Belvedere: Meisterwerke im Fokus

Mai 27, 2013 in Ausstellung

Die Formalisierung der Landschaft

Theodor von Hörmann: Das große Esparsettenfeld in Znaim, 1893 Öl auf Leinwand Bild: © Belvedere, Wien

Theodor von Hörmann: Das große Esparsettenfeld in Znaim, 1893
Öl auf Leinwand
Bild: © Belvedere, Wien

Mit der Ausstellung „Formalisierung der Landschaft – Hölzel, Mediz, Moll u. a.“ (zu sehen von 28. 5. bis 8.9.2013) widmet sich das Belvedere in der Reihe Meisterwerke im Fokus erstmals nicht dem Schaffen eines einzelnen in der Sammlung vertretenen Künstlers, sondern thematisiert ein Phänomen in der Landschaftsdarstellung des späten 19. Jahrhunderts, das sinnbildhaft die Schwelle zur Flächenkunst des Jugendstils markiert: die Reduktion und Formalisierung landschaftlicher Motive. Das wachsende künstlerische Interesse am Japonismus einerseits, eine veränderte Sicht auf die Landschaft andererseits förderten jene gattungsübergreifende Tendenz, die um 1900 einen Weg zur Entwicklung aus dem Impressionismus heraus wies. Sie lässt sich insbesondere im Werk von Adolf Hölzel sowie in jenem seiner Freunde und Schüler, wie Carl Moll, Karl Mediz, Emilie Mediz-Pelikan oder Theodor von Hörmann, nachvollziehen. Inspiriert von der Umgebung, fand Hölzel in Dachau zu jener neuen Landschaftsauffassung, aus der er die Konsequenz eines gewandelten Kunstverständnisses zog.

Bei der Wahl ihrer Motive fokussierten die Künstler weniger auf die Materialität und die Räumlichkeit spezifischer Landschaften als vielmehr auf ornamentale Flächigkeit. Dieser Neuorientierung kamen die für Maler wie Fotografen reizvollen Formen im Dachauer Moos bei München entgegen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Umland zu einem weithin bekannten Zentrum der Freilichtmalerei – vor allem dank dreier Künstler, die als Neu-Dachauer ihren Platz in der Kunstgeschichte fanden: Adolf Hölzel, Ludwig Dill und Arthur Langhammer. Für Hölzel wurde Malerei zur Forschung an den künstlerischen Mitteln. Er richtete seinen Fokus auf den elementaren Aufbau der Bildkomposition, weg von der Abbildhaftigkeit eines Landschaftsausschnitts. Die mehrmalige Wiedergabe des Baummotivs wandelte sich von der illusionistischen Valeurmalerei durch eine Kontrastierung von hellen und dunklen Flächen zur ornamental anmutenden Reduktion der Formen. Aus dieser Landschaftsauffassung zog Hölzel die Konsequenz eines gewandelten Kunstverständnisses, das er 1901 in seiner Schrift Über Formen und Massenvertheilung im Bilde festhielt, die in der viel rezipierten, äußerst einflussreichen Zeitschrift der Wiener Secession, Ver Sacrum, veröffentlicht wurde. In Malerei, Grafik und Fotografie kam es trotz individueller künstlerischer Unterschiede zu vergleichbaren Ergebnissen, die ein gemeinsames Ziel verfolgten – die Entfernung von der Abbildhaftigkeit eines Landschaftsausschnitts zugunsten eines methodischen, konzeptuellen Aufbaus der Bildkomposition. Es wird deutlich, wie sich das Landschaftsbild letztlich zu einem rhythmischen Wechsel von Hell- und Dunkelflächen wandelte.

Im Sinne der zentralen Aufgaben eines Museums – der Bewahrung, Erweiterung und Vermittlung der Sammlung – präsentiert das Belvedere seit 2009 die Ausstellungsserie Meisterwerke im Fokus. Zweimal jährlich werden spezielle Aspekte der österreichischen Kunstgeschichte hervorgehoben und der Fokus auf thematische Schwerpunkte, einzelne Künstlerpersönlichkeiten oder herausragende Meisterwerke der Sammlung gerichtet. Die in die Dauerausstellung des Oberen Belvedere integrierten Präsentationen konzentrieren sich auf die Bedeutung ausgewählter Werke im Kontext der Sammlung sowie der Kunst und Kultur ihrer Zeit. Basierend auf neuesten Erkenntnissen der Forschung, bietet die zu den Ausstellungen erscheinende Buchreihe eine fächerübergreifende Analyse und beleuchtet ausgesuchte Kunstwerke aus neuen Blickwinkeln.

www.belvedere.at

Von Rudolf Mottinger

Wien 27. 5. 2013