Theater Nestroyhof Hamakom

Mai 10, 2013 in Tipps

„Nachtgespräche mit meinem Kühlschrank“

Es war die letzte Theaterrolle der großen Monica Bleibtreu. In Hamburg, am St. Pauli Theater spielte sie Klaus Pohls Monolog „Nachtgespräche mit meinem Kühlschrank“. Wunderbar die Szene gegen Schluss des Stücks, in der die Bleibtreu zu ihrem Fenster, also „Ulrich Bunzels“ Guckloch hinaussingt. Blindwütig und in echter Theaterrage. Eine Hosenrolle, und die Maskenbildner haben ganze Arbeit geleistet, sie sieht fürchterlich aus. Ein verhutzeltes Männlein mit vorspringendem Bauch, drei Tage bärtig, mit Seitenscheitel und Lesebrille aus der Drogerie. Ein verkrachter,versoffener Schauspieler, abgehalftert, uninspiriert. Einsam, arm und alt geworden, vertraut er sich seinem letzten verbliebenen Freund an: Gerd, sein Kühlschrank. Doch auch Gerds Existenz ist bedroht. Der ebenfalls in die Jahre gekommene Stromfresser ist nicht mehr der Dichteste und muss verkauft werden. Und zu allem Überdruss soll sein Leben nun verfilmt werden und die Hauptrolle spielt nicht er selber, sondern Klaus Maria Brandauer! Darüber verzweifelt Bunzel, kann sich aber nicht durchringen, Selbstmord zu begehen, um Brandauer nicht auch noch eine dramatische Sterbeszene gratis zu liefern …

Karin Yoko Jochum  Bild: Nicolai Niessen

Karin Yoko Jochum
Bild: Nicolai Niessen

Mutig, wer in Monica Bleibtreus Fußstapfen tritt. Am Wiener Theater Nestroyhof Hamakom wagen es Dora Schneider als Regisseurin und Karin Yoko Jochum als Schauspielerin. Premiere ist am 14. Mai. Als österreichische Erstaufführung. Als performative Installation.

Klaus Pohls vielschichtiges Stück ist eine Parodie auf die Blasiertheit eines größenwahnsinnigen Selbstdarstellers und eine Liebeserklärung an das Theater zugleich. Der eigens als „Hosenrolle“ konzipierte Monolog für eine Schauspielerin entfaltet mit Sprachspielen und galligem Humor die Charakterstudie eines Gescheiterten, der sich mit letzten Kräften gegen den Absturz in die Bedeutungslosigkeit wehrt. Bunzels Furor ist nicht reine Eitelkeit, sondern der unerschütterliche  Kampf um Würde und Selbstwert.

www.hamakom.at

www.karinyokojochum.com

www.doraschneider.com

Von Michaela Mottinger

Wien, 10. 5. 2013