Festspielhaus St. Pölten: Die Saison 2020/2021

April 16, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Musik & Tanz. Von Dee Dee Bridgewater bis Bob Wilson

Sylvain Émard: Le Grand Continental. Bild: Robert Torres

Mit fünf internationalen Koproduktionen leistet das Festspielhaus St. Pölten auch in der Saison 2020/2021 einen wertvollen Beitrag für das internationale Tanzschaffen – als europäisches Tanzhaus“ und als weltweit gefragtes Koproduktionshaus, das in der kommenden Spielzeit, so Leiterin Brigitte Fürle, „außergewöhnliche Produktionen von Robert Wilson, Germaine Acogny, Angelin Preljocaj, Eun-Me Ahn und Damien Jalet aus der Taufe heben wird. Eröffnet wird von 26. bis 28. September mit Theaterdirektor, Choreograf, Lichtdesigner und Videokünstler Robert Wilson.

Das künstlerische Multitalent aus Texas erzählt gemeinsam mit dem exzentrischen US-amerikanischen Folk-Duo Coco Rosie vom Coming of Age des wohl berühmtesten Findelkindes der Literaturgeschichte: Basierend auf Erzählungen und Gedichten des britischen Autors Rudyard Kipling präsentiert Wilson seinen neuesten Coup, das Musiktheater „Jungle Book/Das Dschungelbuch“ als Österreich-Premiere. Am 10. Oktober folgt mit der Österreich-Premiere von „Das Frühlingsopfer/common ground[s]“ ein weiteres Highlight im Spielplan.

Germaine Acogny, die „Mutter des zeitgenössischen Tanzes in Afrika“ und Malou Airaudo präsentieren Pina Bauschs legendäre Choreografie „Das Frühlingsopfer“ mit 28 Tänzerinnen und Tänzern verschiedener afrikanischer Länder. Am 18. Oktober 2020 gastiert die französische Compagnie Art Move Concept rund um Soria Rem und Mehdi Ouachek mit der Österreich-Premiere „FLI“. Am 21. und 22. November steht mit „Schwanensee“ ein absoluter Ballett-Klassiker auf dem Programm. Der französische Choreograf Angelin Preljocaj kleidet Tschaikowskis schaurig-schönen Welterfolg in zeitgenössisches Gewand.

Seine Compagnie Ballet Preljocaj tanzt in der Österreich-Premiere zur Livemusik des Tonkünstler-Orchesters unter der Leitung von Yannis Pouspourikas. Mit der tänzerischen Weltreise „D‘Est en Ouest, de Melbourne à Vancouver“, ebenfalls eine Österreich-Premiere, kommt die französische Choreografin Josette Baïz am 5. Dezember ans Festspielhaus. Die Gründerin der Groupe Grenade bringt dreißig Tanzende im Alter von sieben bis 18 Jahren mit Werken sechs ikonischer zeitgenössischer Choreografinnen und Choreografen zusammen.

Malandain Ballet Biarritz. Bild: Olivier Houeix

Art Move Concept: FLI. Bild: Art Move Concept

Groupe Grenade. Bild: Cécile Martini.

Bausch, Acogny & Airaudo. Bild: Abdoul Mujyambere

Die südkoreanische Ausnahmechoreografin Eun-Me Ahn, einstige Vertraute von Pina Bausch, schafft mit „Dragons“ ein zeitgenössisches Portrait ihres Heimatkontinents im Spannungsfeld zwischen Avantgarde und Tradition. Die Eun-Me Ahn Company läutet mit der Österreich-Premiere am 29. Jänner das neue Tanzjahr ein. Die letzte Königin Frankreichs ist titelgebend für Thierry Malandains Gastspiel am 13. Februar. Das Malandain Ballet Biarritz tanzt in der Österreich-Premiere von „Marie Antoinette“ zur Musik von Joseph Haydn und Christoph Willibald Gluck – live gespielt vom Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Igor Dronov. Vom vorrevolutionären Frankreich zum ältesten japanischen Buch über die Entstehung der Welt: Der Choreograf Damien Jalet kooperiert für seine neue Kreation „Planet [wanderer]“ mit dem bildenden Künstler Kohei Nawa und zeigt eine eindringliche Performance über die tragische Liebesgeschichte von Mensch und Erde.

Gravity & Other Myths. Bild: J. Fisher

Robert Wilson. Bild: Lucie Jansch

Eun-Me Ahn Company. Bild: Sukmu Yun

Er gilt als Erneuerer des neoklassizistischen Balletts: Der 2007 verstorbene Maurice Béjart hinterließ mit dem Béjart Ballet Lausanne eine erstklassige Compagnie, die das Erbe der Tanzikone um die Welt trägt. Am 6. Mai zeigt die Schweizer Truppe den dreiteiligen Abend „Syncope/Béjart fête Maurice/Boléro“ als Österreich-Premiere. Das südafrikanische Vuyani Dance Theatre unter Gregory Maqoma bringt „Cion: Requiem of Ravel‘s Bolero“ am 28. Mai zur Österreich-Premiere ins Festspielhaus. Ravels Musik erklingt zu dieser politisch aufrüttelnden Performance live als A-cappella-Version. Für die Corona-bedingte Absage von Sylvain Émards großangelegtem Community-Tanzprojekt „Le Grand Continental: alle tanzen“ wurde ein Ersatztermin am 28. Mai 2021 gefunden.

Der fünfte Kontinent beeindruckt in der Saison 2020/2021 mit drei hochkarätigen zeitgenössischen Circus-Performances im Festspielhaus St. Pölten. Gravity & Other Myths aus Adelaide zeigt am 30. Oktober „A Simple Space“ und am 12. und 13. Dezember „Out of Chaos …“ Der in Brisbane beheimatete Circa Contemporary Circus gibt am 13. und 14. März Leviathan“ zum Besten. Auch große Stimmen aus Jazz und Weltmusik sind angesagt, am 16. Oktober Hubert von Goisern, am 7. November Dee Dee Bridgewater und am 8. Dezember Helge Schneider,  außerdem das Quinteto Astor Piazzolla am 23. Jänner, Cameron Carpenter am 26. Februar, Etta Scollo am 12. März sowie Philipp Hochmair am 1. Mai und Chilly Gonzales am 2. Juni.

Philipp Hochmair. Bild: Erika Mayer

Ray Chen & Alice Sara Ott. Bild: Esther Haase Dt. Grammophon

Dee Dee Bridgewater. Bild: Tulani Bridgewater

Vuyani Dance Theatre. Bild: Vuyani Dance Theatre

Das Tonkünstler-Orchester startet am 5. Oktober mit Carl Orffs „Carmina Burana“ in die symphonische Konzertsaison. Am Pult steht Chefdirigent Yutaka Sado, der in der Saison 2020/2021 noch drei weitere Montagskonzerte leitet: Brahms und Rachmaninow am 22. Februar, Mahler I am 22. März sowie Richard Strauss‘ „Alpensinfonie“ am 7. Juni. Insgesamt stehen zwölf symphonische Konzerte sowie drei Plugged-In Abende mit den Gastkünstlerinnen und -künstlern Vocal Sampling, Camané und Ankathie Koi auf dem Programm. Sechs hochkarätig besetzte Kammermusik-Abende bringen kommende Saison Raphaela Gromes und Julian Riem, das Kreisler Trio Wien und Tobias Artner, Cornelius Obonya und das Ensemble Wild, Alice Sara Ott und Ray Chen, die Academia Allegro Vivo sowie Nobuyuki Tsujii ans Festspielhaus.

www.festspielhaus.at           Video: www.youtube.com/watch?v=OCEuX85rK5w

16. 4. 2020