Bank Austria Kunstforum Wien eröffnet am 21. Mai

Mai 20, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

„The Cindy Sherman Effect“ reloaded

Elke Silvia Krystufek: Day Dream Series, 1996. Courtesy of the artist and Croy Nielsen, Vienna

Ab 21. Mai wird die aktuelle Ausstellung „The Cindy Sherman Effect“ im Bank Austria Kunstforum Wien wiedereröffnet – und bis 19. Juli verlängert. Die Schau behandelt das Thema Identität, deren Konstruktion und Transformation. Neue Technologien, wie das Internet, Genmanipulation oder Klonen geben vermehrt Anlass, über den Begriff Identität im Sinne einer Subjektdefinition nachzudenken. Weiß ES eigentlich noch was es ist?

Ausgehend von Cindy Shermans Werk, das gekennzeichnet ist von einer konsequenten und kritisch bis provokativen Hinterfragung der Konstruktion von Identitäten, und dessen Bildwelten sich aus der überwältigenden Bilderflut von Fernsehen, Filmen, Magazinen, dem World Wide Web und der Kunstgeschichte speisen, wird in Form von Gegenüberstellungen von Werken Cindy Shermans und zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern Themen wie Dekonstruktion des Portraits und kultureller, geschlechterspezifischer und sexueller Stereotypen sowie Demaskierungsstrategien, Klischees und die Fiktion von Identität untersucht.

Samuel Fosso: The Liberated American Woman of the 70s, 1997 aus der Serie Tati. © Samuel Fosso, courtesy Jean Marc Patras, Paris

Cindy Sherman: Untitled #216, 1989. Astrup Fearnley Collection, Oslo, Norway Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Cindy Sherman: Untitled Film Still #2, 1977. Kunstmuseum Wolfsburg. Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Shermans Charaktere spiegeln unsere zeitgenössische Kultur mit ihren Selfmade-Berühmtheiten, den Realityshows und dem Social-Media-Narzissmus wider. Die Künstlerin zeigt mit ihrer großen Bandbreite an Szenarien, dass die Künstlichkeiten solcher Identitäten, die oftmals erst durch die Darstellung – etwa in Film und Fotografie – entstehen, dazu führen, dass Identität mehr denn je wählbar, (selbst-)konstruiert und nach Bedarf formbar, aber doch von gesellschaftlichen Normen determiniert ist. Zugleich werden die neuen Möglichkeiten des heutigen Individuums sich selbst neu zu erschaffen, mit subtilen Mitteln kritisch hinterfragt.

Die Thematisierung von Identität, Selbstbildnis, Rollenspiel und Sexualität fand vorwiegend durch Künstlerinnen der 1960er- und 1970er-Jahre im Zuge der Frauenbewegung Eingang in die Kunst. Sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kunst ereignete sich in den späten 1960er-Jahren eine tiefgreifende Umwälzung gesellschaftlicher Normen und kultureller Gewissheiten. Die sich im Zuge dieser Ereignisse ankündigende Auflösung der bisherigen Normen und Kategorien – sei es weiblicher, männlicher, queerer Identitäten – kreierte Freiräume zur Erschaffung neuer Modelle abseits der bisher gültigen Normen.

Cindy Sherman: Untitled #93, 1981. Astrup Fearnley Collection, Oslo, Norway Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Dieser Prozess ermöglicht es zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern neue Modelle von Identität zu schaffen, die Transformation der Geschlechter zu thematisieren und auf soziale und politische Herausforderungen zu reagieren. Bevorzugtes Ausdrucksmittel wurden die vergleichsweise jungen Medien Fotografie, Film und Videokunst. Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler sind unter anderem Monica Bonvicini, Samuel Fosso, Elke Silvia Krystufek, Pipilotti Rist, Eva Schlegel, Wu Tsang und selbstverständlich Cindy Sherman.

Zur Person: Cindy Sherman, Ikone der Kunstgeschichte seit den 1980er-Jahren, demonstriert bereits mit ihrer ersten Serie „Untitled Film Stills“ von 1977 bis 1980 den Bruch zwischen authentischer Selbstdarstellung und Inszenierung, indem sie die Betrachtenden mit dem Paradox einer Verweigerungsstrategie konfrontiert. So inspiriert Sherman nachfolgende Generationen dazu, die Thematik Identität und Transformation in diversen Medien zu erkunden, ohne jedoch selbst einmal die erarbeiteten künstlerischen Verfahrensweisen zu verändern.

Video: www.youtube.com/watch?v=NtOjyzpS_qY           www.kunstforumwien.at

20. 5. 2020