Händels „Orlando“ in der Kammeroper

Mai 13, 2013 in Klassik

Kabale und Intrige

Kammeroper Bild: Copyright: Werner Kmetitsch

Kammeroper
Bild: Copyright: Werner Kmetitsch

Am 13. Mai hat in der nunmehr in der Familie des Theaters an der Wien angesiedelte Kammeroper Georg Friedrich Händels „Orlando“ Premiere. Händels Orlando entstand während einer Zeit der schlimmsten Londoner Kabalen und Opernintrigen. Das goldene Zeitalter, in dem Händel von Erfolg zu Erfolg eilte, neigte sich dem Ende zu, war doch Orlando am 27. Januar 1733 Händels letzte Premiere am King’s Theatre. Für seine nächsten Opernprojekte musste sich der erfolgsverwöhnte Komponist mit dem wesentlich schlichteren und weit weniger prestigeträchtigen Rahmen des Opernhauses von Covent Garden begnügen. Das launische Publikum schenkte ab sofort der neugegründeten Opera of Nobility und dessen Star-Kastraten Farinelli seine Zuneigung. Händel war jedoch entschlossen, den Kampf um die Gunst der ZuseherInnen aufzunehmen, wollte es mit neuen, innovativen Ideen zurück gewinnen.

Der Held Orlando verliert wegen unerwiderter Liebe zu Angelica, der Königin von Catai, den Verstand. Angelica liebt nämlich Medoro, der ihretwegen die Schäferin Dorinda verlassen hat. Herr des Geschehens ist aber ein Freund Orlandos, der Magier Zoroastro. Mit dessen Hilfe von seinem Liebes-Wahn befreit, kehrt Orlando von der Liebe enttäuscht zu Kampf und Ruhm zurück. Orlando repräsentiert das Ende einer Ära, stellt aber zugleich einen interessanten Neubeginn in Händels OEuvre dar, wandte sich der Komponist doch dramatisch und musikalisch von etablierten künstlerischen Traditionen ab, indem er etwa die Da-Capo Arien reduzierte bzw. deren strenge Form aufbrach. Händel hat wohl in Ludovico Ariostos phantasievollem Versepos Orlando furioso über die alte Roland-Sage aus dem Jahre 1516 einen Schlüssel zu einem Publikumserfolg gesehen, griff er doch in den nächsten beiden Jahren mit Ariodante und Alcina erneut darauf zurück. Orlando – dem damals beliebten Genre der Zauberoper zuzuordnen – weist zwar noch alle äußeren Merkmale der Opera seria auf, die Gattung wird allerdings bereits mit einem kleinen Augenzwinkern ironisch gebrochen. So auch in der berühmten Wahnsinnsszene des Orlando, die weit in die Zukunft weist und Händel einmal mehr als großen Psychologen zeigt.

Ruben Dubrovsky dirigiert das Bach Consort Wien, inszeniert hat Stefania Panighini. Es singen u. a. Rupert Enticknap, Cigdem Solyarslan und Gaia Petrone.

www.theater-wien.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 13. 5. 2013