Salam Orient 2020: Ein Festival rund um die Seidenstraße

Oktober 3, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Heuer erstmals mit Bildender Kunst und Literatur

Sängerin Elaha Soroor und Kefaya eröffnen das Festival. Bild: © Alex Kozobolis

Von 9. bis 19. Oktober findet die neue Ausgabe von Salam Orient an verschiedenen Spielorten in Wien statt – erstmals auch mit Bildender Kunst und einigen literarischen Veranstaltungen. Außergewöhnlich ist diese Ausgabe aber nicht nur im Hinblick auf die beiden neuen Kunst- und Kultursparten im Rahmen von Salam Orient. Die #Covid19-Maßnahmen haben einen Plan B erforderlich gemacht, der sich sehen lassen kann.

Schon lange war das Thema „Seidenstraße“ für 2020 angedacht, das einen Fokus auf die zentralasiatische Kunst und Kultur legen sollte. Diese spannende Region muss nun aufgrund der besonderen Situation noch warten, aber die Symbolik der historischen Seidenstraße könnte dieses Jahr kaum treffender sein. Die sogenannte Seidenstraße, ein dichtes Netz aus Handelswegen, ermöglichte, dass Waren, Menschen, Glaubensvorstellungen, Ideen, Sprachen und auch Krankheiten von Ost nach West und von West nach Ost, von der Pazifikküste Chinas und Russlands bis an die Atlantikküste Europas und Afrikas gelangen konnten. In gewisser Weise ist die globalisierte Welt – in Zeiten eines schrankenlosen Warenverkehrs ebenso wie in Zeiten einer globalen Pandemie – die Fortsetzung dieser antiken Lebensader. In diesem Sinne widmet sich Salam Orient auch in einem Jahr voller Herausforderungen und Ungewissheiten der weltumspannenden Kunst & Kultur.

Und so eröffnet die afghanische Sängerin Elaha Soroor, berühmt aus der TV Reality Show „Afghan Star“, gemeinsam mit der preisgekrönten UK-Formation Kefaya die 19. Ausgabe von Salam Orient im wunderschönen Lorely-Saal. Ihre frische, lebendige Interpretation der afghanischen Volksmusik nutzen die Musikerinnen und Musiker für politischen Dialog und den universellen Kampf für Frauen. Das junge Ensemble Kurdophone bringt alte kurdisch-iranische Melodien und westliche Einflüsse selbstverständlich in Einklang. Der kurdisch-syrische Musiker Salah Ammo, der seit 2013 in Wien lebt, ist aus der heimischen Musikszene längst nicht mehr wegzudenken. Für Salam Orient stellt er neben langjährigen Wegbegleiterinnen, Wegbegleitern und besonderen Gästen auch seine neueste Formation Wiener Diwan mit einem klassischen Streichquartett der weltberühmten Wiener Symphoniker erstmals in Wien vor.

Tazeen Qayyum. Bild: © Faisal Anwar

Marwan Abado. Bild © Osaka

Damir Imamović. Bild: © Samir CK

Jelena Popržan. Bild: © Wolf-Dieter Grabner

Ein ganz besonderes Highlight des diesjährigen Festivals ist ein Doppelkonzertabend mit Damir Imamović, dem „König der bosnischen Sevdah-Musik“. Für sein neuestes Projekt hat der Künstler ein „All-Star“ Team vereint, um die jahrhundertealten Verbindungen zwischen Sevdah und osmanischer Musik zu erkunden. Gemeinsam mit der „Wienerin aus der Vojvodina“ – der großartigen Jelena Popržan – lässt Damir Imamović in einem zweiten Set an diesem Abend ihre Wurzeln in viele neue Richtungen ranken: von Sevdah bis Aznavour. Die Bildende Künstlerin Tazeen Qayyum aus Pakistan hat sich der Miniaturenmalerei verschrieben und sie in eine zeitgenössische Form transportiert. Im Rahmen ihrer einmonatigen Künstlerinresidenz wird sie unter anderem eine Live-Performance mit dem palästinensischen Musiker Marwan Abado präsentieren. Mit den Lesungen „Salam Kalam“ und „Diwan Salam“ wird heimische und internationale Literatur vorgestellt.

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3. 10. 2020