Streaming-Services im November: Von Staatsoper und Wien Modern bis Nesterval und Rabtaldirndln

November 4, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

aktionstheater ensemble: Bürgerliches Trauerspiel

aktionstheater ensemble: Horst Heiss und Benjamin Vanyek. Bild: Gerhard Breitwieser

Wie bereits beim ersten Lockdown hat das aktionstheater ensemble entschlossen, seine im September zur Uraufführung gebrachte Performance „Bürgerliches Trauerspiel“ online zur Verfügung zu stellen. Die viel beachtete künstlerische Verarbeitung der Wirrnisse der letzten Monate wurde mit mehreren Kameras in Wien aufgezeichnet und wird bis 30. November täglich auf www.aktionstheater.at gestreamt. Die vom Ensemble freigeschaltete Produktion kann von den Seherinnen und

Sehern, je nach Möglichkeit, finanziell unterstützt werden, soll aber in erster Linie als Beitrag gesehen werden „Angst, Frust, Wut und Traumata des Einzelnen auf eine Metaebene zu transferieren. Da dies ja nicht zuletzt auch eine essentielle Aufgabe der Kunst ist“, so Autor und Regisseur Martin Gruber. Gruber weiter: „Was nach dieser Traumaverarbeitung sinnstiftend ist, wie sich die allgemeine Stimmungslage abermals einfangen lässt, wird sich künstlerisch und aufführungstechnisch noch weisen: Geplant ist eine Produktion, die kein Stück mehr sein will oder muss: Lonely Ballads – aktionstheater ensemble Songbook“. Die Aufführungstermine dazu werden demnächst bekanntgegeben. Rezension des „Bürgerlichen Trauerspiel“ im Werk X: www.mottingers-meinung.at/?p=41710, Trailer: vimeo.com/470121347.

Wiener Staatsoper:  „Eugen Onegin“ und „Cavalleria rusticana / Pagliacci“

Die Wiener Staatsoper bietet Video-Mitschnitte aus ihrem digitalen Archiv kostenlos als Stream an. Das Online-Programm orientiert sich dabei zum großen Teil am regulären Spielplan. Somit sind gleich zu Beginn des Services zwei ganz aktuelle Produktionen zu sehen: Dmitri Tcherniakovs von der Kritik vielfach gelobter „Eugen Onegin“, aufgenommen am vergangenen Samstag, sowie „Cavalleria rusticana / Pagliacci“, eine Aufzeichnung der montäglichen Vorstellung mit Roberto Alagna in der Rolle des Canio. Die Streams sind in Österreich wie auch international auf  play.wiener-staatsoper.at verfügbar. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, die Übertragungen sind in Folge 24 Stunden lang abzurufen.

Eugen Onegin: Andrè Schuen und Nicole Ca. Bild: Wiener Staatsoper GmbH. © Michael Pöhn

Das Programm für die erste Woche: 4. November, „A Midsummer Night’s Dream“, Musikalische Leitung: Simone Young, Inszenierung: Irina Brook; 5. November: „Cavalleria rusticana / Pagliacci“, Musikalische Leitung: Marco Armiliato, Inszenierung, Bühne & Kostüme: Jean-Pierre Ponnelle; 6. November: „Eugen Onegin“, Musikalische Leitung: Tomáš Hanus, Inszenierung und Bühne: Dmitri Tcherniakov;

7. November: „Orlando“, Musikalische Leitung: Matthias Pintscher, Regie: Polly Graham; 8. November: „Roméo et Juliette“, Musikalische Leitung: Plácido Domingo, Inszenierung: Jürgen Flimm;9. November: „Tosca“, Musikalische Leitung: Marco Armiliato, Inszenierung: Margarethe Wallmann. Der gesamte Monatsspielplan ist in Kürze auf wiener-staatsoper.at zu finden.

Wien Modern macht 17 Neuproduktionen kostenlos zugänglich

Wien Modern 2020 ist trotz des Lockdowns nicht zu Ende. An voraussichtlich mindestens 24 Abenden während der Ausgangsbeschränkungen macht das Festival über seine Website sowie teilweise über ORF Ö1 mehr als die Hälfte des angekündigten Programms kostenlos öffentlich zugänglich. Dazu gehören insbesondere die Uraufführung „Der Zorn Gottes“ von Sofia Gubaidulina mit dem RSO Wien am 6. November im Musikverein, das Konzert zur Verleihung des Erste Bank Kompositionspreises 2020 an Matthias Kranebitter mit dem Klangforum Wien im Wiener Konzerthaus am 18. November mit Uraufführungen von Johannes Kalitze, Matthias Kranebitter und Friedrich Cerha sowie die Uraufführung „tönendes licht.“ von Klaus Lang mit den Wiener Symphonikern aus dem Stephansdom am 19. November. Zahlreiche weitere Produktionen werden teilweise live, teilweise zeitversetzt als Aufzeichung im Lauf der kommenden Wochen angeboten. Eine aktuelle Übersicht findet sich auf www.wienmodern.at.
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brut Wien: Nestervals „Goodbye Kreisky“ und die Rabtaldirndln nun online

Gertrud Nesterval mit dem Nestroy Corona-Spezialpreis. Bild: © Alexandra Thompson

Angesichts der aktuellen Situation greifen auch Nesterval, eben erst mit dem Nestroy-#Corona-Spezialpreis ausgezeichnet, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=39561,tief in die digitale Trickkiste und präsentieren eine interaktive Live-Zoom-Version von „Goodbye Kreisky“ – garantiert lockdowngerecht und mehr als nur ein digitaler Ersatz. Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit. Nähere Informationen folgen

zeitgerecht vor der Vorstellung per Mail und auf www.nesterval.at, Trailer: vimeo.com/456901428. Auch für andere Vorstellungen, wie toxic dreams: „The Art of Asking your Boss for a Raise“ oder Inge Gappmaier: „protect. there is no wind in geometrical worlds“ arbeitet brut an alternativen Präsentationsformen. Die Rabtaldirndln laden am 15. November bei freiem Eintritt zum Online-Artist-Talk & Filmscreening als Einstimmung auf ihren kommenden Action-Movie-Performance-Blockbuster. Mehr dazu auf brut-wien.at.

4. 11. 2020