Schauspielhaus Wien präsentiert Saison 2020/21

Juni 20, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Langzeitprojekt namens „Lost in Space and Time“

Tomas Schweigen und Lucie Ortmann stellen das Programm 2020/21 vor. Bild: Film-Still aus dem Spielzeitvideo, Kamera: Patrick Wally

Das Schauspielhaus Wien hat das Programm für die Spielzeit 2020/21 bekanntgegeben. Dies geschah diesmal nicht auf konventionelle Weise, sondern im Rahmen eines digitalen Pre-Release auf www.schauspielhaus.at. Neben ersten Beiträgen des hypermedialen Langzeit-Projekts „Lost in Space and Time“, gleichzeitig der „Albumtitel“ der kommenden Spielzeit, findet sich dort ein vierminütiges Video, in dem

Intendant Tomas Schweigen und die neue Leitende Dramaturgin Lucie Ortmann gemeinsam mit dem Ensemble und den Regisseurinnen und Regisseuren ihre Pläne vorstellen. In der aktuellen Saison kam es #Corona-bedingt nicht mehr zu den beiden letzten geplanten Premieren, beide Produktionen konnten jedoch verschoben werden: Somit startet das Schauspielhaus Wien am 30. September mit der Uraufführung des Auftragswerks „Rand“ von Miroslava Svolikova in die neue Saison.

Nebenfiguren dieses Textes – eine Gruppe von Astronautinnen und Astronauten auf einer verlorenen Raumstation – bilden den Ausgangspunkt des während des Lockdowns entwickelten Spin-Offs „Lost in Space and Time“, das sich in Form von diversen Beiträgen – Hörspielen, Aktionen, Performances, Video-Clips in öffentlichen Verkehrsmitteln … – über die gesamte Spielzeit spannen wird. Die zweite Premiere ist am 30. Oktober mit dem ebenfalls verschobenen „Tragödienbastard“ von Ewelina Benbenek in der Regie von Florian Fischer.

Hysteria-Mitglied Lydia Haider ist „Am Ball“. „Niemand schreibt so böse wie sie“, urteilte unlängst die ARD. In „Am Ball“ nimmt Lydia Haider das Publikum mit auf einen gewaltvollen, orgiastischen Trip durch die Wiener Hofburg. Die Geschichte verbindet die genaue Beschreibung eines Akademikerball-Besuchs mit Splatter-Fantasien. Dokumentation und Horror – hier wird beides real. Die Berliner Regisseurin und Videokünstlerin Evy Schubert inszeniert die Uraufführung im Nachbarhaus/USUS. Premiere ist am 3. Dezember.

Gratzer-Preisträgerin 2020: Anna Neata. Das Hans-Gratzer-Stipendium hat sich insbesondere in den letzten Jahren zu einem Sprungbrett für junge Talente entwickelt. Heuer konnte die Salzburgerin Anna Neata den Preis für sich entscheiden. Die formal bestechende und inhaltlich dringliche Auseinandersetzung mit weiblichen Körpern sowie der Zuschreibung von Mutterschaft überzeugte die Jury. „Oxytocin Baby“ in der Regie von Rieke Süßkow ist ab dem 28. Jänner zu sehen.

Bild: Screenshot aus dem Spielzeitvideo, Kamera: Patrick Wally

Bild: Screenshot aus dem Spielzeitvideo, Kamera: Patrick Wally

Bild: Screenshot aus dem Spielzeitvideo, Kamera: Patrick Wally

Bild: Screenshot „OK Baikonur, we’ve had a problem here“

Kollektive Autor*Innenschaft: Teams übernehmen Anfang 2021 das Schauspielhaus. Die britische Theatergruppe Kandinsky aus London, bestehend aus dem Autor und Regisseur James Yeatman und der Dramaturgin Lauren Mooney, kommt Anfang 2021 nach Wien. Die Texte für ihre Stücke entwickeln sie nach intensiver Recherche gemeinsam mit dem Ensemble und Team. In ihrem neuen Projekt, mit Premiere Ende Februar, widmen sie sich dem in Spielfilmen prophezeiten und von Preppern erwarteten Ende der Welt.

Ihre gemeinsam entwickelten Inszenierungen wurden zu zahlreichen Festivals eingeladen: Am Schauspielhaus Wien beschäftigen sich der Regisseur, Autor und Performer Jan Philipp Stange und der Bildende Künstler, Bühnenbildner und Musiker Jakob Engel in „Odyssee 2021“ mit dem Zuhausebleiben. Die Abenteuerfahrt des Odysseus bildet die Folie für ihre Auseinandersetzung mit Entfremdung in dieser schnelllebigen, unverbindlichen Zeit. Wie sind die Träume vom Ankommen – und wie unterlaufen sie, dass man sich dort zu Hause fühlt, wo man gerade ist? Premiere: Ende März.

Enis Maci kommt zurück. Enis Maci feierte ihre ersten Erfolge als Dramatikerin am Schauspielhaus Wien und gehört mittlerweile zu den gefragtesten Autorinnen ihrer Generation. Mit „Bataillon“ hat sie einen starken, herausfordernden und kämpferischen Text geschrieben. Es ist nach „Mitwisser“ und dem Nestroypreis-nominierten „Autos“ bereits das dritte Stück der Autorin, das am Schauspielhaus zur Aufführung gebracht wird – dieses Mal in der Regie von Tomas Schweigen.

Finale per Skype mit der Großmutter. Den Spielzeit-Abschluss krönt ein außergewöhnliches und sehr unterhaltsames Projekt, das der junge Autor, Performer und Regisseur Arthur Romanowski zusammen mit seiner Großmutter Brygida Najdowska entwickelt: „Rote Beete Reden. Geschichten von Nie-Familien / Burcaczane Rozmowy. Opowiescie o Nie-Rodzinach“. Ein Live-Kochshow-Talkformat über das österreichisch-deutsche, das deutsch-polnische und das deutsch-polnisch-österreichische Verhältnis. Es treten auf: Kunstfiguren, spekulative Denkerinnen und Denker, Skype-Monitore, Fabelwesen und Wendepunkte! Zu sehen ab Mai im Nachbarhaus/USUS.

www.schauspielhaus.at

20. 6. 2020