ARTE: Lucarne Spätvorstellung / Online-Kinofestival

Dezember 4, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Punks, blinde Passagierinnen und ein Broken Land

Eine deutsche Jugend. © ARTE

Der ARTE-Sendeplatz „Lucarne – Die Spätvorstellung“ bietet montags gegen Mitternacht Filme „outside the box“: Originelle, oft widerspenstige Werke, die neue Wege gehen; ausgefallene, kreative Dokumentarfilme mit ganz eigenen filmischen Handschriften. Alle denkbaren, dokumentarischen Ausdrucksformen sind hier erlaubt, auch experimentelle

oder fiktionalisierte Umsetzungen. Die „Lucarne“ ist einer der letzten Orte großer künstlerischer Freiheit. Ab dem 7. Dezember präsentiert ARTE nun drei lange Nächte mit einer besonderen Auswahl an Filmen zur Thematik „No Limits“, im Sinne von „No rules“, oder wie man seine eigenen Regeln aufstellt. Wenn die Gesellschaft zu viele Zwänge auferlegt, brechen Individuen aus. In ihren Träumen und Vorstellungen, in regelbrechenden Aktionen, bis hin zum Widerstand.

Drei Erstausstrahlungen sind die Highlights dieser Nächte: In „Headshot – Russisch Roulette“ am 7. Dezember von Lola Quivoron und Antonia Buresi befreit sich eine desillusionierte Jugend von ihrem Frust durch improvisiertes Theater und Tanz. Die schwererziehbaren „Punks“, 14. Dezember; Regie: Maasja Ooms, sind noch einmal dem Gefängnis entkommen, und in einer speziellen Wohngruppe versucht man sie auf den richtigen Weg zu bringen. Die drei jungen Frauen aus „This Train I Ride“, 21. Dezember, von Arno Bitschy reisen als blinde Passagierinnen durch die USA. Sechs Lucarne-Klassiker, darunter „Eine deutsche Jugend“ von Jean-Gabriel Périot und „Der Kapitalismus des Traums“ von Sophie Bruneau, beide am 15. Dezember, sind ebenfalls Teil des Programms.

This Train I Ride. © ARTE

Headshot – Russisch Roulette. © ARTE

Tipp 1: Mauern gegen Migration: Dieses Konzept findet nicht nur in Europa Anwendung, sondern auch an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Mitten durch die karge Wüste führt der Grenzzaun, der die beiden Staaten trennt. Hier lebt eine kleine US-Community im Schatten des Zauns, der den sogenannten illegalen Einwanderern den Zutritt zu ihrem Land verwehren soll. „Broken Land“ von Stéphanie Barbey und  Luc Peter ist eine Doku über Paranoia, Angst und Eingesperrtsein. Als visuelle und politische Metapher zeigt er, wie sich Migration auf die Entwicklung der Demokratien der westlichen Welt auswirkt. Zu sehen am 8. Dezember.

Tipp 2: Der Dschungel von Calais – die provisorische Zeltstadt in der Nähe dieser französischen Stadt ist der Drehort der beiden Filmemacher Nicolas Klotz und Elisabeth Perceval. Ihr Film „Wohin, Flüchtling?“ zeigt die Räumung des Flüchtlingslagers an der französisch-englischen Grenze und erzählt insbesondere die Lebensgeschichten und Leidenswege der jungen Bewohner des Dschungels. Ohne jeglichen Kommentar dokumentieren die Aufnahmen das notdürftige Dasein der Geflüchteten auf der ehemaligen Mülldeponie nahe Calais zwischen Ärmelkanal, Autobahn und menschenleeren Stränden. Zu sehen am 22. Dezember.

Alle Filme stehen nach der TV-Ausstrahlung mindestens sechs Monate in der ARTE Mediathek zur Verfügung. Eine Reihe weiterer Filme sind darüber hinaus exklusiv online abrufbar. Mehr unter: arte.tv/lucarne.

Wohin, Flüchtling? © ARTE

Broken Land. © ARTE

ARTEKino Festival online

Bereit zum Streamen ist das europäisches Online-Filmfestival: artekinofestival.com. In seiner fünften Ausgabe präsentiert das „ARTEKino Festival“ erneut eine Auswahl von zehn europäischen Filmen junger Regisseurinnen und Regisseuren, die in zehn Sprachen in 45 europäischen Ländern kostenfrei online abgerufen werden können. Die Langfilme erzählen von zehn Ländern, zehn Kulturen in  zehn Sprachen und sind Ausdruck der Vielfalt eines vereinten und gleichzeitig facettenreichen Europas. Fiktionale und auch dokumentarische Filme von mehrheitlich Regisseurinnen, stehen für den Dialog und die Begegnung und den grenzüberschreitenden Perspektivwechsel.

Zu sehen sind: „Cat In The Wall“ von Mina Mileva und Vesela Kazakova, Bulgarien, Großbritannien, Frankreich; „Full Contact“ von David Verbeek Kroatien, Niederlande; „Ivana The Terrible“ von Ivana Mladenovic Serbien, Rumänien, „Lessons Of Love“ von Chiara Campara, Italien; „Love Me Tender“ von Klaudia Reynicke, Schweiz, „Motherland“ von Tomas Vengris Litauen, Lettland, Deutschland, Griechenland; „Negative Numbers“ von Uta Beria Georgien, Frankreich, Italien; „Sébastien Tellier: Many Lifes“ von François Valenza,Frankreich, „Son Of Sofia“ von Elina Psykou Griechenland, Frankreich, Bulgarien und „Zentralflughafen THF“ von Karim Aïnouz Deutschland, Frankreich, Brasilien.

arte.tv/lucarne           artekinofestival.com

4. 12. 2020