Yad Vashem digital: Zum Holocaust-Gedenktag 2021

Januar 27, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Online-Veranstaltungen und IRemember-Wall

Bild: pixabay.com

Wegen der Corona-Pandemie kann der Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner dieses Jahr nur digital begangen werden. Die Gedenkstätte Yad Vashem hat dafür ein Programm an Online-Veranstaltungen zusammengestellt. So gibt es neben einem Symposium eine Vorlesung des Historikers David Silberklang mit dem Titel „Der Weg von Massenerschießungen zur Endlösung“ zu sehen, beides heute, Mittwoch, ab 14.30 Uhr auf www.youtube.com/user/YadVashem

Auch die Seite www.yadvashem.org wurde um Online-Ausstellungen  und eine virtuelle „Gedenkmauer“ erweitert. Außerdem bietet Yad Vashem erstmals eine virtuelle Tour durch die Dauerausstellung „Shoah“ im Block 27 im früheren Konzentrationslager, nun staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau an, und eine ebenfalls neue Ausstellung über sieben Kinderheime in Polen, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs für überlebende jüdische Kinder eingerichtet worden waren.

„Diese bewegende Ausstellung veranschaulicht das schreckliche Leid der Kinder, die in die Heime gebracht wurden, und wie ihnen – oft durch andere Überlebende – sanft dabei geholfen wurde, zurück in die Gesellschaft zu finden“, so Yad Vashem. „Hinter den Gesichtern, die uns aus den hier gezeigten Fotos des Kinderheims entgegenlächeln, verbergen sich schwere Lebensgeschichten, harte Verluste und seelische Narben.“

Screenshot: yadvashem.org

Screenshot: yadvashem.org

Zu sehen sind auch die virtuellen Schauen „Juden und Sport vor dem Holocaust – Eine Retrospektive in Bildern“ und „Sag niemals du gehst den allerletzten Weg – Jüdische Musik aus der Zeit des Holocaust“. Die zwanzig Lieder, die hierfür ausgewählt wurden, stellen die Musik der Straßenmusikanten aus den Ghettos Lodz und Kowno, die professionelle populäre Musikkultur des jiddischen Theaters im Ghetto Wilna und Lieder der Partisanen von Wilna vor.

Zusätzlich sind das prophetische Lied „Es brent“, das in Ghettos und Lagern gesungen wurde, sowie zwei Lieder, die nach dem Holocaust von Kaczerginski geschrieben wurden, mit eingeschlossen, die die Gemütsverfassung und den Glauben der Überlebenden widerspiegeln. Bemerkenswert ist „Felix Nussbaum – Das Schicksal eines jüdischen Künstlers“ (BUCHTIPP: Christoph Heubner: Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=37772, im März erscheint im Steidl Verlag, Christoph Heubner: Durch die Knochen bis ins Herz).

Screenshot: yadvashem.org

Via der Internetseite können Interessierte zudem der IRemember-Wall beitreten, einer virtuellen „Wand“ der Erinnerung. Hier können Nutzerinnen und Nutzer an ein bestimmtes Mordopfer erinnern, das sie sich in der 4,8 Millionen Namen umfassenden Datenbank selbst suchen können. Nach Anklicken des „Ich gedenke“-Buttons brauchen User nur noch ihren Namen und ihr Herkunftsland anzugeben und ihr Gedenken zu veröffentlichen. Dieses erscheint dann mit einem Fotodokument des Opfers an der IRemember Wall. Die Geschichte des oder der Ermordeten lässt sich direkt bei Twitter, Pinterest und Facebook teilen, was die Reichweite der Gedenk-Aktion erhöhen soll. Mehr dazu: www.youtube.com/watch?v=GRUq_k5Gr_c

Ich gedenke Marie Müllerová. Die Schülerin wurde 1927 in Prag als Tochter von Julius Müller und Irma Müllerová geboren und 1942 in Treblinka ermordet.

www.yadvashem.org

www.yadvashem.org/de

Neue österreichische Gedenkstätte in Auschwitz

Auch Österreich arbeitet an einer neuen Ausstellung im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Die zukünftige Schau wird im Erdgeschoß von Block 17 im ehemaligen Stammlager untergebracht sein, wo von 1978 bis 2013 schon die erste österreichische Ausstellung in der Gedenkstätte  zu sehen war. Im Zuge der sorgfältigen baulichen und konservatorischen Arbeiten im denkmalgeschützten ehemaligen Häftlingsgebäude wurden bisher unbekannte originale Mauerbestände entdeckt sowie von Häftlingen versteckte Objekte freigelegt.

Von Häftlingen verborgende Gegenstände. Bild: Nationalfonds/Kaczmarczyk/Marszałek

Glasfenster „Das bittere Ende“ von Heinrich Sussmann über die Ermordung seines Sohnes. Bild: HBF/MINICH

In einer ersten Etappe des Ausstellungsbaus erhielten die von Heinrich Sussmann für die Ausstellung 1978 gestalteten fünf Glasfenster eine neue Rahmung. Der Auschwitz-Überlebende schuf die Gedenkinstallation in der Absicht, die Menschen, die dort gequält und verbrannt worden waren, wieder als Ganzes darzustellen, „als ganze Menschen, die sie ursprünglich gewesen sind.“ Eines der Fenster ist als sehr persönliche Erinnerung seinem Sohn gewidmet, der sofort nach seiner Geburt vom SS-Lagerarzt Josef Mengele ermordet worden ist. Die Eröffnung der österreichischen Länderausstellung im Block 17 im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau ist noch für 2021 geplant.

www.nationalfonds.org

BUCHTIPPS: Anne Frank, Ari Folman und David Polonsky: Das Tagebuch der Anne Frank, Grafic Novel Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=26547; Jessica Bab Bonde und Peter Bergting: Bald sind wir wieder zu Hause, Grafic Novel Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=44223

27. 1. 2021