Landesgalerie NÖ: Wachau. Entdeckung eines Welterbes

Juni 27, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Großer Fotowettbewerb „Meine Wachau“

Anton Hlavacek: Panorama des Donautals mit der Burgruine Dürnstein, um 1905. Bild: Landessammlungen NÖ

2020 feiert die Wachau ihr zwanzigjähriges Jubiläum als UNESCO-Weltkulturerbe-Region. Aus diesem Anlass zeigt die Landesgalerie Niederösterreich zur Wiedereröffnung am 1. Juli in einer großen Schau, welchen Beitrag Künstlerinnen und Künstler zur Entdeckung und

Herausbildung des heutigen Welterbes geleistet haben. 800 Werke vom ausgehenden 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts setzen den Landstrich die nächsten 20 Monate imposant in Szene. Malerinnen, Maler, Zeichnerinnen, Zeichner wie auch Fotografinnen und Fotografen feierten in ihren Werken nicht nur die malerischen Qualitäten der Wachau, sie traten für den Schutz der Landschaft ein und schufen damit ein Bewusstsein für den ererbten Schatz. „Kaum eine Landschaft in Österreich wurde in der Literatur so oft besungen wie das Donautal der Wachau. Kaum eine Landschaft wurde aber auch öfter und vielfältiger in künstlerischen Darstellungen festgehalten. Kunstschaffende leisteten in Hinblick auf die Bewusstmachung und Verbreitung der landschaftlichen Schönheit der Wachau und ihrer kulturgeschichtlichen Besonderheiten einen gewichtigen Beitrag und können als ihre Entdecker bezeichnet werden“, so Kurator Wolfgang Krug.

Das verständnisvolle Zusammenwirken aller Beteiligten schützte schließlich vor willkürlicher Zerstörung und führte zum bewussten und behutsamen Umgang mit dem Natur-und Kulturerbe. „Mit dem Projekt geht der Traum in Erfüllung, eine gültige Wachau-Ausstellung gemeinsam mit der umgebenden Landschaft erleben zu dürfen. Unser Blick führt von den Ikonen der Wachau-Malerei zur Terrasse des mehrfach preisgekrönten Museumsbaus hinüber nach Göttweig. Viel schöner geht es nicht“, freut sich Christian Bauer, künstlerischer Direktor der Landesgalerie Niederösterreich, auf die Schau.

Der Geist der Aufklärung förderte den Wunsch, die nähere Umgebung kennenzulernen. Reiseliteratur und druckgrafische Landschaftsserien boomten in der Folge. Der frühe Tourismus beschränkte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Ausflüge aufs Land. Mit Beschwernissen verbundene Wanderungen durch das Donautal oder gefahrvolle Schiffsreisen waren immer noch Abenteuer für Individualisten. Die Einrichtung der Dampfschifffahrt zwischen Wien und Linz, mit Stationen in Stein an der Donau und Melk, führte ab 1837 zu einer beträchtlichen Steigerung des Personenverkehrs. Wie anhand der zahlreich entstandenen Landschaftsdarstellungen aus dieser Zeit ersichtlich ist, dürften gerade auch Künstlerinnen und Künstler die neue Möglichkeit für einen kurzen Abstecher in die Wachau gerne in Anspruch genommen haben. Die Revolution 1848 hemmte die positive Entwicklung. Die Eröffnung der Westbahn, 10 Jahre später, brachte die Wachau verkehrstechnisch ins Abseits.

In den frühen 1870er-Jahren geriet das Donautal in der Wachau erneut in den Fokus der Künstlerschaft. Eduard Peithner von Lichtenfels führte 1872 als Leiter der Landschaftsschule an der Wiener Akademie der bildenden Künste seine Schüler hierher, um sommerliche Malstudien zu betreiben. Nach Jahrzehnten der Hochblüte des alpinen Landschaftsbildes waren nicht nur die Malerinnen und Maler auf der Suche nach neuen künstlerischen Herausforderungen, auch das Publikum dankte für Neues. Die Wachau wurde für ihre Lichtstimmungen gepriesen und mit Südtirol und Italien verglichen. Das Zentrum des Interesses galt anfangs Weißenkirchen, erst in den späten 1880er-Jahren gewann Dürnstein als Maler-Eldorado größere Bedeutung. Als Geburtsstunde der Wachaumalerei galt schließlich die akademische Sommerreise der Lichtenfels-Klasse im Jahr 1888 nach Dürnstein. Das Städtchen entsprach der Romantik-Sehnsucht. Diese als legendär geltende Exkursion bezeichnete den Ausgangspunkt einer regelrechten Besetzung der Wachau durch Kunstschaffende.

Marie Egner: Frühling an der Donau mit Blick gegen Stift Melk, um 1906. Landessammlungen NÖ, Bild: Christoph Fuchs

Thomas Ender: Blick auf Stift Melk, 1841. Landessammlungen NÖ, Bild: Christoph Fuchs

Maximilian Suppantschitsch: Beim ehem. Weißenkirchnertor in Dürnstein, 1890. Bild: Landessammlungen NÖ

Heinrich Tomec: Sommertag bei Dürnstein, 1889. Landessammlungen NÖ, Bild: Christoph Fuchs

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Wachau von der Künstlerschaft – von Akademikern wie Amateuren – buchstäblich überrannt. Viele siedelten sich hier an, etwa in Stein, in Dürnstein, in Weißenkirchen, in Joching, in Mautern, in Spitz. Fast jede Wachau-Gemeinde hatte ihren eigenen ansässigen Kunstmaler, manche sogar mehrere. Während die älteren Maler vielfach mit rückwärtsgewandtem, wehmütigem Blick ihr in jungen Jahren gewonnenes Bild der Wachau hochhielten, reifte eine jüngere Generation heran, der die Schönheit des Donautals im Wesentlichen ein Vehikel war, künstlerische Probleme zu bewältigen. 1913 schuf Anton Faistauer gleich mehrere Ansichten von Dürnstein. Die ansässigen, weit weniger progressiven Malerinnen und Maler organisierten sich nach dem Ersten Weltkrieg im „Wachauer Künstlerbund“, der ab 1920 in Krems und ab 1925 auch im Stift Dürnstein Ausstellungen veranstaltete.

Um 1900 machten sich mehrere Fotografen mit ihren in Bildbänden reproduzierten Wachau-Motiven einen Namen. Einerseits dokumentierten sie in ihrer Arbeit die durch Modernisierungen und infrastrukturelle Verbesserungen – etwa den Bahnbau – bedrohten Ortsbilder, andererseits galt ihr Interesse primär dem aus der Zeit gefallenen, pittoresken Detail. Ihre Aufnahmen wurden in Ausstellungen präsentiert und als Malervorlagen in den Handel gebracht. Die Fotografie ersetzte vielfach sogar das Skizzenbuch. In Malerkreisen galt die Fotografie jedoch als Hilfsmittel, um „wahre“ Kunst hervorzubringen.

Die Reaktionen und innerstaatlichen Konflikte nach der Sprachverordnung von 1880 zeigen den Vormarsch nationaler Ideen in die Vielvölkermonarchie. Die Wachau geriet ebenfalls in den Einfluss politischer Interessen, als „treu-deutsches“ Land, das es zu schützen galt. Auch die Besinnung auf alte Traditionen – auf Baukultur, Tracht oder Sonnwendfeier – steht damit in Verbindung. Es erstaunt nicht, dass sich unter den Wachaumalern auffallend viele befanden, die sich in den Dienst der Heimatkunst stellten. Politisch engagiert zeigten sich nur wenige, doch waren sie seit Jugend-oder Studentenzeiten durch Volksgruppenkonflikte geprägt, schließlich vielfach auch durch eigene Kriegserfahrung. Der Deutschnationalismus breitete sich nach dem Ersten Weltkrieg in Österreich rasch aus. Müßig zu erwähnen, dass, als im März 1938 der „Deutsche Frühling“ in die Wachau einzog, der Samen auch hier auf wohlbereiteten, fruchtbaren Boden fiel.

Für die Schau wurden rund 800 Arbeiten von etwa 80 Künstlerinnen und Künstlern vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zusammengetragen. Zum überwiegenden Teil stammen die Werke aus den Beständen der Landessammlungen Niederösterreich, darunter Ikonen der Wachau-Malerei, aber auch zahlreiche Neuerwerbungen. Darüber hinaus werden wichtige Leihgaben zu sehen sein. Die Reihung der Werke zeigt nicht nur motivgeschichtlich interessante Entwicklungen auf, sondern gibt anhand des Motivs Wachau auch einen Überblick über mehr als 150 Jahre Landschaftsmalerei in Österreich. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Landschaftsmaler-Schule von Eduard Peithner von Lichtenfels und auf seinem Meisterschüler Maximilian Suppantschitsch, dessen im Laufe von mehr als fünfzig Jahren zusammengetragene Bestandsaufnahme Wachauer Bauformen ein besonderer Schatz für jeden Denkmalschützer ist. Ebenfalls angesprochen wird in der Ausstellung die wichtige Rolle der Fotografie. Nicht zu übersehen ist zudem die neun Meter breite Donautal-Darstellung Anton Hlavaceks, in deren Bildmitte die Ruine Dürnstein emporragt.

Fotowettbewerb „Meine Wachau“

Emil Jakob Schindler: Alter Hof in Weißenkirchen, 1880. Bild: Landessammlungen NÖ

Unter dem Motto „Meine Wachau“ will ein Fotowettbewerb den Blick der Besucherinnen und Besucher auf die bedeutende Kulturlandschaft dokumentieren. „Wodurch zeichnet sich für Sie die Wachau aus? Was gefällt Ihnen in der Wachau besonders? Das möchten wir durch einen Fotowettbewerb herausfinden, so Christian Bauer.

Die Gewinnerinnen und Gewinner erwarten nicht nur Preise wie eine Übernachtung im Steigenberger Hotel & Spa Krems oder im arte Hotel Krems, eine Wachaurundfahrt mit Brandner Schifffahrt oder Weine der Domäne Wachau: Die besten Bilder werden nächstes Jahr in einer Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich präsentiert!

Der Kreativität bei der Motivauswahl sind keine Grenzen gesetzt. Von Landschaftsaufnahmen über Naturaufnahmen, Menschen, Kulinarik bis zum Freizeitbereich … alles ist denkbar. Entscheidend ist, dass das Foto von dem oder der Einreicher, Einreicherin selbst gemacht wurde. Einreichungen sind bis 31. Oktober möglich.

Unter www.lgnoe.at/fotowettbewerb steht ein Upload-Formular bereit. Zusendungen sind auch auf dem Postweg möglich. Eine hochkarätig besetzte Jury, der Direktor Christian Bauer, der Künstler Michael Goldgruber, Sabine Haag, Präsidentin von UNESCO Österreich und Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien, sowie Bettina Leidl, Präsidentin von ICOM Austria und Direktorin des Kunst Haus Wien, angehören, ermittelt im Spätherbst die Gewinnerinnen und Gewinner.

www.lgnoe.at          www.weltkulturerbe-wachau.at/20jahre           www.lgnoe.at/fotowettbewerb

27. 6. 2020