Künstlerhaus: Waste Art / When Gesture Becomes Event

Dezember 4, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Schau mit Müll und eine Grammatik für Solidarität

When Gesture Becomes Event. Ein Blick ins prachtvoll renovierte Künstlerhaus. © Anna Artaker: The Cloth Of State, 2020 © Künstlerhaus Wien

Künstlerinnen und Künstler haben seit jeher mit Trash, Abfall, Second-Hand-Materialien gearbeitet – sei es aus finanziellen, praktischen Gründen, oder dem Anlass heraus, sich von der „hohen Kunst“ abzuwenden und zu distanzieren.

Besonders in den letzten Jahrzehnten entwickelten sich zahlreiche Bewegungen wie Recycling, Up-Cycling, Zero Waste mit dem Ziel Dinge haltbarer zu machen und dem überbordenden Konsum und dem Wegwerfhabitus dieser Tage entgegenzuwirken.

Ab 8. Dezember zeigt das Künsthaus Wien in der Factory die Ausstellung „Waste Art“. Nach einer Idee und kuratiert von Ina Loitzl wird Wertloses wird transformiert, neu geordnet, gesammelt und der Müllberg schonungslos dokumentiert. Mitwirkende Künstlerinnen und Künstler neben der Kuratorin selbst sind Werner Boote, Christian Eisenberger, Hans Glaser, Lois Hechenblaikner, Gudrun Lenk-Wane, Erwin Stefanie Posarnig, Peter Putz, Johannes Rass, Tom Sachs, Nikki Schuster, Dario Tironi und Irene Wölfl.

Die gezeigten Objekte betonen die Schönheit des Wertlosen, des Alltäglichen; Formen, die an Paraphrasen erinnern, aber auch vollkommen neue ästhetische Erscheinungsbilder erzeugen; das Material, das man nicht los wird, aber auch die Entstehung dieser Prozesse.

When Gesture Becomes Event. © Pascal Petignat, Ursula Mayer: Eternal Vomit Gorund of Reality, 2020 © Künstlerhaus Wien

Waste Art. Textiles Bündel. © Gudrun Lenk-Wane: having it all, wanting more, 2018. Bild: Reto Schubinger © Künstlerhaus Wien

Waste Art. „I’ll be back“: Eine völlig neue Art von Recyling-Terminator. © Dario Tironi: figura leggera, 2017. © Künstlerhaus Wien

TIPP1: X-Mas-Trashcamp. Aus Müll wird Weihnachtsschmuck. Online Veranstaltung am 5. 12. Künstlerin Ina Loitzl führt das Publikum in die Welt ihrer „Waste Art“ und gestaltet mit ihm wunderschöne Trash-Kunstwerke. So werden Plastikflaschen durch Umformung, Stanzung, Cutouts und ein wenig Silber- oder Goldglanz zu effektvollem Christbaumschmuck. Information: + 43 1 587 96 63 20 oder kunstvermittlung@k-haus.at.

TIPP 2: Trash We Can! Podiumsdiskussion am 9. 12. live auf Zoom. Nachhaltigkeit, Ressourcenverbrauch, Müll und Überproduktion: Können Künstlerinnen und Künstler mit ihrer Arbeit die Gesellschaft für diese Themen sensibilisieren? Werden künstlerische Produktionsprozesse durch den Fokus auf schon einmal Verwendetes verändert? Ist der „Zwang zur Kreativität“ auch ein „Zwang zu immer Neuen und Ressourcenverschwendung“? Ist ein nachhaltige Kunstproduktion, ein nachhaltiger Kunstmarkt überhaupt vorstellbar? Es diskutieren Filmemacher Werner Boote (Interview: www.mottingers-meinung.at/?p=28457), Laurenz Faber von Fridays for Future und Helene Pattermann von Zero Waste Austria. Einloggen via us02web.zoom.us/j/88368106012.

Trailer: www.facebook.com/kuenstlerhauswien/videos/756329411900789

When Gesture Becomes Event. © Constanze Ruhm: Pearls Without a String 2, 2020. © Künstlerhaus Wien

When Gesture Becomes Event. © Magdalena Frey: Juchitán – Frauennetze, 2012. © Künstlerhaus Wien

When Gesture Becomes Event. Ghost Plant – Seed, 2020. © Robert Lima. Courtesy of the Artist and Charim Galerie

When Gesture Becomes Event. © The Golden Pixel Cooperative: Half of the Sky, 2020. © Künstlerhaus Wien

When Gesture Becomes Event

Ebenfalls am 8. Dezember eröffnet „When Gesture Becomes Event“. Die von Alenka Gregorič und Felicitas Thun-Hohenstein kuratierte Schau folgt der ersten Ausstellung im wiedereröffneten Künstlerhaus und wird dessen besondere Tradition transkultureller Kooperationen im Zuge des Nachbarschaftsdialoges Österreich – Slowenien fortführen. Leitmotiv ist das emanzipatorische Potenzial von Kunst als Plattform solidarischer Praxis, sowie die daraus entstehenden und damit einhergehenden Gesten, Möglichkeiten und Unwägbarkeiten. Diane Elam folgend wäre es das Ziel der Ausstellung, eine neue Grammatik für eine „Solidarität ohne Grund“ zu entwickeln, die Vielfalt und Diversität Rechnung trägt.

Worauf könnte sich diese neue Grammatik stützen? Wie könnte dieser neue „grundlose“ Solidaritätsbegriff, der im Moment noch ein zukünftiger ist, beschaffen sein? Sechzehn polyphone, kritische, konstruktive und fantasievolle Stimmen entwerfen ein feministisches Vokabular aus Strategien, Aktionsformen und utopischen Vorstößen, mit deren Hilfe kollektives Handeln, Zusammenarbeit, Solidarität und geteilte Existenzen neu gedacht werden können: Anna Artaker, Nika Autor, Renate Bertlmann, Katharina Cibulka, Lana Čmajčanin, Magdalena Frey, Anna Jermolaewa, Roberta Lima, Polonca Lovšin, Dorit Margreiter, Ursula Mayer, Marjetica Potrč, Constanze Ruhm, Maruša Sagadin, Maja Smrekar und The Golden Pixel Cooperative.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=6nCjuOVInhE

www.k-haus.at

  1. 12. 2020