutiert. Kaum wurde er für „The Tree of Life“ 2011 in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt, legt er schon seinen nächsten Film vor: „To The Wonder“. Das ist deswegen erstaunlich, weil Terrence Malick, hauptberuflich Bildästhet und erst an zweiter Stelle Kinoregisseur und demnächst 70-jährig, in seinem Leben erst sieben Filme (inklusive des Kurzfilms „Lanton Mills“) vorgelegt hat. „To The Wonder“ läuft ab 31. Mai in den heimischen Kinos.

Malick ist so etwas, wie das Phantom der Leinwand, lässt sich nicht fotografieren – zumindest nicht freiwillig -, lässt sich vertraglich zusichern, keine Interviews geben zu müssen, lässt seine Biografie im Dunkeln (angeblich war der Vater iranischer Geologe, aber wer weiß das schon?), hat sich nicht einmal seinen Goldwedel selber abgeholt. 1973 fiel er erstmals auf. Mit dem Roadmovie „Badlands“ über den Serienkiller Charles Starkweather – seine (dem schmalen Budget geschuldet) bisher „schlankste“, geradlinigste Arbeit. Es folgte 1978 „In der Glut des Südens“, ein Dreieckskrimimelodram, bei dem Malick schon beschloss, nur „in den magischen Stunden vor Sonnenuntergang“ zu drehen und die Produzenten damit in den Wahnsinn zu treiben – Nebensatz: Der studierte Philosoph übersetzte Heidegger. Als nächstes machte Malick zwanzig Jahre lang – – – nichts.

Nun also „To The Wonder“. Und wie immer bei ihm geht es um das ewige Warum, die ganz großen Fragen, die naturgemäß unbeantwortet bleiben. Diesmal: Wo geht die Liebe hin, wenn sie geht? Wie lässt sich die Sehnsucht nach ihr stillen? Und Malicks Dauerthema: Wieso zerstört der Mensch seine Mutter, die Erde? Die brillant fotografierten Probleme beginnen diesmal in einem Kaff in Oklahoma, in dem es im Grundwasser Giftrückstände gibt. Der Mann (Ben Affleck), der die Sache untersuchen soll, hat dafür einen Paris-Trip mit seiner Partnerin (Olga Kurylenko) unterbrochen, findet aber in the middle of nowhere seine Jugendliebe (Rachel McAdams) wieder. Die beinah sakrale Suggestivkraft der Bilder spiegelt sich im mexikanischen Priester (Javier Bardem), ebenfalls in Liebensqualen, und zwar in solchen zu Gott. Weshalb sich mit weniger zufrieden geben, als mit Glaubensfragen? Diese exquisite Schauspielstatisterie bevölkert nicht nur die traumhaften Aufnahmen – immer wieder streichelt die Kamera Gräser und Gewässer, verklärt Bisons und Pferde in untergehenden Sonnen -, sondern untermalt auch die Musikauswahl von Bach bis Gorecki, von Berlioz bis Wagner. Dazwischen wird viel geflüstert und geraunt, eine Stimme aus dem Off liest leicht theatralisch Tagebucheintragungen vor.

Es ist, wie es ist: Rudimentär und doch irgendwie überfrachtet. Kino für den Kopf hat das Recht verkopft zu sein. Und so ist alles perfekt choreografiert, ernst und konzentriert, statisch, meditativ. Die Figuren halten einen auf Distanz, ihre Emotionen – wabernd wie in einem Nebel – sind wohl ihre Sache. Aber alle und alles schaut sehr schön aus. Malick ist für den einen ein Ereignis. Für den anderen ein fataler Irrtum. Der Film ist einer, auf den man sich einlassen muss.

www.magpictures.com/tothewonder

Von Michaela Mottinger

Wien, 31. 5. 2013