Museum NÖ: Der junge Hitler. 1889-1914

Februar 29, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Grundstein für Nationalismus und Rassismus

Keramik „Durch Reinheit zur Einheit“. Aus dem Nachlass Georg Ritter von Schönerer. © Stadtmuseum Zwettl – Sammlung Schönerer

Vor 75 Jahren endete mit dem Zweiten Weltkrieg auch der Holocaust, beides entfesselt von Adolf Hitler und den Nationalsozialisten. Das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich nimmt das zum Anlass, nach den Anfängen zu fragen: Woher kamen Militarismus, Rassen- hass und Antisemitismus? Wie weit waren sie in der Gesellschaft bereits verankert? Die Parallelerzählung „Der junge Hitler. Prägende Jahre eines Diktators. 1889-1914“ beleuchtet ab 29. Februar die frühe Biografie des späteren „Führer“ und die politischen Strömungen dieser Zeit.

Porträt von Mutter Klara Hitler. © ÖNB/Wien

Hitlers Vater Alois, in seiner Uniform als Zollbeamter, um 1890. © ÖNB/Wien

Der 16-jährige Adolf Hitler, gezeichnet vom Mitschüler Sturmlechner in der Realschule Steyr, 1905. © Sammlung Rauch/Interfoto/picturedesk.com

„Die Ausstellung eignet sich nicht zur Heldenverehrung. Anhand authentischer Dokumente zeichnet sich vielmehr das Bild eines früh Gescheiterten ab und eines Außenseiters, der stets die Umwelt für eigenes Versagen verantwortlich macht“, schließt Christian Rapp, wissenschaftlicher Leiter des Hauses, jedes Missverständnis aus. „Ganz wichtig ist es uns gleichzeitig, die düsteren Seiten der Jahrhundertwende darzustellen. Viele Objekte der Ausstellung machen deutlich, wie die Politiker jener Zeit mit Ängsten und Vorurteilen Stimmung gemacht haben, ob es sich um den radikalen Deutschnationalen Georg von Schönerer handelt oder um den antisemitischen Bürgermeister Karl Lueger. Ihre Parolen haben sie in ihren Reden, ihren Zeitungen, aber auch auf Werbemarken und auf Zierporzellan verbreitet. Mit Objekten und Bildern lassen sich auch die abstrusen Lehren von Rassen- hygienikern gut dokumentieren, die rassistische Überheblichkeit der Europäer als Kolonialherren, die Frauen- feindlichkeit und die Kriegsbegeisterung. Sie prägen Adolf Hitler und seine Zeitgenossen“, so Rapp.

„Über die Kindheit und Jugend von Adolf Hitler wurde schon viel geschrieben und publiziert. Aufgabe unserer wissenschaftlichen Aufarbeitung war es nun, akribisch Geschichte von Geschichten zu trennen“, ergänzt Hannes Leidinger, der gemeinsam mit Rapp ein Buch zum Thema veröffentlicht hat. „Wichtig war es uns, neuerlich an die Quellen zu gehen und die neuen elektronischen Recherchemethoden zu nutzen. Außerdem war uns erstmals der Nachlass seines Jugendfreundes August Kubizek zugänglich. Wir zeigen daraus einige aufschlussreiche Originale wie ein Notenblatt, das entstand, als Adolf Hitler sich als Opernkomponist im Stile Richard Wagners versucht hat. Hier wird die fatale Selbstüberschätzung bereits sichtbar“, so Leidinger.

Das Parlament – Aquarell von Adolf Hitler. © Verlag Alinari

Michaelerplatz – Aquarell von Adolf Hitler. © Verlag Alinari

Die Schau wird von zahlreichen Veranstaltungen begleitet. Am 3. März zum Beispiel ist das Theaterstück „Name: Sophie Scholl“ mit Bettina Kerl in der Hauptrolle als Gastspiel des Landestheater Niederösterreich zu Gast. Am 10. März diskutieren Christian Rapp und Hannes Leidinger mit Ö1-Journalist und Buchautor Martin Haidinger im Zeitzeugen-Forum „Erzählte Geschichte“ über den „Österreicher Hitler“. Und unter dem Titel „Standup-History: Hitler – wie alles begann“ gibt es mit Florian Graf, Christian Rapp und Benedikt Vogl am 4. März einen Abend im Ateliertheater Wien, der am 1. April ins Haus der Geschichte kommt.

www.museumnoe.at           www.landestheater.net           www.ateliertheater.net

29. 2. 2020