Theaterfestival in der Steudltenn

Mai 13, 2013 in Tipps

Im Zillertal gibt’s Kulturprogramm für Große und Kleine

In Unders im Zillertal wird von 15. Mai bis 31. August Theater gemacht. Einige Highlights aus dem Programm:

Nelson der Pinguin: Nelson der Pinguin, wohnhaft am Südpol, erfährt von der Existenz und Gefährlichkeit der Eisbären. Diese wohnen auf der anderen Seite der Erde, am Nordpol und sind zudem vom Aussterben bedroht. Nelson begibt sich auf die Reise um, die Eisbären kennen zu lernen. Er trifft auf verschiedene Reisegefährten, wie die Raie Hermann, eine eifrige Kakerlake, die Hasendame Yasmin, die ihn zu Gabriel dem Eisbären begleiten. Eine außergewöhnliche Freundschaft nimmt ihren Anfang. Eine Reise von einem Pol zum anderen für alle ab 4. Das Theaterstück zum gleichnamigen Buch von Hakon Hirzenberger mit Illustrationen von Gerhard Kainzner. Mit Caroline Mercedes Hochfelner, Bernadette Abendstein, Andreas Haun, Klaus Baier. Gefolgt von der spannenden Fortsetzung Nelson in New York. www.hakon.at

F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig: Figurentheater von Simon Meusburger und Nikolaus Habjanvom Wiener Schuberttheater, basierend auf den Erzählungen von Friedrich Zawrel. Zwei Puppen tragen die Handlung: Friedrich Zawrel und Heinrich Gross. Nikolaus Habjan spielt sie beide. Ein berührendes, ergreifendes Stück Zeitgeschichte über die Kinder vom Spiegelgrund. „F. Zawrel“ wurde mit dem Nestroypreis 2012 ausgezeichnet. Friedrich Zawrel wächst in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in Wien unter schwierigsten Umständen auf. Der Vater ist Alkoholiker, die Mutter kann die Familie, die bald als nicht mehr förderungswürdig eingestuft wurde, unmöglich alleine ernähren? “Wenn ich heute Bilder aus der dritten Welt seh, dann erinnert mich vieles an meine ersten Kinderjahre in Kaisermühlen. Wennst 10 Groschen ghabt hast, da warst ein Kaiser. Wann mei Mutter an Schilling ghabt hat, da ham sich sieben Leut’ satt essen kenna.” Nach der Delogierung der Familie kommt Friedrich Zawrel zum ersten Mal in ein Heim. Nach mehreren Fluchten von seiner Pflegefamilie landet er schließlich in der Krankenanstalt Am Spiegelgrund, der zweitgrößten “Kinderfachabteilung” des Deutschen Reiches, in der kranke, behinderte und vermeintlich erblich belastete Kinder und Jugendliche behandelt wurden und etwa 700 bis 800 Euthanasiemorde an Kindern stattgefunden haben. Der Anstaltsarzt Dr. Gross stuft Zawrel in einem Gutachten als “erbbiologisch und sozial minderwertig” ein und foltert und quält ihn mit zahlreichen “medizinischen” Versuchen. Friedirch Zawrel kann mithilfe einer Krankenschwester aus der Anstalt fliehen.

Nikolaus Habjan: “F.Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig” Bild: Schuberttheater

Nikolaus Habjan: “F.Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig”
Bild: Schuberttheater

Viele Jahre später will es das Schicksal, dass sich der Folterer und sein Opfer noch einmal begegnen. Friedrich Zawrel, dem von der Republik Österreich eine Ausbildung verwehrt wird, hat sich als Kleinkrimineller über Wasser gehalten. Dr. Heinrich Gross ist inzwischen eine anerkannte Persönlichkeit in Österreich. Seine medizinischen Forschungen an den Kindergehirnen der ermordeten Kinder aus der ehemaligen Nazieinrichtung, haben ihm zahlreiche Auszeichnungen eingebracht. Mittlerweile ist er Parteimitglied der SPÖ und erhält das Bundesverdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst. Außerdem ist er der einflussreichste Gerichtsgutachter der Republik. In dieser Funktion sitzt er nun seinem ehemaligen Opfer Friedrich Zawrel gegenüber.“Für einen Akademiker ham Sie aber ein schlechtes Gedächtnis“, antwortet Zawrel, als Gross ihn nicht erkennt. Als er für Zawrel dann das Gerichtsgutachten wegen eines Überfalls schreiben soll, zitiert er sich mit den Worten “erbbiologisch und sozial minderwertig” selbst und sorgt damit dafür, dass Zawrel für viele Jahre in die Justizanstalt Stein gesperrt wird.?Erst im Jahre 2000 kommt es nach vielen Bemühungen Zawrels zu einem Gerichtsverfahren, das aber wegen einer angeblichen Demenz von Gross eingestellt wird. Er kann sich an nichts mehr erinnern. Zawrel hingegen verarbeitet seine Erlebnisse bis heute. Seine Erinnerungen und Erzählungen sind ein Zeitdokument von unschätzbarem Wert. Seine Vorträge in Schulen im ganzen Land haben tausende Schüler schockiert und gerührt. Und sie waren und sind Grundlage für zahlreiche Publikationen, Dokumentationen und Filme. Das Figurentheaterstück „F.Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig” entstand in enger Zusammenarbeit mit Zawrel selbst. Seine sehr persönlichen Gespräche, die er mit Puppenspieler Nikolaus Habjan und Regisseur Simon Meusburger geführt hat, dienten als Grundlage für dieses Projekt. Habjan schlüpft in dieser neuen Produktion  nicht nur in die Rolle von Zawrel, sondern auch in die des Arztes Gross und durchlebt in einzelnen Stationen diese außergewöhnliche Geschichte. Ein Stück erlebbare Zeitgeschichte, die bis in die Gegenwart reicht. Trotz der schweren Lebensumstände hat Friedrich Zawrel nie Rache gesucht, sondern war immer auf der Suche nach Verständnis. Wenn er erneut Kontakt zu seinem Folterer Heinrich Gross gesucht hat, so nicht um ihm Vorwürfe zu machen, sondern um ihn zu fragen: Warum? www.schuberttheater.at

Moby Dick: Eine abenteurliche, zeitlose Seemannsgeschichte nach dem gleichnamigen Roman von Herman Melville. Der junge Ismael träumt von der großen weiten Welt, hat Fernweh und setzt alles daran, auf See fahren zu können. Unerfahren und ungestüm wie er ist, heuert er auf dem erstbesten Walfänger, der „Pequod“, an. Erst nachdem das Schiff schon viele Tage unterwegs ist, begreift Ismael, dass es sich bei dieser Reise um keine normale Walfangfahrt handelt. Kapitän Ahab ist auf der Jagd nach dem weißen Wal Moby Dick, der ihm vor vielen Jahren ein Bein abgebissen und schlimme Verletzungen zugefügt hat. Alle Aktivitäten sind nur darauf ausgerichtet, dieses Tier aufzuspüren und zu töten. Keine noch so unheilvollen Vorzeichen, keine noch so großen Entbehrungen und (menschlichen) Opfer können den besessenen Ahab aufhalten. Und dann kommt es zur tödlichen Begegnung mit dem weißen Koloss… „Moby Dick“ ist  an Spannung kaum zu überbieten. Gleichermaßen transportiert sie Jahrhunderte alte Sehnsüchte wie Fern- und Heimweh, wie auch Ängste vor Tod und Ungewissheit und hinterfragt die romantische Sicht auf die Seefahrt. Die Produktion wurde 2010 mit dem STELLA – Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum in der Kategorie „Herausragende Produktion für Kinder“ ausgezeichnet: „Der Produktion gelingt der unglaubliche Spagat zwischen der Literatur Melvilles und dem Trash der Straße. Sie entwickelt eine überbordende Spielwut, geht mit musikalischen Elementen und Mitteln der Ausstattung genauso virtuos um wie mit dem steten Wechsel der Spielebenen.“ Mit Sven Kaschte und Reinhold G. Moritz; Regie: Karsten Dahlem.

Alzheimer Symphonie: Von und mit Justus Neumann, gespielt in seinem eigenen Zirkuszelt. Ein alter Schauspieler findet seine Socken nicht mehr, vergisst die Namen seiner drei Buben, vergisst den Text des grossen King Lear Monologs „Blast Stürme Blast“ mit dem er einst so erfolgreich war und vergisst das Gesicht seiner Mutter, die er im Familienalbum nicht mehr erkennt. Noch ist er bemüht, mit Schummelzetteln und Tricks sein Leben normal weiter zu führen, aber in klaren Momenten weiss er schon, dass er seiner Vergesslichkeit nicht mehr entkommen kann. Seinem Schicksal ergeben vergisst er auch die Angst vor dem Sterben und tritt, wie ein Kind, glücklich seine Heimreise an. Zirkusmusik und Schuberts Unvollendete bilden den Musikalischen Rahmen des Abends. Die Inszenierung wird im Juni 2013 beendet sein und gibt 4 Gastspiele in Österreich: Im Museumsquartier Wien, Schäxpir Festival Linz, Wald4tler Hoftheater und im STEUDLTENN. Seit mehr als 30 Jahren steht Justus Neumann, in Wien geboren und nach Australien emigriert, als Schauspieler und als Clown auf der Bühne. Er führt Regie, gibt Workshops, zeigt faszinierende Soloprogramme. Zweimal wurde Justus Neumann zum „Schauspieler des Jahres gewählt, und immer ist es dieses Pendeln zwischen Aggression und Zärtlichkeit, zwischen Poesie und Destruktion, zwischen Wahn und Witz, das sein Agieren auf der Bühne so wirkungsvoll macht. In all seinen Stücken erzählt Justus Neumann dabei kuriose, kraftvolle, abgründig komische Lebensgeschichten. „Ich empfinde meine Arbeit als Impuls, als Anstoß dafür, sich des Reichtums, der in uns schlummert, bewusst zu werden“. Eine Aussage, die auch für seine Arbeit als Schauspieler, Clown, Regisseur und Zirkusdirektor zutreffend scheint.

Mönche mögen’s heiß: Komödie von Hakon Hirzenberger. Coproduktion Steudltenn/Wald4tler Hoftheater.Sissy ist verheiratet mit Heinz, einem Psychiater. Aber Sissy liebt Edmund, einen Priester. Sie beichtet ihre Liebe zu Edmund Pater Horst. Horst ist ein Freund von Edmund. In Wahrnehmung des Beichtgeheimnisses wendet sich Horst an den Psychiater Heinz. Wie soll er sich seinem Mitbruder Edmund gegenüber verhalten? Das weiss Heinz nicht. Aber Heinz begreift, dass seine Frau Sissy ein aussereheliches Verhältnis zu einem Mann Gottes unterhält. Eine himmlich turbulente Komödie auf der Suche nach Toleranz und Freiheit. Mit Dennis Oliver, Sven Sorring, Klaus Beyer, Nenad Smigoc, Melanie Herbe, Sophie Prusa und Gerhard Dorfer; Regie: Hakon Hirzenberger

Alpenkönig und Menschenfreund: von Ferdinand Raimund. Der reiche Gutsbesitzer Rappelkopf ist zum verbitterten Menschenfeind geworden. Keiner ist in seinem Haus vor seinen Launen sicher. Seine Tochter liebt einen Maler, doch diese Verbindung ist ihm ein Dorn im Auge. Der Alpenkönig nimmt sich der Liebenden an, und geht mit Rappelkopf eine wette ein. In Gestlt eines poetischen Zaubermärchens, verschwimmen die Grenzen zwischen Bewusstem und Unbewusstem. Mit: Bernadette Abendstein, Kathrin Beck, Sophie Berger, Andreas Pühringer, Sven Sorring und Klaus Rohrmoser; Regie/Fassung: Hakon Hirzenberger.

Außerdem gibt’s in der Steudltenn Kino, Kabarett, Kunst mit Schwerpunkt Skulptur, Konzerte. Und natürlich das Zillertaler mobilTheater.

www.steudltenn.com

Von Michaela Mottinger

Wien, 13. 5. 2013